Lübeck - Neubauten im Gründerviertel

  • Danke für die Erläuterung! Das wusste ich nicht. Dachte erst, es sei Teil der Neubebauung. Dann würde ich sagen, dass man mit den neuen Gebäuden -bis auf die paar Spitzgiebel- immerhin leben kann :-) Bin gespannt auf das endgültige Ergebnis.

  • Ein Rückblick


    Da hier verschiedentlich eine deutliche Kritik, bisweilen gar Ablehnung der Neubauten geäußert wird, halte ich es für an der Zeit einmal zu zeigen, woher wir denn überhaupt kommen.

    Ich glaube, die folgenden Bilder relativieren vieles und zeigen deutlich, was trotz der zugegebenermaßen vorhandenen Unzulänglichkeiten an Stadtreparatur erreicht wurde:


    Abb. 1: Das Gründungsviertel am 7.9.2008 vom St.-Petri-Turm aufgenommen. Das da noch ganz neue Studentenwohnheim in der Fischstraße liefert einen Orientierungspunkt. Links davon die Berufsschulen beidseits der mittleren Fischstraße. Hinten links der Bildmitte die historischen Häuser in der Mengstraße.



    Abb.2: Die Alfstraße am 3.4.2013. Die Schule ist zum bevorstehenden Abriss eingezäunt. Die Marienkirche hat am Nordturm bereits das noch immer vorhandene Gerüst! :kopfschuetteln:



    Abb. 3: Die Gerade Querstraße am 3.4.2013. Ganz rechts das heute noch vorhandene Bedué-Haus Ecke Fischstraße/Einhäuschen Querstraße



    Abb. 4: Die Fischstraße am 25.10.2009. Unter dem flachen, kellerlosen Glasgang links hatten sich die historischen Kellerreste Fischstraße 24-28 erhalten, die in die Neubauten integriert wurden.



    Abb. 5: Noch einmal Fischstraße am 25.10.2009. Die rechte, zuerst abgerissene Schule steht da noch. Unter dem ehemaligen Parkplatz an der Einhäuschen-Querstraße laufen bereits Ausgrabungen. Das Mosaik - Kunst am Bau aus der Entstehungszeit der Schulen - wurde meines Wissens nach leider nicht ausgebaut und mit dem Abriss vernichtet. Das hätte man ja zumindest als kleine Reminiszenz an die Schulen retten und in einen der Neubauten integrieren können.



    Abb. 6: Einhäuschen-Querstraße am 25.10.2009. Rechts die Eckbebauung an der Braunstraße.



    Abb. 7: Blick von der Braunstraße zu Fischstraße am 25.10.2009. Zu sehen ist die Ausgrabung auf dem Gelände des sich hier vormals befindenden Parkplatzes. Hier entsteht gerade die Tiefgarage des Investorengrundstücks.


    Aus der Braunstraße konnte ich jetzt auf die Schnelle leider kein Bild finden.


    Den Vergleich mit meinen Bildern von heute (siehe ein paar Beiträge weiter oben) möge nun jeder selbst anstellen und für sich beurteilen.


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    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Da hier verschiedentlich eine deutliche Kritik, bisweilen gar Ablehnung der Neubauten geäußert wird

    Wobei ich die Kritik hier immer auf hohem Niveau ansah. Ich denke, dass sich die Kritiken meistens auf die gleichen Häuser bezog, jene mit fantasielosen Giebelkonturen, und oft auf die zweiflügeligen, sprossenlosen Fenster. Und die meisten Bauten, die hier kritisiert wurden, fanden auch deine Kritik :wink: . Aber von den grossen Altstadtrekonstruktionsprojekten in Deutschland der letzten Jahre - also Dresden und Frankfurt - sticht meiner Meinung nach Lübeck weit oben heraus.


    Zu Dresden fallen mir folgende Stichworte spontan ein: Grossinvestoren, Tiefgaragen, Styroporfassaden, 'gesuchte' Füllbauten, eigenartiger Baubürgermeister (am Anfang), Dachgaubenorgien, Flachdächer hinter einseitigen Satteldächern... für mich die unsympatischste Stadtreparatur der drei angesprochenen Städte.


