Berlin-Wilmersdorf

  • Der Textvorschlag beinhaltet kaum Information, dafür aber vor allem ideologische (Ab-)Wertung. Das wird der angespannten historischen Situation, in der Personen wie Schlageter agierten, nicht gerecht. Man kann ihn nicht nach heutigen Maßstäben der political correctness beurteilen, sondern muss die unruhige Zeit nach dem ersten Weltkrieg berücksichtigen, die Freikorpskämpfe im Baltikum, der Grenzkampf in Polen, der französische Einmarsch ins Ruhrgebiet, gegen den Schlageter mit Sabotageakten vorzugehen versuchte. All das kann man kaum mit einer Gedenktafel, die zudem noch einem rein abwertenden Standpunkt verfasst ist, verdeutlichen.


    Aus zweierlei Gründen reiben sich diese Leute heute noch an Schlageter:

    1. Weil er mithalf, Anfang der 20er Jahre die kommunistischen Ruhraufstände niederzuschlagen. So etwas verzeihen die stets nachtragenden Kommunisten nie. Sie verzeihen das bereits nicht mal dem Sozialdemokrat Noske, dass jener die kommunistische Machterlangung 1919 verhindert hat. Auch nach hundert, zweihundert, fünfhundert Jahren bleiben sie gegenüber ihren Gegnern unerbittlich.

    2. Unter anderem die Nationalsozialisten haben Schlageter als Märtyrer für den deutschen Befreiungskampf gefeiert. Und was Nationalsozialisten gemacht haben, ist nach bundesdeutscher Lesart immer falsch, niederträchtig, böse. Was dazu führen muss, das exakte Gegenteil zu machen. Sieht man mal von der Tierliebe und dem Vegetarismus Hitlers ab, der bei wahren BRD-"Antifaschismus" eigentlich zu der Propagierung von Schweineschnitzel und Massentierhaltung führen müsste. Aber solche Widersprüche werden je nach Gutdünken übersehen.


    Kurzum, um die Frage zu beantworten: Es sollte gar nichts an der bestehenden Situation geändert werden. Jeder "Erklärtext" wird nur eine ideologische Belehrung sein, aber nichts wirklich erklären.


    Anwohner, die der Stein interessiert, finden sicher im Stadtarchiv genug Hinweise darauf. Oder im APH-Forum.


    Ich empfehle ansonsten zu Schlageter die leicht lesbare (wenngleich apologetische) Schrift...

    Karl Höffkes, Uwe Sauermann: Albert Leo Schlageter. Freiheit du ruheloser Freund

    Wer in das Zeitcolorit tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich ein Buch, das ich mit 16 las, und das mich sehr beeindruckte...

    Ernst von Salomon: Die Geächteten

  • Zu UrPotsdamer/#243, Babber50/#244 und Heimdall/#245

    Schade, nur drei Kommentare, dafür aber sehr offen. Man könnte sie noch damit ergänzen, daß unter die Dinge, die die Nationalsozialisten noch so getan haben und die ebenfalls nicht dazu führten, heutzutage das exakte Gegenteil zu machen, die Autobahnen und der Zweite Weltkrieg mit 50 Millionen Toten zählen. Und mit letzterem wären wir dann wieder bei diesem Gedenkstein und seinem Beitrag dazu. Aber, wie gesagt, solche Widersprüche werden je nach Gutdünken übersehen.

  • Denkmalschutz

    Als Ergänzung zu Snorks Schreiben vom 7.10.2020 an den Landeskonservator, Dr. Christoph Rauhut, paßt ein Interview mit einem Architekten, der Mitglied im Denkmalbeirat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist. Es ist enthalten im Oktoberheft von KiezWilmersdorf (die zweimonatlich erscheinende Stadtteilzeitschrift liegt jetzt neu an etwa 150 Stellen in Wilmersdorf kostenlos aus).


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    Das Interview ist aber auch elektronisch hier nachzulesen.

    Sein Fazit zum Denkmalschutz lautet: "Der Denkmalschutz muss heute neu gedacht und angewendet werden. Es geht nicht mehr nur um anerkannt bedeutende Gebäude wie Kirchen, Schlösser usw., sondern immer mehr bedürfen Wohnbauten, Freianlagen, Alltags-Architekturen, stadträumliche Ensembles unserer schützenden Aufmerksamkeit.“ Der Grund dafür: "Eigentlich sollte man Wohnhäuser gar nicht unter Denkmalschutz stellen müssen, wenn sie dastehen und ihren Zweck völlig erfüllen. Aber selbst wenn sie geschützt sind, kommt es immer wieder vor, daß jemand sie verändert oder abreißt, nur um einen hohen Preis zu erzielen.“

  • Nochmal der (mir nicht schlecht gefallende) Neubau Lietzenburger Straße N°105


    Lietzenburger Straße N°79-81 ist dann wohl abrissreif.


    Einfach mal so zwischendurch - das ehem. Kath. Waisenhaus (heute Caritas) in der Pfalzburger Straße N°18.



    Schließlich wird das wunderschöne Haus Uhlandstraße N°162 umfangreichen Baumaßnahmen unterzogen.

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    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Update zum sehr schönen Projekt Alexander von Ralf Schmitz in der Emser Straße, direkt südlich der Lietzenburger:


    Wilmersdorf 14.11.20


    Ebenfalls im Rohbau fertig - Neo von Nöfer Architekten in der Knesebeckstraße:


    Wilmersdorf 14.11.20


    Wilmersdorf 14.11.20


    Das ebenfalls von Nöfer Architekten entworfene, weiter oben bereits vorgestellte Projekt Monos in der Fasanenstraße, Nummer 64:


    Fasanenstraße Berlin 14.11.20


    Nachbarbau rechts:


    Fasanenstraße Berlin 14.11.20


    Links ein sanierter, vormals abgestuckter Gründerzeitler:


    Fasanenstraße Berlin 14.11.20


    So sieht wertige Stadtreparatur aus.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Pfalzburger Straße 76

    Vielleicht habe ich es übersehen. Doch es scheint, als wäre das Haus an der Ecke Pfalzburger Straße/Pariser Straße noch nicht erwähnt worden. Hier wird das fehlende Dachgeschoss wiederhergestellt.


    Wenn man Google Maps glauben darf, ist es an dieser Seite des Ludwigskirchplatzes das einzige Haus mit noch fehlendem Dachgeschoss. So soll es mal werden:


    https://mofrei.de/aktuell/aktuelldetail/aktuelldetail/306/


    Die Arbeiten haben auch schon begonnen:


    https://www.architektur-urbani…wilmersdorf.31/post-13804

  • Die "Rekonstruktion" des Gründerzeit Gebäudes, Regensburger Ecke Grainauer Str. ist Im August Fertiggestellt worden, und da hier anscheinend noch niemand etwas dazu gepostet hat, mach ich das jetzt einfach. (Entschuldigung, falls doch)


    Hier ein Bild von der Projektseite:


    csm_00258-0-FNA-FIR-FOT_2008_080_WHG_258_web_6620ae3650.jpg


    https://www.gesobau.de/bauproj…grainauer-strasse-17.html


    Leider wurde das Gebäude Entstuckt wiederaufgebaut. (also wie hier schon 2019 vermutet wurde)

  • Entststuckung schmertzt. Ein vollbestucktes Gebäude ist hochwertig und eindrucksvoll. Eine verpasste Chance hier.

  • Das stimmt natürlich. Gleichwohl habe ich die Befürchtung, dass die entstuckte Fassade nicht mehr als möglichst rückgängig zu machender historischer Fehler betrachtet wird, sondern sich im Gegenteil als finaler Zustand und architektonische Ausdrucksform etabliert (die ja offensichtlich bereits bei Rekonstruktionen zur Anwendung kommt).

    In dubio pro reko

  • Ich werde dieses Gebäude nicht als Rekonstruktion anmerken, sondern als "'Sanierung mit abgestuckten Fassaden und vereinfachtes Dach", wie üblich in Berlin mit nicht originaler Formen.

    Richtige Rekonstruktionen mit dem Ziel einen einstigen Prachtbau wieder in voller Glanz erstrahlen zu lassen, gibt es nur in Sonderfall Leipzig.

  • Das stimmt natürlich. Gleichwohl habe ich die Befürchtung, dass die entstuckte Fassade nicht mehr als möglichst rückgängig zu machender historischer Fehler betrachtet wird, sondern sich im Gegenteil als finaler Zustand und architektonische Ausdrucksform etabliert (die ja offensichtlich bereits bei Rekonstruktionen zur Anwendung kommt).

    ich denke auch, dass der Neubau keinen Stuck mehr erhalten wird, aber ich finde es echt schon sehr besonders, dass in Berlin ein Gründerzeit Bau (zumindest fast) rekonstruiert wurde. Leider habe ich keine Bilder oder Pläne der Ecke vor dem Krieg, damit ich wirklich sicher gehen kann, dass es jemals Stuck hatte. Hat jemand von euch welche?

  • In der Grainauer Straße 17 plant die GESOBAU den originalgetreuen Wiederaufbau des im zweiten Weltkrieg zerstörten Wohnhauses.

    Auf der Seite findet man auch kaum etwas nützliches dazu.