Berlin-Wilmersdorf

  • Jedenfalls hält sich meine Begeisterung in Grenzen, wenn das Gebäude anschließend so aussieht wie ein entstuckter Gründerzeitler. Damit wird ja praktisch ein dekonstruierter Zustand rekonstruiert, wie absurd ist das denn?

  • Ich würde zunächst einmal das Endergebnis abwarten, denn wie bereits erwähnt, wurden zumindest schon die Zwerchgiebel abweichend von der Visualisierung hergestellt. Außerdem ist eine Wiederanbringung des Stucks noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.


    Des Weiteren sollte man anmerken, wie viel wir bereits durch eine Belegung des Bauplatzes mit der Baumasse gewonnen haben. Wer weiß, was dort sonst hätte entstehen sollen? Man schaue sich die Gegend an und wird merken, dass ein geschlosseneer Blockrand dort keine Selbstverständlichkeit ist.

  • Beim vor einem Jahr hier erstmals vorgestellten Projekt "Alexander " von Ralf Schmitz ist bereits das Untergeschoss in Bau. Mir war bisher garnicht klar, dass sich das Grundstück nur ca. 100 m südlich der Lietzenburger Straße befindet, also tatsächlich im Umfeld des Kurfürstendamms.
    Ansicht von der Emser Straße - von Norden:



    Und von Süden:



    Hier zur Erinnerung noch eine der Visualisierugen:



    Quelle/Copyright: Ralf Schmitz


    Für diese etwas an den Schwächen der West-Berliner Wiederaufbauzeit kränkelnden Gegend südlich der Lietzenburger Straße ein origineller Akzent und ein bedeutender städtebaulicher Gewinn. Hier zur Orientierung die Ansicht des Vorzustands: Klick
    Auf dem auf der Google-Streetview-Ansicht sichtbaren Brachgrundstück direkt gegenüber befindet sich jetzt der folgende Neubau:


    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Das wäre wirklich schlimm, wenn das Gebäude abgerissen werden würde. Traurig auch, dass man mehr durch Zufall von solchen Dingen erfährt. Hier scheint sich ja ein Bewohner des Hauses an die BVV und die Presse gewandt zu haben.
    Ich werde am Wochenende mal hin fahren und Fotos machen. Dann könnte man vielleicht im Namen des Vereins einen offenen Brief und eine Pressemitteilung verfassen. Ich würde mich der Sache annehmen - gibt es ein (Berliner?) Vereinsmitglied, welches diesbezüglich Erfahrungswerte hat?

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  • Wie kann man denn so ein schönes Haus abreißen wollen? Das folgende Foto wurde am 9. Juni 2018 aufgenommen, und wie man sieht, ist das Haus doch bewohnt und in gutem Zustand.


    Wilmersdorf, Haus Wilhelmsaue 17 (Foto: Fridolin freudenfett, Juni 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Positiv ist an dieser Stelle zudem, dass die angrenzenden Häuser auch ansehnliche Altbauten sind.


    Blick zur Wilhelmsaue 18, rechts der Eingang zum Haus Wilhelmsaue 17 (Foto: Fridolin freudenfett, Juni 2018, CC-BY-SA-4.0)


    Aber in der Liste der Kulturdenkmale habe ich Wilhelmsaue 17 nicht gefunden. Steht es denn nicht unter Denkmalschutz? Die Bebauung der Wilhelmsaue ist insgesamt recht heterogen. Einige Häuser sind typisch für eine havelländische Provinzstadt, zum Beispiel Wilhelmsaue 120, erbaut um 1890. Es steht neben der Auenkirche und unter Denkmalschutz.


    Wilhelmsaue 120 neben der Auenkirche (Foto: Bodo Kubrak, April 2012, CC0)


    Dieses Haus könnte genauso gut in Brandenburg an der Havel oder in Rathenow stehen. Auch die Auenkirche wirkt durchaus havelländisch provinziell. Doch man muss nicht weit gehen, um zu sehen, dass man sich in Westberlin befindet. Um so wichtiger ist es, die wenigen alten Häuser aus dem 19. Jahrhundert zu bewahren.

  • Vom damals groß angekündigten Berliner Ortsverband hört man generell wenig. Um nicht zu sagen, gar nichts. Es gibt bei Facebook eine Gruppe des OV, die aber nur aus verlinkten externen Beiträgen von Gruppenmitgliedern besteht.

  • Berlin hat halt so seine mentalen Eigenschaften, da was zu organisieren erweist sich nicht immer als so ganz einfach. Aber da wir gerad bei Wilmersdorf sind - das ist so ein Bezirk den ich kennenlernte von Menschen welche ich als "Wilmerdorfer Witwen mit ihren kleinen Laufhauspinschern" dominieren sah. Daß da "leicht dekadente Stadträte" schalten und walten können wie es ihnen beliebt, ist in dieserlei Hinsicht wohl wenig verwunderlich.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Der Abriss muss nicht genehmigt werden und der Stadtrat kann daher auch nichts tun. Das Haus steht auch nicht unter Denkmalschutz. Wäre schön, wenn sich Herr Röder von der Berliner Woche informieren würde, anstatt falsche Informationen zu verbreiten. Der Stadtrat kann den Abriss nicht verhindern - das gibt das geltende Baurecht nicht her. Und es gibt auf Grund des fehlenden Denkmalschutzes auch keinen rechtlichen Grund warum das Haus einem Wohnhaus mit mehr Wohnungen nicht weichen sollte. Aus rechtlicher Sicht musste der Bauantrag genehmigt werden - so traurig das ist.
    Ich persönlich finde es sehr schade, dass das Haus abgerissen wird - wenn man wenigstens, wie in "Alt-Schöneberg" die Fassaden erhalten hätte.

  • der Stadtrat kann daher auch nichts tun.

    Jein - in München konnte schon so maches vor gierigen Investoren durch Stadträte gerettet werden, das wäre auch in Berlin möglich wenn man denn nur wollte. Aber für den Abriß einfach mal "grünes" Licht zu geben, macht es für den "Investor" wesentlich einfacher. Man hätte von Seiten der Stadträte zumindest versuchen können die untere Denkmalbehörde einzuschalten und das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Der Abriss muss nicht genehmigt werden und der Stadtrat kann daher auch nichts tun. Das Haus steht auch nicht unter Denkmalschutz. Wäre schön, wenn sich Herr Röder von der Berliner Woche informieren würde, anstatt falsche Informationen zu verbreiten. Der Stadtrat kann den Abriss nicht verhindern - das gibt das geltende Baurecht nicht her. Und es gibt auf Grund des fehlenden Denkmalschutzes auch keinen rechtlichen Grund warum das Haus einem Wohnhaus mit mehr Wohnungen nicht weichen sollte. Aus rechtlicher Sicht musste der Bauantrag genehmigt werden - so traurig das ist.

    Dass Engagement gegen einen geplanten Anriss durchaus Erfolg haben kann, konnte man erst vor wenigen Monaten an einem anderen Beispiel in Berlin-Friedenau sehen:



    Quote from Berliner Morgenpost

    Friedenau. Der Häuserkampf in Friedenau ist entschieden, die Anwohner haben gesiegt: Sie haben es geschafft, ein altes Landhaus vor dem Abriss durch einen Immobilieninvestor zu retten – und weitere Häuser dazu. Wie der zuständige Baustadtrat Jörn OItmann (Grüne) jetzt im Stadtentwicklungsausschuss von Tempelhof-Schöneberg mitteilte, ist das Landhaus an der Görresstraße 21 inzwischen in die Landesdenkmalliste aufgenommen worden. Die Initiative dazu ging vom Bezirk aus.
    Das alte Landhaus war Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Aus der gleichen Zeit stammen die Bauten an der Görresstraße 23, die einst zu einem Fuhrunternehmen gehörten. Auch sie sind niedrig, auch sie sollten verschwinden. Nun stehen auch sie neu auf der Denkmalliste.

    Quelle: Berliner Morgenpost vom 13.6.2019


    Im April hatte es sich noch ganz anders angehört.


    In der Görresstraße ging es sogar nur um einen entstuckten zweigeschossigen, freistehenden Gründerzeitler. Bauwert wollte dort mehrstöckige Neubauten errichten. Nun bleibt alles beim Alten. Dieser Erfolg hat mich damals verblüfft. Es lohnt sich also anscheinend tatsächlich mitunter, sich an die Öffentlichkeit und die Politik zu wenden, zumal ein möglicher Abriss in der Wilhelmsaue noch ein gutes Stück entfernt zu sein scheint.

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  • Quote


    Es seien um die 50 Wohnungen verhindert worden, die dringend gebraucht würden. „Das ist zwar ein Sieg für die Anwohner, für die Berliner Wohnungssuchenden jedoch eine Niederlage“, sagte Götz.

    Quelle: https://www.morgenpost.de/bezi…enau-ist-entschieden.html



    Für Wohnungssuchende eine Niederlage? Bittschön gehts noch? Es handelt sich hier schließlich um geplante Eigentumswohnungen, welche sich ja auch so viel Wohnungssuchende leisten können. Wenn Eigentum, möge man bittschön Gründerzeitler stehen lassen und luxussanieren, wir brauchen keine weiteren "Sozialpaläste" welche nur noch an Eigentum verkauft werden.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Dann wäre es doch gut, wenn sich noch Protest regt - die BI Wilmersdorfer Mitte bräuchte eure Unterstützung - bisher gab es nicht viele öffentliche Stimmen gegen den Abriss. Ich weiß nur, dass man sich in der BI auch sehr darüber aufregt.


    Wie gesagt, da das Haus nicht in einem Milieu-Schutzgebiet steht, hat das Bezirksamt keine Möglichkeit einen Bauvorbescheid und den damit verbundenen Abriss zu verhindern. Aber der Stadtrat hat mit dem Bezirksamt vor mehreren Monaten einen Antrag auf Denkmalschutz (bei der oberen Denkmalschutzbehörde) gestellt. Man wartet seit dem auf die Entscheidung - damit wird es momentan auch nicht zu einem Abriss kommen. Das ist die aktuelle Situation - und die stellt sich doch etwas anders dar, als wie von Herrn Roeder in der BW beschrieben.

  • Ich drücke die Daumen, dass das Haus unter Denkmalschutz gestellt wird!


    Durch die beschlossene Mietpreisdeckelung werden die Berliner nun höchst wahrscheinlich eine Abrisswelle erleben, da für den Vermieter eine Sanierung und Neuvermietung einfach nicht mehr rentabel ist. Für alle Neubauten ab 2014 gilt diese Regelung nämlich (noch) nicht! Es wird in Berlin vermutlich jetzt das eintreten, was in Wien bereits leider der Fall ist - einen rasanten Verlust an Altbausubstanz!


    Solche (Abriss-)Fälle wie in den vorherigen Strängen beschrieben werden wir vermutlich ab nächstem Jahr ständig lesen und leider auch beobachten müssen. Der Sozialismus hat noch nie und nirgends auf der Welt funktioniert und in Berlin ist es gerade 30 Jahre her und nun wählen die dortigen Kälber wieder dieselben... Das ohnehin bereits hässliche Berlin wird aber wenigstens ein plakatives und abschreckendes Beispiel für Restdeutschland abgeben - wenn das der Preis ist, dann bezahlen ihn die Berliner wenigstens selbst und R-R-G erfährt die Ächtung die sie verdient.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Hier der Aufruf der Bürgerinitiative "Wilmersdorfer - Mitte" - würde mich um Unterstützung der BI freuen.


    Das Gesicht Alt-Wilmersdorfs vor weiterer Verschandelung bewahren –
    Das Haus Wilhelmsaue 17 unter Denkmalschutz stellen!



    Ein Stück greif- und sichtbarer Geschichte der alten Wilmersdorfer Mitte droht vernichtet zu werden. Eines der letzten Zeugnisse der „Millionenbauernvillen“ des 19. Jahrhunderts könnte einem gesichtslosen Neubau weichen. Direkt im Angesicht der Auenkirche!


    Wir als Bürgerinitiative „Wilmersdorfer Mitte“ e.V. anerkennen zwar die Notwendigkeit von Wohnungsneubau und schlagen selber in unseren Entwürfen Neubauten am Nordrand des Parks vor. Einige wenige neue Wohnungen jedoch genau dort zu errichten, wo ein einzigartiges historisches Ensemble dafür zerstört werden würde, wäre eine Schande und unverzeihlich!


    Wir sehen aber auch, dass dem Bezirksamt zur Zeit die Hände gebunden sind, da das Areal noch immer nicht unter Milieuschutz steht und kein Bebauungsplan vorliegt. Hier hilft es nur, das Gebäude sofort unter Denkmalschutz zu stellen!


    Schon die Bebauung an der Ecke Wilhelmsaue/Mehlitzstraße, wo nun ein hässlicher Neubau das ehemalige Gebäude ersetzt, zeigt, wie Schritt für Schritt eine Verschandelung des alten Dorfkerns droht.


    Daher fordern wir das Landesdenkmalamt auf, das Gebäude Wilhelmsaue 17 umgehend unter Denkmalschutz zu stellen.


    Wir werden als Bürgerinititiative darauf hinwirken, dass Bezirksamt und Senat für den Bereich der südlichen Uhlandstraße inklusive Wilhelmsaue unter Beteiligung der Anwohnerschaft einen Städtebaulichen Wettbewerb durchführen, der gewährleisten soll, dass die städtebaulichen Veränderungen im Gebiet milieu- und stadtbildverträglich sowie verkehrsreduzierend durchgeführt werden.


    17.12.2019

  • Das klingt doch sehr gut! Bist Du eigentlich Vereinsmitglied? Ich denke auch, dass Stadtbild Deutschland hier einen Beitrag leisten könnte. Gerne weiterer dbzgl Kontakt per PM!

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Exilwiener: Deine Befürchtung ist nachvollziehbar, allerdings gibt es bestimmte berlinspezifische Faktoren, die in diesem Falle negativen Entwicklungen auch mal entgegenstehen könnten: die verbreitete Investorenfeindlichkeit und die Aversion gegen alles, was mit "Profit" und "Rendite" verbunden ist, sofern es das Thema Wohnen betrifft. Das könnte Bemühungen, Altbauabrisse zu verhindern, Rückenwind verschaffen. Generell würde ich auch in Berlin Korruption und Vetternwirtschaft bei städtischen Behörden als vergleichsweise gering einschätzen.

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  • Hallo Snork, nein, ich bin nicht Mitglied im Verein "Wilmersdorfer Mitte". Kennen ihn über das Netzwerk -"menschengerechte Stadt".

  • Jein - in München konnte schon so maches vor gierigen Investoren durch Stadträte gerettet werden, das wäre auch in Berlin möglich wenn man denn nur wollte. Aber für den Abriß einfach mal "grünes" Licht zu geben, macht es für den "Investor" wesentlich einfacher. Man hätte von Seiten der Stadträte zumindest versuchen können die untere Denkmalbehörde einzuschalten und das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

    Onkel Henry: Berlin ist nicht München, Wilmersdorf kein Bezirk (sondern ein Ortsteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf) und der Stadtrat in München ist in Berlin die BVV - die Berliner Stadträte sind die Dezernenten. Die Untere Denkmalschutzbehörde stellt in Berlin nicht unter Schutz, das macht das Landesdenkmalamt.


    Deshalb kann der Baustadtrat nichts tun, wenn der Bau nicht unter Schutz steht. Die BVV könnte eine politische Resolution verabschieden, daß Recht zum Abbruch eines nicht unter Schutz stehenden Hauses bleibt davon unberührt.


    Weil Berlin ein Bundesland ist funktioniert alles etwas anders als in München.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand