Hildesheim

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    • Der Herzog schrieb:

      Es wird schwer den Andreasplatz zu rekonstruieren, weil viele Häuser schon schief waren, und so durch ihren Verfall ein gewisses Flair vermittelten. In der Sache stimme ich aber zu, vor allem des Trinitashospitals wegen.
      Hier habe ich einige Fotos gefunden (die Seite kannte ich noch nicht), da kriegt man einen Eindruck, wie schief die Häuser waren.
      hildesheimer-geschichte.de/die…3%A4user-am-andreasplatz/
    • Der Herzog schrieb:

      Es wird schwer den Andreasplatz zu rekonstruieren, weil viele Häuser schon schief waren, und so durch ihren Verfall ein gewisses Flair vermittelten. In der Sache stimme ich aber zu, vor allem des Trinitashospitals wegen.

      Auf eine authentische Erscheinung der Häuser im Falle einer Rekonstruktion darf man sich, denke ich, keine ernsthaften Hoffnungen machen - zumindest nicht in den ersten Jahrzehnten nach dem Bau. Die Architekten werden sich kaum die Mühe machen, sämtliche Unregelmäßigkeiten nachzubilden oder gar den Boden so zu bearbeiten, dass Setzungen wie bei den Originalen entstehen ^^

      Es wäre aber doch schon eine tolle Lösung, wenn man nur ein paar Häuser nachbaut, und diese vielleicht auch nicht zu 100 Prozent originalgetreu, daneben ein paar Nachkriegszeitler, wie z. b. unseren denkmalgeschützten Freund, stehen lässt, und dann eine Häuserzeile entstehen lässt, die keine Komplettrekonstruktion ist, aber vieles von der alten Wirkung einfängt...

      Eine originalgetreue Totalrekonstruktion der Platzseiten wäre ein Wahnsinn, ist wohl aber sehr unwahrscheinlich bis unmöglich.
    • Niederländer hat geschrieben:
      Der Andreasplatz wäre ja sogar meinen deutschlandweit favoriten Rekokandidat.


      Meiner auch! Städtebaulich sinnvoll und zudem völlig einzigartig. Und für uns Niederländer ist dieses niedersächsische Erbe nun einmal auch enorm wichtig. Daß die Häuser vorerst keinen Patina haben würden, ist m. E. kein Argument gegen ihre Rekonstruktion, denn das ist bei allen Rekonstruktionen so. Der bauliche Wert des Platzes lag mitnichten nur in seinem Patina. Bauten wie das Pfeilerhaus mit dem Zuckerhut, der Trinitatishospital und die Häuser an der Ecke zur Eckemekerstraße hatten an sich schon genug baukünstlerischen Wert.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Was ihr alles kennt! Da kann ich gar nicht mit. Weiter als Knochenhaueramtshaus, Wedekindhaus, Simsonhaus, Hl. Geist-Hospital kömm ich halt nicht.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Ich gehe mal davon aus, dass sich hier niemand aus der unmittelbaren Kriegsgeneration, die die Gebäude noch live gesehen hat, tummelt. Die Tatsache, dass soviel an untergegangener Bausubstanz bekannt ist, zeigt wie schmerzlich diese von den Nachgeborenen vermisst wird und wie groß die Sehnsucht nach dem alten ist. Klar, jetzt ist dieses Forum nicht gerade repräsentativ für die deutsche Bevölkerung aber es scheint doch viele zu geben, denen ihre Heimat am Herzen liegt. Von Leuten "wie uns" muss der Anstoß zu Rekos kommen. In Frankfurt waren es ja auch "zwei Youngster" die den Stein letztendlich ins Rollen brachten. Das zeigt doch, dass es nur ein, zwei Leute braucht, die das rechte Talent besitzen andere ins Boot zu holen, vor allen die mit Einfluß in Politik und Gesellschaft, und es kann losgehen. Die Rekos in Dresden, Potsdam und Berlin waren ja anfangs auch kein Massenphänomen. Die Zeit für Rekos war noch nie so günstig wie jetzt, da das gesellschaftliche Klima stimmt, gerade in solch seelenlosen Städten wie Frankfurt und die Sehnsucht der "Jungen" nach den verlorenen Identifikationspunkten, wächst. Gerade wer kosmopolitisch denkt, aber sich auch mit seiner Heimat identifiziert, wird das wollen, die Gute Stube in die er seine Gäste gerne führt und auf die er stolz sein kann, die unverwechselbar ist, die so nirgends vorhanden ist.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Beim Knochenhaueramtshaus ist mir aufgefallen, dass an der Rekonstruktion auf allen Bildern, auch auf neueren, in den beiden unteren Rautenbändern folgende Verzierungen (wohl geschnitzte Holzpaneele?) fehlen und nur einige Zapfen herausstehen:


      (Bild von 1900)

      Weiß einer der Hildesheimexperten, warum das so ist, bzw. ob diese Verzierungen noch kommen oder schon angebracht sind?
    • Ich bin kein Hildesheimexperte, aber wage mal eine Antwort.
      Auf diesem Bild sieht man, wenn man es vergrößert, die von Dir erwähnten freien Felder anstelle der Verzierungen: static.panoramio.com/photos/original/81620764.jpg
      Offenbar gab es 1884 einen Brand, der Dach und Giebel zerstörte. Möglichenfalls nutzte man die darauf folgende Rekonstruktion für einige historistische Umgestaltungen. Darunter könnten auch die Verzierungen fallen. Somit wäre die Rekonstruktion nach dem 2. Weltkrieg eine Rückkehr zum Ursprungszustand ohne die historistischen Veränderungen.
      Diese Erklärung ist aber reine Spekulation von mir.
    • Ein fast 500 Jahre altes, nur wenige Jahre nach der Errichtung angebrachtes Element mit der Begründung, es wäre ahistorisch oder würde nicht dem ursprünglichen Bauzustand entsprechen, wegzulassen, wäre dann aber ein grober Schildbürgerstreich. :augenrollen:

      Das Knochenhaueramtshaus wurde zum schönsten Gebäude innerhalb des Einzugsgebietes des NDR gewählt.
      Sowas wird man doch wohl nicht auf Dauer "halbnackt" herumstehen lassen wollen!?

      upload.wikimedia.org/wikipedia…henhaueramtshaus_2012.jpg
      (Quelle: Wikipedia)
      Moderationshinweis (Niederländer): bitte immer das Urheberrecht beachten!

      Auch sind die Befestigungszapfen, die in diesen Segmenten ja schon angebracht sind, für mich ein klares Indiz, dass es nicht geplant ist, diese leer zu lassen.

      Ich habe mich nur gewundert, dass dieser Zustand nun schon etliche Jahre andauert, deshalb die Nachfrage.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von grammostola () aus folgendem Grund: Bild eingefügt

    • Ich habe mich mit dem Thema eine Weile, und nicht nur einmal, beschäftigt, weil ich nie zu einem logischen Schluss kam. Genau solche Spitzfindigkeiten bereichern die Bauforschungstätigkeit.

      Zuerst mühte ich mich durch die unzähligen Abbildungen des Hauses im Marburger Bildindex. Das grösste Problem (oder gar Stolperfalle?) dort besteht aber oft in der falschen Datierung der Aufnahmen. Anhand der Kleidermode, Autos, Strassenbeläge, Neubauten etc. kann man aber den ungefähren Zeitraum abschätzen (wer sich im speziellen dafür interessiert, kann im Beitrag über Neutormauer 42 im Nürnberger Facherkbauten-Strang diese Problematik nachverfolgen). Dabei ist mir aufgefallen, dass einige Fotos mit "vor 1911" oder "nach 1911" datiert sind. Diese belegen eine Umnutzung des Knochenhauer Amtshauses als Kunstgewerbehaus. Als oftmalige Jahrzahl erscheint auch "1936".

      Stutzig wurde ich aber, als ich bei den jüngsten Vorkriegsaufnahmen keine Fächerrosetten mehr sehen konnte! Der Vorschlag Heimdalls, dass es sich bei den Rosetten um eine historistische Zutat nach dem Wiederaufbau 1884 handeln könnte, liegt wohl am nächsten.

      Die Bilderdatierungs-Frage stellt sich aber schon bei der von Tübinger verlinkten Darstellung von (angeblich) 1878. Die drei Dachgauben im verschieferten Giebelfeld sehen mit ihrer Kugelbekrönung zu zierlich, zu historistisch aus. Deshalb glaube ich, dass die Darstellung wohl nach dem Wiederaufbau von 1884 entstanden ist. Sie zeigt ja diese Fächerrosetten. Das Jahr "1878" ist nicht auf dem Bild zu sehen, dürfte aber auf der Rückseite zusammen mit der Verlags-Angabe stehen. Oft wurde bei einer Firmenadresse deren Gründungsdatum mit angegeben, und das Datumsjahr "1878" könnte sich auf dieses beziehen (die Seite mit dem Bild wird wohl nicht lange online bleiben, da es sich um ein Ebay-Angebot handelt).

      Detailaufnahmen aus den 1930/40er Jahren zeigen aber, dass damals keine Fächerrosetten mehr vorhanden waren:


      Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)

      Auf der Vergrösserung sieht man aber ganz deutlich noch Spuren dieser Fächerrosetten am rechts ganz sichtbaren Pfosten und den beiden anliegenden Fusswinkelhölzern! Zudem erkennt man auch die bündig abgeschnittenen Holznägel, die bei der heutigen Rekonstruktion noch vorstehen. Es handelt sich also bei den je vier Holznägeln nicht um Befestigungspunkte für vorgesehene Panele mit Schnitzereien, sondern um ein konstruktives Element der Gebäudestruktur. Bei einer ersten Renovation eines Fachwerkhauses werden diese Nägel dann oft nachgeschlagen und allenfalls bündig abgeschnitten.

      Bei zwei Aunahmen mit den Rosetten offenbart sich aber noch etwas:


      "Um 1900" Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)


      "Nach 1911" Vergrösserung (Bildquelle: bildindex.de)

      Beim zweiten Bild schien offensichtlich die Sonne. Auf der Vergrösserung sieht man die Schlagschatten in den Schnitzereien auf den Schwellen und Brustgsriegeln, nicht so aber bei den Fächerrosetten! Offensichtlich waren diese auf das Fachwerk aufgemalt worden, womöglich sogar in Schablonentechnik. Dass es sich auch nicht um, wie von grammostola vermutet, aufgesetzte Holzpanele handelte, ersieht man ebenfalls aus den letzten beiden Aufnahmen. Solche Holzpanele hätten die Profilierungen der Brustriegel überdeckt. Zudem waren die Backsteinausmauerungen und das Holzfachwerk flächenbündig, was bei aufgesetzten Holzpanelen nicht mehr der Fall wäre. Fächerrosetten waren beim niedersächsischen Fachwerkbau stehts direkt in die Pfosten und Fusswinkelhölzer eingeschnitzt, im Gegensatz zu eingesetzten Panelen mit figürlichen Schnitzereien in den Fensterbrüstungen.

      Zusammenfassend vermute ich, dass diese Fächerrosetten im 19. Jahrhundert, evtl. beim Wiederaufbau 1884, nur aufgemalt wurden. Bei einer Renovation zwischen 1911 und den 1930er Jahren wurden diese richtigerweise wieder entfernt, und beim Wiederaufbau 1986 konsequenterweise weggelassen. Bei einer Fassadenrenovation sollten die vorstehenden Holznägel nachgeschlagen und dann flächenbündig abgeschnitten werden. Gotischen Fachwerkhäusern wie bspw. dem Esslinger Rathaus geben diese vorstehenden Nägel etwas urtümliches, nicht aber Renaissance-Bauten mit Flachschnitzereien.
    • Die Vergrösserung des Bildes mit den Fächerrosetten ist zu unscharf, als dass man dies eindeutig feststellen könnte. Der Unterschied in den Kontrasten (beschnitzte Schwellen und Brustriegel versus Fächerrosetten) spricht aber ebenfalls für aufgemalte Fächerrosetten.

      Die detaillierte Zeichnung hatte ich auch betrachtet; sie kann aber nicht als Beweis herangezogen werden, weil sie keine Fotografie ist. Sie ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, in einer Zeit, in der kunstgeschichtlich alles perfektioniert und beschönigt worden war. Aus der Zeichnung geht auch nicht hervor, ob es geschnitzte oder aufgemalte Rosetten sind.

      Mein 1000. Beitrag!!! :)
    • Es gibt ja ausweislich des Wikipediaeintrages zum Knochenhaueramtshaus eine Vielzahl von Literatur über das Haus.

      Vielleicht hat einer der Hildesheimer Foristen ja Zugriff auf diese und kann hieraus Informationen zu den verschiedenen Umbauten und insbesondere zu den Fächerrosetten erhalten.


      W. Konrad: Knochenhaueramtshaus. Gerstenberg, Hildesheim 1970.
      Jürgen Paul: Das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim – post mortem. Vom Nachleben einer Architektur als Bedeutungsträger. Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 18, 1979, S. 129–148.
      Stefanie Krause, Helga Stein: Krieg & Frieden. Die Windbretter an der Nordseite des Knochenhauer-Amtshauses. Lax, Hildesheim 1999.
      Carl Lachner: Die Holzarchitektur Hildesheims. Borgemeyer, Hildesheim 1882.
      Alexander Koch: Dieter Oesterlen. Bauten und Projekte 1946–1963. Band 2. Verlagsanstalt Alexander Koch, Stuttgart 1964.
      Hans-Dieter Petzoldt (Hrsg.): Knochenhauer-Amtshaus. Wiederaufbau 1987–1990. Chronik und gesammelte Zeitungsberichte. Selbstverlag, Söhre 1990.
      Gerd Rump (Hrsg.): 1529–1945 Knochenhauer-Amtshaus Hildesheim. Gerstenberg, Hildesheim 1979.
      Gerd Rump: „Ein immerhin merkwürdiges Haus“. Eine Dokumentation zum 25jährigen Bestehen der Gesellschaft für den Wiederaufbau des Knochenhauer-Amtshauses. (= Quellen und Dokumentationen zur Stadtgeschichte Hildesheims, Bd. 7). Gerstenberg, Hildesheim 1995.
      Helga Stein: Farbe am Knochenhauer-Amtshaus. Eine Dokumentation. (= Quellen und Dokumentationen zur Stadtgeschichte Hildesheims, Bd. 1). Stadtarchiv, Hildesheim 1993.
      Manfred Boetzkes (Hrsg.): Hildesheimer Zeitzeugen Roemer-Museum, Stadtgeschichtliche Sammlung im Knochenhaueramtshaus Hildesheim, Olms, 1990.
    • Ich bin fündig geworden.

      Der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Lutsch aus Berlin-Steglitz schreibt in der Zeitschrift "Der Holzbau", Jahrgang 1921 folgendes:


      Quelle

      Hinsichtlich der Holznägel sieht sich Riegels Annahme aus erster Hand in der Zeichnung auf Seite 12
      dieses Dokuments bestätigt.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Historischer Ausleger an der Stadtschänke

      Die Information ist zwar schon von April, wurde hier jedoch noch nicht erwähnt. Eine ziemlich kleine Rekonstruktion, die aber das Gesamtbild des Marktplatzes etwas abrunden könnte.

      An der Hildesheimer Stadtschänke soll ein historisches Werbeschild angebracht werden, das anhand einer Photographie aus den 1940er-Jahren rekonstruiert wird. Zum Erscheinungszeitpunkt des Zeitungsberichtes wurden Hinweise und weitere Abbildungen des Schildes gesucht. Ob man fündig wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

      Das nachgebaute Schild soll am 01. September 2016 angebracht werden. Ich nehme an, daß dann wieder darüber berichtet wird.

      Hildesheimer Allgemeine Zeitung schrieb:

      Die Jahrhunderte hatte es überlebt, den Zweiten Weltkrieg nicht. Nun wollen Jürgen Völkel vom Van-der-Valk-Hotel und Hildesheims Denkmalpflegerin Dr. Maike Kozok den historischen Ausleger wieder rekonstruieren und aufhängen lassen.
    • Irgendwie habe ich die Diskussion um die Fächerrosetten am KHA verpasst...
      Ich habe im Buch "Der Marktplatz zu Hildesheim" von 1989 eine Wiedergabe einer Bauaufnahme von C.W.Hase gefunden, aus den 1850er/60er Jahren, ohne Rosetten.
      In einem Heft von 1924 berichtet der Autor, Stadtbaurat Johannes Köhler, dass das KHA unter seiner Leitung kürzlich neu gestrichen worden sei, und das Foto zeigt die Fassade auch ohne Rosetten.
      Bei Hase habe ich weniger die Sorge, dass die Bauaufnahme geschönt ist. Ich denke, die Rosetten könnten sehr gut eine Zutat nach dem Brand sein, die man dann später wieder entfernt hat.