Berlin-Köpenick

  • Puhh. Ja, das schmerzt in der Tat das Auge. Dennoch "freut" es mich auch ein Stück weit, zumindest diesen Anblick zu sehen - statt eines Komplettabrisses und nichtssagenden Neubaus. Das war nämlich zunächst geplant.

    Es ist zweifellos ein Ergebnis des Engagements unseres Berliner Ortsverbandes, dass hier kein Abriss vollzogen wurde. Das war eine unserer ersten Pressemitteilungen als neu gegründeter OV (Danke dafür v.a. an Peter Dobrick!).
    Sogar die Köpenicker Lokalpolitik hat sich dann merklich für den Bau eingesetzt. Wenn auch das jetzige Ergebnis keinesfalls zufriedenstellen kann - wir werden es wohl immer wieder als Negativbeispiel für jüngere Verfehlungen vorzeigen müssen.

    Der Berliner Landesdenkmalschutz hat sich da auch nicht gerade positiv hervorgetan, der das Objekt trotz seiner herausgehobenen Wirkung im lokalen Ortsbild und des Alters für "nicht schützenswert" befand.

    Hier einige weitere Bilder und Infos: RE: Berliner Abrisse

  • Das öffentliche Leben wird mittlerweile fast komplett durchreglementiert.

    Aber hier kann jemand ungehindert der Öffentlichkeit einen derartigen Schandfleck vorsetzen.

  • Das Problem bei diesem Haus war nicht nur, dass es, obwohl praktisch im Originalzustand erhalten, trotz Prüfung und Bitten der BVV und des Bezirksamt nicht als Einzeldenkmal anerkannt wurde, sondern dass es auch das Pech hatte, knapp außerhalb des Denkmalbereichs Köpenicker Altstadt zu liegen. So konnte es ungestraft abgestuckt und verunstaltet werden, obwohl es nach §105 GEG (Gebäudeenergiegesetz) keineswegs Pflicht ist, besonders erhaltenswerter Bausubstanz eine Außendämmung zu verpassen - vom unpassenden Anstrich ganz zu schweigen. Es fällt in der Tat auf, dass das Berliner Landesdenkmalamt kaum noch Initiative beim Schutz gründerzeitlicher Häuser zeigt, sondern sich fast nur noch mit Unterschutzstellungen von Bausünden der 1960er und 70er Jahre brüstet.


    Bei der Sanierung solcher gründerzeitlichen Häuser herrscht nach wie vor (und eigentlich mehr denn je) Orientierungslosigkeit und Willkür, wie man schon an der Farbwahl erkennen kann. Den wenigen denkmalgeschützten Altbauten in Berlin steht auch heute noch eine große Mehrzahl komplett ungeschützter, quasi vogelfreier Gründerzeithäuser gegenüber, die, obwohl inzwischen auch mehr als 100 Jahre alt, weiterhin nach Belieben des Eigentümers abgestuckt und verhunzt werden dürfen. Der Berliner Stadtbild-Ortsverband wird noch in diesem Jahr eine Broschüre für Hauseigentümer mit Gestaltungsempfehlungen bei anstehenden Sanierungen nicht denkmalgeschützter Gründerzeitler herausgeben. Es ist eigentlich traurig, dass dieses Thema in den Medien und der Öffentlichkeit bisher praktisch überhaupt nicht wahrgenommen wird und auch von Seiten der Denkmalbehörden diesbezüglich kein Engagement erkennbar ist.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Die Eigentümerin war leider sehr renitent und ignorant

    Da Du offenbar über Hintergrundinformationen verfügst, darf gefragt werden, worin die Motivation der Frau lag? Wenn es um die Einsparung von Energiekosten oder "Klimarettung" ging, hätten sich ja auch andere Lösungen finden lassen, oder? Zumal das Haus in der Original-Fassung womöglich eine solventere Mieterklientel hätte anziehen können, was Zusatzkosten wieder reingespielt hätte. Und weshalb gibt sie dem Haus zudem noch diesen knalligen, unpassenden Farbanstrich? Ist die Frau aus dem Ausland, z.B. Osteuropa, wo zum Teil ein Hang zu herausstechend bunten Farben vorherrscht? Unterliegt sie dem Modernismus-Wahn, der Ornament als "Verbrechen" betrachtet? Ich rätsele noch ein bisschen...


    Bei mir im Ort hat vor ein paar Jahren ein älterer Typ den Stuck von seinem (allerdings etwas schlichteren) Gründerzeitler abschlagen lassen und Styropor drangeklebt. Das ist für mich ein Rentner ohne jedes ästhetische Empfinden. Aber er hat dann auch das Haus entsprechend dieser Klientel gestaltet, d.h. weißer Anstrich und blöde braune Fliesen am Sockel.

  • Und weshalb gibt sie dem Haus zudem noch diesen knalligen, unpassenden Farbanstrich? Ist die Frau aus dem Ausland, z.B. Osteuropa, wo zum Teil ein Hang zu herausstechend bunten Farben vorherrscht? Unterliegt sie dem Modernismus-Wahn, der Ornament als "Verbrechen" betrachtet? Ich rätsele noch ein bisschen...

    Vielleicht ließ sich die Bauherrin (Mexicanerin?) mit dem knalligen Blau vom Blauen Haus von Frieda Kahlo inspirieren?:biggrin:

  • Ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, dass man das Ergebnis als Erfolg schönreden kann. Der Wert (ästhetischer und historischer Art) bestand doch im Wesentlichen in der Stuckfassade. Nachdem diese nun zerstört ist, wird die Eigentümerin, die hier nicht näher bezeichnet werden soll, innerhalb kürzester Zeit das Gebäude abreißen können, ohne dass sich irgend ein Protest dagegen erhebt. Für den Erhalt des Gebäudes im jetzigen Zustand wird sich wohl kaum jemand mobilisieren lassen.

  • Ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, dass man das Ergebnis als Erfolg schönreden kann. Der Wert (ästhetischer und historischer Art) bestand doch im Wesentlichen in der Stuckfassade. Nachdem diese nun zerstört ist, wird die Eigentümerin, die hier nicht näher bezeichnet werden soll, innerhalb kürzester Zeit das Gebäude abreißen können, ohne dass sich irgend ein Protest dagegen erhebt. Für den Erhalt des Gebäudes im jetzigen Zustand wird sich wohl kaum jemand mobilisieren lassen.

    Ein interessanter Gedanke.... keine Geschmacksverirrung sondern kalkulierte Verhässlichung als Zwischenschritt zum endgültigen Abriss.

    Dafür spricht auch die gegenwärtige Nutzung.

    Bei einzelner Betrachtung der vielen Verluste bzw. deren "Ersetzungen" kann fehlender Geschmack beinahe ausgeschlossen werden. Die Existenz eines derartigen Banausens erscheint mir unmöglich. Es muss Kalkül gewesen sein.

    "Ihr habt mir den Abriss versagt und damit meine angestrebte Gewinnmaximierung - nun - dann stelle ich euch ein maximal verhässlichstes Gebäude hin."

    Das kommt davon, wenn man nur halbherzig oder sogar dumm administriert. Man hätte die Abrissverweigerung kombinieren müssen mit eindeutigen Regeln und Grenzen für eine Sanierung / Rekonstruktion.

    Nun kann jeder Neubau nur noch besser sein, als dieser verhunzte Gründerzeitler.

  • Puhh. Ja, das schmerzt in der Tat das Auge. Dennoch "freut" es mich auch ein Stück weit, zumindest diesen Anblick zu sehen - statt eines Komplettabrisses und nichtssagenden Neubaus. Das war nämlich zunächst geplant.


    Hier ist meiner Meinung nach jede Freude oder Erleichterung fehl am Platz. Was nun aus diesem Haus gemacht wurde, ist sehr wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren eh weg. Es wurde so alles historische getilgt und mit der scheußlichen Außengestaltung entstellt, dass man in wenigen Dekaden, wem auch immer hier abreißt und neubaut, noch dankbar sein wird.

  • Wir ärgern uns über die Entstuckungszeit der 60/70er Jahre in Deutschland, und hier erleben wir ein ganz krassen Fall der Gegenwart .Wie konnte die Baubehörde von Köpenick so etwas überhaupt durchwinken.

    Für solch eine Sanierung müssten eigentlich sämtliche Verantwortlichen für ihre Genehmigung eine Strafe zahlen.Am Ende hat man mit dieser schrecklichen Sanierung, dem Gebäude zumindest Optisch einen Bärendienst erwiesen.👎

  • Es ist nicht genehmigungspflichtig. Man kann mit der mehr als 100 Jahre alten Fassade nach der gegenwärtigen Rechtslage machen, was man möchte. Und das ist ein Problem, wie man sieht. Es ist ein Vergehen am Stadtbild und an der Allgemeinheit, und es gibt dafür keine Strafe oder Sanktion, keine Wiedergutmachung. Das sollte sich ändern. Stadtbild Deutschland muss sich dafür einsetzen, von anderer Seite kommt da anscheinend nichts.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Wer legt einen Trust auf, diese Gebäude zu kaufen und denkmalgerecht zu sanieren, um sie solchen Banausen zu entziehen?

  • Lege gern los Goldstein, da finden wir schon Leute, die was in den Topf werfen!


    Snork: Wir sind ja dran an dem Thema mit Stadtbild, dass mehr Erhaltungsgebiete entstehen. Und das Knowhow auch direkt an Eigentümer und Bauherren wandert. Aufklärung und Einsatz machen hier den Wandel möglich, und einige sehr löbliche Ansätze sehen wir ja die letzten Jahre schon.


    Was nun aus diesem Haus gemacht wurde, ist sehr wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren eh weg. Es wurde so alles historische getilgt

    Sehe ich anders. Ein Neubau wird niemals "wiederbestuckt" werden, er wird höchstens sehr lose Referenzen an einen Altbau zeigen. Für einen Neubau wäre das jetzige Ergebnis -bis auf das schreiende Blau- aus Sicht dieses Forums idR in Ordnung.

    Bei entstuckten und entstellten Altbauten hingegen haben wir oft genug sehr liebevolle Sanierungen gesehen, ob nun in Leipzig oder Berlin.
    Und Entwicklungen wie die fortschreitende Verkehrswende (mehr ÖPNV/Radverkehr, leisere Autos usw.) werden auch Lagen wie jene dieses Hauses attraktiv machen. Zumal Köpenick sowieso einen Aufstieg erfährt. In 10-15 Jahren kauft es vllt. jemand und nimmt die Wiederbestuckung vor. Weil dann ganz andere Rahmenbedingungen dort herrschen. Dann findet er immerhin ein Haus vor, das von der Substanz gut in Schuss und bereits vermietet ist.

    Da ich auch persönlich Energie in den Erhalt dieses Hauses gesteckt habe, verbitte ich mir Bemerkungen, welche Gefühle ich darüber haben darf. Danke. ;)

  • Eigentümer:

    Matthias Große - General der NVA in spe, Kraftsportmeister der UdSSR, Präsident der deutschen-Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Müggelturmbesitzer, Flüchtlingsunterkunftbetreiber und Lebenspartner der CDU-Wahlkreiskandidatin für Treptow/Köpenick, Claudia Pechstein (erfolgreichste deutsche Eisschnelllaufolympionikin)

  • Scheinen Leute zu sein, die vermutlich nicht die nötigen Cent für eine ansprechende Sanierung gehabt haben und es deshalb billig machen mussten... :augenrollen::sad:

  • Wie kann man nur? Das muss wohl eine der schlimmsten Altbau Sanierungen sein, die ich jemals gesehen habe.

  • Für die Bilder ist genug Geld da aber nicht für die Erhaltung des Giebels? Was sprach denn gegen seine Erhaltung? An seiner Stelle ist ja auch jetzt kein Fenster.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland