Essen - Limbecker Platz

  • Im Prinzip ist der Alt-Modernismus nichts anderes als deutsche Favela-Architektur. Ist es ein Zufall, daß die größte Favela Brasiliens Complexos do Alemão heißt ? Also Deutscher Favela-Komplex ? :augenrollen:

  • Der erste Bauabschnitt ist fertig, das historische Karstadthaus hat geschlossen, die Tage müssten die Abrißarbeiten beginnen. In diesem Neubau, der besser in ein Gewerbegebiet als in die Innenstadt passt werd ich jedenfalls nicht Einkaufen. Schade um das historische Karstadthaus - Leipzig hat das besser gelöst...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Wiedereinmal setzte man in Essen auf die Größe...dabei soll es doch, wie wir alle wissen, darauf gar nicht ankommen... :zwinkern: Der erste, nun eröffnete Bauabschnitt des "Metropolen-Shopping-Centers" ist nicht nur äußerlich ein Desaster. Das Innere ist derart stillos, dass selbst Befürworter des Baus enttäuscht sind. Die kommen im Moment natürlich medial nicht zu Wort - das passt nicht in die von den Stadtvätern verordnete Euphorie.
    Jedenfalls ist das Teil absolut häßlich - kalt, nüchtern und irgendwie wirkts auch billig. Ich bin generell kein Freund von Einkaufszentren dieser Art, aber da hat das Centro in OB doch nicht nur mehr Parkplätze... :?
    Die sogenannten Rotunden, in den man angeblich Pariser und italienisches Flair genieße können soll, sind derart lächerlich in ihrer Ausgestaltung, dass einem echt nix mehr einfällt... :augenrollen:
    Wer in der Nähe ist sollte es sich jedenfalls anschauen - als weiteres Musterbeispiel für den unbelehrbaren Größenwahn der Kleinbürger in Essen...

  • hab's mir auch erst vor kurzem ansehen könne: es ist einfach nur lächerlich.
    passend zu diesem schreckensbau der neue slogan der metropole ruhr:
    "ruhr^n - team-work-capital"


    zum einkaufen fahr ich weiterhin lieber nach dortmund oder köln.

  • In den kommenden Tagen wird am Limbecker Platz mit dem Abriss der Sandsteinfassade des Warenhauses von Wilhelm Kreis begonnen.
    Der rückwärtige Teil aus den 1950er Jahren am Berliner Platz wurde in den letzten Tagen beiseite geräumt.


    Wen es interessiert, der kann die Abrissarbeiten live über die Webcam verfolgen: http://www.limbeckerplatz.com">http://www.limbeckerplatz.com .


    Eine tolle Kulturhauptstadt ist das!

  • Der hintere Teil der Kreis'schen Sandsteiln-Fassade das Althoff- (später Karstadt-)Hauses wurde in den letzten Tagen bereits vollständig abgerissen, die Bagger nähern sich zügig dem charakteristischen Turm eines der letzten stadtbildprägenden Gebäudes in Essen- nach fast 96 Jahren.


    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4934/display/12581746\r
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4 ... y/12581746
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4934/display/12567812\r
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4 ... y/12567812
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4934/display/12567940\r
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/4 ... y/12567940


    Besonders alamierend finde ich es für Essen als Kulturhauptstadt, dass es bereits in diesem Jahr das zweite, baukulturell wertvolle Gebäude ist, das dem Abrisszahn zum Opfer fällt- nach dem expressionistischen Glückaufhaus. In dessen Falle spricht die Stadt Essen zynischerweise von "Grundsanierung" ( http://www.essen.de/Deutsch/Rathaus/Aemter/Ordner_41/Stadtarchiv/geschichte/geschichte_einsichten_glueckaufhaus.asp#\r
    http://www.essen.de/Deutsch/Rathaus/Aem ... fhaus.asp# ).
    Man könnte Lachen, wenns nicht zum Weinen wäre.


