Braunau am Inn

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    • Auch, wenn ich damit nichts wirklich Neues sage, möchte ich trotzdem meine Meinung kundgeben. Verbergen, vertuschen, abreißen - genau das Gegenteil von dem, was man tun sollte, nämlich auf die Geschichte aufmerksam machen, Bewusstsein bilden. Ein Dokumentationszentrum, eine Kunstinstallation, vielleicht ein moderner Anbau... das wäre doch in jeder Hinsicht am vorteilhaftesten!
      Anderswo in Österreich gehts doch auch.
    • Ehe man jetzt irgendwelchen "antifaschistischen" Pädagogen und "Künstlern" ein weiteres subventioniertes Jobangebot und Betätigungsfeld gibt (oder - im von "Steinbloß" verlinkten Fall - eine weitere Druckgrafik des KPD-Mitglieds Heartfield im öffentlichen Raum ausstellt), mit dem sie den Leuten auf den Wecker fallen, bin ich eher für Abreißen. Braunau braucht auch kein a la Nürnberger Kongresshalle oder Militärhistorisches Museum Dresden entstelltes Haus, an dem sich ein "Stararchitekt" durch allerlei "Keile" ausleben durfte. Nein, dann lasst lieber den Ikonoklasmus walten und das Haus a la Ulbricht sprengen.
    • Ich denke ein Museum zu Adolf Hitler und seinem Wirken wäre dann doch besser. Bitte kein pseudoantifaschistisches Gedöns. Allein das der Herr Künstler Pickelhaube und Eiche (Eichel) mit den Machenschaften der Nazis zusammenmengt, zeigt seine Unfähigkeit bzw seine krude Gedankenwelt. Das gleiche gilt für ein modernistisches Gedöns am Gebäude. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte geht nur mit dem Ort wie er ist und war. Braunau hat die "Ehre" sich in seiner Stadtgeschichte mit einem der größten Verbrecher der Weltgeschichte auseinander zu setzen. Das geht nicht durch Verunstaltung oder Zerstörung. Allein die Reaktionen auf das Haus zeigen, dass ich da recht habe. Alles andere wäre wieder nur der Versuch wegzulaufen und auszublenden. :daumenunten:
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Fusajiro schrieb:

      Ich denke ein Museum zu Adolf Hitler und seinem Wirken wäre dann doch besser.
      Na aber bitte nicht, als wärs ein x-beliebiger Schriftsteller oder Komponist.

      Nein, man sollte das Haus als ganz normales Haus nutzen, natürlich drauf achten daß sich dort keine Nazis einrichten und eine dezente aber deutliche Gedenktafel den Opfern des Faschismus. Mehr braucht es einfach nicht. Normalität spielen ist oft das beste bei sowas.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Fusajiro schrieb:

      Kaoru schrieb:

      Nein, man sollte das Haus als ganz normales Haus nutzen, ... Mehr braucht es einfach nicht. Normalität spielen ist oft das beste bei sowas.
      Wäre es, aber dafür muss sich ja erstmal wer finden...
      Eben, das hatte man ja die ganzen letzten Jahrzehnte. Ein ganz normales Haus. Da aber das Klima immer hysterischer wird (was natürlich eine Ablenkung von den heraufziehenden gesellschaftlichen Gewitterwolken ist), ist das offenbar offiziell nicht mehr gewünscht. Insofern wären wohl zwei Möglichkeiten: 1. Man reißt das Haus ab, und es ist Ruhe. So entsteht immerhin kein weiterer Anlaufpunkt für Vergangenheitsbewältiger. 2. Man sitzt die Sache aus, hofft, dass sich angesichts kommender Krisen das heutige Politik- und Kultur-Personal möglichst rasch erledigt hat. Dann könnte das Haus wieder ein ganz normales Wohnhaus werden.
      P.S.: Übrigens war Hitler kein Faschist. Er stand dem Faschismus Mussolinis teils reserviert gegenüber. Deshalb ist die Rede von den "Opfern des Faschismus" eher typische kommunistische Rhetorik, die sich nach der undifferenzierten Dimitroff-These ausrichtet.
    • Faschismus -fascis: Liktorenbündel/Bund- kann gewissermaßen alles heißen und deswegen muß man ihn nicht auschließlich auf den italienischen Faschismus angewendet werden. National-sozialistisch im eigentlichen Wortsinne (wie es heute vielleicht Nordkorea ist oder die posttrotzkistische Sowjetunion war) waren die Nazis auch nie, trotzdem hat sich die Eigenbezeichnung der Nazis etabliert.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kaoru ()

