• Allerdings dürfte heute kaum noch jemand Erinnerungen an die einstige Pracht haben.

    Das stimmt so nicht ganz. Ich habe Erinnerungen an die Pracht und bin Baujahr 1979. :) Erinnerungen sind nicht ans persönliche Erleben gebunden, nur an die Verfügbarkeit von Abbildungen und deren gutes Marketing. Umgekehrt glaube ich nämlich auch nicht, dass ein Zeitzeuge ohne Fotos heute noch in der Lage wär, auch nur ein einziges Haus des alten Hildesheims korrekt aus dem Gedächtnis nachzuzeichnen.

  • Eine ganz wichtige Rolle spielte der Architekt Heinz Geyer, gebürtiger Ostpreuße und dann nach dem Krieg Wahl-Hildesheimer. Er hat sowohl die Rekonstruktion des Knochenhauer Amtshauses , als auch die Teil-Rekonstruktion der Kaiserhausfassade und zum Schluss des Umgestülpten Zuckerhutes vorangetrieben und mit seinem Architektenbüro umgesetzt. 2015 ist er in hohem Alter gestorben.

    Solche Persönlichkeiten, denen es vor eigenem biografischen Hintergrund ein Herzensbedürfnis war, die baulichen Kriegsverluste wenigstens teilweise zu kompensieren und den Menschen etwas vor ihrer heimatlichen Identität zurück zu geben, gibt es leider nicht mehr. Ich glaube daher auch nicht, dass man an die Reko-Erfolge der letzten Jahrzehnte noch einmal anknüpfen kann.

    Edit: da habe ich wohl die Zitatfunktion falsch eingesetzt. Obiges ist meine Antwort auf Erbses Frage ...

  • Und wieder mal fällt auf, dass der ganz frühe Wiederaufbau (rechts) durchaus seine Qualität hatte, v.a. wenn die oft noch dem Heimatstil nachklingenden Fenstergliederungen erhalten blieben, während alles, was von ca. 1955 bis heute in solchen Kontexten gebaut wurde (links ein schönes Beispiel geschätzt 1978?), zu 100% Grütze war.

  • Bis auf wenige Ausnahmen bestanden Hildesheims Fachwerkhäuser aus meist traufständigen Blockrandbauten, die man so auch in anderen Städten und v.a. den umliegenden Dörfern noch bewundern kann. Einzelne Rekos machen da nicht immer Sinn. Bei der Brotmanufaktur zb. bestand das Problem, dass der Vorkriegsbau an der Stelle vollkommen belanglos gewesen war und Herrn Hoberg nicht repräsentativ genug.

    Eine Gestaltungssatzung, die Investoren an gestalterische Vorgaben und regionaltypische Elemente binden würde, würde in Hildesheim am meisten Sinn machen. Welche Bauwerke man in Einzelfällen rekonstruieren müsste, ist schon oft hier diskutiert worden.

  • Und wieder mal fällt auf, dass der ganz frühe Wiederaufbau (rechts) durchaus seine Qualität hatte, v.a. wenn die oft noch dem Heimatstil nachklingenden Fenstergliederungen erhalten blieben, während alles, was von ca. 1955 bis heute in solchen Kontexten gebaut wurde (links ein schönes Beispiel geschätzt 1978?), zu 100% Grütze war.

    Das erspart mir meine Frage nach dem guten Bau rechts. Er würde sich wie ein schlichter gewerblich genutzter Bau um 1900 ausnehmen. Man beachte das dagegensprechende, ziemlich hochwertige EG. Innerhalb des Wiederaufbaumists ist man solche Beispiele einfach nicht gewohnt bzw erwartet sie überhaupt nicht mehr, sodass man sie gegen alle stilistischen Erwägungen zeitlich falsch einordnet.

  • Der "gute Bau rechts" steht auch unter Denkmalschutz....Es handelt sich um den Ersatzbau der Ratsapotheke, übrigens noch mit historischen Kellergewölben

  • GoldenerEngel Könntest Du nicht bitte deine Bilder künftig ins Textfeld einbinden anstatt nur anzuhängen? Dann würden die Bilder grösser erscheinen und man muss nicht immer extra draufklicken. 99% der Forumsmitglieder machen es so. :wink:

  • Ich habe meinen ersten Beitrag nochmal gelöscht und bearbeitet. Hier neu:

    Angenommen, das Kaufhof-Gelände direkt nördlich der Jakobikirche stünde zur Disposition, der Kaufhof/Horten würde abgerissen und das Gelände müsste neu beplant werden. Was sollte dahin, was könnte unter heutigen (aktuelle Inflation mal ausgeklammert) Umständen gebaut werden? Ebenfalls auf dem Bild die einzigen beiden Gebäude, die ich überhaupt als Foto gefunden habe und die man von ihren Proportionen heute noch nutzen könnte, die sich also als Reko eignen (im Plan blau markiert, Hinter dem Schilde bzw. Jakobistraße 3).

    Ihre Vorschläge, meine Damen und Herren, was sollte städtebaulich dahin?

  • Was wurde denn für das Kaufhaus damals abgerissen, oder was war vor dem Krieg da? Wenn wertvolle Bausubstanz dabei war, soll diese natürlich wieder aufgebaut werden.

    Wertvolle Bausubstanz stand dort wohl nicht. Wie dieses historische Farbfoto zeigt, gab es auch keine Gründerzeit-Geschäftshäuser, die ansonsten an vielen Stellen den Hohen Weg und die nördlich anschließende Almsstrasse säumten.

    Kurz: Rekonstruktionen kann man als Alternative zum jetzt noch stehenden Kaufhof ausschließen.

  • Ich habe meinen ersten Beitrag nochmal gelöscht und bearbeitet. Hier neu:

    Das Bild hast Du wiederum einfach angehängt anstatt eingebunden. Es erscheint wieder nur klein und man muss es anklicken...

    Ich weiss nicht, von was für einem Gerät aus Du schreibst, aber der Link sollte so aussehen (Beispiel):

    Code
    [image='41417',large][/image]
  • Schöne Antwort...

    Um ein Bild nun in einen Beitrag zu integrieren, wählt ihr dieses in der Galerie aus und geh auf den Button "Teilen" unterhalb des Bildes. Den Code bei BBCode (große Version) oder BBCode (kleine Version) könnt ihr nun kopieren und in den Text eures Beitrages an beliebiger Stelle einfügen. Dort erscheint dann das Bild nach abschicken des Beitrages klein oder groß.

    Hier wirst Du fündig, aber bitte nur die grosse (= large) Version wählen, und nicht die kleine.

  • Wertvolle Bausubstanz stand dort wohl nicht. Wie dieses historische Farbfoto zeigt, gab es auch keine Gründerzeit-Geschäftshäuser, die ansonsten an vielen Stellen den Hohen Weg und die nördlich anschließende Almsstrasse säumten.

    Kurz: Rekonstruktionen kann man als Alternative zum jetzt noch stehenden Kaufhof ausschließen.

    In Hildesheim scheint generell zur Kaiserzeit sehr viel Fachwerk abgerissen worden zu sein.

  • In Hildesheim scheint generell zur Kaiserzeit sehr viel Fachwerk abgerissen worden zu sein.

    Das ist richtig, und zwar vorrangig - wen wundert's - an den größeren Straßen. Und dennoch war bis 1945 noch unglaublich viel Fachwerksubstanz vorhanden.

  • Mir ging es speziell um das Kaufhof-Grundstück, dabei weniger um die Frage, ob man rekonstruieren könne, eher darum, in welchem Stil es neu bebaut werden sollte. Kennt jemand Beispiele aus anderen Fachwerkstädten, wie man -ohne tatsächlich in Fachwerk zu bauen - trotzdem eine dem nahekommende Anmutung hinbekommen hat, zb?