Leipzig - TRIAS-Haus (Martin-Luther-Ring/Markgrafenstraße)

  • Die Visualisierungen wurden noch während der Bauphase überarbeitet. Angeblich, weil sich nach dem ersten Entwurf die Fenster nicht hätten öffnen lassen. Wahrscheinlicher ist aber wohl eher die Kostenfrage.




    Bilder http://formart.eu/de/angebote/…ias-leipzig/impressionen/



    Ich denke, das Trias ist ein sehr gelungenes Gebäude. Es schließt nicht einfach nur diese schmerzliche Lücke sondern zieht mit seiner Eckgestaltung auch die Blicke auf sich. Die Erker finde ich gar nicht so misslungen. Die gestalten den Übergang zum Stadthaus m.E. recht angenehm.

  • Astrein. Ich finde den Bau super.
    SO muss Moderne aussehen. Zum Glück besinnen sich die Architekten wieder auf die Stärken aus der Entstehungszeit dieser Baubewegung, als die Moderne noch schön, zeitlos, individuell war und sich oft sogar harmonisch mit früheren Baustilen ergänzte.


    Weitere Visus und eine historische Ansicht hier.


    Ein abschreckendes Gegenbeispiel dazu, also für gedankenlose modernistische Billigarchitektur, findet sich ja gleich gegenüber. Gut, dass man sich daran nicht orientiert hat.

  • Ein wunderbares Gebäude. Es war auch sehr mutig von den Verantwortlichen bei der Stadt diesen Entwurf auszuwählen. Gut, dass man sich nicht für einen der auch vorhandenen Giebelgedöns-Entwürfe entschieden hat, die angeblich besser mit dem Stadthaus harmoniert hätten, es aber eigentlich nur persifliert hätten. Da Gebäude setzt einen selbstbewussten Akzent am Ring ohne sich durch "Spannungsreiche Kontraste" und dekonstruktive Brüche unnötig aufzuplustern.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Mit tollen Fotos kann man zwar vieles hübschen, die Realität ist aber für den Bürger eben die des Alltags:



    Die Ansicht stammt aus dem Jahre 1906 und die folgende aus dem Jahre 2015:



    Auch in der Architektur ist weniger oftmals mehr. So verstärkt sich hier eher der Eindruck, daß sich jemand ein Denkmal in der Höhe mit der Gier nach Rendite setzen wollte. Sorry, aber hier hilft kein Bezug auf Hubert Ritter oder Hochhäuser in amerikanischen Städten ...

  • Wieso denn "Hochhäuser in amerikanischen Städten"? Der Bau ist in seiner neo-sachlichen Architektur doch geradezu "urdeutsch". Finde auch nicht, dass er hier irgendwie aufmerksamkeitsheischend daherkäme, im Gegenteil. "Gier nach Rendite" ist Sozialisten-Blabla, das muss hier auch nicht sein. Zumal diese "Gier" uns einige der weltbesten Großbauten beschert hat.


    Ich finde das Trias für sich genommen sehr gut. Allerdings wäre ein anderer Standort wohl schon besser gewesen, also nicht direkt neben einer Landmarke wie dem Rathaus. Andererseits hat der Kontrast durchaus auch seinen Reiz, passt in dieser Form gut zu Leipzig und lässt die Ecke ein ganzes Stück großstädtischer erscheinen.

  • Vielleicht hätte man sich mit der Fassadengestalltung eher an das Flat Iron orientieren sollen, ich kann dem Gebäude so nicht viel abgewinnen. Belanglose Moderne die jetzt nicht ganz so hässlich wirkt. Im Vergleich zum Vorgängerbau trotzdem kein Gewinn!

  • Ich stimme Erbses Einschätzung zu, dass das TRIAS-Gebäude nahezu eine perfekte Fortsetzung der frühen modernen Hochhäuser darstellt. Dass der Gründerzeitbau von damals rekonstruiert worden wäre, ist glaube ich sehr unwahrscheinlich gewesen. Und warum nicht mal an dieser Stelle einen wirklich hochwertigen Höhepunkt setzen? Mich stört das TRIAS keineswegs, eher das, was auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht oder nicht steht.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Das gewählte Vergleichsbild ist natürlich insofern ungünstig, als das es die Situation vor dem Bau des Stadthauses 1908-1912 zeigt. Daher hier noch mal die bereits weiter vorne im Strang gezeigte Ansicht.



    Deutlich unvorteilhafter die Ansicht als vor 1912. Die Architektur des Trias ist sicherlich diskutabel, aber der Bau orientiert sich mit seinem Turm exakt an der Höhe der Giebel des Stadthauses.

  • Der Neubau hat aber keinen vergleichbaren Giebel, sondern drei oberste Stockwerke, die den Giebel ersetzen sollen. Das funktioniert nicht. Doch gehen wir Stück für Stück an die Sache. Man kann ja eine Stadt auch als lebendigen Organismus begreifen. Da ist es wichtig, daß die einzelnen Teile miteinander zusammenwirken und leben können.



    Hier erst einmal eine Aufnahme ohne Stadthaus. Im Vordergrund angeschnitten das Hufeisen und die Loge Minerva. Aber wir wollen uns hier auf die Innenstadt konzentrieren. Und man kann gut die Einbindung des Hirzelhauses am Burgplatz sehen, das an anderer Stelle bereits erwähnt wurde. Es ähnelt fast etwas der Schulstraße 3/Markgrafenstraße 10, auf die ich hier nicht näher eingehe. Es ist aber wichtig, daß es eben abgestimmte Höhenstrukturen gibt.
    (Karte gelaufen am 23.4.1910 mit Stempel Liebertwolkwitz).


    Ein zweiter Aspekt ergibt sich nun mit dem Stadthaus selbst.



    Wäre die Eckbebauung erhalten geblieben, hätte man sie höchstens dem Stadthaus in der Höhe angeglichen.


    Selbst in der Art des nunmehrigen Neubaues hätte man statt der obersten Etagen eine schöne Dachterrasse nebst schwungvollen Giebeln ersinnen können. Für den Fußgänger erschließt sich eben in Leipzig der eingangs erwähnte Eindruck des "Zusammenpframpfens" möglichst vieler Stockwerke.


    Das ist noch nicht alles. Aus der eigenhändig unterschriebenen Karte des Prokuristen ist noch mehr abzulesen:



    Sie zeigt das, was für Leipzig und die Innenstadt charakteristisch, prägend und Qualität war. Es war ein Haus, daß es nur einmal und in dieser Form hier gab. Und es war auch der Stolz des Mitarbeiters, den er dokumentieren konnte. Es war eine Form der Identifikation. Und so macht es eben auch die Attraktivität Leipzigs nicht nur mit der Gründerzeit aus, daß jedes Haus sein eigenes Gesicht und seinen eigenen Charakter hat - und sei es auch der einfachste Giebel und das damals billigste Schmuckelement, was man sich gerade noch leisten konnte.


    Und natürlich gilt dies ganz besonders für die Leipziger Innenstadt, wo die meisten Häuser ihren eigenen Namen hatten bzw. haben und die Vielfalt der Hauszeichen allen gerade durch das Forum bekannt sein sollte. Warum sollte das heute im 21. Jahrhundert nicht fortgeführt werden? Wo ist heute das Selbstbewußtsein der Bergers & Voigts? Sind das alles nur anonyme Immobilienträger, die eben nur mal so ihren Job machen? Warum werden bestimmte Geschäfte nicht angenommen? Liegt das wirklich nur an der Kaufkraft oder weil "anonyme Klopper" eben abschreckend und nicht variabel genug sind? Nach dem Motto: Pizza gibt es überall - Mal sehen, was dann reinkommt?


    Wie dem auch sei, hier stimmt einiges nicht. Dazu zählt die mangelnde Kleinteiligkeit, die fehlende Individualität, das Einfordern von Qualität, die vermutlich unterentwickelte Kritikfähigkeit ... Man soll sich nicht an Schlechterem orientieren. Aber da nicht einmal hundert Meter davon entfernt die Selbstdarstellung noch tiefer gesunken ist, kann man es als vergeblichen Trost noch einmal zeigen. So präsentiert sich schon seit über zehn Jahren die Universität Leipzig am Petersbogen. Da kommt das Trias-Haus wahrlich nicht ran:




    Eigentlich müßten weitere Faktoren der ästhetischen Wahrnehmung der Fassade aufgeschlüsselt werden, aber ich belasse es erst mal bei diesen Sätzen.

  • Am schönsten wäre die Situation m. E. ohne das Stadthaus und mit einem freier stehenden Rathaus gewesen.


    1907:


    Aber bereits das Eckhaus wurde ja für den bereits vorgesehenen Stadthausbau mit Brandwänden geplant.


    1909:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Interessante Ansichten. Aber eine Phantomdiskussion. Leipzig hat wirklich ganz andere und deutlich schwerwiegendere städtebauliche Mißstände.
    Den Trias-Bau zähle ich gar nicht zu den Mißständen, sondern betrachte ihn als Gewinn. Seh ich vielleicht als Außenstehender anders, der nicht so sehr den Leipziger Sehgewohnheiten erliegt. Neues bedarf eben oft auch einfach der Gewöhnung, über den durchaus monumentalen Rathausbau gabs damals sicher auch nicht nur erfreute Gesichter...

  • ^ Komisches Argument, bei solch einer Mischung kann man ja nun schwerlich von 'einfallslos' sprechen, zumal man da auch etliche andere Vorbilder nennen könnte. Bauwerke wie das Trias werden auch nicht von den hier verhassten "Betonkopfmodernisten" verwirklicht, sondern von Leuten, die offen sind für klassische Formen und zeitlose Architektur. Die hier zu sehenden Formen waren bei Bauten der Stromlinien-Moderne und der Neuen Sachlichkeit allgegenwärtig. Was wir in Berlin überschwänglich loben, sollten wir im bislang bei zeitgenössischer Architektur häufig sehr kastig-einfallslosen Leipzig nicht übertrieben kritisieren...

  • ^ Komisches Argument, bei solch einer Mischung kann man ja nun schwerlich von 'einfallslos' sprechen, zumal man da auch etliche andere Vorbilder nennen könnte.


    Die da wären?


    Mit den von mir genannten Beispielen kann man sich das TRIAS-Haus fast komplett selbst zusammenbasteln.



    Die hier zu sehenden Formen waren bei Bauten der Stromlinien-Moderne und der Neuen Sachlichkeit allgegenwärtig.


    Die aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen. Somit handelt es sich um modernistischen Historismus, was ich wiederum nicht allzu problematisch finde, da ich kein Problem mit Historismus habe. Allerdings sollten sich die Modernisten schon an den eigenen Maßstäben messen lassen.



    Was wir in Berlin überschwänglich loben, sollten wir im bislang bei zeitgenössischer Architektur häufig sehr kastig-einfallslosen Leipzig nicht übertrieben kritisieren...


    Was genau an zeitgenössischer Architektur in Berlin wird denn "überschwänglich" gelobt?

    Edited once, last by Klinker ().

  • Ich empfinde das Gebäude als echte Bereicherung. Die Moderne ist nicht meine Herzensangelegenheit, aber wenn sie in dieser Form auftritt findet sie meine volle Zustimmung. Mir gefällt der Schwung, die Rundungen und die Eleganz der Linien. Natürlich ist das auch Retro, aber ich finde daran nichts Schlechtes. Der Stil der goldenen Zwanziger lebt auf, und dieses Jahrzehnt fasziniert mich von jeher.

    In dubio pro reko

  • Klinker: Verstehe ich Dich richtig, wenn Du mit dem Satz "Die Modernisten sollen sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen" die Architekten des Trias-Hauses Schulz & Schulz meinst? Diese sprechen doch unumwunden selbst davon, das von Dir gefundene Beispiel aus Madrid, wo der ältere der beiden Brüder studiert hat, mit diesem Gebäude interpretiert zu haben, vor dem Hintergrund von Ritters Hochhausplänen derselben Zeit für den Leipziger Ring. Sie erheben also gar keinen Originalitätsanspruch, sondern bekennen sich ganz offen zu einer historistischen Herangehensweise an das Projekt.

  • Ich verstehe auch nicht, warum Traditionalismus vor Beginn der Moderne enden sollte . Auch das Bauhaus darf gerne kopiert werden. Mit der heutigen völlig auf den Hund gekommenen sogenannten zeitgenössischen Architektur wie das ehemalige Wiener Loch oder dem Gedöns am Postplatz, um mal allseits bekannte Beispiele zu nennen, hat diese Retromoderne wahrhaftig nichts gemeinsam.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Klinker: Verstehe ich Dich richtig, wenn Du mit dem Satz "Die Modernisten sollen sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen" die Architekten des Trias-Hauses Schulz & Schulz meinst?


    Das kommt jetzt darauf an, was Schulz & Schulz zum Historismus sagen würden. Hast du dazu eine Stellungnahme?


    Abgesehen davon stellt das Trias-Haus sowieso eine Ausnahme in dem ziemlich klotzigen Portfolio von Schulz & Schulz dar.



    Diese sprechen doch unumwunden selbst davon, das von Dir gefundene Beispiel aus Madrid, wo der ältere der beiden Brüder studiert hat, mit diesem Gebäude interpretiert zu haben, vor dem Hintergrund von Ritters Hochhausplänen derselben Zeit für den Leipziger Ring.


    Das Vorbild hätten sie auch schlecht verleugnen können.



    Sie erheben also gar keinen Originalitätsanspruch, sondern bekennen sich ganz offen zu einer historistischen Herangehensweise an das Projekt.


    Ein historistisches Gebäude ist nicht an sich unoriginell. Allerdings gibt es aufgrund der relativ beschränkten modernistischen Formensprache vermutlich nicht allzu viele Variationsmöglichkeiten, wenn man sich diese Stilrichtung auswählt.