Lübeck - Neubauten im Gründerviertel

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    Da ich ja lange Zeit die Chance hatte in beiden Teilen Deutschlands wohnen zu dürfen, habe ich in meiner Zeit im Osten - und hier vor allem in Sachsen - ein viel ausgeprägteres Gespür für einen demokratischen Zugang als auch bürgerschaftliches Engagement generell wahrnehmen können

    Diese vorangestellte Begründung ist völlig unverständlich bzw grammatikalisch völlig verunglückt.


    Und was ist das für eine "logische" Konstruktion:


    Quote

    Die Ostdeutschen ... sind in genau solchen Angelegenheiten nicht etwas naiv und leichtgläubig wie die meisten Westdeutschen


    Würde die Entscheidungsfindung über die Bebauung heute stattfinden, dann kämen die Lübecker an die "Erfolgsstories" aus Dresden, Potsdam und nun auch Frankfurt nicht umhin!

    Wieso, bitte? Die Westdeutschen sind doch viel leichtgläubiger und naiver als die Ostdeutschen, haben wir grad gehört? Warum kämen dann die Lübecker plötzlich nicht umhin, so wenig leichtgläubig und naiv wie die Ostdeutschen zu sein? Sind sie in kürzester Zeit um so viel klüger geworden? Wählen sie plötzlich nicht mehr # ?Und sollte mit "Frankfurt" tatsächlich die halbe Stadt an der Oder gemeint sein? Das andere FF liegt doch im Westen, wo man naiv und leichtgläubig ist? Wie reimt sich das alles?`

    Und am Ende ist das Ergebnis in Lübeck noch "wunderschön"? Trotz oder wegen aller Naivität und Leichtgläubigkeit? Was jetzt? Alles richtig gemacht? Bei der Note "wunderschön" könnte man dies doch annehmen?

    Letztlich handelt es sich um eine bei diesem Kommentator übliche sinnbefreite Aneinanderreihung von Stehsätzen und Leerformeln.


    Der Unterschied zwischen genannten Städten besteht in Wahrheit darin:

    DD und FF wurden vollständig zerstört, Potsdam zu großen Teilen, was das eigentliche alte Stadtzentrum betrifft. Diese Städte haben zuw Wiedererlangung ihrer Identität eine Rekonstruktion alter stadtbildprägender Häuser und Paläste dringend nötig. In Lübeck ist ein großer Althaustand übriggeblieben, da ist man nicht auf ein paar Rekos angewiesen. Darin ist das Gründerviertel-Projekt am ehesten mit Ulms Neuer Mitte zu vergleichen. Alles andere hinkt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Fotos vom 21.5.2020 - Teil 1


    Bei schönem Wetter, aber dann durch die Wolken doch teilweise schwierigen Lichtverhältnissen (die Kirchen waren leider immer irgendwie dunkel) habe ich heute mal wieder einen Rundgang gemacht. Die Fotos folgen hier in zwei Teilen:


    Abb.1: Braunstraße. Die vier schon seit einiger Zeit fertigen Häuser Nr. 22-28. Hinten ist der inzwischen weit fortgeschrittene Neubau Nr. 14 zu sehen.



    Abb.2: Braunstraße, oberer Teil mit dem Rohbau von Nr. 14 und rechts daneben den vier historischen Häusern Nr. 6-12.



    Abb.3: Braunstraße 12 und 14, Rückseiten von der Fischstraße aus gesehen mit St. Petri. Ich hätte nicht gedacht, dass Nr. 14 dann doch genauso hoch wird wie die historische Nr. 12. Das hatte ich im Entwurf unterschätzt. Das 2. OG ist dann ja doch ein Vollgeschoss geworden. In Kürze müsste der Dachstuhl kommen. Interessantes Detail: Die hohe historische Brandmauer zwischen den Häusern.



    Abb.4: Sprung zur Alfstraße. Die Nummern 21 un 23 schreiten weiter voran.



    Abb.5: Alfstraße 23. Hier wird bereits der Giebel gemauert - es sieht momentan nach Treppengiebel aus, wird es aber leider nicht. Auch hier sollte der Dachstuhl bald gerichtet werden.



    Abb. 6: Interessante Perspektive - die Südseite der Alfstraße mit St. Marien und St. Petri.



    Abb.7: Nun um die Ecke in die Gerade Querstraße: Nr. 3 hat jetzt die letztens noch fehlenden Fenster bekommen, Rechts wieder St. Petri.



    Abb.8: Gerade Querstraße 3 in Frontalansicht - das Bild habe ich aus zwei Fotos zusammengefügt. Mir fällt gerade auf, dass das mittlere Fenster im 1. OG offenbar kleiner ist als die anderen. Sieht etwas merkürdig aus, musste aber wohl aus statischen Gründen wegen des Zwerchgiebels so sein.


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    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Fotos vom 21.5.2020 - Teil 2


    Teil 2 zeigt den noch fehlenden Stand der Fischstraße:


    Abb.1: Die schon seit einiger Zeit fertigen Häuser Fischstraße 5, 7-9 und hinten Nr. 17.



    Abb.2: Los geht es jetzt auch bei Fischtraße 11. Zu sehen sind Bohrpfähle zwischen den auf diesem Grundstück zu erhaltenden historischen Kellerresten, die das neue Haus tragen sollen. In der Mitte sind zwei Pfeiler des alten Kellergewölbes zu sehen. Das ist insgesamt leider ein ganz schöner Pfeilerwald geworden. Da werden die historsichen Reste nicht wirklich zur Geltung kommen. Interessantes Detail links: Da die historische Kelleraußenwand gleichzeitig die gemeinsame Brandmauer mit Nr. 7-9 bildete, musste dessen Kellerwand um die Breite der historischen Mauer zurückgesetzt werden, so dass die OGs hier vorkragen. Der Keller von Nr. 11 wird dann offensichtlich um dieses Stück unter die oberirdischen Geschosse von Nr. 7-9 reichen. Mich würde mal interessieren, wo genau hier die Grundstücksgrenze liegt und wie sich die Eigentumsverhältnisse darstellen. Dass hier wegen einem Stück alter Mauer so ein Aufwand getrieben wird, während auf den meisten anderen Grundstücken leider alles ohne Rücksicht auf Verluste weggerissen wurde - und es gab noch viel, ist schon sehr erstaunlich.



    Abb.3: Fischstraße 16 von der Braunstraße aus gesehen. Leider immer noch hinter Gerüst, aber es kann nicht mehr lange dauern.



    Abb.4: Fischstraße 16 aus der Nähe. Das EG wird jetzt verputzt, so dass die Fassade bald fertig ist. Auf diesem Bild sind die Formsteine gut zu erkennen.



    Abb.5: Noch einmal Fischstraße 16 etwas frontaler.



    Abb.6: Bei Fischstraße 18 entstehen nach langer Pause jetzt die ersten oberirdischen Wände. Dahinter die Rückseiten der Alfstraße.



    Abb.7: Fischstraße 24: Hier geht es schnell voran. Die Außenwände des 2. OGs sind fertig. Damit ist bereits die Traufhöhe erreicht. Auf den dann folgenden, dem historischen Haus nachempfundenden Giebel bin ich sehr gespannt!



    Abb.8: Blick die Fischstaße hinauf mit Nr. 24, Nr. 16 und St. Marien. Die Straße ist langsam wieder zu erahnen!



    Abb.9: Blick von der Einhäuschen Querstraße in Richtung Fischstraße.


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  • Abb.8: Gerade Querstraße 3 in Frontalansicht [...] Mir fällt gerade auf, dass das mittlere Fenster im 1. OG offenbar kleiner ist als die anderen. Sieht etwas merkürdig aus, musste aber wohl aus statischen Gründen wegen des Zwerchgiebels so sein.

    Nein, es ist fast gleich hoch wie die beiden Fenster links und rechts, es ist nur eine optische Täuschung infolge der Perspektive. Fahre mal dem horizontalen Fugenbild nach. Die Stürze sind gleich hoch, nur der Fensterfuss sitzt infolge des schrägen Simses 1 Backsteinhöhe höher. Die Fensterrahmen sind alle drei gleich hoch, aber wohl durch einen Planungsfehler verschwindet ein Teil des Fensterfusses im schrägen Sims. Die Abschrägung der seitlichen Fenstersimsen beträgt 1 Backsteinhöhe, diejenige des mittleren Fensters deren 2...




    Irgendwie merkt man, dass Lübeck einen eigenen Weg in Sachen Gestaltungssatzung gegangen ist, nicht vergleichbar mit Frankfurt, Dresden und Potsdam. Es wäre spannend, diese miteinander zu vergleichen. In Lübeck hat man wohl zu wenig Wert auf eine Analyse der historischen Bauten gelegt. Mir sind folgende Punkte aufgefallen:


    Die Stärke der Mauerkronen und Giebelwände hätte etwa auf das historische Mass von 40-50 cm festgelegt werden müssen. Bei den Häusern Fischstraße 5, 7-9 und 17 ist dies gelungen; bei den Häusern Braunstrasse 22, 24 und 28 missraten. Darauf hatte ich bereits vor einiger Zeit mal hingewiesen.

    Abb.1: Die schon seit einiger Zeit fertigen Häuser Fischstraße 5, 7-9 und hinten Nr. 17.

    Abb.1: BraunstraßeNr. 22-28.


    Auf kurzlebigen modischen Schnick-Schnack ist zu verzichten. Damit meine ich diese abgeschrägten Fensterleibungen, die in Lübeck kein Vorbild haben, aber in Berlin und Dresden bei Investorenbauten zur Zeit Gang und Gäbe sind. Siehe 1. Bild in diesem Beitrag mit Gerade Querstrasse 3 . Dasselbe gilt auch für bodentiefe Fenster sowie Fenstererker.


    Insbesondere bei den giebelständigen Fassaden sollte die Anzahl der Fensteraxen eine ungerade Anzahl haben. Somit hätte man die Probleme mit den Mauerpfeilern in Fassadenmitte nicht gehabt.

    Alfstraße

    Quelle: bildindex.de


    Auf die Gestaltung der Giebelwände (nicht Giebelabschlussformen!) hätte mehr Wert gelegt werden müssen. Bei keinem historischen Sichtbacksteinbau laufen die Lisenen oder Wandvertiefungen bis zur Giebelkante, sondern hören immer unterhalb auf. Andernfalls fransen die Giebelkanten aus.

    Alfstraße 25


    Bei Fischstrasse 16 bin ich diesbezüglich sehr gespannt. Auch die Anzahl der Fensteraxen ist hier ungerade! :smile:

    Abb.5: Noch einmal mein Lieblingshaus unter den modernen, Fischstraße 16.


    • Die Farbwahl der Sichtbacksteine hat sich am historischen Bestand zu orientieren. Entweder also naturrot oder dann hell geschlämmt, aber keinesfalls dunkle Backsteine wie bei Braunstrasse 28! Dunkle Backsteine kenne ich nur von öffentlichen Bauten, oder allenfalls als Ziereinlagen bei privaten Bauten.


    • Postmoderne Formen - insbesondere Halbkreise - sind nur äusserst sparsam zu verwenden. Solche stören mich insbesondere bei Alfstr. 31 (zuviel des Guten), Fischstr. 18 (schade, denn dieses Haus hat wirklich eine gestaltete Giebelkontur, wie wir sie bei vielen Neubauten vermissen, aber der Giebelabschluss wirkt auf mich wie eine Riesenzunge), Fischstr. 25/27 (unter einer imaginären Haustrennwand!), Braunstr. 32 (Rundbogen über Eck!), Braunstr. 16 (nach meinem Geschmack ganz grässlich!), gerade Querstr. 1 (korrigiert = Hinterhaus v. Alfstr. 31) und 5 (links und rechts vom gelben Punkt; ich dachte, die Postmoderne sei vorbei) sowie bei Einhäuschen Querstrasse die ganze Abfolge.

    Ich bin hier hart im Kritisieren dieser Halbkreise, möchte aber daran erinnern, dass es auch noch Spitzbogen, Korbbogen und Segmentbogen gibt. Niemand hat sich dieses Formenschatzes bedient...



    Für einige mögen jetzt meine 'Einschränkungen' zu restriktiv sein. Wenn man aber alle historischen Giebelfassaden in Lübeck betrachtet, entsprechen diese alle diesen Kriterien. Eine solche Fassade wäre damit aber zurecht unmöglich geworden, denn diese könnte irgendwo in Deutschland stehen:

    Abb.1: Alfstraße 13 im (fast) fertigen Zustand.

  • Riegel, bei allem gebotenen Respekt muss schon darauf hingewiesen werden, dass deine Einlassung, so fundiert sie auch ist, letztlich von dem geprägt ist, was man gemeinhin als subjektiven Geschmack bezeichnet. Und über diesen lässt sich bekanntlich nicht streiten. Das sagt man aber nur, weil ein solcher Streit unfruchtbar ergebnislos bleiben muss.

    Dein Geschmack sei dir also unbenommen, dies umso mehr, als er zweifelsohne ein guter ist.

    Ich will nur aufzeigen, dass deine Meinung nicht das ist, was von einer grauenhaften Person mit einem grauenhaften Wort und in noch grauenhafterem Zusammenhang "alternativlos" bezeichnet wurde.

    Deine Missbilligung des Halbkreissegmentes beispielsweise rührt von deinem Bild der backsteingotisch geprägten Stadt Lübeck her.

    Schau dir aber mal das Haus ganz links und dessen übernächsten Nachbarn an:

    19840-alfstra%C3%9Fe25-35-jpg

    Quelle: bildindex.de


    Auch Kreissegmente haben sogar in dieser Stadt ihre große Geschichte. Und ich muss sagen, dass ich deren häufigen Aufgriff nicht so schlecht finde. Problematischer erscheinen mir die pseudogotischen Spitzgiebel, die in dieser schmalen Form nicht besonders typisch sind. Sie werden das neue Straßenbild im Zusammenspiel mit anderen schlichten Elementen eines grundsätzlich gotischen Phänotyps prägen. Der Rundbogen ist da mE eine wichtige Auflockerung. Die vielen plumpem Treppengiebel, die ideenlosen Spitzgiebel und erst recht die noch faderen horizontalen Abschlüsse würden mE auf das Auge des Betrachters recht ermüdend wirken.

    Ob sich die Farben des Sichtbacksteins wirklich am Altbestand zu orientieren haben? Ich wage dies in Zweifel zu ziehen, überhaupt in Anbetracht der Banalität des gezeigten Hauses in der Braunstraße, eines der schwächsten im Viertel. Das letztgezeigte Haus mit seiner kühlen unprätentiösen Eleganz missfällt mir im Gegensatz dazu nicht. Wie gesagt- das ist alles Geschmacksfrage und zwar weitüberwiegend. Die historische Fundiertheit hilft nichts, wenn einem das Haus einfach nicht zusagt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ursus, danke für dein Kompliment, dass Du meinen Geschmack als 'zweifelsohne gut' bewertest. Du kennst mich nun ja schon seit Jahren in verschiedenen Bereichen des APHs. :smile: Auch die innert 15 Stunden 12 erhaltenen Likes drücken das aus, wofür ich mich bei allen herzlich bedanke. Ich habe beruflich viel mit Gestaltungssatzungen zu tun und überarbeite auch Denkmälerinventare. Hier habe ich also die Genugtuung, dass Amtsstellen meinen Geschmack auch würdigen und mir deshalb solche Aufträge erteilen.


    Man muss bezüglich den Kriterien, die ich gestern aufgelistet habe, unterscheiden in 'Architekturtheorie' und 'persönlicher Geschmack'. Ich liste meine Punkte nochmals auf und bewerte sie diesbezüglich (ich weiss, eine Eigenbewertung ist sehr schwierig und fraglich; das sollte eigentlich durch andere Leute erfolgen):


    Stärke der Mauerkronen und Giebelwände

    = Architekturtheorie. Eine historische Massivwand hat in den Giebelbereichen ungefähr eine Dicke von 40 - 50 cm. Bei den Neubauten kam/kommt in der Regel ein zweischaliges Mauerwerk zur Anwendung, teilweise mit einem Rohbau aus Beton (20cm) oder Ytong (Blähton, bis zu 40 cm). Wenn nun nur die Vormauerung (15 cm) über die Dachflächen hinausgeführt wird, ergibt das einen sehr dünnen, optisch 'zerbrechlichen' Abschluss, bei Ytong einen solchen bis zu 70 cm, der dann übermassiv erscheint. Um hier einen Einheit zu erhalten, sollte man sich unbedingt an den historischen Massen orientieren.

    Verzicht auf kurzlebigen, modischen Schnick-Schnack

    = Geschmackssache. Hier werden aber Bauten errichtet, die nicht nur 30 Jahre halten sollten, sondern mehrere Generationen. Deshalb ist diesem Kriterium viel Bedeutung beizumessen, also eher zeitlos zu gestalten als modisch.

    Anzahl der Fensteraxen bei den giebelständigen Fassaden

    = Architekturtheorie. Sind die historischen Giebelfassaden in Lübeck wirklich von Fachleuten analysiert worden, oder war das Sache jedes einzelen beauftragten Architekten?

    Gestaltung der Giebelwände bezüglich Lisenen oder Wandvertiefungen

    = Architekturtheorie. Begründung wie im vorigen Absatz.

    Farbwahl der Sichtbacksteine

    = Geschmackssache und Architekturtheorie. Ich habe diese Frage anhand des aktuellen historischen Baubestandes nicht eingehend studiert, aber Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Bauten sollten gewahrt werden.

    Sparsame Verwendung von postmodernen Formen - insbesondere Halbkreise

    = Geschmackssache und Architekturtheorie. Ich denke da an die postmoderne Bebauung an der Saalgasse in Frankfurt am Main, die in den 1980er-Jahren realisiert wurde und heute eher belächelt wird. Sie ist auch nicht Frankfurt-spezifisch. Auch bei den Townhouses in Berlin - realisiert vor zehn Jahren - gibt es wenige postmoderne Fassaden, die eher stören als zu einer Einheit beitragen. Auch sie sind nicht Berlin-spezifisch. In Lübeck möchte man aber Lübeck-typische Fassaden erhalten, und da trägt diesprache postmoderne Formen nichts bei.

    Dass Rund- und Segmentbogenformen viel zu einer Abwechslung beitragen, sind wir uns einig. Ich habe einzig kritisiert, dass nur Halbkreisformen verwendet wurden, obwohl der historische Formenschatz viel grösser wäre. Ich habe auch nicht alle Bauten mit Halbkreisformen kritisiert, sondern nur jene, bei denen ich die Verwendung von Halbkreisen als 'zuviel des Guten' empfinde (= Geschmackssache :wink: ).

  • Die Erdgeschosshöhe von mindestens 4,50m wurde zum Glück im Bebauungsplan vorgegeben. Zudem wurden auch Materialität, Farben und die deutlich sichtbar werdenden Trennung von Erdgeschoss-, Mittel- und Giebelzone im Gestaltungsleitfaden vorgegeben.

    Hier hat frank1204 den Link zum Gestaltungsleitfaden eingestellt. Von historischen Bauten gibt es lediglich ein paar Gesamtansichten, aber eine wirkliche Analyse der Bauten durch alle Jahrhunderte hindurch gibt es dort nicht.


    Im gleichen Beitrag von frank1204 sieht man schöne Aufnahmen von erhaltenen Ensembles. Der Formenreichtum dort ist immens! Nicht nur Halbkreise! Und keine dunklen Backsteine. :wink:

  • Hi Riegel,

    es ist durchaus möglich, dass bei den " Lübecker Pfeffersäcken " Backsteine in Schwarz erbaut worden sind ! Das Holstentor war ursprünglich auch

    schwarz.

  • Bevor hier falsche Fakten auftauchen, muss ich da jetzt mal kurz "zwischengrätschen".


    Schwarze Backsteine waren ausschließlich dem Rat vorbehalten. Komplett schwarze Wände haben/hatten wohl nur das Rathaus und die zur Ratskirche St. Marien gehörende Kapelle Maria zum Stegel. Viele andere Ratsbauten bzw. öffentliche Gebäude sind/waren schichtweise rot/schwarz gestreift, wie beispielsweise das Holstentor, der obere Teil des Kaaks und die dem Rat zugeordneten Kapellen der Marienkirche gegenüber dem Rathaus.

    Bei Häusern kommt diese Schichtung ebenfalls vor (beispielsweise Fischstraße 19 und 34), aber erstens selten und zweitens nur, wenn diese von Ratsherren erbaut wurden. Komplett schwarz waren sie aber meines Wissens nach nie. Die Häuser der "normalen" Kaufleute/Bürger sind durchweg rot, waren früher aber im Normalfall geschlämmt und divers farbig gefasst. Die allgemeine Steinsichtigkeit kam erst im 19. Jhdt auf.


    Riegel: Deinen Ausführungen kann ich nur komplett zustimmen. Eine kleine Korrektur aber noch: Links neben dem Haus Gerade Querstraße 3 liegt nicht Gerade Querstraße 1, sondern es handelt sich um das Hinterhaus von Alfstraße 31. Mit dessem Wettbewerbsergebnis bin ich auch nicht besonders glücklich. Der zweite Platz war deutlich besser. Die Adresse Gerade Querstraße 1 befindet sich im alten Teil der Straße zwischen Alf- und Mengstraße.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Fotos vom 7.6.2020 - Teil 1


    Obwohl die letzten Fotos erst zweieinhalb Wochen her sind und auf die Gefahr hin, dass sich deswegen Sachen wiederholen, kommen hier trotzdem aktuelle Bilder von gestern - wieder in zwei Teilen:


    Abb.1: Alfstraße 15-19 vom öffentlichen Durchgang durch den Nachkriegsblock zwischen Alf- und Mengstraße aus gesehen.



    Abb.2: Alfstraße 21, 23 und 27. Bei Nr. 23 ist die Giebelspitze fast erreicht. Nr. 21 links daneben ist eines der größten Häuser des Viertels.



    Abb.3: Alfstraße 23 in Frontalansicht



    Abb.4: Südseite der Alfstraße mit Marienkirche Richtung Osten



    Abb.5: Durchblick durch die noch unbebaute Blockecke Alfstraße/Gerade Querstraße. Ein Foto, auf dem sehr viel los ist: Hinten rechts sieht man das historische Eckhaus Braunstraße/Lederstraße; links daneben lugen oberhalb der Lederstraße und der Bäume auf dem Petrikirchhof die Spitzen der Domtürme hervor. Unterhalb von St. Petri die Rückseiten der Häuser Braunstraße 24-28. Die dunklen Verschalungen davor gehören zum beginnenden EG-Bau des Hauses Fischstraße 28. Links davon der Rohbau von Fischstraße 24.



    Abb.6: Ausgesteifte Baugrube des Investorengrundstücks am unteren Ende des Baublocks zwischen Braun- und Fischstraße. Die Ausschachtung des zweiten Untergeschosses der Tiefgarage geht hier nach wie vor nur quälend langsam voran. Von der Seite hinten an der Fischstraße ist man bisher kaum bis zur Hälfte der Blocktiefe vorgedrungen, vielleicht sogar nur ein Drittel, hat aber dafür schon fast ein halbes Jahr gebraucht. Ja, man muss hier aus statischen Gründen wohl vorsichtig vorgehen, aber da wäre ich mit einer Schaufel ja fast schneller... Wenn das so weitergeht, wird das mit einem Baubeginn des Komplexes in diesem Jahr nichts mehr. Ich verstehe auch nicht ganz, warum man ein offenbar so extrem schwierig zu realisierendes Projekt bei dem sensiblen/instabilen Untergrund (es ist eigentlich nur ein Sandhang, der jederzeit abrutschen kann und das war bekannt) hier überhaupt plant. Wie will man da überhaupt im Kostenrahmen bleiben? :wie: Man hätte hier lieber beim Konzept der Einzelhäuser bleiben sollen.



    Abb.7: Auch bei Braunstaße 18 geht es los - die Kellerwände stehen.



    Abb.8: Braunstraße 14, Frontalansicht der Straßenfassade. Viel erkennen kann man leider nicht, aber die Steine für das Verblendmauerwerk liegen bereit, und die Fensteröffnungen sind bereits eingefasst.



    Abb.9: Braunstraße 14. Rückseite. Diese wird offenbar zuerst verblendet.


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  • Fotos vom 7.6.2020 - Teil 2


    Abb.1: Rückseiten von Fischstraße 16 und 24



    Abb.2: Fischstraße 24



    Abb.3: Blick die Fischstraße hinauf mit Nrn. 24, 16 und 17. Man kann schon erahnen, dass in dieser Straße die besten Häuser entstehen!



    Abb.4: Fischstraße 16 - immer noch mit Gerüst, aber EG und 1. OG jetzt fertig verputzt.



    Abb.5: Fischstraße 16, Nahaufnahme.



    Abb. 6: Hinter dem Toilettenhäuschen ensteht das EG von Fischstraße 21. Links die Reko Nr. 17.



    Abb.7: Hier sieht man den schon geschlossenen Keller von Fischstraße 19. Interessantes Detail: Die rechts ausgelegte Folie kennzeichnet die Breite, die das Haus über die Baugrube überstehen wird, um die historische Bauflucht zu erreichen (dort, wo die Holzpflöcke stehen). Das ist an dieser Stelle ein besonders breites Stück.



    Abb.8: Ein "Schmankerl" zum Schluss: Die Tür des Reko-Hauses Fischstraße 17. Weiß gerade nicht mehr, ob ich die schon einmal gezeigt hatte, aber eigentlich war das wegen des Bauzauns bisher nicht möglich und geht jetzt auch nur aus sehr schräger Postition.


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  • Fotos vom 21.6.2020 - Fischstraße 16


    Jetzt ist es soweit: Fischstraße 16 ist endlich ohne Gerüst zu sehen. Ich habe ja keinen Hehl daraus gemacht, dass es eines meiner Lieblingshäuser unter den Nicht-Rekos ist. Hier wurde mit dem Treppengiebel und dem aus Formsteinen gemauerten Hochblenden-Zitat m.E. (fast) alles richtiggemacht! :thumbup: Daher widme ich ihm auch einen eigenen ausführlichen Bildbeitrag:



    Abb.1: Mein Lieblingsfoto gleich vorweg: Giebel mit St. Marien. Da wirkt selbst das Studentenwohnheim nicht mehr ganz so furchtbar - obwohl es das natürlich immer noch ist.



    Abb. 2: Gesamtansicht von der Braunstraße aus. Positiv vermerke ich, dass die Fenster im Vergleich zur Entwurfsvisualisierung offenbar etwas niedriger ausgefallen sind - in etwa um die Höhe der schrägen Fenstersimse. Damit wird der Eindruck bodentiefer Fenster, den ich nach der Visialisierung befürchtete, verhindert.



    Abb.3: Schrägansicht nach Westen. Hier wurde die Giebelwand im Gegensatz zu den meisten anderen bereits fertigen Häusern in der richtigen Dicke ausgeführt. Die endlich einmal vorhandene Plastizität der Fassade ist durch den Schattenwurf gut zu erkennen.



    Abb.4: Schrägansicht etwas dichter.



    Abb.5. Schräge Nahansicht. Die EG-Farbe finde ich sehr angenehm. Die Steine oben dagegen sind mir etwas zu hell geraten.



    Abb.6: Versuch einer mittigen Gesamtansicht. Mehr ging nicht, da die Straße nicht breiter ist.



    Abb.7: Giebel in relativ mittiger Ansicht.



    Abb.8: Gesamtansicht nach Nordosten. Etwas schade ist, dass der Eingang nicht mittig zwischen den EG-Fenstern sitzt.



    Abb.9: Fernansicht von der Einhäuschen Querstraße aus. Hier wird im direkten Vergleich mit der Kirche deutlich, dass die Steine zu hell und im Farbton zu kalt gewählt wurden. Dennoch trüben die genannten Kritikpunkte meine Freude über das schöne Haus nur unwesentlich.



    Abb.10: Zum Abschluss noch einmal Fischstraße 16 und 17 vor St. Marien deren Turmsanierung hoffentlich bald abgeschlossen ist.


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  • Entschuldigt bitte, aber ich kann nicht anders:

    Die zurecht herausgestellte Perle der Neubebauung steht wieder mal neben dem schlimmsten Schrotthaufen moderner Langeweile.

    Allein diese Bunkeroptik mit einem völlig geschmacklosen Rotton, der mit nichts in der Umgebung harmoniert. Grauenhaft!

  • Das von dir beschriebene Gebäude (Studentenwohnheim) ist in der Tat hässlich.Allerdings gehört dieses nicht zur Neubebaung des Gründubgsviertels.Es entstand(glaube ich 2011),bevor Lübeck einen städtebaulich besseren Weg einschlug.

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Das "Internationale Studentenwohnheim" zwischen Fisch- und Alfstraße war meiner Erinnerung nach bereits 2006 fertig. Jedenfalls bekam die Kiste 2007 den Deutschen Architekturpreis "Zukunft Wohnen"... :kopfschuetteln:


    Der Erstentwurf hatte übrigens ein noch viel "modernisterisches" Dach- bzw. Staffelgeschoss ("Dach" kann man das Gewurschtel da oben drauf ja nicht nennen), das zum Glück vom Gestaltungsbeirat verhindert wurde. Ich habe mal ein Bild gesehen und war erschrocken. Finde das leider (oder zum Glück :wink:) momentan nicht wieder.

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  • andererseits hätte ein bisschen Gewurschtle vielleicht gar nicht so sehr geschadet... Angesichts der völligen Bedeutungslosigkeit und Ödnis des Jetztzustandes scheint es nicht vorstellbar, dass dieses Ergebnis unterboten hätte werden können.

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    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich hätte einmal eine Frage zu den Straßen- und Gehsteigbelägen.


    Weiß jemand hier, wie diese ausgeführt werden sollen? Und wie die Straßenbeleuchtung wird?

    Diese Dinge sind dann ja am Ende für das Gesamterscheinungsbild der Straßenzüge nicht unwichtig!


    Danke!