    Zu Frankfurt: viele tolle Rekonstruktionen, zu viele gesuchte moderne Füllbauten, die einzelne Häuserzeilen förmlich auseinanderreissen, Vorschriften, Vorschriften und nochmals Vorschriften über die Vermietung (schon fast kommunistisch), Realisierung durch einen Generalunternehmer.


    Und in Lübeck sind es wirklich mehrheitlich private Bauherren, und bei den moderneren Bauten sehe ich immer etwas 'Lübeck-typisches'. Kritikpunkte sind hier, dass es fast keine Rekonstruktionen gab oder gibt, und die dritte Dimension der Fassaden wurde oft zu wenig berücksichtigt.

  • Na ja, mit DD oder F kann sich das Lübecker Projekt mangels Rekos jetzt nicht messen. Auch mit Ulms Neuer Mitte ist es nicht vergleichbar, da dort bedingungslos auf Moderne gesetzt worden ist. Der Lübecker Versuch steht so einzigartig da wie die Ausgangssituation: großflächig erhaltene Altstadtreste und eine verlorene Kernaltstadt mit typisch miesem BRD-Wiederaufbau. Und ob dessen Beseitigung ist dieses Projekt in erster Linie zu loben- woanders krallt man sich an diesen banalen Not- und Behelfsbauten fest, ja lobt sie noch, denn sie haben ja ein Dach und sind von Materialität und Kubatur ach so wunderbar angepasst. Woanders werden sie zum "Flächendenkmal" erklärt.


    woher wir denn überhaupt kommen.


    Weiß gar nicht, ob es hier nicht ein paar gibt, die dem "Altbestand" insgeheim oder offen nachtrauern, wie es zumindest bei anderen Städten zu beobachten ist. Von mir aus können diese Relikte einer Zeit, die jegliche Ästhetik so mit Füßen trat, gar nicht schnell genug verschwinden.


    Das Mosaik - Kunst am Bau aus der Entstehungszeit der Schulen - wurde meines Wissens nach leider nicht ausgebaut und mit dem Abriss vernichtet. Das hätte man ja zumindest als kleine Reminiszenz an die Schulen retten und in einen der Neubauten integrieren können.

    Nein, bitte nein! Seien wir über alles froh, was aus dieser Zeit so schnell wie möglich und ohne Wenn und Aber verschwindet. Solche Belanglosigkeiten haben wir doch mehr als genug! Man bedenke, was diese Integration womöglich für strukturelle Eingriffe in die neue Altstadt erfordert hätte... Denn der formale Sinn - die Alibiaufhübschung einer trostlosen Giebelwand, die ansonsten als reine Feuermauer erschiene, ergibt sich glücklicherweise nicht mehr in dem neuen Konzept. Der saubere Schlussstrich ist zu bevorzugen.

    Abgesehen davon: ist dieses "Mosaik" nicht doch in Wirklichkeit abgrundtief hässlich und dem reinen Unvermögen bzw Kostensparungsgründen entsprungen?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Na ja, mit DD oder F kann sich das Lübecker Projekt mangels Rekos jetzt nicht messen.

    Bezüglich mangelnden Rekonstruktionen pflichte ich Dir bei. Ich sehe den Vergleich der drei Altstädte eher unter dem Aspekt, dass hier 'Altstadtrekonstruktion' betrieben wurde. Eine solche besteht aber nicht nur aus Rekonstruktion von Einzelbauten, sondern auch aus der Rekonstruktion des Strassen-und Platzgrundrisses, also der historischen Baufluchten. 'Rekonstruktion' kann für mich aber auch die Wiederherstellung des ortstypischen Altstadtgefühls bedeuten, also der Wieder- und Neuverwendung von ortstypischen Materialien und Formen.


    Betrachten wir zum letzten Aspekt mal die modernen Neubauten in der Dresdener Altstadt: Ich kann dort beim besten Willen bei den meisten Bauten nichts Derartiges erkennen; vielmehr sind sie oft eine Hommage an die Plattenbauten (grobschlächtige Elemente, Fugen, Rasteroptik...), und das beisst sich dort. Altstadt und Plattenbauten - das kann in den seltensten Fällen gut gehen. Es hat zwar in einigen ostdeutschen Städten Bestrebungen gegeben, Plattenbauten durch Variationen an einzelnen Elementen 'altstadtgerechter' erscheinen zu lassen, sei es durch Schrägstellungen einzelner Plattenelemente, um Dächer vorzutäuschen, Verwendung von Elementen mit Erkern, unterschiedlichen Materialien etc. (in Halle haben wir dieses Thema schon mehrmals gestreift, z.B. hier). Dies berechtigt aber nicht, dieses Formenvokabular für die Rekonstruktion von Altstädten neu zu interpretieren, denn der Plattenbau verdrängte ja gerade die historischen Altstädte. Auch mit der sogenannt fünften Fassade, der Dachlandschaft, kann Dresden nicht mal bei den Rekonstruktionen punkten.


    Die modernen Neubauten in Frankfurt stehen diesbezüglich besser da: sie nehmen wenigstens die wesentlichsten regionaltypischen Formen der historischen Altstadt wieder auf (Auskragungen, steile Giebel, Reihenfenster, ab und zu auch die Materialisierung mit Schiefer und Verputz). Zu oft sind dort aber auch extravagante Lösungen realisiert worden, die einfach gesucht modern und gleichzeitig regionaltypisch erscheinen wollen, aber in die Hosen gegangen sind. Dort gibt es Fassaden mit Sichtbackstein und solche mit Holzverschalungen, die in der neuen Altstadt einfach nichts verloren haben.


    Diese Kritikpunkte an Dresden und Frankfurt kann ich in Lübeck nirgends feststellen, und das fasziniert mich an diesem wiedergewonnenen Altstadtviertel. Deshalb gebe ich Lübeck auch trotz fehlender Rekonstruktionen den 1. Platz auf dem Siegerpodest. Einziger - oder besser gesagt Hauptwermutstropfen ist dort die Verschiebung der Einhäuschen Querstrasse Krummen Querstrasse.

  • Im Gründerviertel hätte ich Rekos zwar begrüsst, aber sie waren nicht notwendig. Denn hier ging es echt um Stadtreparatur, nicht um Wiederaufbau. Lübeck war schliesslich, mit ihren 1000 erhaltenen historischen Häusern, wesentlich weniger zerstört als Dresden oder Frankfurt, und gehört mit Recht zum Weltkulturerbe. Gerade deswegen finde ich das Gründerviertel so bemerkenswert: weil es nicht notwendig war!


    Dagegen sind in Dresden und Frankfurt die Leistungen von anderer Größenordnung. Mit dem Neumarkt hat Dresden, Deutschlands ehemals schönste Großstadt, ihr barockes Herz wieder. Hier sind tatsächlich die wichtigsten Fassaden wieder zu erleben: ein Traum! Und Frankfurt, eine beträchtliche moderne Großstadt, hat endlich eine sichtbare Verbindung mit ihrer mittelalterlichen Vergangenheit wiederhergestellt.


    Ich begrüße alle drei Projekte von ganzem Herzen!

  • Gerade deswegen finde ich das Gründerviertel so bemerkenswert: weil es nicht notwendig war!

    Na ja. Das GV war die städtische Entsprechung einer zusehends verstopften Arterie. Der Organismus mag noch lebensfähig sein, aber der Entzündungsherd hat Folgen. Die Bereinigung und Stent-Setzung sorgt auf jeden Fall für ein gesünderes Gemeinwesen.

  • Fotos vom 26.6.2021 - Teil 1


    Abb. 1: Jetzt zeigt sich auch Fischstraße 28 ohne Gerüst. Ich bin hin- und hergerissen. Auf den ersten Blick gar nicht so schlecht, weil Stufengiebel und oben endlich einmal etwas Plastitzität in Form dreier Blendnischen. Aber beim genauen Hinsehen gibt es doch viele Negativpunkte:

    - Die obere Giebelstaffel ist zu schmal geraten - warum auch immer man das so gemacht hat

    - Die Steine wirken in der Realität sehr/zu dunkel

    - Das EG wirkt sehr gedrungen - sind das wirklich die vorgeschriebenen 4,5m Mindesthöhe? Ich habe da meine Zweifel.

    - Durch die sehr großen Fenster haben wir im 1. und 2. OG eher eine Raster- denn eine Lochfassade, sehr grenzwertig, es sollten ausdrücklich Lochfassaden sein

    - Die durch die bodentiefen Fenster notwendig gewordenen Absturzgitter stören extrem. Solche Gitter sind hier eigentlich auch unerwünscht. Im Gestaltungsleitfaden für das Viertel liest man auf Seite 47 zu dem Thema folgendes:

    Quote

    Fenster

    ...

    Annähernd fassadenbündige und nach außen aufschlagende Fenster entsprechen am ehesten der Gestaltung in der Lübecker Altstadt. Letztere haben gegenüber nach innen aufschlagenden auch den großen Vorteil, dass bei bodentiefer Ausführung die dann notwendigen Absturzgitter innen angebracht werden können und weder als Gestaltelement die Ansicht prägen noch in teurer Glasausführung nur scheinbar versteckt werden.

    Keine Ahnung, warum sie hier so genehmigt wurden.

    - Das linke der drei Fenster im 3. OG (untere Reihe im Dachbereich) wurde offenbar verkehrtherum eingebaut! Ist das ein Versehen oder Absicht? In der Visualisierung ist die schmale Scheibe links außen. Das wäre dann auch symmetrisch innerhalb des Stockwerks und zudem passend zur darüberliegenden Blendnische!



    Abb. 2: Fischstraße 28, oberer Teil. Hier ist ein weiterer Negativpunkt zu sehen: Die Fenster liegen viel zu tief in der Fassade. Das war nur im Dachbereich (Thema "Speicherluken") gewünscht - darunter sollten sie möglichst dicht an der Fassadenoberfläche liegen (siehe auch obiges Zitat aus dem Leitfaden). Der Architekt hat den Leitfaden in diesem Punkt offensichtlich ignoriert, und der Beirat hat das alles ohne Beanstandung durchgewunken. Motto offenbar: "Was scheren uns unsere eigenen Regeln"...



    Abb. 3: Fischstraße 28, EG. Die Rustizierung ist ein kleiner Lichtblick, aber auch hier liegen die Fenster zu tief in der Fassade. Und: Das gedrungene EG hätte optisch deutlich höher gewirkt, wenn man die Rustizierung bis unter die Fenster im 1. OG hochgezogen hätte.



    Abb. 4: Fischstraße 28, Rückfassade. Hier ist gut zu sehen, dass das Haus hinten deutlich breiter ist als an der Straße, bedingt durch die Beibehaltung des historischen Eckparzelle an der ehemaligen Krummen Querstraße.


    In diesem Zusammenhang sei eine kleine Korrektur erlaubt:

    Einziger - oder besser gesagt Hauptwermutstropfen ist dort die Verschiebung der Einhäuschen Querstrasse.

    Die Einhäuschen-Querstraße wurde nur ganz geringfügig verschoben und liegt zumindest teilweise sogar noch auf ihrem alten Verlauf. Du meintest sicher die Krumme Querstraße, die um zwei Parzellen nach Westen/bergab gewandert ist, begradigt wurde (und dadurch völlig ihren ehemaligen Charme verlor) und zudem der Geraden Querstraße, zugeschlagen wurde, die urpsrüngliche nur zwischen Alf- und Mengstraße verlief. Neben der Verschiebung wurde also auch der Straßenname aus dem als Welterbe gerühmten historischen Stadtgrundriss getilgt.



    Abb. 5: Blick über die Baustelle der Tiefgarage Richtung Fischstraße. Hier hat sich im Vergleich zu meiner letzten Bilderserie vom 11.6. optisch nicht so sehr viel getan, aber die Herstellung der Verschalung ist bestimmt sehr aufwändig.



    Abb. 6: Es folgen ein paar Erdgeschossaufnahmen, da ich die EGs bei den meisten Häusern für gelungen halte. Hier: EG Fischstraße 24; es ist inzwischen fertig. Die Höhe des Erdgeschosses ist absolut beeindruckend, wenn man direkt davorsteht. Das kommt auf den Foto gar nicht so gut heraus: Ich bin knapp 1,80m groß, und die Unterkante der Fenster liegt auf meiner Augenhöhe, so dass ich nicht hineinsehen kann! Man kommt sich da richtig klein vor. Fischstraße 24 ist übrigens die einzige Fassade des Neubaugebiets mit Kellerfenstern.



    Abb. 7: EG Fischstraße 21. Trotz der verschiedenen Formen und Farben finde ich es gelungen - na gut, das Rot hätte ich nicht unbedingt gebraucht und verstehe diese zwei verschiedenen Rahmenfarben auch nicht so ganz. Das Grau in der Mitte ist doch viel angenehmer und passender zum Klinker...



    Abb. 8: EG Fischstraße 19. Schöne Fenster - hoffentlich wird die Tür einigermaßen passend.


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  • Fotos vom 26.6.2021 - Teil 2


    Abb. 9: Fischstraße 24 und 22. Bei Nr. 22 wird inzwischen bereits der Dachstuhl erstellt.



    Abb. 10: Fischstraße 22, Giebel. Hier sieht man die verkümmerten Giebelstaffeln schon gut. Zu mehr hat man sich leider nicht durchringen können. Die fehlenden "Voll-Staffeln" werden dem Haus leider optisch die notwendige Höhe nehmen, um ein harmonisches Straßenbild mit den beiden Nachbarhäusern zu bilden. Was ich meine, ist links am Anschluss zu Nr. 24 zu sehen. Sehr schade.



    Abb. 11: Fischstraße 11 und 13. Bei Nr. 13 ist die Verklinkerung fast fertig. Was soll ich sagen - es wird eines der besten Häuser werden, wenn nicht sogar das beste! Hier wurden endlich einmal auf übergroße Fenster verzichtet und die Gestaltungsmerkmale der historischen Häuser aufgegriffen.



    Abb. 12: Noch einmal Fischstraße 13. In meinen Augen erweckt das den Eindruck eines historischen Hauses, bei dem man vorübergehend die Fenster zwecks Renovierung ausgebaut hat. Sehr schön!!! Ich bin schon sehr auf das Endergebnis gespannt. Sehr schade, dass das Haus nicht direkt neben der Reko Nr. 17 steht und Nr. 15 dazwischen wohl leider ein "modernes Dreieck" werden wird, wenn da nicht noch ein Wunder geschieht.



    Abb. 13: Weil es mir so gut gefällt, hier noch ein Foto der Fassade



    Abb. 14: Fischstraße 13 und 11, Rückseiten. Auch wenn die Rückseite etwas moderner ist: Selbst mit dem wohl steilsten Dach des Viertels nähert sich Nr. 13 dem Aussehen der historischen Häuser an! :thumbsup:


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  • Fotos vom 26.6.2021 - Teil 1


    In meinen Augen zeigt dieser Neubau sehr gut, wie stark schlechte Proportionen ein eigentlich mit vielen positiven Merkmalen gestaltetes Gebäude verhunzen können.


    In der Quantität lassen sich einige traditionelle Architekturmerkmale aufzählen, was frank1204 ja auch gemacht hat: Treppengiebel, Blendnischen, und eine Backsteinfassade. Allein - das alles hilft nichts, wenn das visuellle Grundgerüst, die Proportionierung der gesamten Fassade, misslungen ist.


    In meinen Augen ist das grundlegende Problem mal wieder die zu niedrige Stockwerkshöhe. Die fehlende vertikale Ausrichtung der Fassade versucht man ja heute, wie auch hier, mit bodentiefen Fenstern zu kaschieren. Die Fenster haben dadurch ein stimmigeres Seitenverhältnis, aber die Fassade wird zu sehr von Fensterflächen dominiert.


    Ich habe mir mal erlaubt, die bodentiefen Fenster aus dem Bild oben in nicht bodentiefe Fenster umzuwandeln:



    Jetzt wird die Fassade zwar nicht mehr durch Glasflächen dominiert, aber diese horizontal ausgerichteten Fensterbänder mit mehr breiten als hohen Fenstern erinnern mich an die misslungenen 50er-Jahre-Adaptionen am Kölner Alter Markt. Besser wird das Gebäude so nicht.


    Deswegen habe ich versucht, noch eine Version mit den früher üblichen Stockwerkshöhen zu bauen:



    Da merkt man mal wieder, Herumnörgeln ist einfach, aber es selber besser machen gar nicht so leicht. Da bräuchte man jetzt einen geschulten Architekten, der mit Proportionen umzugehen weiß. Am meisten stört mich der massive obere Teil des Treppengiebels. Er wirkt viel zu wuchtig. Um das Problem zu lösen, müsste man wohl die grobe Unterteilung des Treppengiebels feiner auflösen, aber dann käme ein ganz anderes Gebäude heraus.

    Aber vielleicht finden wir hier auch den Grund, wieso früher keiner Treppengiebel mit so großen Stufen gebaut hat: Weil sie einfach nicht gut aussehen...


    Insgesamt würde mir die Fassade in der unteren Version aber besser gefallen. Aber hier kollidiert man natürlich wieder mit Wirtschaftsinteressen, denn das Gebäude hätte nur 4 Geschosse statt 5.

  • Mit diesen völlig falsch proportionierten und billigen Fenstern ist dieses Haus eine eindeutige Schwachstelle im gesamten Gründerviertel. Schaut man auf die alt aussehenden Backsteine (was ein Pluspunkt hätte sein können), so hat man den Eindruck, vor einem dieser alten Lübecker Häuser zu stehen, die in den 1960er/70er Jahren insbesondere durch Änderung der Fensteröffnungen verhunzt worden waren.

  • Die Einhäuschen-Querstraße wurde nur ganz geringfügig verschoben und liegt zumindest teilweise sogar noch auf ihrem alten Verlauf. Du meintest sicher die Krumme Querstraße, die um zwei Parzellen nach Westen/bergab gewandert ist,

    Ja, die Krumme Querstrasse meinte ich natürlich. Ich werde es weiter oben korrigieren.

  • Wirklich schade, dass sich neben der Fischstraße 18 nun auch die 28 dem Gestaltungsleitfaden widersetzt.

  • Sind für diese Halle am Markt eigentlich Bestechungsgelder geflossen oder wie genau konnte etwas, das sich wirklich überhaupt nicht anpasst und an zentraler Stelle in einer Weltkulturerbe Altstadt steht, genehmigt werden?

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Sind für diese Halle am Markt eigentlich Bestechungsgelder geflossen oder wie genau konnte etwas, das sich wirklich überhaupt nicht anpasst und an zentraler Stelle in einer Weltkulturerbe Altstadt steht, genehmigt werden?

    Bestechungsgelder wohl nicht, zumindest würde ich das nicht behaupten wollen, aber es lief in der Tat sehr unlauter. Die Kiste wurde vom damaligen BM Saxe gegen alle Widerstände, insbesondere gegen das Votum seiner eigenen Denkmalpflege durchgedrückt (das gleiche gutsherrliche Verhalten sehen wir ja heute bei BM Lindenau beim Buddenbrookhaus(-keller)).

    Es wurde kurz vor Baubeginn 2002 noch eine Alibi-Unesco-Konferenz abgehalten, auf der den Unesco-Vertretern weisgemacht wurde, dass bereits alle Verträge mit dem Investor und P&C als Mieter rechtsgültig abgeschlossen und nicht mehr aufzuheben seien - was wohl glatt gelogen war. Die Unesco-Leute nahmen das leider ohne Hinterfragung hin, so dass das Unheil dann seinen Lauf nehmen konnte. :wuetenspringen:

    Aber das Thema ist hier eigentlich im falschen Strang.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Da merkt man mal wieder, Herumnörgeln ist einfach, aber es selber besser machen gar nicht so leicht. Da bräuchte man jetzt einen geschulten Architekten, der mit Proportionen umzugehen weiß. Am meisten stört mich der massive obere Teil des Treppengiebels. Er wirkt viel zu wuchtig. Um das Problem zu lösen, müsste man wohl die grobe Unterteilung des Treppengiebels feiner auflösen, aber dann käme ein ganz anderes Gebäude heraus.

    In meinen Augen funktioniert es, indem man das Haus per Gradient von oben nach unten staucht, also oben viel Stauchung, unten wenig:


  • Abb. 1: Jetzt zeigt sich auch Fischstraße 28 ohne Gerüst.

    Eine weitere Modifizierung des Gebäudes Fischstraße 28, welche die Mängel des Neubaus mit Hilfe der traditionellen Fenstergestaltung unter Beibehaltung der äußeren Kubatur und Absetzung des Erdgeschosses auflöst: