Lübeck - Neubauten im Gründerviertel

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Ich sehe das inhaltlich genauso wie Du - habe ich ja in meinem obigen Artikel über die unglaublich bereichernde Wirkung einiger eingestreuter Rekonstruktionen geschrieben. Man kann das Ausbleiben von Rekonstruktionen aber jetzt nicht unbedingt den am Bau beteiligten Architekten anlasten. Vielmehr hätte man im Vorwege ein paar wenige Rekonstruktionen als verbindliche Leitbauten vorgeben müssen. Immerhin wurden Rekos nach anfänglicher Ablehnung dann ganz am Ende des Planungsprozesses doch noch auf freiwilliger Basis erlaubt - nur genützt hat das bekanntlich leider nicht viel.

      Warum erstens die Planungsvorgabe von Rekos als Leitbauten ausblieb, kann wohl zum großen Teil damit begründet werden, dass anders als beispielweise in Elbing, wo nach dem Krieg quasi kein Stein mehr auf dem anderen stand (wenn ich es mir bei Google Maps so ansehe), aber in Lübeck noch ca. 80% der Altstadt erhalten waren (heute nach vielen, teilweise schlimmen Abrissen seit dem Krieg vielleicht noch 70%). Da ist die Ausgangssituation eine ganz andere, will sagen, der Leidensdruck sicher nicht so hoch, weil eben noch derart viel vorhanden ist. Man wollte dies halt mit zeitgenössischer Architektur "ergänzen". Ob das wirklich der richtige Weg war, sei dahingestellt. Wenn einst alles fertig ist, wird man es wohl wissen.

      Und warum zweitens trotz "Erlaubnis" bisher nur eine einzige Reko bei 40 Häusern kommt, wird zum einen wohl daran liegen, dass viele Bauherren die höheren Kosten scheuen (gerade die sehr reko-würdigen Fassaden sind mit ihren Formsteinen und Sandstein-Portalen sicher deutlich kostenintensiver), zum anderen wird es sicher auch Bauherren geben - wenn ich mir einige Fassaden so ansehe - die lediglich ein Haus in sehr wertstabiler zentraler Lage haben wollen und denen die Historie entweder nicht ausreichend bekannt oder - was schlimmer wäre - reichlich egal ist.
      Und es gibt natürlich auch die Bauherren, die dem Gründungsviertel durchaus etwas von seiner einstigen Erhabenheit wiedergeben wollen, allerdings in moderner Form. Das sind dann immerhin die - in unserem Sinne - "besseren", weil ortstypische historische Elemente aufgreifenden Fassaden. Das ist zwar sehr löblich, aber Rekonstruktionen bringt das ebenfalls nicht.
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)
    • Neu

      erbse schrieb:

      Und wie kam es dazu?
      Ich war im letzten Jahr bei einer Veranstaltung des Architekturforums Lübeck, bei der Architekt und Bauherr der Reko Fischstraße 17 das Projekt ausführlich vorstellten. Es wurde erklärt, dass man sich von vornherein mit der Absicht um ein Grundstück bewarb, eine historische Fassade zu rekonstruieren. Der Zuschlag fiel dann tatsächlich auf das favorisierte Grundstück Fischstraße 17. Weiterhin wurde erzählt, dass für den Bauherrn allerdings nur eine Putzfassade als Reko in Frage kam. Warum, wurde leider nicht gesagt - wohl aus Kostengründen. Schade, denn die wichtigsten Fassaden der Straße waren gerade keine Putzfassaden. Aber eine steingenaue Rekonstruktion ist sicher extrem aufwändig.
      Erwähnt wurde auch noch, dass man eigentlich davon ausging, dass sich noch mehr Bauherren für Rekonstruktionen entscheiden würden und man nicht damit rechnete, die einzige Reko zu bleiben.

      Hier das wohl beste Bild von Fischstraße 17 vor der Zerstörung (in der Bildmitte, eine sehr schlichte Fassade). Rechts daneben die sehr viel wichtigere Fischstraße 19, die leider nicht rekonstruiert wird, aber (hoffentlich) immerhin in ähnlicher Form kommen soll.
      Das Foto ist von 1935 - ich bin mir nicht sicher, ob es bereits gemeinfrei ist, daher nur als Link und keine direkte Einbindung als Bild.

      Hier übrigens der wohl aktuelle Stand zu Fischstraße 19- es gab offenbar noch Überarbeitungen im Vergleich zu der im Gestaltungsbeirat vorgestellten Version (siehe meine Gesamtübersicht der Entwürfe auf der vorigen Seite). Die Überarbeitungen sind leider nicht durchweg positiv. Das EG hat sich meiner Meinung nach verschlechtert und die mittlere Giebelstaffel wurde stark erhöht und damit offensichtlich dem fehlerhaften Nachbau in der Mengstraße 6 angeglichen, während der Erstentwurf mehr den Proportionen der historischen Fassade in der Fischstraße entsprach, die - zumindest im letzten bekannten Zustand - eine deutlich niedrigeren mittlere Staffel aufwies. Aber ich will nicht groß meckern und wäre auch mit dem überarbeiteten Entwurf sehr zufrieden.
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)