Mannheim

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Heute gab es die vorläufige Eröffnung des Erweiterungsbaus der Mannheimer Kunsthalle am Friedrichsplatz durch den Bundespräsidenten, noch ohne die Kunstwerke, für deren Platzierung nochmals ein halbes Jahr veranschlagt ist. Gewiss kein Bau, der in unseren Kreisen Begeisterung weckt, dennoch sollte erst eine Inaugenscheinnahme vor Ort erweisen, ob die äußerst positive Resonanz, die das Eröffnungs-Publikum an den Tag legt, irgendwie nachvollziehbar ist.

      swr.de/kunscht/kuriosum-in-man…2539036/ojbuoq/index.html
    • "Zeitlos" "schöne" Architektur... Ha, der war gut.

      Mit einer kompletten, schnörkellosen Glasfassade hätte die Kunsthalle schon deutlich besser ausgesehen. Aber warum überhaupt eine autistische Solitärarchitektur? Hier gibt es ein Ensemble aus Sandsteinbauten, in das man sich einfügen muss!
    • Ich frage mich, ob bei dem die ganze Fassade überziehenden Kupfergewebe im Laufe der Zeit mit grüner Patinierung zu rechnen ist. Dann wäre schon eine gewisse Einbindung in das Ensemble erreicht, da an dem gesamten Platz der rote Sandstein mit Kupfergrün korrespondiert. Im übrigen ist die städtebauliche Einfügung des Neubaus durchaus gelungen, was aber auch keine besondere Leistung darstellt bei der einmaligen städtebaulichen Vorgabe, einer Schöpfung von Bruno Schmitz und Reinhard Baumeister.
    • Was den Umgang mit historischer Bausubstanz und die Neubauten seit der Nachkriegszeit angeht, kann sich Mannheim durchaus mit Kassel messen. Ich habe manchmal den Eindruck, man hat schon frühzeitig resigniert wegen der vom Krieg weitgehend verschonten und berühmteren Nachbarstadt Heidelberg und hat sich gar nicht erst angestrengt, weil man glaubt, ohnehin nicht mithalten zu können - also lieber gleich richtig modern und hässlich. Wie eine Frau, die ihre hübsche Nachbarin beneidet, aber gar nicht erst versucht, etwas aus sich zu machen, vielleicht ein paar Unfallnarben behandeln zu lassen und sich wenigstens hübsch zu frisieren - sondern sich lieber gleich noch zahlreiche weitere Schnittwunden ins Gesicht ritzt, einen Bürstenschnitt rasieren lässt und sich fiese Tattoos und Piercings verpassen lässt. Wie auch in Kassel, kann man in Mannheim, wenn man seinen Zug verpasst hat und Zeit totschlagen muss, in der Bahnhofsbuchhandlung einen Bildband betrachten, in dem diverse Ansichten aus der Vorkriegszeit, der Nachkriegszeit und heute gegenübergestellt sind - und man kriegt das Heulen.

      Eine rühmliche Ausnahme bildet das Schloss, das nicht nur das Glück hatte, nicht abgerissen zu werden, sondern nach Jahrzehnten mit einer Mischung aus Walm- und Flachdächern inzwischen ja sogar sein historisches Mansarddach zurückbekommen hat.
    • Nun, die Innenstadt ist durchweg von eben der Jammerarchitektur besetzt, die für den deutschen Wiederaufbau bezeichnend geworden ist, einer Architektur der Selbstverleugnung, des schlechten Gewissens. Allerdings muss man zur Ehrenrettung Mannheims festhalten, dass im Gegensatz zu vielen Wiederaufbaustädten praktisch nirgendwo in den historischen Stadtgrundriss eingegriffen wurde. Die Blockstruktur blieb durchweg intakt, so dass sukzessive eine Aufwertung des Stadtbillds zu erwarten ist, über längere Zeiträume hin, durch Ersatzbauten Parzelle für Parzelle. Auch die historische Strukturierung der gesamten Stadt durch den Ringboulevard, die Quadrateaufteilung, die vorzügliche Osterweiterung blieb unangetastet.

      Nimmt man darüberhinaus die wenig zerstörten Gründerzeitquartiere außerhalb des Rings in Augenschein, ändert sich ohnehin der Eindruck. Die noble Oststadt mit ihren Villenquartieren, Schwetzingerstadt, Neckarstadt, z.T. sogar Lindenhof sind angenehme Stadtgegenden, die an ausgedehnte Parkanlagen grenzen. Entwicklungspotential ist also durchaus vorhanden, aber natürlich darf man von einer Barockgründung wie Mannheim keine Altstadt im Sinne Nürnbergs erwarten.
    • Ist der Außenbau tatsächlich von einem Kupfergeflecht "eingezäunt". Tsss, Kunst hinter einem Drahtverhau!?? Abweisender geht nicht mehr. Und bis das grün wird vergehen Jahrzehnte, bis dahin ist es dunkelgraubraun,...
      Elitärer geht's auch nicht mehr. Da lobe ich mir gründerzeitliche Museen, die zelebrieren ihre heilige Kunst wenigstens extra offensichtlich mit Pomp und Tara (z.B. Wien, kunsthistorisches, oder Bodemuseum, Berlin), sodaß es einem ein erhabenenes Gefühl vermittelt, sobald man das Treppenhaus betreten hat und die Vorfreude nun den Pilgergang in die Kunst anzutreten schier ins Unermessliche sich steigert.
      Dieser Bau in Mannheim versteckt seine Kunst hinter einem grauen Monster, verdrahtet und packt sie ein und obendrein versteckt der Bau sein ganz anderes Inneres. Aber Maschendraht soll ja in sein, wie neulich im Techn. Rath. Freiburg gesehen. Ebenso scheint es dem Museumsarchitekten keine Mühe mehr wert zu sein, eine ansehnliche Fassade mit Bezug zum städtebaulichen Kontext zu entwerfen. Es sollen ja die inneren Werte zählen, wie der Architekt des Museums der bayrischen Geschichte in Regensburg verlauten ließ.
      Tja, hier läßt das Äußere nicht auf das großzügige, hellweiß, lichte Hallen- und Höfeinnere schließen. Schade eigentlich. Keine Vorfreude, keine Animation ins Innere treten zu wollen. Das, was das Video an Raumfolgen vermittelt läßt etwas mit dem aschenputtelhaften Außenbau sich versöhnen, na ja, eher verschmerzen. Innen hallt es, vielleicht doch zuviel Halle für die Kunst!?
      Vor 30 Jahren hätte ein Richard Meier - das Innere erinnert an seine Bauten - die Innenarchitektur auch nach Außen sichtbar werden lassen und es wäre ein vielgestaltiger, weißer Außenbau in Harmonie mit dem Inneren entstanden. Tja, was soll's. Die Fassade kann geändert werden (sie überlebt sich schnell), wenn das Innere überzeugt und die Funktionalität als Museum ebenso gelingt. Der Vorgängerbau war auch erst etwas über 30Jahre alt geworden!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von SchortschiBähr ()

    • Gestern wurde die neue Kunsthalle in Mannheim eröffnet, oder besser der an den Altbau von Hermann Billing angebaute Neubau. Der Andrang war offensichtlich riesengroß, so dass das Museum nach eineinhalb Stunden einen Einlass-Stop verhängen musste. Aber seht und lest selbst:

      Artikel der RNZ:

      rnz.de/nachrichten/metropolreg…stunden-_arid,362949.html

      Artikel der StZ:

      stuttgarter-zeitung.de/gallery…29-a9ae-9954782ba807.html

      Die Architektur, nun ja, schwer zu sagen, da ich das Innere nicht kenne. Das äußere Erscheinungsbild ist in Ordnung, obwohl es natürlich keinerlei Bezug auf den Sandstein am Freidrichsplatz nimmt. Naja, moderne Architektur, was will man mehr erwarten?! Ich sehe es als unscheinbaren und einigermaßen unaufdringlichen Klotz, der jetzt halt da ist.
    • Eine Bemerkung will ich mir nicht verkneifen. Man vergleiche mal bei der Rhein-Neckar-Zeitung das große Gesamtfoto des Besucherschau mit dem kleinen, redaktionell ausgesuchten Gruppenfoto unten. Nun kann man nach dem "Fehler" bzw. dem Alleinstellungsmerkmal suchen.

      Ansonsten ist der Bau natürlich insofern ein Ärgerniss, als er das gründerzeitliche Ensemble am Friedrichsplatz (eines der Aushängeschilder der Stadt) empfindlich stört.
    • Der Besuch solcher Museen stellt eher ein "Event" der progessiv-bürgerlichen Mittel- und Oberschicht einer Stadt dar, als daß es sich hierbei wirklich um Kunstinteresse handelte. Ein paar Fragen über das Kunstverständnis entlarven meist das ganze Nichtwissen.
      Letztendlich wie mit der "modernen" Architektur: Ein paar wenige meinen, das "Zukunftsweisende" entdeckt zu haben und alle Menschen mit ihren ewig gleichen Betonkästen in den Städten belehren zu müssen.