    • Ich halte einen Abriss auch für keine Lösung.
      Zum einen wäre es ein Verlust und Schaden für das Altstadt-Ensemble und das Stadtbild , zum anderen ein hilfloser Ausdruck der Ohnmacht unserer Gegenwart im Umgang mit einem unbequemen Kulturdenkmal. Die Vorstellung des Braunauer Bürgermeisters nach Entledigen des Gebäudes an selber Stelle einen Supermarkt zu errichten (Quelle: diepresse.com/home/zeitgeschic…iss-von-HitlerGeburtshaus) spricht aus meiner Sicht von kommerziellen Interessen, in deren Absicht jede Form von Geschichte unberücksichtigt bleibt und ohnehin stört. Vielleicht kann der konzeptionelle Umgang mit dem Hotel Silber in Stuttgart als Leitidee für das Gebäude in Braunau hilfreich sein (geschichtsort-hotel-silber.de/das-projekt/baugeschichte/).


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Kaoru schrieb:

      National-sozialistisch im eigentlichen Wortsinne (wie es heute vielleicht Nordkorea ist oder die posttrotzkistische Sowjetunion war) waren die Nazis auch nie,...
      Wie? Was sollen sie denn sonst gewesen sein? Die Politik der Nazis war eindeutig sozial. Nur nicht allgemein wie es im übergreifenden Sozialismus der Fall ist, sondern auf nationaler Ebene verbleibend in Kombi mit chauvinistischer Rassenideologie. Für die (meisten) Deutschen war die kurze Zeit vor dem Krieg wohl wie das Paradies, für den Rest natürlich nicht.


      zeitlos schrieb:

      Die Vorstellung des Braunauer Bürgermeisters nach Entledigen des Gebäudes an selber Stelle einen Supermarkt zu errichten (Quelle: diepresse.com/home/zeitgeschic…iss-von-HitlerGeburtshaus)...
      Damit will er wohl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Oder er ist einfach nur ein einfallsloser Feigling.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Fusajiro schrieb:

      Wie? Was sollen sie denn sonst gewesen sein? Die Politik der Nazis war eindeutig sozial. Nur nicht allgemein wie es im übergreifenden Sozialismus der Fall ist, sondern auf nationaler Ebene verbleibend in Kombi mit chauvinistischer Rassenideologie. Für die (meisten) Deutschen war die kurze Zeit vor dem Krieg wohl wie das Paradies, für den Rest natürlich nicht.
      Die Arisierung war keine Umverteilung, keine "Diktatur des Proleteriats", kein garnichts, aber die deutschen ließen sich halt lieber von "ihresgleichen" ausbeuten,Sozialistisch ist da nix dran (wenngleich man sich streiten kann inwiefern überhaupt je ein real existierende Staat wirklich sozialistisch war, ich selbst benutze die Doppelbeutung für das utopische Ideal des Sozialismus als auch für die die real entstandenen Gewaltsysteme die sich das auf die Fahne geschrieben haben um Mord und Gewaltherrschaft zu legitimieren)
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Wie schon unter "Was ist links?" ausführlich erörtert, sind "Faschismus" und "Nationalsozialismus" effektiv nicht deckungsgleich, und die Verwendung des Begriffs "Faschismus" für das NS-System hat wohl eher mit dem letztlich erfolgreichen Versuch zu tun, das Wort "Sozialismus" nicht zu diskreditieren.

      Vor dem Anschluß Österreichs gab es dort ja bekannterweise ein faschistisches System (siehe Austrofaschismus), in dem übrigens die Nationalsozialisten verboten waren.
    • Alle Ideologien sind nur Pläne und Gedankenkonstrukte, basierend auf den weltlichen Grundbedürfnissen des Menschen. Die 3 großen heben sich gegenseitig auf und können deshalb niemals 100% durchgesetzt werden. Sie sind nur Wege, keine Ziele. Das gilt logischerweise auch für ihre Abwandlungen und Erweiterungen wie Kommunismus, Nationalsozialismus, Wirtschaftsliberalismus u.s.w. Deswegen ist der größte Fehler der Menschen, zu glauben, es geht immer nur in eine Richtung.

      Die Art wie man diese Wege beschreitet bestimmt den Ist-Zustand. Und Adolf Hitler gehörte zu den vielen Menschen, die diesen Weg nicht mit Blick auf die Menschen gegangen sind. Damit sollte sich Braunau beschäftigen, sofern wirklich kein Wohnhaus mehr daraus wird.

      Den Begriff Faschismus müsste man wirklich mal genauer definieren. Er taugt wirklich nicht im Zusammenhang mit einer Gedenktafel. Für mich heißt dieser Begriff, sich in einem Bund zusammen zu raufen, um nur den einen Gegner zu bekämpfen und zu vernichten. Keine Ahnung inwiefern das was taugt. Ansonsten steht er für mich nur für Propaganda und Stigmatisierung. Einen Begriff ohne konkrete Definition kann man hervorragend mit allem möglichen beladen.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • So unpräzise würde ich den Begriff nicht definieren, wenn wir die faschistischen Staaten in Europa oder auch Südamerika betrachten (Italien, Spanien, vielleicht auch Portugal, kurzzeitig: diverse Verbündete Deutschland im 2. Weltkrieg, insbesondere die Slowakei, ggf. Chile, Argentinien):

      Er steht effektiv für einen autoritären Staat mit Führerprinzip, aber einer übergeordneten Verfassung, in dem die alten Eliten (Adel, Königshaus) ihre Privilegien behalten und in dem der Kirche eine bedeutende Stellung zukommt (vgl. Klerikalfaschismus in der Slowakei).

      Außenpolitisch ist er expansiv (z. B. Wiederherstellung der Grenzen des Römischen Reichs bei Italien, Gewinnung oder zumindest Bewahrung von Kolonien, z. B. Kolonialkriege unter Salazar), aber vergleichsweise maßvoll in seinen Zielen, er zeichnet sich durch einen gewissen Rassismus, aber nicht per se durch Antisemitismus aus.

      Damit ergeben sich schon eine ganze Reihe von Unterschieden zum Nationalsozialismus (kirchenfeindlich, eigene Eliten, zentralistische Wirtschaftsplanung, antisemitisch, extrem expansive und aggressive Außenpolitik, Verfassung komplett außer Kraft gesetzt usw.).

      Übrigens wurde an der Universität Perugia ab 1928 ein Lehrstuhl für Faschismustheorie eingeführt, Professor war Robert Michels.
    • Hitlers Geburtshaus soll einen neuen Mieter bekommen

      Welt Online schrieb:

      Die offizielle Expertenkommission hat sich auf Eckpunkte geeinigt, was aus Hitlers Geburtshaus in Braunau werden soll.

      Anders als Wiens Innenminister wollen die Experten keinen Abriss des Gebäudes. Es soll sich aber äußerlich verändern.

      Es soll auch eine neue Nutzung des Gebäudes geben: "Oberste Priorität muss haben, dass der Neonazi-Tourismus aufhört."

