Tauberbischofsheim (Galerie)

  • Willkommen Alfred. Nach dem was du berichtest, hat mein erster Eindruck von Tauberbischofsheim wohl leider nicht getäuscht. Dein letztes Photo vom Reformhaus am Sonnenplatz ist dafür doch eine Freude. Leider hatte ich bei meinem Besuch im letzten Jahr diesen wohl durchaus sehenswerten Platz (oder?) verpasst.

  • Hier noch einige Bilder der profanierten Peterskapelle Ältester Bau der Stadt (Dachgebälk des Chores lt. dendrologischer Untersuchung um 1170), diente als Friedhofskapelle etwa ab 1560 bis 1852. Ferner einige Innenaufnahmen aus der Stadtkirche St. Martin. Das Sakramentshäuschen von 1448, die Beschläge der Sakristeitüre neben dem Sakramentshäuschen ebenfalls gotisch. Ausschnitte aus dem Hochaltar, der der aus Gamburg an der Tauber stammende Kgl. Professor in München, Thomas Buscher in den Kriegsjahren 1915/16 geschnitzt hatte. Die Stadtkirche wurde 1910-14 unter dem sehr kunstsinnigen Stadtpfarrer Wilhelm Epp erbaut.

  • Willkommen Alfred. Nach dem was du berichtest, hat mein erster Eindruck von Tauberbischofsheim wohl leider nicht getäuscht. Dein letztes Photo vom Reformhaus am Sonnenplatz ist dafür doch eine Freude. Leider hatte ich bei meinem Besuch im letzten Jahr diesen wohl durchaus sehenswerten Platz (oder?) verpasst.

    @MunichFrank


    danke, das schöne barocke Haus steht am Sonnenplatz, der seinen Namen vom früheren Gasthaus zur Sonne hat. Der Platz ist noch einigermaßen erhalten, auch wenn an einer Ecke schon das Ungetüm der 1973 errichteten Sparkasse auftaucht. Dort stand bis 1973 noch ein wunderschönes, großes Gutshaus mit Garten von 1805, das noch barock wirkte (mit Mansarddach) Der Sonnenplatz war Poststation, 1912 fuhr die letzte Postkutsche nach Hardheim im Odenwald. Das von meinem Partner aufgenommene Gebäude, das ich eingestellt habe, zeigt die "Apotheke am Sonnenplatz", welche um 1700 errichtet worden war. Auf einem meiner Bilder sieht man ein idyllisches Eckchen, einen überwucherten Turmstumpf, neben einem Bach. Es steht dort noch ein Stückchen der Stadtmauer. Es handelt sich bei dem Turm um den sog. "Hexenturm", der aber keiner war.

  • Hier noch eine nette Seite mit zahlreichen Bildern von TBB:


    http://www.tauber-franken-onli…uberbischofsheim/Altstadt


    Die Fotos auf dieser Seite (einfach mal durchklicken!) beweisen, dass die Stadt auch in den Nebengassen noch über zahlreiche idyllische Winkel verfügt. Leider sind viele Gebäude unbewohnt und stark heruntergekommen und die Zeichen stehen hier eher auf Abbruch, als auf eine behutsame Einzelobjektsanierung. Unter Stadtsanierung versteht man in TBB offenbar in erster Linie Totalabbruch mit anschließender Neubebauung. Die Stadt verliert immer mehr an Individualität und Charakter, da viele alte Häuser werden durch belanglose 08/15-Kisten ersetzt werden. Vor allem in den Nebenstraßen werden dann wohl nur diejenigen Gebäude erhalten bleiben, die unter Denkmalschutz stehen. Und so sieht es dann bald überall aus (Ringstraße hinter dem Rathaus):


    http://www.fnweb.de/polopoly_f…atives/text_550/image.jpg


    http://www.fnweb.de/polopoly_f…atives/text_550/image.jpg


    Hier muss wirklich ein Umdenken stattfinden, denn die Altstadt hat wirklich noch Potential.

  • Der Zustand der Häuser ist teilweise schlimm heruntergekommen. Sprossenlose Fenster, Fensterrahmen verschlissen, fast keine Fensterläden, der Putz das letzte mal vor Jahrzehnten erneuert, von einer Fachwerkfreilegung ganz zu schweigen, die allgegenwärtigen Satellitenschüsseln. Keine Überraschung, dass da schnell Leute mit dem Abrissargument zur Hand sind. Hier müsste die Stadt ein Sanierungskonzept erarbeiten, dass es auch für junge Leute attraktiv macht, in solchen Häusern noch zu wohnen. Sonst sehe ich die Abenddämmerung heraufziehen.

  • Nun, als gebürtiger Büschemer möchte ich sagen, dass zwar leider Gottes sehr, sehr viel abgerissen wurde, aber dass es doch auch wieder nicht "ganz so wenig" ist, was übrig geblieben ist. Die Wikipedia-Liste bringt wirklich nicht alles.

  • Hier habe ich einige Bilder von Tauberbischofsheim gefunden, die ca. 1988 aufgenommen wurden und welche ich euch nicht vorenthalten möchte. Zwar sind diese nachbearbeitet, evtl. dennoch vorhandene Mängel bitte ich zu entschuldigen:


    Das Rathaus, nach plänen von 1855 im Jahre 1866 im neugotischen Stil auf 1.200 Eichenpfählen errichtet:


    Rathaus und Marktplatz:





    Martplatz Ostseite, die ursprünglichen Häuser etwa 1970 abgerissen und in Anlehnung daran neu erbaut. Einst waren rechts (Gasthaus zum goldenen Stern") und das Haus mit den Frantzenköpfen (La-Roche-Haus (Spolien von 1670) verschiefert. Beim Abbruch kam das ursprüngliche Fachwerk zutage, das besonders beim Goldener-Stern-Haus ungleich reicher und schöner war als dies jetzt der Fall ist:




    In der Hauptstraße der "Unterstadt". Die meisten der ehedem gotischen Häuser auf der rechten Seite waren schon durch Neubauten ersetzt, immerhin mit Giebel zur Straße. Das Haus, vor dem ich stehe, ist leider nurmehr zu erahnen. Es ist eines der schönsten Fachwerkhäuser, das mit reich geschnitzten Bildtafeln unter den Fenstern versehne "Lieblerhaus" oder auch "Melusinenhaus" genannt, weil dort mehrere Meerjungfrauen (mit jeweils zwei Fischschwänzen) geschnitzt sind. Leider steht das Gebäude schon mindestens 20 Jahre leer. Der Eigentümer, eine Drogeriekette, der das Nachbarhaus gehört, würde das Haus von außen erhalten und renovieren, wenn innen alles neu wäre. Das Denkmalamt lehnte ab, so zerfällt das Haus. Die Stadt ließ wenigstens eine Notsicherung durchführen. Dennoch bin ich mehr als skeptisch, ob dieses Haus von 1628 gerettet werden kann:




    In der unteren Hauptstraße, knapp am Marktplatz gelegen, das wohl schönste Barockhaus der Stadt, von Weinhändler Bögner 1744-1746 errichtet. Ungewöhnlich die Thematik der Figuren. Maria und Johannes anstatt unter dem Kreuz, stehen sie hier unter dem Auferstandenen. Leider hat man Mitte des 20. Jh. im Innern des Hauses sowohl die prachtvollen Stuckdecken abgeschlagen, als auch das schmiedeiserne Rokokogeländer entfernt bzw. zerstört:








    Hauptstraße(Oberstadt). Hausmadonna an einem ehemaligen Weinhändlershaus, Rokoko, 1756. Heute befindet sich diese Madonna im Tauberfränkischen Heimatmuseum (im Schloss):







    Hauptstraße, die Staue des "Riesen" am einstigen Gasthaus zum Riesen, 1736:





    "Kurmainzisches Schloss" mit Kapellenerker, direkt anschließend die "Beichtnische", das Schloss als Dienssitz des Amtmanns des Kurfürsten von Mainz im Wesentlichen um 1480/1490 errichtet, einzelne Teile um 1600. Der Türmersturm (mundartlich "Dörnersduure") um 1200, ebenso alt sind mehrere runde oder halbrunde Türme:







    Das Schloss vom Schlosshof aus anderer Perspektive. Man sieht, wie das Schloss um weitere Bauteile "gewachsen" ist. Ganz rechts, das sog. "Jägerhäusle" mit schönem Rennaissancefachwerk, das Amtmann Caspar Lerch von Dirmstein um 1610 errichten ließ:







    Blick vom Schlosshof (links wieder das "Jägerhäusle") hinüber zur Stadtkirche St. Martin (erbaut 1010-1914, Turmhelm der Vorgängerkirche um 1750):








    Blick auf das Schloss von der Westseite (Rückseite). anstelle des Parklatzes(heute Einfahrt zu einer Tiefgarage) befand sich einst der "Hirschgraben" und das Blumengärtchen des Schlosses. Der Fachwerkbau links ist ein Anbau um 1600. Man erkennt rechts den Stunpf eines früheren Turms und rechts davon die hohen Fenster eines großen Saales, der sog. "Kemenate":








    Der Türmersturm (um 1200), die welsche Haube mit Laterne um 1600. Oben war die Wohnung des Türmers. Ein Vorfahre meiner Mutter war einer der letzten Türmer. Als man ihn tot fand, war er schon steif. Man ließ ihn in den Ohrenbackensessel gebunden aus der Tür, welche man hier oben sieht von oben herab, an der Aufzugsrolle, an der er sich sein Essen früher hochgezogen hatte:








    Blick vom "Krötenbrunnen" von 1926 zum Schloss. Die steinerne Kröte (ganz rechts) rechts speit Wasser. Man sieht aber links auch die Schmalseite des gotischen Fachwerks der "Kemenate", von der noch der Rest des Wehrgangs der einstigen Stadtmauer abgeht::








    Auf dem Gelände des zugeschütteten ehemaligen Stadtgrabens errichtete man 1908/1909 die Volkschule, da das alte Schloss hierfür viel zu klein geworden war. Das Schulgebäude ist in Formen der Renaissance in Buntsandstein erbaut worden. Besonders schön finde ich das Portal mit den prachtvollen schmiedeisernen Gittern am Portal und darüber:








    Malerische Partie in der Nähe des Schlosses mit Stadtmauerrest mit dem sog. "Hexenturm", der aber keiner war, sondern als Gefängnis zahlungsunfähiger oder unwilliger Schuldner diente: Hier floß "die alte Boach" durch die Stadtmauer, die in der Stadt 2 Mühlen antrieb. Die Stadtmauer war um 1230 erbaut worden:








    Blick vom Grabenweg (einst: "hoher Wall") zum Stadtmauerest und zu dem Teil des Schlosses, der sozusagen die Vorburg war, da er einen Gutshof beherbergte, der die Mainzischen Äcker und Weinberge bebaute. 1788 von Kurmainz im Rahmen einer Verwaltungsreform an den letzten Pächter verkauft. Fast alle der alten Häuser, die man hinter der Mauer sieht, wurden inzwischen abgerissen:








    Peterskapelle seit etwa 1560 Friedhofskapelle (Friedhof 1852 aufgelöst). Eine dentrochronologische Untersuchung des Dachstuhls ergab , dass die Dachbalken im Winter 1170 gefällt worden waren. Mithin ist die Peterskapelle das älteste Gebäude von Tauberbischofsheim:





    Blick vom Balkon meiner Eltern auf die Altstadt von Tauberbischofsheim mit Stadtkirche St. Martin und Schloss:


  • Lieber Zeno,


    ich persönlich kenne das alte Lieblerhaus nicht von innen, war also nie darin. Es könnte durchaus sein, dass es dort z. B. noch wertvolle Wandvertäfelungen, ober Stakketen des Treppengeländers aus der Erbauungszeit 1628, also aus der Renaissance, oder vielleicht auch aus dem Barock gibt. Die bestimmt wertvolle Pieta, die als Hausmadonna am Haus war ist seit geraumer Zeit verschwunden. Zuesrst die Pieta, dann auch der schon leere Kasten. Meine Schwester konnte dazu nichts herausbringen. Bevor aber das Haus ganz und gar zu Grunde geht, wäre ich dafür, dass man das Innenleben opfert, damit wenigstens die äußere Gestalt, auch zur Seite, zur Bachgasse hin bewahrt bleibt. Allerdings muss ich noch darauf hinweisen, dass das Nachbarhaus, jetzt nichts sagend modern, ehedem, also der Vorgängerbau eine wunderschöne Barockfassade (um 1711) aufwies. Das war das Gasthaus zur Bretze, ursprünglich eine Bäckerei, deren Bäcker sich um eine Schildgerechtigkeit zum Ausschank von Wein erfolgreich bemüht hatte. Deshalb erhielt das Gasthaus den Namen "Zur Bretze". Im Fränkischen gab es oft Bäckereien mit Weinausschank. In meiner Jugend gab es das noch in Würzburg. Jedenfalls hat der Drogeriemarkt diese schöne Barockhaus, das sogar noch die alten Fenster aus der Erbaungszeit hatte (mit Bleistegen zwischen den Scheiben) nicht verschont. Da wurde keine Fassade bewahrt, auch nicht im Obergeschoss. Auch das schöne barocke Treppenhaus ist dahin, wie auch die Stuckdecken und Türen. Das hat diesen Drogeriemarkt alles einen feuchten Kehricht interessiert. Nun gut, oder besser gesagt schlecht, es ist halt dahin wie so Vieles andere in Büscheme auch.

  • :kopfschuetteln: Eine schöne Schande alles so vergammeln zu lassen , in der ehemaligen DDR gab,s Häuser die sahen auch so aus ...

  • Aber in Tauberbischofsheim und anderen Orten gibt es Häuser, die sind noch viel mehr vernachlässigt.

    Das ist mir in Franken auch oft aufgefallen. Woran liegt das eigentlich? Bevölkerungsabnahme? Wirtschaftliche Schwäche? Kulturelles Desinteresse?
    Und welche Gegenmaßnahmen wären notwendig?

  • Das finde ich aber nun sehr schade, daß das Melusinenhaus so vernachlässigt wurde und sein Schicksal ungewiß ist. Über diese Melusinendarstellungen habe ich erstmals gelernt, was das für Wesen sind!
    Jetzt möchte ich mich auch mal outen, denn ich verbrachte beruflich 2 Jahre in Tauberbischofsheim (1988-90) und erkundete damals viel in der ganzen Gegend bis nach Würzburg, Wertheim, Bronnbach , Mergentheim hin etc.. Ich genoß sehr die weniger starke Bevölkerungsdichte in der Landschaft. Die Bilder von Villa haben mich nun wieder an diese Zeit erinnert. Damals hatte TBB noch Flair. Offensichtlich kein guter Stern in der Stadtverwaltung zwischenzeitlich am Wirken für Erhalt und Revitalsierung des Stadtkerns. Hm, ist ja auch ein sehr kleines Städtchen. Waren das nicht Ende 80iger gerade mal um die 13000 Einwohner!? Und heutzutage?

  • Lieber SchortschiBähr,


    das ist ja eine echte Überraschung, dass du 2 Jahre in Büscheme gewohnt hast. 1988 - 1990 waren allerdings auch schon sehr viele schöne Häuser und Ecken abgerissen, allerdingskein Vergleich zu jetzt. Da ich Tauberbischofsheim durch Versetzung nach Stuttgart bereits 1976 verlassen habe und dann nur noch besuchsweise dort war, haben wir uns leider nicht kennen gelernt. Ursache zu dieser Entwicklung des Verlusts ines Großteils der Altstadt vermute ich in einer Reihe von Bürgermeistern, die eingeschworene Modernisten sind und sich Denkmäler der Moderne setzen wollen.


    Ja, die ganze Gegend ist auch heute noch ein wahres Schatzkästlein. Angefangen von den Oktogonkirchen in Grünsfeld- OT Hausen und Wittighausen bis hin zur Eulschirber Mühle bei Gamburg, die nicht wie eine gewöhliche Mühle, sondern mehr wie ein verwunschenes, verträumtes Schlösschen der Renaissance aussieht (erbaut, wenn ich mich nicht irre, um 1570). Ganz aus Stein errichtet mit mehreren polygonalen Erkern, Schweifgiebeln und einem Treppenturm, dessn Wendeltreppenstufen der Sage nach bis in die Tauber hinabführen. Es geht davon die Melusinensage, dass dereinst eine junge Melusiene samstags abends heraufkam, der junge Müller sich in diese verliebte und irgend etwas unternahm (was ich nicht leider mehr aus der Erinnerung zusammen bringe, obwohl es mir unser Vater in meiner KIndheit mehrfach erzählt hatte), damit die Wasserjungfer länger bliebe und so zu spät zu ihrem Vater, dem Wassermann zurück kam. Sie hatte dem Müller vorher schon erklärt, wenn sie nicht zur rechten Zeit zurück sei, müsse sie sterben. Das Wasser unten im Treppenturm, wo es zur Tauber geht, sei dann blutrot gewesen, die Melusine sei auch nie mehr erschienen.

  • Man merkt bei den drei Häusern schon sofort , dass sie Neubauten sind allein schon aufgrund ihrer schmalen, viel zu symmetrischen Streben, die höchstwahrscheinlich nur zum dekorativen Zweck dienen und nicht mehr dem statischen. Auch die aufgesetzten Sprossen auf den Fenster und die Rollläden sind ein weiteres Indiz. Insgesamt gesehen schade, dass die Originale nicht mehr stehen, aber besser als ein 70er Waschbetonklotz sind sie allemal. Gibt es vielleicht von den Originalen historische schwarz weiß Fotos, Ansichten?
    Zu Franken im Allgemeinen kann ich auch sagen, dass leider u.a.aufgrund des demografischen Wandels der Zustand der Häuser auch bei meiner Reise nicht sonderlich erfreulich war :weinenstroemen:

  • Bei der Rekonstruktion wurde aber insbesondere beim linken Haus ganz schön gefuscht: so schnell wird aus einem Giebelhaus ein Haus mit traufseitigen Dach!
    Total untypisch für die Region war übrigens die Schieferverkleidung. Wir sind hier schon ein gutes Stück weg vom rheinischen Schiefergebirge!

  • Hallo Fachwerkliebhaber,


    Tauberbischofsheim gehörte sehr, sehr lange zum Mainzer Kurstaat. Die fränkischen Könige schenkten Bischofsheim ad Tuberum dem Mainzer Missionsbischof dem "Apostel der Deutschen", St. Bonifatius als Eigenbesitz. Seitdem trägt die Stadt den Namen Bischofsheim, ab etwa Mitte des 19. Jh. dann Tauberbischofsheim, um zu vermeiden, dass Post falsch zugestellt wird, da es im deutsch sprachigen Raum mehrere Orte namens Bischofsheim gibt. Der ursprüngliche Name vor der Umbenennung in Bischofsheim ist vollständig in Vergessenheit geraten.


    St. Lioba, die in Wimborne eine sehr gute Ausbildung erhalten hatte (Briefe an dem Oheim Bonifatius (Geburtsname Winfried) in bestem Latein verfasst, künden von ihrer Bildung) war wie St. Walburg mit Bonifatius verwandt. St. Lioba gründet in Bischofsheim das erste Frauenkloster Germaniens, in dem die Töchter des fränkischen Adels ausgebildet wurden. Jedenfalls war Bischofsheim damals bereits befriedet und soweit christianisiert, dass Bonifatius seine Verwandte getrost dorthin senden konnte. Die Hl. Lioba starb nach manchen Berichten im Jahre 780 , nach anderer Meinung 782.


    Bischofsheim gehörte kirchlich jedenfalls ab der Schenkung an den Hl. Bonifatius bis zum Ende des Mainzer Kurstaats stets zu Mainz. Es gab nach Mainz vielfältige Beziehungen, ebenso zum Erzstift St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, das große Besitzungen in Bischofsheim hatte. Diese Beziehungen zu Mainz und dem Mainzer Kurfürstentum können vielleicht die einst verschieferten Häuser in Tauberbischofsheim erklären. Es gab, zumindest in meiner Jugend in der Umgebung von Tauberbischofsheim immer wieder mal verschieferte Häuser, wenn auch nur gelegentlich anzutreffen.

  • Das Limbach-Haus, Frauenstraße 29, gilt als das älteste erhaltene der Stadt - es ist schließlich von 1481:


    Bild 6686


    http://www.bauforschung-bw.de/…97941-tauberbischofsheim/

    @ Zeno,


    im Limbachshaus habe ich in meiner Jugend schöne Stunden verbracht. Im Jahre 1972 waren meine Schwester und ich am 02. Januar dort eingeladen. Das Haus war innen sowas von urig, unten eine große Halle, hinter dem Eingangstor, das Fachwerk war großteils sichtbar, , oben eine Diele mit dem Spinnrädchen der Großmutter, ein kleines, aber schönes Wohnzimmer, etwa Spätbiedermeier, dann das alte Klavier, wir sangen Lieder, was das Zeug hielt und labten uns am köstlichen Glühwein, dessen Rezept ich noch habe. Die zwei Alten (beide Jg. 1907) spielten vierhändig Klavier. Es herrschte eine Bombenstimmung. Das Haus soll lange Jahrhunderte Übernachtungsquartier für Fuhrleute gewesen sein. In Bischofsheim gab es um 1800 bei 1.000 Einwohnern immerhin 26 Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit und Ausspanne, die zum größten Teil durch den Zwischenaufenthalt der Kutschen und Übernachtung der Reisenden existierten. Bischofsheim wurde noch auf einer Karte von 1858 als Poststation erster Klasse bezeichnet.

  • Hier noch einige alte Dias von etwa 1988 von Tauberbischofsheim.


    Hier ein interessantes und malerisches Haus von 1575 mit hübschem, verschiefertem Erker bzw. Türmchen, das einst ein sehr wohlhabender Bürger, Julius Zehender, im oder am Zwinger (oberer Stadttorzwinger) errichtet hat. Das ist auch auf dem Wappen über der Hofeinfahrt genannt. Früher war das Haus etwa doppelt so groß und würde später geteilt. Leider ist das Renaissancefachwerk bisher nicht frei gelegt und leider sind auch die alten Fenster mit Bleistegen gegen Ganzfensterscheiben ausgetauscht worden. Man darf schönes Zierfachwerk annehmen, denn Julius Zehender zur zu seiner Zeit war, nach erhaltenen Unterlagen über Steuerschätzungen, der reichste Bürger der Stadt Bischofsheim an der Tauber. Auch gibt es immerhin noch eine alte Hausmadonna am Erker:


    Kath. Stadtkirche St. Martin, Mittelschiff




    Hochaltar von 1916 (geschnitzt vom kgl. Professor Thomas Buscher),
    links gotisches Sakramentshäuschen von Konrad Krebs 1448:




    Valentinusaltar, Rokoko, von 1756, Valentinus als Schutzpatron gegen die Fallsucht (Epilepsie):




    http://stadtbild-deutschland.o…O_1024x1024_2500KB.md.jpg




    rechts der Annenaltar, das Altarblatt stellt dar, wie die Hl. Maria durch Ihre Mutter St. Anna in der hl. Schrift unterrichtet wird; gemalt von Anton Urlaub.
    Links Pestpatron St. Rochus (dem Hund fehlt seit der letzten Renovierung leider der Weck im Maul), rechts der Hl. Sebastianus:




    Dias leider von schlechter Qualität, ich bitte um Nachsicht. Das Riederngrabmal von 1588. Der Text unten auf den beiden Schriftafeln beginnt: Alexander seines Namens, der letzte von des Riedern Stammes... Das Grabmal wurde bereits zu Lebzeiten des Alexanders von Riedern errichtet.




    Queerschiff der Stadtkirche