Brüssel (B) (Galerie)

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    • Brüssel ist eine extrem gammelige Stadt. Die Museen in den beiden Hallen sind sehenswert, auf der einen Seite Automobile ("Autoworld"), Flugzeuge, Panzer und Uniformen und das alles in einem totalen Retromuseumsstil präsentiert, so wie 1960 eingerichtet und seitdem nichts verändert. So wird es wohl auch sein. Mit dem Park tut man sich eigentlich keinen Gefallen, im Gegensatz zu Unter den Linden ist das Tor irgendwie tot und auch die Ubahnanbindung ist nicht gut. Eine sehr zugige Ecke. Das Schlimme an Brüssel ist die marode öffentliche Infrastruktur, das Ubahnnetz ist eine Katastrophe, schlecht ausgeschildert, defekte Automaten, überall ungesicherte Baustellen. So ähnlich sind auch die anderen öffentlichen Dienstleistungen. Es dauert eine halbe Stunde einen Brief bei der Post frankieren zu lassen. Briefmarkenautomaten gibt es nicht, typischerweise kommen auf drei Schalterbeamte fünf Wachleute, da muss man Nummern ziehen und warten.

      Der Grand Place ist ein Repräsentationsplatz der Zünfte gewesen. Heute eine der gepflegten Ecken für die Touristen aus Übersee.
    • Das Vorher-Nachher des Maison Du Peuple hat mich nun fast aus den Schuhen gehauen. Wie so oft hilft uns ein Blick in Bildindex weiter, leider habe ich aktuell keine Zeit, mich näher mit dem Thema zu befassen. Das erste Bild zeigt den Place de Brouckere vor 1940, rechts unten das Kopfgebäude, das ich photographiert hatte, in der oberen Bildmitte muss das Maison du Peuple gestanden haben. Der google-Ausschnitt zeigt dasselbe Umfeld aktuell aus einer anderen Perspektive. Das Kopfgebäude habe ich eingekreist. Der absolute Hammer. Von der Bausubstanz, die wir im ersten Bild sehen, ist kaum etwas stehen geblieben und das ohne nennenswerte Kriegseinwirkungen, Erdbeben oder einen Meteoriteneinschlag.

      Neben dem Bildausschnitt im ersten Bild weiter nach links oder z.B. in der Gegend um den Bahnhof wird es einen ähnlich dramatischen Wandel gegeben haben. Vermutlich in dieser Dimension ein in Europa ziemlich einzigartiger Vorgang.



    • Brüssel ist eine Stadt der Widersprüche - es gibt wunderbare Ecken, dann kommen völlig heruntergekommene bis gefährliche Viertel, dann plötzlich wieder Prachtarchitektur. Wie man eine einstmals so wunderbare Stadt an vielen Stellen derart verunstalten kann, ist mir allerdings ein Rätsel...

      Picasa Web Albums - Stephan Baumeister - Brüssel

      Übrigens sieht man die Nationalbasilika auch von der Autobahn aus ("dank" eines Staus konnte ich sie ausgiebig betrachten) - dort scheint sie in einem Meer von Hochhäusern zu versinken. Ich war daher vom gepflegten Park und der angenehmen kleinteiligen Bebauung überrascht, als ich die Kirche mit der U-Bahn besuchte (die Hochhausviertel stehen wohl in Ganshoren).

      Ansonsten fand ich die Sicherheitslage teilweise bedenklich, so wurde ich am Atomium wie alle anderen Besucher ziemlich aggressiv von jungen Frauen angebettelt und richtiggehend verfolgt (wohl aus Rumänien), Polizei war natürlich nirgendwo zu sehen.
    • Erpel wrote:

      in der oberen Bildmitte muss das Maison du Peuple gestanden haben.

      Das Maison du Peuple stand ca. 1,3 km vom Place de Brouckère entfernt, an der Joseph Stevensstraat. Also, wenn sich Altbauten nicht einmal mehr anhand von Fotos lokalisieren lassen, zeugt das wirklich von einer katastrophalen Schädigung des Stadtbildes. :kopfschuetteln:
      Form is Function.

      "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."
      Adolf Loos (Ja, genau der.)
    • Wobei die Roma noch das geringste Problem sind.

      Die demographischen Verhältnisse der Region Brüssel-Hauptstadt sind äußerst heterogen. Insbesondere der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund ist je nach Gemeinde unterschiedlich. Mit 98 % hat Sint-Joost-ten-Node den höchsten Anteil an Allochthonen aufzuweisen, gefolgt von Sint-Gillis (81 %), Schaarbeek und Sint-Jans-Molenbeek (beide 74 %). Die beiden Außengemeinden Ganshoren und Watermaal-Bosvoorde haben mit jeweils 24 % den geringsten Allochthonenanteil. Insgesamt hat Brüssel mit 57 % (nach NPDATA) einen für europäische Verhältnisse sehr hohen Anteil an allochthoner Bevölkerung.