    Schaut man sich das Beispiel Dortmund an, so hat man es dort schon längst geschafft, die nahezu baugleiche Fassade des Karstadt-Hauses am Hansaplatz unter Denkmalschutz zu stellen- obgleich die Fassade in Dortmund im Krieg im Gegensatz zu der in Essen zerstört und rekonstruiert wurde.


    Während die Essener Denkmalpflege (kann man sie so nennen?) jammert, die Fassade aus Sandstein am Limbecker Platz sei nur "davorgehängt"- der Rest des Gebäudes sei aus Stahlbeton. Was sitzen eigentlich für Leute in der Essener Denkmalbehörde, die glauben, die damaligen Baumeister würden ein ganzes Gebäude aus Sandstein gebaut- um das dann auch noch als Argument für einen Abriss zu nutzen?!?

  • Das ganze Ruhrgebiet ist der Osten von morgen. Ich habe nicht die geringste Lust, da hinzufahren...

  • @macron79
    So pauschal kann man das nun wirklich nicht behaupten! Schau Dir mal Berlinfans Fotogalerien an, da relativiert sich das Urteil!


    Rüttenscheider
    Ich habe mal gehört, das ein Teil der alten Fassade stehenbleibt, sozusagen als Reminiszenz an die glorreiche Zeit des Gebäudes. Weißt Du wie das mit dem UFO vereinbar ist?

  • @macron79: Ganz so pauschal würde ich es jetzt auch nicht sagen. Auch andere Städte haben wahllos historische Bausubstanz abgetragen, als Beispiel kann man Hamburg anführen: Einerseits der Abriss des Altonaer Bahnhofs in den 70er-Jahren, der durch einen reinen Zweckbau- einen "Kaufbahnhof"- ersetzt wurde, andererseits der Abriss des historischen Europa-Hauses an prominenter Stelle an der Binnenalster und einer ganzen, zum Teil denkmalgeschützten Gebäudereihe für die "Europa-Passage" vor wenigen Jahren.


    Trotzdem ist der Abriss derartiger historischer Bausubstanz in einer kommenden "Kulturhauptstadt" mehr als fragwürdig- zumal die Stadtoberen die dazugehörigen Baumaßnahmen indirekt als positive Folge der Ernennung vor zwei Jahren gutheißen.


    Kindvon2dresdnern:


    In der ECE-Werbebroschüre "Limbecker Platz- die neue Shopping-Faszination" heißt es wörtlich: "Und ein besonders schönes Detail: Teile der historischen Karstadt-Fassade bleiben der Stadt erhalten. Sie bekommen an verschiedenen Stellen des Gebäudes neue Ehrenplätze."


    Diese Aussage ist durchaus etwas schwammig- aus welchem Grunde auch immer. Der Leser könnte natürlich meinen, dass große Teile der Fassade erhalten bleiben, o.ä.
    In Wirklichlichkeit wird die Kreis'sche Fassade aber ganz abgerissen, man will nun mit einer Fotowand im EKZ an das Gebäude erinnern. Wirklich ziemlich erbärmlich....


    Allerdings ist auf den Entwürfen für die Marylin Monroe-Fassade des EKZ an den Seiten der beiden Eingangsbereiche (Limbecker Platz/ Berliner Platz) des zweiten Bauabschnitts (auf dem jetzt noch die Reste des Karstadt-Warenhauses stehen), an denen sich der "Saum des Kleides hebt", anstatt einer Verglasung ein kleiner, schmaler Nachbau eines Teils der Kreis'schen Fassade vorgesehen, der allerdings nicht mal detailgetreu ist. Wie gesagt, ist dies auf den Entwürfen zu erkennen, ich glaube aber nicht, dass dies realisiert wird...

  • @macron79


    Kann dich da leider nicht so ganz verstehen,warst du denn schonmal im Ruhrgebiet um so etwas sagen zu können?!


    Nichts desto trotz finde ich es erschreckend was in der Kulturhauptstadt 2010 passiert. Essen steht für gesamte Ruhrgebiet und sollte somit auch eine Vorbildfunktion haben wie ich finde. Jedoch ist Essen meiner Meinung nach von Dortmund schon lange überholt worden,in vielen Hinsichten. Jemand brachte gerade das Beispiel Karstadt Dortmund-Denkmalschutz.


    http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:IMG_9626-Dortmund-Hansaplatz.JPG\r
    commons.wikimedia.org/wiki/Image ... aplatz.JPG


    War gerade erst wieder in der City und musste feststellen,das sie eigentlich Potenzial hat. Wenn mal ein Umdenken stattfinden würde,jedenfalls wird in alle Städten bis zum Jahre 2010 noch einiges hoffentlich positives passieren-Stichwort Dortmunder U ;)

    Ich bin keine Signatur,ich mache hier nur für 1Euro die Stunde sauber ;-)

  • Also ich kann macron79 sehr gut verstehen.


    Ich kenne in Deutschland keine vergleichbare Ansammlung an maroden Hässlichkeiten. Die erhaltenen Gründerzeitbereiche und zahlreichen Initiativen des Strukturwandels können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hier Industrie, jahrzehntelange Vernachlässigung und Umweltvergiftung, Arbeitslose und Migranten, putzgraue Fassaden und lieblose Nachkriegsbauten in den Stadtzentren die Hand reichen, wie in keiner anderen Region Deutschlands - bei allem Ruhrstolz.


    Um Vorwürfen der Verallgemeinerung aus dem Weg zu gehen: Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ein Trend ist kaum zu leugnen. :zwinkern:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Also bitte. Arbeitslose und Migranten in einem Atemzug zu nennen (und somit gleichzusetzen) ist nicht in Ordnung. Letzere haben übrigens vielfach die sogenannte Flächensanierung verhindert.


    Zu dem Abriss: eine Katastrophe. Das Gebäude war mehr als erhaltenswert. Es erinnerte an den Karstadt-Bau in der Hamburger Straße, dessen Gebiet ein unbeschreiblicher Totalverlust ist (von der dichtbebauten Flaniermeile zur grünbestreiften Rennstrecke mit 6 Spuren pro Richtung, inkl. Trümmergrundstücke bis heute) und der durch einen Volltreffer in die Belüftungsanlage geknackt wurde.

  • Quote from "haussmann"


    ... Es erinnerte an den Karstadt-Bau in der Hamburger Straße, ... der durch einen Volltreffer in die Belüftungsanlage geknackt wurde.


    @ haussmann:
    Verstehe ich nicht. Kannst Du uns das erklären?

  • youngwoerth: Industrie, Vernachlässigung und Umweltvergiftung gibt es in jeder städtischen Agglomeration, sei es in Hamburg, Berlin oder München. Ich vermute einmal, dass es sie selbst in Freiburg gibt.
    Also finde ich diese Kritik am Ruhrgebiet bzw. an Essen etwas vorurteilsbeladen und voreingenommen.


    Die Kritik am Abriss des alten Karstadt-Warenhauses sollte auch nicht dazu führen, dass darauf auf eine mögliche Hässlichkeit der Städte des Ruhrgebiets geschlossen wird. Ich denke, dem wird diese Kritik nicht gerecht. Zumal ich bereits angeführt habe, dass auch andere Großstädte heute noch fröhlich abreißen, was im Wege steht.


    Der Knackpunkt liegt in meiner Kritik darin, dass Essen Kulturhauptstadt Europas sein wird und im Flächenbombardement des Zweiten Weltkriegs einen großen Teil seiner stadtbildprägenden Gebäude verloren hat- der Abriss des Karstadt-Warenhauses dementsprechend sehr fragwürdig ist.



    haussmann: Der Vergleich des Warenhauses in Essen mit dem Karstadt-Haus an der Hamburger Straße in HH ist durchaus gerechtfertigt.
    Obgleich das im Krieg zerstörte Karstadt in HH-Barmbek im Jahre 1928 erbaut wurde, stammt es aus der gleichen Feder des Karstadt-eigenen Warenhaus-Architekten Philipp Schaefer. Der hatte nämlich 1930/1931 das im Jahre 1912 von Wilhelm Kreis erreichtete Karstadt-Warenhaus in Essen umgestaltet (u.a. zeigte er sich für den markanten Turm des Hauses am Limbecker Platz und für einen Erweiterungsbau verantwortlich). Wie auch das Warenhaus in Barmbek besaß das Haus in Essen nach diesem Umbau eine Dachhalle mit Dachgarten, Dachcafé und dazugehöriger Tanzkapelle.


    Philipp Schaefer hat außerdem das grandiose Karstadt-Haus am Berliner Hermannplatz entworfen, dass im Krieg zerstört wurde.


    Hier übrigens ein Video, das zeigt, wie ein Abrissbagger einen Teil der Kreis'schen Sandstein-Fassade zum Einsturz bringt:

    External Content de.youtube.com
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    de.youtube.com/watch?v=E5zv7ME_B7M


    Den Architektur-Liebhaber überkommt das Grauen.

  • Quote from "Zeno"


    @ haussmann:
    Verstehe ich nicht. Kannst Du uns das erklären?


    Verstanden. Es ging also um einen Kriegsschaden. Der Rest des Gedankenganges verbirgt sich hinter dem Wort "geknackt" - ich unterstelle mal die für APH-Forums-Leser naheliegende Bedeutung.


    @ Rüttenscheider: Danke!

  • haussmann: Im Ruhrgebiet reichen sich Arbeitslose und Migranten die Hand - ist es denn nicht so? Also ich kenne das Ruhrgebiet recht gut, und es gibt dort sowohl einen hohen Arbeitslosen- also auch einen hohen Migrantenanteil. Deine Reaktion ist mal wieder deutscher als deutsch. :zwinkern:


    Rüttenscheider: Ich muss Dich enttäuschen - die wenigen Industriegebiete in Freiburg sind top gepflegt. Aber eigentlich brauchen wir da drüber ja nicht diskutieren, da verdörrte Stadtlandschaften wie Essen-Nord nun mal westdeutschlandweit besonders elendig da stehen, das kann sich bei Bedarf jeder live anschauen.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ich denke jetzt an einer Japaner, die ich in die Goethekurs in Freiburg getroffen hat. Er war so froh, weg von Ruhrpott zu sein. Sein Japanische Firma hat Ihm da hingeschickt. Zu ein modernes Kleinstadt; ich habe leider die Name vergessen. Er war davon weniger begeistert; Beton, Arbeitslosigkeit und ein üble Stank prägte das Stadtbild. Die Menschen auf die Strasse hat nicht nach Cents oder Alkohol gefragt, sondern die haben ihm tatsächlich nach Arbeit gefragt. Schaltet jetzt eure internes Kinos an und sieht ein verwüstet Stadtlandschaft an. Eine verlorene Japaner steht dort umgegeben von grossen arbeitsdürstige Deutschen. Das ist aber ein Ruhrpott Thriller.
    Selbst bin ich aus Familiengründe jedes Jahr in Ruhrpott und ich staune immer wie viel Industrie es immer noch gibt. Ich werde wahrscheinlich nach Essen dieser hinfahren. Vielleicht nehme ich ein paar Bilder.

  • Youngworth, meine Reaktion ist nicht deutscher als deutsch. Ich bin Halbasiate. ;)


    Zeno, unter dem Karstadthaus hier war ein (damals) moderner Luftschutzbunker. Deshalb wurden dort Kinder, junge Familien usw. einquartiert - die, die den besten Schutz brauchten.
    Bloß ist dann eine Bombe direkt in einen Lüftungsschacht geflogen und drinnen explodiert. Der gesamte Komplex ist kollabiert und alle Bunkerinsassen waren tot. Deshalb sprach ich von "geknackt"..


    Heute ist dort ein kleines Denkmal mit einer Inschrift.."diese Toten mahnen: nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg". Naja, die Regierung Großbritanniens war also faschistisch? ;)


    Interessant, dass die Häuser tatsächlich aus derselben Feder stammten. Die Ähnlichkeit war ja schon auffällig.