Braunau am Inn

  • Übrigens ist Braunau am Inn geschichtlich auch ein Schnittpunkt zwischen Napoleon und Hitler (wenn man hier schon Vergleiche anstellt). In Braunau gibt es nämlich auch den Palmpark mit dem Denkmal von Johann Philipp Palm. Der war ein Nürnberger Buchhändler, der Pamphlete gegen die französiche Besatzung vertrieb und auf persönlichen Befehl Napoleons nach Braunau verbracht und dort hingerichtet wurde. Widerstand mochte Napoleon nämlich auch gar nicht, auch nicht durch Zivilisten, und so schließt sich der Kreis dieser Persönlichkeiten ausgerechnet in dieser Stadt.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Philipp_Palm

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Sehr guter Beitrag, volle Zustimmung meinerseits; bis auf:


    Im Gegensatz zu Napoleon presste er die Männer der besiegten Länder nicht in seine Armee und zwang sie nicht, gegen seine anderen Gegner zu kämpfen

    Dies hatte ausschließlich rassistische Gründe. Die unterlegenen Luxemburger wurden beispielsweise als Vollarier angesehen und die Jahrgänge 1920-1927 von der Wehrmacht zwangsrekrutiert.

  • Dies hatte ausschließlich rassistische Gründe. Die unterlegenen Luxemburger wurden beispielsweise als Vollarier angesehen und die Jahrgänge 1920-1927 von der Wehrmacht zwangsrekrutiert.

    Nicht ganz. Luxemburger galten aus Sicht der großdeutschen Ideologie als Deutsche, genauso wie Elsässer. Aber in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Norwegen und Nordfrankreich lebten aus NS-Sicht auch Arier, doch gab es dort nur Rekrutierungsstellen der Waffen-SS für Freiwillige. Es meldeten sich auch Tausende wie z.B. in der niederländischen SS-Division Nederland, der dänischen Division Wiking oder der belgischen SS-Division Flandern. Es gab sogar bosnische und albanische SS-Einheiten, was den Rassenvorgaben auch nicht ganz entsprach.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Und im Gegensatz zu Stalin gab es in Deutschland keinen willkürlichen Terror gegen einzelne Gruppen innerhalb der Volksgemeinschaft.

    Aha.
    Was geschah nochmal am 9./10. November 1938?
    Oder sollen wir es jetzt den Nazis gleichtun und Juden aus der "Volksgemeinschaft" herausrechnen???

  • Nein, nein, ganz so ist das nicht gewesen!


    "im Gegensatz zu Stalin gab es in Deutschland keinen willkürlichen Terror gegen einzelne Gruppen innerhalb der Volksgemeinschaft."
    Das stimmt nur, wenn man Volksgemeinschaft so definiert, dass Kommunisten, Juden, Sozialdemokraten, irgendwelche exotischen Gebetsbrüder und -schwestern, Zigeuner, Schwule u.v.a.m. nicht zur Volksgemeinschaft gehören. Wenn man nach heutigem Verständnis Volksgemeinschaft == Bevölkerung setzt, dann gab es sehr wohl Terror gegen Minderheiten!


    "ließ auch keine Offiziere hinrichten, wenn sie militärisch nicht siegreich waren"
    Friedrich Paulus bspw. hätte sich nach dem Willen von Hitler selbst erschießen sollen: http://www.stern.de/politik/ge…zuschiessen--3518202.html


    Weniger Überwachung durch Gestapo
    Mag stimmen, es gab damals einfach noch nicht so viele technische Überwachungsmöglichkeiten. Aber den damaligen Stand der Technik und der Menschen hat man ausgenutzt. Ein guter Blockwart ersetzt die deep-packet-inspection.


    Das einzige, was man dem damaligen Regime positiv anrechnen muss ist, dass die Rundfunkgebühr freiwillig war. Kein Radio - keine Gebühr. Wer sich die damalige Nazipropaganda nicht antun wollte, musste auch keine Rundfunkgebühren bezahlen. Die Chuzpe hatte nicht einmal Göbbels, für die staatlichen Propagandasendungen auch noch Zwangsabgaben zu kassieren. Da hat man heute weniger Skrupel.

