Tauberbischofsheim (Galerie)

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    • Vermutlich unter Verputz ein Fachwerkhaus, wo Bachgasse und Badgasse zusammentreffen. Dort stand bis 1965 neben "der alten Bach" die "Schnorrsmühle", ein Fachwerkgebäude des 17. Jh., leider abgerissen.


      In der Badgasse, sehr altes Fachwerkhaus, wohl noch 15. Jh., seit langen Jahren leer stehend:

      Fachwerkhaus in der Frauenstraße (früher Armengasse), am Kragstein die Jahreszahl 1592:

      Schräg gegenüber in der Frauenstraße dieses Fachwerkhaus:





      Frauenstraße, ein Fachwerkhaus, das noch aus dem 15. Jh. stammt. Vor langer Zeit diente es Fuhrknechten als Herberge, man konnte ein Fuhrwerk in der Einfahrt einstellen.


      Unweit des vorigen Hauses ein Gebäude mit der Jahreszahl 1568 über der Einfahrt. Vielleicht findet sich doch noch ein Käufer, zumal es im Hof einen Stellplatz für rin Auto gibt und auch da kleine Gärtchen vor dem Haus dazu gehört (dort waren früher allerhand Spolien, teils aus der Gotik, alles verschwunden, wie auch die Hausmadonna):






      Das sog, "La-Roche-Haus", Rekonstruktion um 1970, das Erdgeschoss insbesondere die Kragsteine von 1670. Der Bauherr war der Wundarzt Johann Hermann Franck. Als schon alter Mann hatte Herr Franck eine junge Frau geheiratet. Deren 1720 geborener Sohn hieß Georg Michael La Roche. Dessen leiblicher Vater war der kurmainzische Amtmann Graf Stadion von Thann und Warthausen, der damals auf dem Schloss zu Bischofsheim an der Tauber wohnte. Die Mutter des Michael La Roche war eine junge Schauspielerin namens La Roche aus Metz/Lothringen. Der schon alte Herr Franck starb bald nach der Geburt des Kanben. Der junge La Roche wuchs auf dem Schloss bei seinem leiblichen Vater auf. Als Graf Stadion schon älter geworden war, musste sein illegitimer Sohn für ihn feurige Liebesbriefe an Damen schreiben, die sein Vater umwarb. Dieser war Jurist und hatte für Kaiser karl VI. die sog. pragmatische Sanktion ausgearbeitet. Als Dank gewährte der Kaiser ihm den Wunsch eine Person in den Adelsstand erheben zu dürfen. Graf Stadion ließ daraufhin seinen außerehelichen Sohn legitimieren und erhob ihn in den Adelsstand. So wurde aus Georg Michael La Roche ein Georg Michael de La Roche. Er war der Großvater der Romantiker Clemens und Bettina Brentano. Man verzeihe mir bitte diese etwas etwas langatmigen Ausführungen, doch finde ich, wenn ein Haus mit solch einer Geschichte verknüpft ist, dann darf man das auch mal erwähnen.





      Der zweite Kragstein von rechts hat ein Paar Bratwürste um die Nase. Der vierte Kragstein von rechts ist eine Blattmaske mit dem Wappen des Bauherrn auf der Stirn. Der fünfte Kragstein von rechts stellt uns einen Türken mit Turban vor (es war die Zeit der Türkenkriege bzw-einfälle). Der sechste Kragstein von rechts (in der Türverdachung( zeigt einen Herrn mit Zwicker auf der Nase), darunter, als Schlussstein des Türbogens ist als ein Neidstein ein Gesicht zu sehen, das die Zunge herausstreckt:






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    • Kurmainzisches Schloss: Dieses war über viele Jahrhunderte kurmainzischer Verwaltungssitz und Wohnung des amtierenden Amtmanns, dessen Funktion mit der eines heutigen Landrats vergleichbar ist. Der sog. "Türmersturm", der Bergfried der einstigen Wasserburg, stammt noch aus dem 13. Jh. und besaß ursprünglich einen Kegelhelm. Der alte Zugang befindet sich 8 m über dem Schlosshof. Unter dem kurmainzischen Amtmann Caspar Lerch von Dürmstein bekam der Türmersturm seine jetzige welsche Haube mit Laternen im frühen 17. Jh. Auf dem Turm hauste der Türmer, der Feuerwächter war.

      Das Konglomerat verschiedener Gebäude (hier rechts des Turmes) entstand im Wesentlichen im 15. Jh. und ist ganz überwiegend gotisch. Bemerkenswert die untere und noch mehr die obere Halle. Diese atmen mit ihren dicken Mauern, den enorm mächtigen Pfeilern aus Eichenbalken, den Balkendecken, der gotischen Kapellennische, einem gotischen Kamin nebst dem großen Saal, der die Kemenate genannt wird, so ganz den Geist der späten Gotik. In der Renaissance, kurz nach 1600 kam das Fachwerkgebäudes des "Jägerhäusle" im nachfolgenden Bild rechts hinzu. Um 1850 wurde der Graben zur Stadt hin zugeschüttet, der Torturm nebst Mauer wurden abgerissen. Das Ergebnis war der "Schlossplatz".
      Heute befindet sich im Schloss das sehr sehenswerte Tauberfränkische Heimatmuseum:




      Auf der anderen Seite des Schlosshofs stehen Gebäude (hier von der Nordostseite aus links angeschnitten), die überwiegend im 15. und 16. Jh. errichtet wurden. Hier befand sich ein Gutshof, der anlässlich einer Reform des Kurstaats Mainz in den 1780er Jahren an den letzten Pächter verkauft wurde. Rechts sieht man einen kleineren Verteidigungsturm, der vielleicht auch noch auf die Romanik zurückgeht. Es existieren vom gesamten Komplex insgesamt mehrere solcher Türme und Turmstümpfe.



      In dem Gebäude neben dem kleinen Turm und in demselben wird seit dem 19. Jh. die Gastwirtschaft "Zum Türmle" betrieben:



      Eine Nahaufnahme des Türmersturms, der früher im Volksmund "Dörnersduure" genannt wurde. Man kann den Turm im Rahmen von Stadtführungen besteigen (ca. 30 m hoch), es gibt noch die alte Türmerstube. Man genießt von dort oben eine sehr schöne Aussicht:



      Hier die nach Osten gerichtete Schlosskapelle im Erker mit gotischen, hohem Helm. Rechts davon, gleichfalls als Erker gestaltet, die an den Kapellenerker angebaute Beichtnische. Am Kapellenerker befindet sich unterhalb der Fenster in der Mitte das Wappen des beim Bau regierenden Kurfürsten, links davon ein Gemälde der Hl. Katharina, rechts eines mit der Szene der Mantelteilung des Hl. Martin. Unterhalb des Fensters des Kapellenerkers sieht man einen Engel, der das Wappen des Erzstifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg in den Händen hält. Ferner hat sich der Baumeister, der dies geschaffen hat, als kleines Männchen in Stein gehauen, unterhalb des Erkers der Beichtnische verewigt. Rechts von den Erkern ist der Haupteingang zum Schloss zu sehen. Wiederum rechts am folgenden Bauteil sieht man ein halbverdecktes großes Kellertor, das über eine sehr breite Treppe in einen tiefen Gewölbekeller, den alten Weinkeller führt. Ganz rechts angeschnitten das "Jägerhäusle".



      An dieser Aufnahme erkennt man, wie die einzelnen Bauteile gestaffelt hinzugebaut wurden, was m. E. eine malerische Wirkung ergibt. Hier kann man das Jägerhäusle gut erkennen



      Eine etwas andere Perspektive. An der Norwestecke des Jägerhäusles wieder einer der alten Verteidigungstürme:



      Hier der Teil des Schlosses, der ca. um 1480/1490 erbaut wurde. Über einem Steingeschoss erhebt sich sehr schönes, spätgotisches Fachwerk. Dieser Gebäudeteil enthält u. A. einen sehr schönen Saal, dessen Deckengewicht mittels einer besonderen Konstruktion am Dachstuhl aufgehängt ist (dies ist an der Balkendecke des Saals ersichtlich). Dieser Raum soll der Aufenthaltsraum der Damen, die Kemenate, gewesen sein. Von hier aus konnte man aber auch auf die Stadtmauer hinaus gehen, von der ein kleiner Rest erhalten ist.

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    • Die St.-Lioba oder Klosterkirche am Markt:

      Aus dem Baujahr 1656 stammt noch das Hauptportal samt der Nische darüber mit der Statue des Hl. Franziskus. Im schweren Michaelishochwasser 1732 wurde die gesamte Inneneinrichtung mit Ausnahme von Kanzelkorb und Schalldeckel zerstört. Erst 1756 konnte die Kirche neu eingeweiht werden. Der Hochaltar stammt aus dem Rokoko, ebenso die meisten Stauen sowie die Beichtstühle. Da das Kloster 1803 auf den "Aussterbeetat" gesetzt wurde und in den Besitz der Stadt überging, wurde es während des II. Weltkriegs als Lagerhalle genutzt. Im Zuge dieser Nutzung wurden nicht nur die Kirchenbänke zerstört, sondern auch die beiden bereits klassizistischen Seitenaltäre. 1969 war die Liobakirche dann so baufällig geworden, dass nur eine knappe Mehrheit für deren Erhalt gestimmt hatte. Damals wurde die Kirche anschließend gründlich renoviert und nach 50 Jahren erst unlängst neu gestrichen.






      Der Hochaltar der Kirche St. Lioba:
      Auf dem großen Altarblatt, das die Heilige in der himmlischen Glorie darstellt, ist unten links als lokaler Bezug im Hintergrund die Stadtmauer und der Turmersturm mit dem Schloss zu sehen. Das obere Bild im Auszug stellt den Tod der Hl. Lioba dar (Hofmaler Herrlein aus Fulda):




      Die Muttergottes als barocke Himmelskönigin mit dem Jesuskind:




      Die Kanzel von 1656, oben auf dem Schalldeckel der Hl. Erzengel Michael als Seelenwäger und mit Flammenschwert:




      Die Decke ist eine Tonne, leider ist der Deckenstuck auf dem Foto kaum zu erkennen:






      Deckengemälde: Hl. Lioba, links des Engels mit dem roten Gewand ist wieder das alte Bischofsheim mit Stadtmauer, Türmersturm und Kirchturm zu erkennen:





      Hl. Lioba mit Votivtafeln:




      Der Auferstandene Christus, der den Tod besiegt hat, mit Siegesfahne:




      Rokokobeichtstuhl, aus Eichenholz geschnitzt nebst Heiligenstatuen:



      Gemälde mit der Szene der Mantelteilung des Hl. Martinus. Dieses Bild wurde beschnitten, war also etwas größer und stammte aus dem barocken Hochaltar der Stadtkirche, der 1847 auf Anweisung des Großherzogl. Ministeriums abgebrochen werden musste. Rechts angeschnitten die Brüstung der Orgelempore:

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    • Stadtkirche St. Martin, Neubau 1910-1914. Es wurden dabei jedoch viele Stücke der alten Innenausstattung übernommen, ferner Spolien. Der alte Kirchturm wurde ummantelt und erhöht. Auf ausdrücklichen Wünsch der Büschemer wurde auch die alte barocke Turmhaube mit übernommen, nur eben gegenüber früher noch etwas erhöht. Ins Giebelfeld der Westfassade wurde eine barocke Statue des Hl. Johannes von Nepomuk aufgenommen, der ehedem auf einer der Brückenkanzeln der alten Tauberbrücke gestanden hatte.




      Die Stadtkirche St. Martin vom Schlossplatz aus gesehen:


      Da gerade Fastenzeit war, waren die sehr schön geschnitzen Schreine des Hochaltars von 1915/16, die sonst immer offen stehen, leider zugeklappt. Das modere Fastentuch in der Mitte will mir gar nicht gefallen.




      Das Gesprenge des Hochaltars:




      Links des Hochaltars steht das Sakramentshäuschen des Steinmetzen Konrad Krebs von 1448, oben unter dessen Baldachin St. Martin auf dem Ross. Unterhalb des Gittertürchens befindet sich links das Wappen des damaligen Mainzer Kurfürsten und rechts dasjenige des Erzstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg am Main:






      Der Marienaltar im zur Fastenzeit geschlossenem Zustand. In der Predella (diekt über dem Altartisch) befindet sich sehr fein geschnitzt "die Wurzel Jesse", das ist liegend und schlafend dargestellt der Prophet Jesias und seine Nachkommen, darunter auch König David und oben in der Mitte schließlich die Muttergottes, Maria als Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf ihren Armen:




      In der Hauptstraße ist an einem Haus diese Figur eines römischen Soldaten angebracht. Auf dessen Sockel steht: Zum Riesen 1736. Dies erinnert an eine ehemaliges Gasthaus diese Namens.






      In der Oberstadt: Die Peterskapelle. Die längst profanierte Kapelle ist das älteste Gebäude der Stadt. Lt. dentochronologischer Untersuchung wurden die Dachbalken im Jahre 1180 gefällt. In alten Urkunden wird sie die "Kapelle vor dem Tore" genannt, da sie außerhalb des oberen Stadttores stand. Allerdings wurde der Kirchof um die Stadtkirche erst im 16. Jh. geschlossen und teilweise überbaut. Erst damals wurde der Friedhof an die bereits bestehende Peterskapelle verlegt. Da der Peterskirchhof Im 19. Jh. wieder zu klein geworden war, fand dort die letzte Bestattung 1852 statt. Der neue Friedhof wurde westlich der Bahnlinie hin verlegt. Heute finden in der Peterskapelle Lesungen und Konzerte statt. Es gibt noch einige schöne alte Grabsteine außerhalb und auch innerhalb der Kapelle. Rechts der Eingangstür sieht man einen kleineren Grabstein, der im unteren Teil merkwürdig ausgebaucht ist, darüber befindet sich ein Kreuz. Das ist der Grabstein des 1786 verstorbenen Sonnenwirts. In dem ausgebauten Teil des Grabsteins ist der Reichsadler zu sehen, da der Wirt ein Gasthaus der Thurn & Taxischen Post betrieben hatte. Es findet sich auf dem Stein der mahnende oder, wenn man so will, auch humorvolle Spruch: "Heut fressen die Würmer mich, doch wart' nur, bald auch Dich":






      Am Sonnenplatz / Ecke Bahnhofstraße: Ein Gebäude aus rotem Buntsandstein, erbaut 1888 als Kaiserliches Postamt (am Giebel über der Ecke prangt in gelbem Sandstein noch der Kaiseradler mit Krone und Schleife), darüber die Kaiserkrone in Buntsandstein. Auf dem rechten Giebel ist ein Relief mit dem damaligen Stadt-wappen zu sehen. Später beherbergte das Haus dann die Sparkasse.

      Oberstadt: Hauptstraße beim Sonnenplatz: Hotel Badischer Hof, erbaut 1733:

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    • Wie ich festgestellt habe, hatte ich zwei Bilder aus der Hauptstraße der Oberstadt vergessen einzustellen. Dies möchte ich hiermit nachholen.

      Es handelt sich lt. Inschrifttafel von 1742 um den "Kurürstlich Mainzischen Faktureyhof". Es ist auf dem Relief der Sandsteinplatte über den Torbögen über der Inschrift der Hl. Martin bei der Mantelteilung dargestellt, darüber dann das Wappen des Erzstifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg. Das kleine Törchen ist für die Fußgänger bestimmt, das große Tor hingegen war Fuhrwerken vorbehalten. Im großen Torbogen ist oben 1599 angebracht. Hinter der Mauer mit den beiden Torbögen befindet sich ein schöner, stimmungsvoller Innenhof. In meiner Jugend war ich einmal in dem Haus, es ist mir davon eine Holztreppe mit barocken Balustern in einer geräumigen Diele in Erinnerung geblieben. Die Fenster in der Giebelwand zur Hauptstraße hin wurden im 18. Jh. deutlich vergrößert. Im Hintergrund die Stadtkirche St. Martin.



      Hier die beiden Torbögen mit dem besagten Relief:
    • @Villa1895

      Vielen Dank für deine Fotos, Villa. Ich finde Tauberbischofsheim äußerst interessant. Mir stellen sich zwei Fragen:

      Ist die Gassenstruktur der Altstadt mit historischen Bauten erhalten? Es erschliesst sich mir aus den Fotos nicht ganz.

      Und wie hoch schätzt du den Anteil von Gebäuden nach 1945 in der Altstadt ein?

      Was ich übrigens auch sehr bedauerlich finde ist, daß die jahrhundertealte jüdische Geschichte des Taubertals weitgehend vergessen ist. Man schaue nur die Tauberbischofsheimer Synagoge an, komplett enstellt im 60er Jahre Stil.
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Lieber Löbenichter,

      zu den von dir aufgeworfenen Fragen nehme ich wie folgt Stellung:

      Es wurde ab dem Jahr 1958 wirklich enorm viel abgerissen, Man kann sagen, dass das wie in einzelnen Wellen vonstatten ging. Gassen, die komplett aus historischen Bauten bestehen, gibt es meines Wissens nach keine einzige mehr. Manche Abschnitte von Gassen standen Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte lang leer, bevor die Häuser dann abgerissen wurden. Bei vielen Gebäuden, die unter Denkmalschutz standen, wurde dieser vor dem Abbruch aufgehoben.

      Den Anteil an Gebäuden, die nach 1945 errichtet wurden, schätze ich insgesamt bezogen für das Gebiet der Altstadt mit ca. 60-70 %.

      Der Tauberbischofsheimer Pfarrer Johannes Ghiraldin ist Judaismus Experte, hat vieles zur Geschichte der Juden in Tauberbischofsheim und der Umgebung, also der Landjuden im Taubertal bzw. Tauberfranken oder im sog. "Badischen Frankenland" erforscht. Wenn ich richtig informiert bin, hat er auch einige Bücher zu dem Thema verfasst. Im Netz findet man bestimmt allerhand dazu.
    • Tauberbischofsheim als Städtchen (ohne die eingemeindeten Dörfer, die kilometerweit draußen liegen, sind es ja nur gut 8.000 Einwohner) ist nett und ich mag es wirklich. Auch der Menschenschlag ist ein angenehmer.
      Besonders schön in der Altstadt sind der Marktplatz und v.a. der Schloßplatz.
      Freilich muß man leider schon feststellen, daß in die Altstadt einige unschöne Löcher geschoßen wurden und die Bilder hier ein tendentiell zu freundliches Licht auf TBB werfen. Verglichen mit alten Karten und Bildern scheinen teilweise Straßenzüge ausgedünnt worden zu sein, so daß die Kleiniteiligkeit mancherorts verloren gegangen ist. Ebenso gibt es doch manch (mehr oder weniger) angepaßten Neubau und die ein oder andere brutale Bausünde (Sparkasse). Nicht weniges steht leer und gammelt vor sich hin.

      Ein Problem im Main-Tauber-Kreis ist die schrumpfende Bevölkerungszahl. Junge Leute ziehen zudem häufig auf die grüne Wiese, viel wird über das Internet oder im Supermarkt im Gewerbegebiet konsumiert, so daß die Innenstadt leidet.
      Dazu kennt man Fachwerk aus jedem Ort, sodaß man dieses nicht im Besonderen schätzt, Flachdachkisten teilweise sogar immer noch als "modern" ansieht. Die Region besitzt leider auch kaum akademisch-intellektuelles Potential; man freut sich hier mehr über ein neues Gewerbegebiet auf der grünen Wiese, das Arbeitsplätze schafft, als über schön hergerichtete Altbauten.
      Bad Mergentheim hat es geschafft, mit der (sehr kleinen) Hochschule und als Rentnerparadies mehr Leben im Ort zu halten. Wertheim hat immerhin deutlich mehr Tourismus.

      Trotz alledem: TBB ist sehr nett und die Main-Tauber-Region ist für ein Wochenende auf jeden Fall tauglich.
    • Lieber Eduard,

      nun, ich habe natürlich keine Fotos von Häusern der 50er und 60er Jahre eingestellt, ebenso wenig solche von Flachdachkisten oder Schuhschachteln, zumal es diese doch überall gibt. Vielmehr wollte ich Gebäude mit Charakter und eigener Prägung vorstellen und die gibt es eben auch in der über 1.200 Jahre alten Stadt an der Tauber, wie z. B. Kragsteine mit Fratzengesichtern und manch schöne, mehrundertjährige Fachwerkhäuser. Der Marktplatz, Teile der Hauptstraße, der Schlossplatz und mit Einschränkung (Sparkassenklotz) auch der Sonnenplatz sind immer noch schön und strahlen eine behäbige Gemütlichkeit aus.

      Dass in Tauberbischofsheim sehr viel Schönes verschwunden ist, tut mir in der Seele weh. Man hätte manches wohl retten können, wenn "von oben her" mehr Sinn und Verständnis vorhanden gewesen wäre. Ich habe auch Fotos von leer stehenden und gefährdeten Häusern eingestellt, also nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Es wurden z. B. am Lieblerhaus seitens der Stadt Notsicherungen vorgenommen, so dass ich hier die Hoffnung hege, dass dieses herausragende Meisterwerk des Fachwerkbaus doch noch gerettet wird.

      Dennoch fürchte ich in Bälde weitere Verluste an historischen Häusern deren Charakter und Ausstrahlung kein noch so steriler, kühler Neubau jemals wird wieder bringen können. Für eine Stadt an der Romantischen Straße sollten die Stadtoberen endlich begreifen, dass, wenn es nur noch moderne Kisten geben sollte, man die Romantik dann endgültig vergessen kann. Jetzt könnte man das Ruder noch herumreißen, wenn es aber mit den Abrissen so weiter geht, ist es bald unwiederbringlich zu spät.

      Es lag mir fern, mit den von mir eingestellten Bildern etwas schöner darzustellen, als es nun mal ist. Mancher sieht mehr das Schöne, das ihn begeistert, andere richten vielleicht ihren Focus mehr auf das, was ihnen missfällt. Und allen wohl getan ist eine Kunst, die niemand kann. So wollte ich eben das Schöne und Charakteristische der Bischemer Altstadt zeigen, ein altes fränkisches Landstädtchen. Wenn ich die wirklich enorm vielen "gefällt mir" betrachte, die ich dafür erhalten habe, wofür ich herzlich danke, dann schließe ich daraus, dass diese Bilder vielen Foristen gefallen haben und sie Freude beim anschauen hatten..

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    • @Villa1895
      Deine Bilder sind großartig! Dies ist hier - auch durch die umfangreichen Erläuterungen zu den einzelnen Motiven - eine der besten Galerien im Forum.

      Eduard, was heißt hier "tendenziell zu freundliches Licht"? Warum sollten wir hier im Forum bevorzugt Schlechtes zeigen? Sich mit historischer Architektur zu befassen, ist ein spezielles Interessengebiet. Hier geht es nicht darum, etwas "zu freundlich" oder "geschönt" darzustellen, sondern das zu zeigen, was uns interessiert. Wenn wir das hier nicht tun, wer dann und wo?

      Wir haben diese Diskussion auch gerade bei der Nürnberger Galerie. Dort wird behauptet, die schönen Bilder von Gmünder seien nicht "realistisch". Die Bilder zeigen doch aber einen Teil der Realität, und zwar den Teil, der mich interessiert. Es bedeutet nicht, die Augen vor der "Realität" zu verschließen, wenn man sich mit dem beschäftigt, was einen interessiert. Teil der Realität sind z.B. Fußballspiele und Rockkonzerte. Ich weiß das, gehe aber trotzdem nicht dorthin, sondern beschäftige mich z.B. mit alter Malerei. Scheinbar "alle" sagen: das ist ja so langweilig. Haben die das Monopol auf "die Realität"? Nein. Wenn sich keiner mehr mit den alten Kunstwerken und Bauwerken beschäftigt, dann verschwinden sie erst aus dem Bewusstsein und später ganz. Wir dürfen uns von der Tatsache, dass die Masse der gebauten Umwelt banal und modern ist, nicht vorschreiben lassen, was wir sehen (wollen). Es ist ein Irrtum zu glauben, wenn wir die hässlichen Seiten unserer Städte zeigen, würden sich die meisten Menschen nach schönen alten Gebäuden sehnen.
    • @Rastrelli: Es geht in dem Fall auf den du anspielst aber doch nicht um die Frage, ob etwas Teil der Realität ist oder nicht und womit man sich befassen möchte und womit nicht, sondern um die Korrektur einer verzerrten Wahrnehmung.

      Sollte man einen Schwerkranken, der nicht zum Arzt geht, weil er sich einredet, kerngesund zu sein, in seinem Irrglauben bestätigen? Oder sollte man ihm nicht vielmehr mit der Wahrheit konfrontieren, damit er sich endlich in Behandlung begibt? So steht es doch um Nürnberg und viele andere größere und kleinere Städte in Deutschland.