      Gab es denn diesen "Nazi-Tourismus"? Ich meinte hier im Forum stand, dass sich das doch arg in Grenzen hielt? Aber sonst gut für das Haus und das Ensemble, sofern die "äußerliche Veränderung" nicht zu stark wird.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • So wirklich kann ich es nicht beurteilen, als ich vor rund 3 Wochen neben vielen anderen Städten in Niederbayern auch Braunau (das Innviertel gehörte ja bis zum Frieden von Teschen 1779 zu Bayern - dort gab es sogar ein herzoglich bayerisches Hofbräuhaus) besuchte, gab es jedenfalls keinerlei "Neonazi-Tourismus" an diesem völlig unauffälligen Haus irgendwo neben Asia-Imbiß und Bio-Markt. Eigentlich nahm das überhaupt niemand irgendwie zur Kenntnis...
    • Das Haus sollte man auf jeden Fall erhalten. Und das bitte möglichst unverändert. Man kann nicht alle Spuren von Hitler und den Nazis wegwischen. Würde es in Berlin noch immer die Reichskanzlei geben, wäre das ein einzigartiges Stück der Geschichte. Egal wie böse die Braunen auch waren. Wenn man nun das Geburtshaus Hitlers abreissen würde, könnte man späteren Generationen nur noch erzählen, daß es über 70 Jahre nach Kriegsende beseitigt wurde.
    • Ich habe hier ja schon mal geschrieben, daß ich sogar mal in Simbach am Inn gelebt hatte und daher sicher hundertmal auch auf der anderen Flußseite in Braunau war. Es gab dort niemals einen Nazi-Tourismus und daher gehören solche Behauptungen ins Reich der Propaganda. Es gab auch zu meiner Zeit noch keine Gedenkplatte dort und daher kannten auch nur Einheimische das Haus. Natürlich gab es einige geschichtlich Interessierte, denen man dann das Haus gezeigt hatte oder man führte mal private Gäste mit einem verschwörerischen Lächeln dorthin (ich zeig auch mal das Haus vom A.H.)....
      Was ich aber nie gesehen hatte, waren Typen mit Springerstiefeln, Bomberjacken oder irgendwelchen Flaggen, die in der Szene so gerne verwendet werden.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
    • Neußer schrieb:

      Man kann nicht alle Spuren von Hitler und den Nazis wegwischen.
      Der Witz ist ja, dass es an dem Haus selbst keine Spuren von Hitler zu erkennen gibt. Selbst wenn es abgerissen werden würde, würde der Ort an sich ja erhalten bleiben.


      Der Münchner schrieb:

      Ich habe hier ja schon mal geschrieben, daß ich sogar mal in Simbach am Inn gelebt hatte und daher sicher hundertmal auch auf der anderen Flußseite in Braunau war. [...]
      Ahh! Der Münchner wars. Danke für die Erinnerung.

      Durch solche Artikel (bzw Aussagen der Lokalpolitiker) werden dem Auswärtigen Bilder suggeriert, welche nicht zutreffen. Aber es fällt schon auf, dass es nicht ein Bild von den Nazi-Touristen und Aufmärschen gibt. Aber was nun mal nicht existiert, kann auch nicht festgehalten werden.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Initiative Denkmalschutz meldet auf ihrer Facebookseite:

      So schnell kann es gehen: Zunächst äußert der Innenminister nur bescheiden seine "Privatmeinung",
      jetzt jedoch als Innenminister: Das Hitler Geburtshaus, wichtiger
      Bestandteil des Altstadtensembles von Braunau, soll abgerissen werden.
      Morgen, Dienstag tagt noch der Innenausschuss...
      ...und danach soll der Beschluss im Nationalrat folgen.

      Sicher nicht zufällig wurde das Ergebnis der Historikerkommission zeitnah zu den parlamentarisch notwendigen
      Entscheidungen präsentiert, sodass eine öffentliche Diskussion verhindert wird...


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch