Bremerhaven - Abrisse/Leerstand/Sanierung (Galerie)

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    • Bremerhaven - Abrisse/Leerstand/Sanierung (Galerie)

      In diesem Strang war ja schon mal die Rede von den im Bremerhavener Stadtteil Lehe bereits abgerissenen und noch abzureißenden verwahrlosten Gründerzeithäusern –vulgo Schrottimmobilien- gewesen. Grund genug für mich, mir das ganze mal anzusehen.

      Bremerhaven ist –neben wenigen sich gar nicht erholenden Ruhrstädten- sicherlich eine der am ärgsten von der Abwärtsspirale aus Arbeitslosigkeit, Abwanderung und allgemeiner Perspektivlosigkeit gebeutelten westdeutschen Großstädte. Verglichen mit dem Höchststand in den Siebzigern hat ein gutes Fünftel der Bevölkerung die Stadt verlassen.

      Trotz einer beachtlichen wirtschaftlichen Stabilisierung in den letzten Jahren und einer zuletzt zumindest stagnierenden Einwohnerzahl gibt es somit einen massiven Wohnraumüberhang. Im Rahmen des Programms Stadtumbau West sind bereits einige peripher gelegene Großsiedlungen zurückgebaut worden, trotzdem ist der Wohnungsleerstand ausgerechnet im architekturhistorisch interessantesten Stadtteil Lehe enorm. HIer wurden und werden jährlich mehrere, tlw. wirklich unglaublich verwahrloste, gründerzeiltiche Mietshäuser abgerissen.

      Dort bin ich auch ausgestiegen. Zunächst ein Blick zurück auf ein typisches norddeutsches, ziemlich heruntergekommenes Bahnhofsgebäude:



      Zunächst befinde ich mich im Bereich zwischen Stresemannstraße und Hafenstraße, einem Bereich, den ich gar nicht auf dem Zettel hatte, in dem aber noch relativ viel Vorgründerzeit steht, also die regionaltypischen dörflichen giebelständigen Wohnhäuser "Altlehes" wie z.B. hier:



      Gemischt mit durchaus ansehnlicher, aber unspektakulärer Mietsbebauung:





      Dieses Bild ändert sich schlagartig an der Hafenstraße, der immer noch quirligen Hauptmeile Lehes. Wenn es manchmal auch an Geschlossenheit hapert, stehen hier durchaus beeindruckende große späthistoristische und Jugendstilmietshäuser, wie z.B. hier





      hier wird auch mal ein Haus saniert - was wohl dabei raus kommt?



      Unterbrochen wird das Ganze von einem –gegenwärtig in Renovierung zwecks Umbau/Öffnung für Publikumsverkehr- befindlichen Wasserturm

      Moderationshinweis 1 (Aedificium) Bild aufgrund von rechtlichen"Ungereimtheiten" entfernt und obige Beschreibung gekürzt.
      Moderationshinweis 2 (Palantir): Heinzers Bild "bearbeitet", umgespeichert und wieder eingefügt.


      sowie einer neogotischen Backsteinkirche und einem ebensolchen Rathaus:



      bevor es sehr abwechlungsreich weiter nach Süden geht:







      Hier ein Rohdiamant, leider sehr verwahrlost, aber absolut noch rettbar:



      Der architekturgeschichtlich interessanteste Teil Lehes ist jedoch der westlich der Hafenstraße gelegene Ortsteil Goethestraße. Hier stören kaum Nachkriegsbauten, jedoch regiert (besonders am nördlichen Ende der Goethestraße) flächendeckender Leerstand mit der entsprechenden Tristesse das Bild. In diesem Bereich befinden sich auch die allermeisten Abrisshäuser und solche, von denen ich befürchte, dass sie es bald werden.

      Typische Straßenszenen in dieser Gegend:







      Ich weiß nicht, ob man es erkennen kann, aber aufgrund des weichen Bodens und der technisch unzureichenden Gründung sacken viele Häuser in dieser Gegend ab:



      Der Bagger in Aktion in der Potsdamer Straße 10:



      Ein weiteres Haus auf der Abrissliste:



      von diesem weiß ich es nicht, es liegt an der Goethestraße und könnte somit noch in den Genuss des Ensembleschutzes kommen:



      Dieses Haus am nördlichen Ende der Goethestraße soll ebenfalls abgerissen werden (das war bestimmt mal ein Juwel):



      Dabei gibt es in den Nebenstraßen Uhland- / und Heinrichstraße durchaus architektonische Kuriositäten zu bewundern, so z.B. das sogenannte „Leher Haus“, eines auf oben gezeigten giebelständigen, einfachen dörflichen Wohnhäusern beruhenden, häufig im Stil der Neorenaissance verzierten Mietshauses. Diese wurden ab den 1870er Jahren für die Hafenarbeiter des boomenden Bremerhavens gebaut, wobei Lehe zum damaligen Zeitpunkt noch hannoversch war. Irgendwann um 1890 herum bemerkten die Bauunternehmer jedoch, dass man deutlich mehr Leute pro qm Grundfläche unterbringen kann, wenn nicht einzelne giebelständige Häuser nebeneinander gesetzt werden, sondern "klassisch" der Blockrand bebaut wird. Gottseidank hat der engagierte Denkmalpfleger Wolfgang Brönner einen großen Teil des ganzen Quartiers bereits 1976 (!) unter Denkmalschutz gestellt. Mit den Leher Häusern liegt also eine sehr regionalspezifische Ausprägung des Historismus vor.









      Zum Schluss noch ein weiteres, beeindruckendes Ensemble am Beginn der Goethestraße. Im Zentrum des Komplexes liegt die sogenannte Rudelsburg mit drei überlebensgroßen Figuren, ganz hanseatisch-weltlich die Wissenschaft, den Handel und die Industrie darstellend:



      Das war es erstmal aus Lehe, es folgt noch ein Teil Bremerhaven-Mitte. Leider war das Wetter - entgegen der Vorhersage - bedeckt, so dass die Pracht mancher Häuser leider nicht so rauskommt. Ich hoffe, illustriert zu haben, was da in Bremerhaven auf dem Spiel steht - auf dass Lehe kein zweites Bruckhausen werde.

      In wirtschaftlich erfolgreicheren Städten und nach Sanierungen im Stile des Hauses mit adäquaten Fenstern, vielleicht der Wiederherstellung verlorengegangener Dachaufbauten etc. wäre das ein absolutes Sahnewohngebiet....

      in diesem Sinne

      Heinzer

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Heinzer () aus folgendem Grund: Bilder wieder eingefügt, leicht verändert

    • Es folgt der zweite Teil des Ausflugs in die gefährdete, aber durchaus prachtvolle Bremerhavener Gründerzeit. Diesmal wird es hauptsächlich um das im Bezirk Mitte (also originär zu Bremerhaven gehörend) gelegene Areal um die ehemalige Kaiserstraße gehen.

      Das bisher gezeigte Lehe gehörte bis 1929 zu Hannover/Niedersachsen und wuchs „nur“ im Schatten des boomenden, aber sehr beengten Bremerhavens. Dieser Platzmangel erklärt auch das großstädtische Gepräge großer Teile der Kernstadt. Es scheint, als hätten die Bremerhavener Stadtväter das, was Bremen (aus Traditionsgründen?) an Gebäuden in großstädtischem Maßstab fehlt, in Bremerhaven gebaut. Man fühlt sich in Bezug auf Straßenbreite und Gebäudehöhe (auch der Wiederaufbauarchitektur) eher wie im Hamburger Osten als in der Schwesterstadt Bremen.

      Als Beispiel mal dieses monumentale Schulgebäude an der Wiener Straße, ich behaupte mal, Schulen dieses Ausmaßes gibt es in HB einfach nicht:



      Wir befinden uns nun am Ostrand des Martin-Donandt-Platzes, an dem um 1900 der neue Bremerhavener Hauptbahnhof gebaut werden sollte. Im Rahmen dieses Planungsoptimismus wurde auch die Kaiserstraße (heute Bürgermeister-Smidt-Straße) als mondäner Prachtboulevard mit bis zu 7-geschossigen (!) Gründerzeitmietshäusern mit Hinterhäusern und allen Schikanen innerhalb weniger Jahre ab 1900 angelegt.

      Zunächst ein ganz frisch saniertes Eckhaus in der Schleusenstraße, welches mit Geldern aus dem Stadtumbau West und viel Eigenleistung der kommunalen Wohnbaugesellschaft gerade noch vor dem Abriss gerettet werden konnte (s.a. diesen Link zur Nordseezeitung) Immerhin wurden Türmchen etc. wiederhergestellt, die Plastikfenster mit viel zu breiten Rahmenprofilen stören den Gesamteindruck jedoch sehr:



      Zunächst gehe ich nun die parallel zur Bürgermeister-Smidt-Straße gelegene Gildemeisterstraße nordwärts, in der sich unter anderem diese beiden Jugendstil-Stadtvillen befinden:



      oder dieses nicht minder reizvolle Doppelhaus:



      Es folgen noch einige Fotovergleiche mit alten AK, die in einem leerstehenden Ladenlokal in der Bürgermeister-Smidt-Straße aushingen, ich hoffe, es gibt keine Copyright-Probleme. Die Vergleiche illustrieren nochmal sehr deutlich, was alles auch ohne offenkundige vollständige Entstuckung in Westdeutschland so alles auf der Strecke geblieben ist: So wurden z. B. Dachausbauten/Türmchen und Zwerchgiebel nicht wiederhergestellt/abgebrochen; außerdem ist der noch sichtbare Fassadenschmuck häufig nur ein trauriger Rest der einstigen Pracht.

      Anfangen tun wir am hier im anderen Bremerhaven-Strang schonmal gezeigten Entree zur Bürgermeister-Smidt-Straße, dem Martin-Donandt-Platz:

      Ansicht auf alter AK:



      Ansicht beider Häuser heute (wegen Baumbewuchs getrennt), erst das linkerhand stehende, dann das rechte "Haus des Handwerks", ursprünglich erbaut als Bahnhofshotel, ohne dass der Bahnhof je kam und als eines der wenigen ganz gut saniert:





      Weiter nordwärts an der kreuzenden Schleusenstraße dieser Blick:



      in etwa mit dieser heutigen Ansicht korrespondierend:



      wieder südwärts blickend dieser Blick auf ein hübsches Eckhaus:



      dieses sieht heute so aus (der Fassadenschmuck ist weitgehend erhalten, aber das komplette Dach/Mansardengeschoss mit Ecktürmchen fehlt). Daneben ein optisch leerstehendes Sorgenkind (hellblauer Anstrich; hier wurde offenkundig in den letzten Jahrzehnten nichts mehr investiert, man kann nur hoffen, dass sich jemand dieses ehemaligen Prachtbaus (s. a. Ansichtskarte) annimmt).

      Zu guter letzt noch ein paar Schnappschüsse aus dem niegelnagelneu bebauten Neuen Hafen (im Hintergrund die "Havenwelten"):



      Das sehenswerte Museum Deutsches Auswandererhaus:



      und der Beweis, dass die typischen Nachkriegsgeschäftsstraßen überall gleich freudlos wirken:



      Im ohnehin niedrigen Niveau schafft Karstadt es, mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit nochmal deutlich nach unten auszubrechen (im Hintergrund ist außerdem das 24stöckige gruselige Columbus-Center zu sehen, aufgrund des Seeblicks jedoch noch nicht so verwahrlost wie das Ihme-Zentrum in Hannover, sonst aber von ähnlicher menschenfeindlicher Gestalt):



      Die für die Identität der Stadt durchaus wichtige "Große Kirche" (offiziell nach dem allgegenwärtigen Stadtgründer Bürgermeister Smidt benannt), Backsteinneogotik aus den 1840er Jahren, nach dem Kriege vereinfacht wieder aufgebaut:



      Hier noch das ebenfalls nach dem Kriege nur teilwiederhergestellte Jugendstil-Stadttheater:



      Zuletzt noch ein (Teil)-Blick (blöde Verkaufpavillons verhindern eine Totale) auf den 2009-11 geschmackvoll renovierten (alte abgehängte Halle wiederhergestellt etc.) Hauptbahnhof:



      Das war es erstmal mit Bremerhaven, ich hoffe, es hat gefallen und freue mich natürlich über Reaktionen!

      Heinzer

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Heinzer () aus folgendem Grund: Restliche Fotolinks wieder eingefügt

    • Hallo Heinzer,

      mit allzu vielen Reaktionen kannst du hier im Forum leider nicht rechnen. Das geht eigentlich nur zuverlässig, wenn du 'nen Aufreger bringst - dann reicht mitunter auch ein Einzeiler. :zwinkern:

      Jedenfalls danke für die Vorstellung von Bremerhaven, wo ich noch niemals war. In Gedanken hatte ich es mir immer wie das gegenüberliegende WHV vorgestellt, aber Bremerhaven bietet offensichtlich deutlich mehr. Überraschend war für mich vor allem die hochsprießende gründerzeitliche Blütephase der Stadt. Wenn man bedenkt, dass sich bis kurz davor von dort mehrere Millionen Menschen gen Ellis Island ausschiffen ließen und nie wieder nach Europa zurückkehrten...

      Wie gewohnt, einige bildliche & inhaltliche Ergänzungen:

      Das von dir abgelichtete Rudelsburghaus um ca. 1900 - wohl das schönste Gebäude der Stadt (?)

      Bildquelle: Bibliothek - Zeno.org

      Eine colorierte Ansicht einer Parkanlage an der BM-Smidt-Straße:

      Bildquelle: Bibliothek - Zeno.org

      Dieser Fund ist bezeichnet mit Leher Tor - das Gebäude dürfte leider nicht mehr bestehen und auf einem dieser beiden Straßenzwickel gestanden haben?

      Bildquelle: bildindex der Kunst und Architektur

      Hier noch eine informative Seite über Lehe:
      Quartier || ESG-Lehe

      Und schließlich eine kleine bildliche und musikalische Hommage an Bremerhaven:
      [YOUTUBE]pZeXTJD_s7A[/YOUTUBE]
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Nun, ich reagiere. Und sage ein ganz herzliches Dankeschön! Sehr interessante und beeindruckende Fotos. :foto: Bremerhaven hat wahrlich mehr an Gründerzeit-Opulenz zu bieten, als man im Süden gemeinhin annimmt. Umso wichtiger ist es, dass es hier zu keinen Flächenabrissen kommt, sondern auf Erhaltung der historischen Bausubstanz wert gelegt wird.

      Vielleicht kann "Heinzer" oder ein anderer Kenner des Nordens ein wenig darlegen, worin die spezifischen Strukturprobleme Bremerhavens begründet liegen. Weshalb die Abwanderung? Wie sieht die demographische Situation aus? Wie äußert sich der soziale Verfall? Welche Konzepte werden erörtert, dem entgegen zu wirken?
    • Vorangestellte Fragen würden auch mich interessieren, gerade weil die Fotos einen Eindruck von bürgerlich geprägten Stadtvierteln rüberbringen und wenig heruntergekommen aussehen.

      Oh, was wäre das eine Pracht, wenn die historistischen Gebäude alle ihre ursprünglichen Dachaufbauten hätten! ;) Aber dieses Problem kennt man in nahezu jeder deutschen Großstadt...
    • MIr war durchaus klar, dass Bremerhaven für die meisten in diesem ost- und süddeutsch geprägten Forum in etwa so naheliegend wäre, wie wenn ich von Hammerfest oder Tromsö schriebe, zumal es hier ja keineswegs um im klassischen Sinne alte Architektur oder wertvolle historische Stadtkerne geht, umso mehr freue ich mich natürlich über die Antworten! Bremerhaven ist eben eine Kunststadt des 19. Jahrhunderts, trotzdem beeindrucken mich die (kläglichen) Reste der einstigen Gründerzeitpracht und v.a. ihr in Teilen wahrhaft großstädtisches Gepräge umso mehr.

      @Palantir: dieses tolle Kopfgebäude in Deiner dritten AK am Leher Tor muss sich tatsächlich genau dort befunden haben, wo du sagst: Am Anfang der Hafenstraße; der ganze dahinter folgende Block scheint ja dolle gewesen zu sein, davon ist fast nichts übrig. Auch dein Bremerhaven-Song ist witzig - sozusagen die kleine Version von Bochum/Herbert Grönemeyer.

      @Ortsbild: Der optische Gesamteindruck ist hauptsächlich deshalb noch nicht ganz desolat, weil hier schon in den späten 70er/frühen 80ern eine erste Sanierungswelle stattfand, wohl am ehesten der Unterschutzstellung weiter Teile Lehes geschuldet, wobei ja schon der Vorher-Nachher-Vergleich der Rudelsburg (jetzt: Satellitenantennen auf den Balkonen/Dachlandschaft weg etc.) den Verlust auch an eigentlich erhaltenen Gebäuden deutlich machen.

      Zu den Gründen für den wirtschaftlichen Niedergang: Bremerhaven hat seit den frühen 70er Jahren einen beispiellosen Abbau an Arbeitsplätzen erlebt.

      - Zunächst brach die ehemals hier ansässige, große deutsche Hochseefischereiflotte und mit ihr große Teile der fischverarbeitenden Industrie fast völlig weg, Reste davon sind z.B. noch Frosta oder die Deutsche See (Nordsee-Schnellrestaurants)

      - Die Automatisierung und der Siegeszug des Containers versetzte der Stadt - trotz stetig weiter steigender Umschlagszahlen - einen schweren Schlag, der eben nicht durch Dientsleistungsjobs wie in einer Metropole wie Hamburg abgefangen werden konnte

      - Schließlich die durch gutgemeinte, aber de facto schädliche Subventionen des Bremer Senats perpetuierte Werftenkrise; in dieser Branche hatten zu Hochzeiten tausende, (eher Richtung zehntausende) Leute Arbeit gefunden: Bis auf wenige Reste alles weg

      - Der scheibchenweise, mittlerweile abgeschlossene Abzug der amerikanischen Streitkräfte, die hier sehr stark vertreten waren, ja das Stadtbild und ihr soziokulturelles Gefüge v.a. in den 50-70er Jahren sehr geprägt hatten und natürlich Kaufkraft brachten und nun riesige ungenutzte Gelände hinterließen. Bremerhaven war "ihr" großer europäischer Hafen (Port of Embarkation). Elvis Presley trat hier - umjubelt von deutschen Fans - seinen Militärdienst an, es gab zig Musikclubs mit für damalige deutsche Verhältnisse bahnbrechend moderner Musik etc. - hier war richtig was los! Ohne diese Tatsache gäbe es nicht einmal den aus der britischen Besatzungszone herausgelösten Zwei-Städte-Staat Bremen.

      - Zuletzt wurde Bremerhaven natürlich wie viele andere Städte auch Opfer der Suburbanisierung - aufgrund der extrem beengten Verhältnisse konnte die Kommune nicht in dem Maße wie von den Einwohnern gewünscht Eigenheimneubaugebiete ausweisen; auch diese weiter in BHV arbeitenden, aber im Speckgürtel wohnenden Menschen versetzten dem sozialen und fianziellen Gesamtgefüge der Stadt natürlich einen Schlag.

      Übrig geblieben sind gerade in Lehe die 3 A (Arbeitslos, Arm, Ausländer), durchaus vergleichbar mit den besprochenen Duisburger "Problem"-stadtteilen. Aus dieser Abwärtsspirale wieder auszubrechen, wird ein Kraftakt für die traditionell überschuldete Kommune. Ein Anfang scheint allerdings mit der Entscheidung, Großwohnsiedlungen in der Peripherie aufzugeben und mit den bescheidenen verfügbaren Mitteln das Wohnen in der Kernstadt zu fördern, gemacht. Von qualitativ hochwertigen Wiederherstellungen der einst herrlichen gründerzeitlichen Häuser wie in Leipzig oder Görlitz wird man einstweilen aber nur träumen können, es geht höchstens um den Erhalt von möglichst viel und das Warten auf bessere Zeiten, die ganz langsam auch zu kommen scheinen. Bremerhaven stürzt sich -mit durchaus ansehnlichen Erfolgen- auf die Offshore-Windenergie, wobei auch dies natürlich wieder eine hoch subventionierte Industrie ist, und die chinesische Konkurrenz wird kaum schlafen.

      Hier sei nochmal dieser Zwischenbericht zur Lektüre empfohlen: Wohnen in der Inneren Stadt

      Edit: Beitrag etwas präzisiert und erweitert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Heinzer ()

    • Hallo Heinzer, vielen Dank auch von mir für die stets informativen Beiträge, die ich gerne lese.
      Bremerhaven habe auch ich mir eher wie das mir recht gut bekannte Wilhelmshaven vorgestellt - d.h. eine bis auf wenige Ausnahmen sehr spröde Ansammlung von Wohnhäusern, Werften, Kasernen, drittklassigen Kirchen.... Das Theater und der Bahnhof zeigen wirklich ordentlichen ausgewogenen Jugendstil/Reformstil, der ganz im süddeutschen Sinne gefällt. Dahingegen finde ich, dass viele Wohngebäude ihre norddeutsche/hannoversche/preußische Provenienz nicht verleugnen können. Sie bestehen nur aus Putz und Stuck (nicht aus Naturstein), die Figuren in einem einen Eckgebäude sind wenig feinfühlig ausgeführt, wirken vielmehr schwerfällig-preußisch-plump. Die Häuser an sich dürften tatsächlich außergewöhnliche, besondere Wohnungen haben.

      Ich frage mich übrigens auch, warum hier im Forum norddeustche Themen stets weniger Beachtung finden. Ich habe manchmal das Gefühl, es liegt daran, dass Norddeutschland weniger Stadtkerne hat und stattdessen schon in älterer Zeit viel stärker zersiedelt war, und somit historische Gebäude sehr verstreut liegen und seltener Enseblme bilden. Dies, und die gnadenlose technikgeprägte Moderniserung nach 1950/60 führen dazu, dass die charakteristische Bausubstanz Norddeutschlands für Besucher bei der Durchfahrt heute kaum mehr wahrnehmbar ist. Vom Krieg betroffen waren nur die großen Städte, alles andere ist ja erst später mutwillig zersört worden.
    • Als jemand, der Bremerhaven praktisch gar nicht kennt, bin ich äußerst überrascht, aus dieser Stadt einen gründerzeitlichen Wohnhaustypus vorgestellt zu bekommen, den die Stadt Bremen ja gar nicht kennt. Bremen ist dafür bekannt, dass es als (nahezu) einzige deutsche Großstadt keinen gründerzeitlichen Geschosswohnungsbau getrieben hat, sondern konsequent an dem sog. Bremer Haus, einem Reihenhaus vom Typ her, festgehalten hat. Daraus resultiert das unverwechselbare Bremer Stadtbild, das eher im westeuropäischen Ausland Entsprechungen hat. Sollte sich Bremerhaven in seiner Baupolitik so gänzlich von seiner Mutterstadt Bremen abgesetzt haben? Und was sind die Hintergründe dieser Eigenständigkeit?
    • Die Stadtwerdung/Territorialgeschichte von Bremerhaven ist sehr kompliziert.
      Nur der innerste Stadtkern Bremerhaven gehörte ursprünglich zu Bremen. Geestemünde und Lehe gehörten als eigenständige Städte zur Provinz Hannover. Hier entstanden die Gründerzeitviertel. Am 1.11.1939 ging auch der Stadtkern Bremerhaven an die Provinz Hannover, mit Ausnahme des Hafens. Dafür wurden städtisch geprägte, an das Stadtgebiet Bremens grenzende Randgemeinden (z. B. Hemelingen) an Bremen abgegeben. Zwischenzeitlich war aus der Doppelstadt Geestemünde / Lehe die Stadt Wesermünde gebildet worden, mit Sitz einer gleichnamigen Kreisverwaltung.
      Nach dem Krieg wurde Bremerhaven einschließlich Wesermünde als Teil des Stadtstaates Bremen wieder aus der Provinz Hannover, die mittlerweile einen Teil des neu gegründeten Landes Niedersachsen bildete, ausgegliedert. Es entstand die merkwürdige Situation, dass die Kreisverwaltung des jetzt so genannten Landkreises Bremerhaven, der zu Niedersachsen gehörte, im Gebiet der Stadt Bremerhaven lag, die zum Land Bremen gehörte. Dies änderte sich erst mit der Zusammenlegung der Landkreise Bremerhaven und Land Hadeln (mit Sitz in Otterndorf) zum neuen Landkreis Cuxhaven in den 70er Jahren...
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Ein_Hannoveraner ()

    • Heinzer schrieb:

      Mir war durchaus klar, dass Bremerhaven für die meisten in diesem ost- und süddeutsch geprägten Forum in etwa so naheliegend wäre, wie wenn ich von Hammerfest oder Tromsö schriebe


      Dennoch und geradezu durch Deine Worte ermutigt, möchte ich etwas dazu sagen. Im Gegensatz zu Bremen, Kiel und Braunschweig war ich schon in Bremerhaven. Meine Kenntnisse beschränken sich freilich auf das Columbus-Center, die Obere Bürger und die Bürgermeister-Schmidt-Straße und ein bisschen, was drumherum so ist. Ist aber alles schon 10 Jahre her.

      Die gründerzeitlichen Straßenzüge sind wirklich überraschend. Zum einen, weil sie so gepflegt sind (die schwarz-grauen Gründerzeitviertel in Nürnberg und Fürth sind einfach nur zum Davonlaufen). Zum anderen, weil sie betonen, dass Bremerhaven eine richtige Großstadt ist. Wenn man diese Bauten sieht, könnte man zum Gründerzeitbegeisterten werden.

      Bremerhaven ist mir vor allem als sauber in Erinnerung geblieben. Mich hat es ja an Ludwigshafen am Rhein erinnert, aber die beiden Großstädte nehmen die Extremwerte auf der Sauber-schmutzug-Skala ein.


      Im übrigen bin ich der Meinung, dass die neue Stadt aus Langen und der SG Bederkesa nicht Wesermünde heißen darf.
      Und dass die Hochhausruine von Stotel irgendwie fehlt.
    • Hier ist ja richtig was los, also dit hätte ick nu nich jedacht jehabt! Die vom Hannoveraner beschriebene komplexe territoriale Situation ist sicherlich ein Hauptgrund für die Verschiedenheit der Stadtbilder, denn was sollte die hannoverschen Bauräte von Lehe und Geestemünde bremische Bautradition kümmern?

      Diese Vergangenheit führt auch zu folgenden weiter bestehenden Kuriositäten (Zitat Wikipedia):

      Am 1. August 1977 wurde der Landkreis (Wesermünde) mit dem Landkreis Land Hadeln und der kreisfreien Stadt Cuxhaven zum Landkreis Cuxhaven zusammengelegt. ... Ebenfalls befinden sich das Finanzamt Wesermünde und das Gymnasium Wesermünde in Bremerhaven.

      Wenn ich das richtig verstehe, steht in Bremerhaven also ein von niedersächsischen Kommunen finanziertes und nach niedersächsischem Schulrecht betriebenes Gymnasium?

      Trotzdem erklärt das nicht ganz das Erscheinungsbild der ehemaligen Kaiser-, jetzt Bürgermeister-Smidt-Straße, da diese auf in den 1890er Jahren durch Bremen von Hannover erworbenen Flächen, also ganz original auf bremischem Grund gebaut wurde. Zunehmende Emanzipation der kleinen Schwester? Platznot? Bremen wollte endlich auch eine Isestraße? Wahrscheinlich eine Mischung aus vielem....

      @Zeno: Es stimmt schon, auch die abgewracktesten, leerstandgeprägtesten Ecken machen nicht den Eindruck von Duisburg-Bruckhausen oder den unsanierten Gründerzeitstraßen in weniger glücklichen ostdeutschen Städten - vielleicht liegt das am ständigen Regen :wink: ? Sonst habe ich keine rechte Erklärung. Zu der geplanten Gemeindefusion: Da muss man sich doch glatt von bayrischen Schwaben (korrekt?) noch die Untiefen der Kommunalpolitik im Elbe-Weser-Dreieck erklären lassen! :cool: Im Ernst: Ich wusste gar nichts von derlei Plänen....
    • So, nach ziemlich genau 5 Jahren war ich heute mal wieder in Bremerhaven auf Fototour, und zwar wieder vornehmlich in den Gründerzeitquartieren unterwegs. Man muss sagen, das sich einiges getan hat, das meiste zum Positiven, aber doch auch einige ärgerliche Dinge.

      Anders als in der großen Schwester Bremen herrscht in Bremerhaven ein ganz anderer Typus gründerzeitlicher Bebauung, die der Stadt in manchen Bereichen ein wahrhaft großstädtisches Flair geben. Ich habe lange überlegt, ob ich die Beiträge unter Galerien oder im allgemeinen Teil posten soll, weil es eine Mischung aus Galerie und Sanierungsfotos wird.

      Anfangen möchte ich wieder in Lehe, und zwar in dem niedriger bebauten, eher dörflichen Bereich östlich der Hafenstraße mit diesem ursprünglich schönen Eckhaus, welches zwar nicht repräsentativ für die Gegend, aber durchaus passend für Lehe, maximal runtergekommen ist und schon länger unbewohnt daherkommt. Ich habe mit einem Handwerker gesprochen, das Haus soll saniert werden bzw. es ist innen bereits damit begonnen worden:



      Die Gegend hier ist wirklich ganz nett und sieht z.B. so aus:



      Hier gäbs noch viel zu sehen, aber Ziel sollte ja eine Bestandsaufnahme in Bezug auf den in den Gazetten genannten Sanierungsschub im Goethequartier sein (ich hatte mich ehrlich gesagt nur verfahren ;)), also los in der Rickmersstraße, ehemals wohl eine ziemlich prachtvolle Straße, die den nördlichen Abschluss dieses Teils von Lehe bildet und bis zum Hafen durchgeht:



      Das Haus fand ich mit seinen Figuren so niedlich, so etwas gibt es hier ziemlich häufig, am bekanntesten bei der sogenannten Rudelsburg, die oben auch gezeigt wurde. Der Gesamtzustand ist natürlich katastrophal, so sehen hier viele Häuser aus.

      ein weiterer Blick in die Straße:




      Das Goethequartier zeigt sich charmant und etwas morbide wie eh und je:





      Am nördlichen Ende der Goethestraße steht das erste der vier von Rolf Thörner in Lehe gekauften Häuser, das ich auch beim letzten Mal schon abgebildet hatte, leider hat sich noch nichts getan, ein Schild weist aber auf einen Baubeginn im März hin:



      In der Goethestraße selbst passiert einiges, allerdings ist das Ausmaß der Aktivitäten dann doch etwas geringer als vielleicht von mir erhofft. Gleich zu Beginn rechts wird hier ein Haus immerhin gestrichen:



      Auf einem der Plätze des Quartiers zeigt sich ein weiteres Haus eingerüstet (links daneben die bemalte Lücke war das Haus, welches 2012 gerade abgerissen wurde (s. diesen Strang weiter oben)):



      Eine weitere Abrisslücke - das Haus stand 2012 noch und sah so aus:



      Jetzt so:



      Hier die Goethestraße 50a von hinten, das zweite von Rolf Thörners Projekten, links bereits saniert das dritte in gelb:



      und von vorne (man ahnt eine recht hochwertige Sanierung, auch beim Blick hinter das Gerüst):





      Vorher sah das Haus so aus:

      Goethestraße 50a vorher

      Etwas unverständlich hat er auch das Nachbarhaus (rechts angeschnitten und gelb gestrichen) gekauft, welches ein Bau aus den Siebziger Jahren zu sein scheint, und saniert. Somit sind nur drei von den vier von Thörner erworbenen Häusern auch Altbauten, der vierte steht wieder an der Rickmersstraße und beherbergte bis vor einigen Jahren eine wohl phasenweise Kultstatus innehabende Jazzkneipe namens "Chico´s Place", ein Bild davon ist auf dieser schönen Seite zu sehen, die sich liebevoll mit der Leher Geschichte auseinandersetzt.

      Und als letztes ist das Haus Goethestraße 45 eingerüstet, in diesem befindet sich die Galerie "Goethe 45" um den umtriebigen Moritz Schmeckies, der sich schon seit einigen Jahren sehr hingebungsvoll um das Viertel kümmert. Saniert wird es von der städtischen Wohnbaugesellschaft Bremerhaven:



      Das Nachbarhaus in der 43 wurde vor einigen Jahren ebenfalls von der STÄWOG saniert und macht Hoffnung auf eine qualitativ ansprechende Sanierung:



      So, das war es aus Lehe, es folgt noch die Bürgermeister-Smidt-Straße, dort hat sich ebenfalls einiges getan.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Heinzer () aus folgendem Grund: Fotolinks wiederhergestellt, etwas gestrafft

    • So, weiter gehts es mit der Ausbeute aus meinem Bremerhavenbesuch vorgestern. Wir verlassen jetzt Lehe und begeben und in den Stadtbezirk "Mitte", der schon immer bremisches Gebiet war und nicht wie Lehe erst nach dem Kriege aus dem Land Hannover nach Bremerhaven eingemeindet wurde.

      Das etwas weiter oben abgebildete graue Gründerzeiteckhaus bildet die Grenze, hier geht es von der Leheschen Rickmersstraße in die Bürgermeister-Smidt-Straße. Gegenüber an dieser Kreuzung steht ein architektonisch ganz interessantes Zollamt von 1936 mit einem Reichsadler und einem nur schlecht abgeschlagenen Hakenkreuz, wen das interessiert, hier ein Link zum Wikipedia-Artikel

      In der Bürgermeister-Smidt-Straße bin ich nun von Norden nach Süden gegangen, am Anfang ist die Straße noch sehr unterbrochen bebaut, und hafenseitig gibt es viel optisch minderwertiges Gewerbe, aber das ändert sich nach etwa 200 m sehr schnell, wir nähern uns einem sehr hamburgisch rüberkommenden Gebiet, das in der 20er Jahren mit großen genossenschaftlichen Rotklinkerwohnblocks bebaut wurde. Der Wert dieses Gebietes ist auch vom Denkmalschutz erkannt worden (Link zu einem sehr interessanten PDF über das Gebiet und die Planungen: Erhaltungsgebiet Scharnhorststraße) und es sind diverse Maßnahmen zur Aufwertung inkl. der Wiederherstellung der alten Fenstergliederung in der Mache. Der erste renovierte Block kommt so daher - ich mag sowas ja wirklich gerne, auch wenn es für das süddeutsche Auge wohl sehr streng rüberkommt:



      Südlich des Waldemar-Becké-Platzes, den diese und ähnliche Gebäude säumen, wandelt sich der Charakter der Straße abermals, wir kommen jetzt in einen recht beeindruckend geschlossen und großstädtisch-gründerzeitlich bebauten Abschnitt, der den Krieg fast unbeschadet überstanden hat. Am Entree wird ein Eckgebäude renoviert, allerdings meine ich Wärmedämmplatten entdeckt zu haben:



      Ein Schnappschuss, dieses Haus war auch schonmal Thema und hat mehrere Mansardengeschosse dazubekommen, nach hinten raus haben die Dinger tlw. 7 Vollgeschosse:



      Mal ein Blick zurück nach Norden, durchaus präsentabel, wie ich finde, zumal auch die Läden einen ganz anderen Eindruck machen als vor 5 Jahren, es gab mehrere Cafés, in die ich mich sofort gesetzt hätte, kleine Läden, Kunstateliers etc. Hier ist wirklich was passiert, mehr noch als in Lehe:



      Aber der Downer darf nicht fehlen, auch sowas steht hier noch rum:



      Erinnert mich ein bisschen an dieses fürchterlich verhunzte Eckhaus in Kassel, welches ja ganz wundervoll wiederhergestellt wurde: so etwas müsste man hier auch machen, vielleicht was für retro79 ;)?

      Blick nach Süden:



      Das hier sucht auch weiterhin einen Liebhaber, ein Riesenklotz, völlig verhunzt und in sehr schlechtem Zustand, da müsste sich doch jemand finden, der sein Geld investieren will, das Haus steht außerdem auf der richtigen (West)seite der Straße mit grandiosem Hafen- und Nordseeblick aus den höheren Etagen:



      Ich wollte in die Quartiersmeisterei und fragen, was es mit diesem Haus auf sich hat, aber der Quartiersmeister war gerade unterwegs.

      In der Schleusenstraße (kleine Querstraße) wurd gerade diese Haus renoviert. Mich ärgert aber diese Unart mit der Fensteraufteilung, das gibt es in Bremerhaven irgendwie öfter:



      Das Eckhaus daneben wird im gleichen Stil renoviert, irgendwie doof, aber besser als nichts, natürlich:



      Direkt hinter der "Alten Bürger" tut sich einiges im Bereich Neuer Hafen, so dass die stadtgeografisch ungünstig isolierte Lage der Straße perspektivisch durchaus besser wird. Die Stadt Bremerhaven plant zur Verknüpfung der Quartiere das sogenannte "Kaiserquartier", also dort, wo jetzt noch einstöckige Nachkriegsprovisorien und Schuppen liegen. Das wird auch der "Alten Bürger" definitiv guttun. Momentan liegt sie tatsächlich fast wie eine Insel im Stadtgebiet. Hier mal ein typischer Eindruck vom Neuen Hafen, dessen Randbebauung seinem Ende entgegensieht:



      Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich einiges tut in Bremerhaven, ich habe längst nicht alle eingerüsteten Häuser abgebildet. Im Vergleich zu vor 5 Jahren machen die besuchten Bereiche einen wesentlich lebendigeren Eindruck, man ahnt sogar eine junge Großstadtklientel hier langsam einziehen, Mütter mit Tragetüchern auf dem Weg zum Yogakurs, sowas halt.

      Ich werde die Gegenden weiter im Blick behalten und bei Gelegenheit über weitere Ergebnisse der Renovierungen berichten. Ich hoffe, es hat gefallen.

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    • Kleine Fotorunde in Bremerhaven-Mitte, wo ich einigen sanierten Häusern auf der Spur war. Als erstes ein ziemlicher Sanierungsreinfall in der Bürgermeister-Smids-Straße:

      Zustand 2012:



      Zustand 2017:



      Traurig, dass so etwas im Jahr 2017 immer noch geschieht. Ein zwar bereits deutlich stuckreduzierter, aber sonst ordentlicher Gründerzeitler wurde hinter ein WDVS gepackt, zwar nicht völlig lieblos und sogar mit sehr zurückhaltender Wiederbestuckung, aber doch insgesamt minderwertig, obwohl das Ganze bestimmt nicht billig war.

      An der Ecke Schleusenstraße/Martin-Donandt-Platz sah es vor 5 Jahren so aus:



      und heute so:



      Das große Haus links ist zwar renoviert worden, aber auch hier kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da mehr drin gewesen wäre.

      In der Schleusenstraße selbst wurde in diesem Jahr viel renoviert, mittlerweile ist ein weiteres Haus eingerüstet (siehe Foto oben und unten rechts angeschnitten), das im März eingerüstete ist jetzt fertiggestellt:



      Ganz gut gemacht für Bremerhavener Verhältnisse, wenn da nicht diese blöde Unart der Fensteraufteilung wäre.

      Ein Blick in die zur Abwechslung mal sonnige Bürgermeister-Smidt-Straße:



      Dann zog Seenebel auf und tauchte die weitere Runde leider in Grau. Hier mal die Bogenstraße, ebenfalls an den Martin-Donandt-Platz angrenzend, wie ich finde ein sehr eigenständiges Ensemble sehr großer Mietshäuser, an denen es dank eines eher reformarchitektonisch daherkommenden Aussehens auch nicht so viel zu Verhunzen gab in Bezug auf Entstuckung:



      Auch die Zeppelinstraße mit durchaus recht geschlossener Architektur des frühen 20. Jahrhunderts:



      Das soll es gewesen sein, danach wurde es sehr düster und obendrein kalt. Es gibt noch viel zu tun hier. Ich habe übrigens auch in den Bremerhaven-Galerien begonnen, die Fotolinks der älteren Beiträge zu aktualisieren, reinschauen lohnt sich ;) .

      Gruß Heinzer