  • Leute, ich habe doch schon geschrieben, daß es im Dritten Reich eine Sonnen- und eine Schattenseite gab, je nach Personengruppe. Die Zeile mit dem willkürlichen Terror sollte den Stalinismus von dem gezielten Terror der Nazis unterscheiden, mehr nicht. Natürlich gab es unter den Nazis Terror gegen ihre definierten Feinde, aber es gab nicht präventiv irgendwelche Verhaftungen von 10.000 NS-Funktionären oder 20.000 Landwirten oder 30.000 Wehrmachtsoffizieren, nur um Angst vor dem Diktator zu verbreiten. Hitler setzte beim Großteil des Volkes auf Zustimmung. Daher präsentierte er sich auch überall, hielt Ansprachen und empfing Besuchergruppen. Stalin agierte aus dem Dunkeln des Kreml. Nur die Zuschauer auf dem Roten Platz sahen ihn einmal im Jahr auf der Tribüne, von Weitem.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Es gab den sogenannten "Röhm-Putsch" und eine Welle von Verhaftungen und Morden danach. Die Leute wurden sicher nicht per Losverfahren ausgewählt, sondern standen schon auf irgendwelchen schwarzen Listen. Im Ergebnis musste man aber nach dem Röhm-Putsch mehr Angst vor Hitler haben.

  • Den Röhm-Putsch oder andere Maßnahmen gegen Oppositionelle kannst Du aber nicht mit den Vorgängen in der stalinistischen Sowjetunion gleichsetzen. Hier ging es um die ganz konkrete machtpolitische Ausschaltung potenzieller (teils innerparteilicher) Gegner und ein komplexes Intrigenspiel. Dahingehend erfolgten Verhaftungen im Stalinismus weitenteils völlig willkürlich, teils wegen Lappalien, teils um bestimmte Quoten zu erfüllen.

  • Nachdem der österreichische Innenminister mit seinen Abrissplänen zurück gerudert ist, unterstützt er die Haltung der Expertenkommission: "Sobotkas Sprecher stellt klar: An der Adresse Salzburger Vorstadt 15 soll künftig ein Haus stehen, das nicht mehr wiederzuerkennen sei."


    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/pol…ers-geburtshaus-1.3211201


    Inwieweit soll eine Fassadenänderung Neonazis daran hindern diesen Ort weiterhin aufzusuchen?


    Ist das nicht der nächste krampfhafte Versuch von modernistischer Seite, dass mit einer Umgestaltung des Äußeren dem Ort ein neutraler Geist eingehaucht werden könne? Es bleibt das Geburtshaus und es ist zu befürchten, dass die Anziehung mit der Umgestaltung erst so richtig an Fahrt gewinnen wird. Die Stellung des Hauses als bauliches Denkmal im Ensemble bleibt in der Betrachtung nebenbei völlig unberücksichtigt.


    Eine Verfremdung der Fassade ist modernistischer Fassadismus und keine Lösung der Aufgabe, die sich hier geradezu stellt. Vielmehr braucht es ein souveränes Nutzungskonzept, ein offenes Haus, das den Besucher auffordert sich mit den Abgründen und dem Schrecken auseinanderzusetzen, die Teil unserer Realität sind.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

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  • Für das Stadtbild nicht schlecht, sofern man es gut saniert.

    Herzliche Grüße


    Bilder von mir finden sich auch bei Wikimedia.

  • Das würde ich doch etwas differenzierter sehen.



    Das Geburtshaus AH ist bloß ein Haus und noch dazu ein sehr schönes. Dass AH hier geboren sein soll, dafür kann das Haus nichts. Wäre er in einem Spital geboren worden, dann würde man vermutlich nicht auf so ein blöde Idee kommen, wie das der etwas kurzsichtige Innenminister vor hatte.



    Ich habe keine Ahnung, ob das Geburtshaus oder die Erdhöhle noch gibt, in der JS geboren wurde? Wenn es das noch geben sollte, dann würde mich interessieren, wie man damit heute umgeht? Die selbe Nutzung wäre vielleicht auch im AH Haus denkbar.



    Das Mausoleum, in welchem JS liegt, das ist aber - meiner Meinung nach - tatsächlich ein anderes Kaliber. Für den vermutlich schlimmsten Mordsgesellen aller Zeiten (bis dato) ein solches Grabmal zu errichten ist schon sehr geschmacklos. Sein Überdauern ist nur so zu erklären, dass er halt den WK gewonnen hat. Wäre es umgekehrt gewesen und AH hätte gewonnen, dann würden vermutlich heute alle Schulklassen Europas auf Linzwoche ein ähnliches Ding besuchen dürfen (müssen)... Das Ding in Moskau gehört - den Opfern zu Liebe - zumindest gesprengt und der Inhalt vorher an Schweine verfüttert.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Die ganze Diskussion ist so typisch österreichisch - also in höchstem Maß unreflektiert und kindisch. Es wurde keine objektive Auseinandersetzung geführt die durch folgende historische Tatsachen geleitet hatte sein müssen:
    1 Hitler wurde als armer Schlucker nicht in dem noblen Stadthaus geboren sondern in einem absolut niederrangigeren Hintertrakt der schon längst beseitigt ist.
    2 Um der NS Propaganda zu entsprechen wurde diese Tatsache geschönt und der Geburtsort in das Haus mit der Biedermeierfassade gelegt.
    3 Die heutige Politik ist zu blöd diese Tatsachen zu sehen - wo sind dieHistoriker???
    4 Das Gebäude weist nicht nur eine typische Biedermeierfassade auf, sondernes besteht aus zwei spätmittelalterlichen ehemals giebelständigen Gebäuden, gut sichtbar an der Rückseite.
    5 Restauratoren und Restauratorinnen sollten sich das Gebäude mal gründlich ansehen, mittelalterliche, renaissancezeitliche Wandfassungen sind da leicht möglich, straßenseitig biedermeierliche, Empireausmalungen sind anzunehmen (Ich habe ein Gebäude mit ähnlicher Fassaden Waidhofen a.d.Ybbs mit Restauratorinnen befundet und unter einer Biedermeierputzschnittdecke war eine bemalte intakte spätgotische Holzdecke von 1530 dendrodatiert.
    6 Das Österreichische Denkmalamt ist überfordert - schläft – argumentationslos oder was weiß ich, jedenfalls nicht tätig

  • Das mit dem Anbau habe ich auch einmal gelesen, weiß aber die Quelle nicht mehr.


    Besucht habe ich Braunau im September bei einem Kurzurlaub in Niederbayern, wobei mich aber eher die bayerischen Spuren im ehemals bayerischen Innviertel interessiert haben (im Jahr 1779 nach dem Bayerischen Erbfolgekrieg an Österreich abgetreten, heute noch ersichtlich an Wappen oder ehemaligen Hofbräuhäusern usw., die lokale Sprache wirkte auf mich aber typisch "österreichisch" und anders als auf der anderen Innseite).


    Eine kleine Galerie gibt es hier im Bilderhosting.


    Eine Rückansicht des Hauses habe ich hier aufgenommen:



    Generell verstehe ich nicht, was mit dem Umbau bezweckt werden soll, eine Pilgerstätte war es bislang wohl nicht, und falls es sich zu einer entwickeln sollte, wäre doch der Ort als solcher entscheidend und nicht dessen Bebauung...

  • Ich habe keine Ahnung, ob das Geburtshaus oder die Erdhöhle noch gibt, in der JS geboren wurde? Wenn es das noch geben sollte, dann würde mich interessieren, wie man damit heute umgeht? Die selbe Nutzung wäre vielleicht auch im AH Haus denkbar.

    Dann hast Du noch nichts von Gori in Georgien gehört?


    Der Einfachheit halber verlinke ich mal Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef-Stalin-Museum_(Gori)


    Stalins Geburtsort schwelgt in Sowjet-Nostalgie
    https://www.welt.de/politik/au…-in-Sowjet-Nostalgie.html


    http://tripfreakz.com/offthebe…-museum-of-stalin-in-gori

  • Schon irre! Da koennte sich Braunau mit Gori zusammen tun und eine Art Museumsgemeinschaft gruenden. Haette gewisse Synergieeffekte. Vielleicht steht das Geburtshaus von Mao auch noch. Dann waere die Museumslandschaft perfekt. Und in Oesiland dachte man ueber einen Abriss nach...

  • @Heimdall


    Danke für die Info! Hätte nicht gedacht, dass man diesem wahrscheinlich schlimmsten Verbrecher aller Zeiten so ein verherrlichendes Museum errichtet hätte! Naja, in Wien hängt auch noch eine Erinnerungstafel an einem Hotel in der Nähe des Schlosses Schönbrunn, das zwar immer wieder mit allem möglichen Zeugs beschossen wird, aber trotzdem noch immer dort hängt.


    Man lernt aus der Geschichte: Egal wie viele Menschen man in den Himmel befördert hat, muss man tunlichst darauf achten, dass die eigene Schreckensherrschaft bis zum eigenen Tod andauert (und politisch auch noch darüber hinaus)!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • ablachen:) In Braunau und Gori könnte man die Topographie des Bösen eröffnen , obwohl Hitler Katholik war , und Stalin einst ein Priesterseminar besuchte ^^

  • Zur Frage nach dem tatsächlichen Geburtsort:
    Beweise gibt es mW keine, nur Berichte von einem alten Braunauer, der - glaubwürdig- das behauptet hat, was R. in ' 101 Punkt eins behauptet hat (zuletzt mW in der Wochenzeitschrift: Die ganze Woche).
    Für unsere städtebaulichen Anliegen sollte das an sich keine Rolle spielen, überhaupt wo der (von einem ÖVP-Innenminister!) geforderte Abriss offenbar von Tisch ist.
    Sicher könnte es die Diskussion entkrampfen. Dem Gebäude, dh der Fassade und der Straße täte es auch gut, den Krampf in den Hinterhof zu verlegen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.