      Quelle: wikipedia, das über diese Fakten auch nicht hinwegkann und tapfer nähere Hintergründe verschweigt.
      Tatsächlich steht es um Brüssel besonders trostlos. Selbst das Berlaymont-Gebäude liegt mittlerweile im Gangland, und Überfälle sogar auf Kommissionsmitglieder kommen vor (werden mitunter von der geplagten Bevölkerung mit Schadenfreude beobachtet).
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • Na gut - aber die Stadt Brüssel ist ja nur ein relativ kleiner Teil der Region Brüssel-Hauptstadt (Région de Bruxelles-Capitale), übrigens die einzige offiziell zweisprachige Region in Belgien.

      Brüssel habe ich bislang dreimal besucht und mich vor allem auf das Zentrum konzentriert, wo ich mir eigentlich ziemlich sicher vorkam. Was man vermeiden sollte, ist wohl die Gegend um den Südbahnhof, ansonsten findet man überall Kontraste: durchaus ansprechende Neubauten, ganz wunderbare Vororte, und immer wieder Verfall, Prachtboulevards mit verfallenden Gebäuden, Baulücken und dann wieder perfekt gepflegte Ensembles.

      Besonders verblüffend fand ich solche Anblicke mitten im Zentrum:





      Da sieht es bei den Flamen wesentlich besser aus, in der Wallonie ist mir vor allem Charleroi als besonders häßlich in Erinnerung geblieben (während Lüttich immerhin noch einige schöne Ecken hat).

      Trotzdem ist Brüssel definitiv einen Besuch wert... ich werde dieses Jahr sicherlich wieder einen Belgien-Abstecher unternehmen.
    • Hallo zusammen,
      ich habe mal eine Frage bezüglich eines der Häuser Victor Hortas in Brüssel, und zwar das Hotel Solvay in der Avenue Louise:
      Hat irgendwer hier im Forum dieses Gebäude schon einmal besucht und hat vielleicht sogar Bilder gemacht?
      Es geht um ein Projekt in der Uni bei dem jedem Studenten ein bestimmtes Haus zur Analyse zugeordnet ist, welches typisch für eine bestimmte Stilrichtung (in diesem Fall also der belgische Art Nouveau) ist.
      Es wäre wirklich eine große Hilfe, wenn jemand Fotos hätte, da kaum brauchbare Quellen in den Universitätsbibliotheken vorhanden sind. ;)
    • FLX wrote:

      Hallo zusammen,
      ich habe mal eine Frage bezüglich eines der Häuser Victor Hortas in Brüssel, und zwar das Hotel Solvay in der Avenue Louise:
      Hat irgendwer hier im Forum dieses Gebäude schon einmal besucht und hat vielleicht sogar Bilder gemacht?
      Es geht um ein Projekt in der Uni bei dem jedem Studenten ein bestimmtes Haus zur Analyse zugeordnet ist, welches typisch für eine bestimmte Stilrichtung (in diesem Fall also der belgische Art Nouveau) ist.
      Es wäre wirklich eine große Hilfe, wenn jemand Fotos hätte, da kaum brauchbare Quellen in den Universitätsbibliotheken vorhanden sind. ;)


      Hier kannst du einige Bilder finden: members.virtualtourist.com/m/tt/12db0/

      Reichen Bilder vom Giebel und Schmuckstücke?


      Brüssel ist eine der schmutzigste Städte die ich jemals besucht habe. Ich bleibe da liebst 10 km von entfernt. Klar gibt es schöne Ecke und Plätze. 'De grote markt' ist wohl das bekannteste Vorbild, aber nur ein oder zwei Straße weiter befindet man sich plötzlich in eine dreckige Gegend. Brüssel ist der Archetyp von wie ein wohlhabender Stadt degenerieren kann. Die Region Brüssel hat z.B. drei mal weniger Einwohner als Berlin, ist 5,5 mal kleiner als Berlin, aber hat 19 (neunzehn!) Bürgermeister und 6 Polizeizonen. Brüssel zählt 72% Ausländer, die Arbeitslosigkeit ist 22%. Sogar die Baby- und Kindersterblichkeit ist nirgendwo in Europa so hoch wie in Brüssel.
    • Zum Haus Nr. 6:
      Gibt es eigentlich -irgendwo auf der Welt- weitere Beispiele, die so explizit und fast schon organisch-semantisch auf die Schiffsbau, also hier Achterdeck und Achterspiegel, verweisen? Beispiele mit Bezug zu Schiffen allgemein, sind mir sonst nur aus der modernen Architektur bekannt.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

      The post was edited 2 times, last by Kaoru ().

    • Es könnte ein Paradies sein, ist aber - typisch für Belgien - eher eine Mischung aus alt, neu, schön, häßlich und heruntergekommen.

      Besucht habe ich Brüssel zweimal, einmal 2006 und einmal 2011, hier die Fotos (beim ersten Besuch habe ich mich offensichtlich stärker auf die häßlichen Seiten konzentriert):

      Brüssel 2011

      Brüssel 2006

      P.S. Inzwischen können bei unserem Hosting praktisch beliebig viele Fotos in einem Durchgang hochgeladen werden, nur das Resizing muß vorab noch mit einem externen Programm erfolgen.