Bremen - Schwachhausen (Galerie)

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Was Bausünden angeht, war man sich hier nicht einig, welche man begehen sollte.. also wurden es zwei nebeneinander...

    Wobei ich zwar bedauerlich fände, wenn dafür Altbauten abgerissen worden sind. Aber als richtig große Bausünden möchte ich die beiden schlichten, aber gar nicht so ungefälligen Häuser, die sich farblich und in Traufhöhe sogar einzupassen versuchen, nicht bezeichnen.

  • In diesem Bereich (Barkhof östlich der Parkallee) gibt es für Schwachhauser Verhältnisse doch recht viele Bombenschäden. Beide gezeigten Häuser wirken auf mich vom Stil her eindeutig wie Bebauung von Bombenlücken aus den 50er Jahren und nicht wie die leider ebenfalls typischen Abrisslücken, die aber eher in den 70er Jahren große Schäden angerichtet haben (siehe Thema Otto-Gildemeister-Straße).

  • So wie ich das mitbekomme, geht der Trend in Richtung "Restauration". Ein anderes Haus neben der Otto-Gildemeisterstr. 31 wurde jetzt aufwändig saniert. Es war bereits schwierig, Handwerker für die vergessenen Gewerke zu bekommen.

    Die Preise für solche Immobilien gehen durch die Decke und das kann nicht nur an der Lage liegen, sondern auch am zunehmenden Bewusstsein eines "guten Wohnens".


    Allerdings werden die Gebäude innen natürlich meist komplett entkernt, was zwar die Fassade rettet, aber natürlich kein Original-Haus von 1900 mehr ist. Und das darf man auch erwarten, ich fände es jedoch löblich, wenn einige Exemplare als "Museum" wenigstens erhalten bleiben, denn auch Türblätter, Beschläge, Treppen, Wandtäfelungen, Dachstuhl und Fenster sind Kunstwerke aus dieser Zeit.


    In den 1970er Jahren wurde die Neubauwohnung beworben. Osterholz-Tenever z.B. sollte das neue Wohnen werden. Kein Kohleschippen mehr, Zentralheizung, Einbauküche, gute Infrastruktur, Kinderbetreuung, Parkplätze...


    Das hat sich nicht bewahrheitet (mehrere Wohnblöcke aus dieser Zeit sind inzwischen abgerissen worden, z.B. Neuwieder Straße), aber die Wohnungsnot und der Mietwahnsinn zwingt natürlich dennoch dazu, alle Wohnungen zu belegen. Das Bremer Haus ist nun nur noch für die Betuchten, während es eine Zeitlang so aussah, als wolle in diesen Altbauten niemand wohnen.

  • Noch ausgeprägter gelten diese Beobachtungen z.B. für Stadtteile wie das Fesenfeld oder Steintor. Schwachhausen hat immerhin eine gewisse Kontinuität in Bezug auf die Besitzverhältnisse, die immer schon bürgerlich und eher konservativ waren und viele Häuser in Familienbesitz haben diese schlechte Zeit einfach veränderungsfrei überstanden, bis sie wieder "in" waren. Deshalb ist auch das Ausmaß an unpassenden Renovierungen in Schwachhausen relativ gesehen am geringsten, einfach weil die Leute mehr Sitzfleisch hatten. Der Abstieg war dort geringer, der Aufstieg aber auch weniger steil.


    Im Steintor müssen manche Straßenzüge in den 70er/80er Jahren fast abrissreif gewesen sein, Leerstand, praktisch unverkäufliche Häuser, erst vom Ostertor her kommend stiegen Preise und Wertschätzung für die schönen Häuser allmählich wieder an, hier ist also ein tiefer Fall gefolgt von einem steilen Aufstieg zu konstatieren. Manche schönen Häuser im Fesenfeld sind mittlerweile kaum billiger als in Schwachhausen. Irgendwo dazwischen liegen die ehemaligen "Angestellten"-Stadtteile wie Findorff und Peterswerder, etwas mehr Fall als in Schwachhausen, aber nie richtig abgestürzt, jetzt auch mit massiv gestiegenen Preisen und meist gut gemachten Renovierungen (wobei auch die neue, blaugraue Plastiktür in Landhausoptik leider selbst im 2020 immer noch nicht vollkommen ausgerottet werden konnte).


    Nur Fall haben bis auf weiteres die ehemaligen Arbeiterstadtteile wie Gröpelingen und Woltmershausen erfahren. Hier sind ganze Straßenzüge kaputtrenoviert, entstuckt, verfliest, und mit einem gedrungenen Querfenster verunstaltet worden, was es diesen eigentlich schönen Stadtteilen jetzt auch schwer macht, wieder hochzukommen. Der Laie würde in Woltmershausen denken, schade, dass hier alles zerbombt war. Dabei waren es einfach nur die Baumarktmoden der 60er und 70er, also wertmindernde und charakterzerstörende "Renovierungen" an den kleinen meist in Privatbesitz befindlichen Häusern, die zu dem tristen Straßenbild beigetragen haben. Auch hier gibt es vereinzelte positive Entwicklungen, das ganze gestaltet sich aber sehr zäh und dauert länger, als ich es mir wünschen würde.

  • Der Zustand im Ostertor und das ewige Gerangel um die Mozarttrasse ist im Buch „Ostertor von Seebacher und Cordes, Bremische Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH, 1987“ sehr schön beschrieben. Eindrucksvolle Fotos zeigen die Stagnation und die Verwilderung aufgrund dieses lange schwebenden Verfahrens. Da hat man einige Häuser bereits beseitigt, woanders lagen sie brach, andere hielten sich standhaft. Die Wohnsituation war jahrelang äußerst unbefriedigend.


    Ja, was Du über Schwachhausen schreibst, stimmt wohl. Einige Häuser werden weitervererbt und das Klientel ist verhältnismäßig konstant geblieben. Erst in jüngerer Zeit drängen Architekten und junge Familien in den Stadtteil, um sich ein Bremer Haus zu sichern und damit ihre Träume umsetzen zu können, ohne dass das Viertel leidet.


    PS Leider sind im Stadtteil Riensberg wieder kürzlich mehrere dieser winzigen Arbeiterhäuschen gekillt worden. Gut, sie sind natürlich wirklich klein (heute ist man verwöhnt) - und nun stehen Eigentumswohnungen im Sechser- oder Achterpack drauf. Anmerkung am Rande: der weiche Untergrund ist in Bremen nicht für alle Klotzbauten geeignet... ;)

  • Es sind wirklich ungezählte Details, die manche Fassaden und Bauten charmant machen. Einige sieht man erst auf den dritten Blick...


    Ob das hier eine Eisdiele war (oder noch ist)?



    Man achte auf die adäquate Form von Fenster und Briefkasten:



    Warum dieses Ornamentband wohl so verläuft, wie es verläuft..?



    Eine Allee ins Haus:



    Ich wollte mal ein Erker werden...



    Nicht direkt Schwachhausen, glaube ich. Müsste woanders sein. Die politische Aussage passt eher ins Viertel...



    Wo das war, kann ich wirklich nicht mehr sagen. Aber wie hingebungsvoll das Pflaster doch ist...


  • Ja, die kleinen Bremer Häuser haben dem Immobilienboom noch weniger entgegenzusetzen. Gerade in Riensberg stehen ja auch wirklich einfache Häuser an schmalen Straßen, nirgends ist Schwachhausen so sehr wie Hastedt oder Woltmershausen wie dort. Da zählt die Lage, und ein einstöckiges, womöglich schon vor Jahrzehnten entstucktes und mit diesen schönen Außenrolläden versehenes Häuschen hat da leider nicht viel zu melden wenn der Entwickler mit "Schwachhausen Bestlage" wirbt.


    Einfach nur herrlich schöne Straßen in Schwachhausen:



    Einer der typischen Zwitter, die es in Bremen immer wieder gibt und der die Ärmlichkeit des Wiederaufbaus sehr deutlich macht:



    Auf ein erhaltenes Souterrain wurde hier dann ein typisches Wiederaufbauhaus gesetzt. Der Nachbar zeigt, wie es mal aussah.


    Irgendwo im Parkviertel:



    Herrliches Barkhofviertel:



  • Allen baulichen Veränderungen ist gemeinsam, dass sie 1. mehr Stockwerke als vorher herausquetschen und 2. schmuck- (wenn nicht sogar lieb-) los hochgezogen sind. Einiges kann man verstehen, denn es herrschte lange Zeit Wohnungsnot und bis die Gartenstadt Vahr oder andere Trabantenstädte fertig waren, mussten die Menschen eben unterkommen, wo es ging.


    Was mir aber heute an Architekten sauer aufstößt, ist diese gewisse Geltungssucht. Wenn man das Alte schon nicht mag oder gar kann, wird eben das extreme Gegenbeispiel hochgezogen, frei nach dem Motto: es ist alles Kunst. Ich bin der Kreative und ich mache das jetzt so! Nur in Ausnahmen - und dazu kann man die Bürgerschaft gerade noch zählen - wirkt das Ensemble insgesamt. Aber dass es auch behutsam gehen kann, hat Polen gezeigt.


    Und so wie hier, kann man zu dem Schluss kommen: „...wir können keinen historisierenden Übergang hinbekommen, entweder, weil wir es verlernt haben oder weil er zu teuer wäre - also machen wie etwas GANZ anderes...“


    In dem Falle stehen wirklich zwei Häuser aus zwei Stil-Welten nebeneinander. Vielleicht ist das sogar die Beste aller Möglichkeiten...


  • Hier muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich nicht recht weiß, was ich mit dem Eckhaus anfangen soll. Ist es beschädigt worden und fehlt was? Soll das so sein? Auch nicht jede historische Architektur muss gelungen sein. Ich nehme alles zurück, wenn es Hinweise dafür gibt, dass da was fehlt oder dass irgendwas falsch zusammengesetzt wurde. Es sieht merkwürdig unproportioniert aus.

    (Parkallee 2017)



  • Ich würde schätzen, dass hier ein Türmchen evtl. nach Kriegsschaden oder einfach so nicht wieder aufgebaut wurde, dadurch wirkt der Eckerker so gedrungen und in der Tat fast deplatziert, die ganze Fassade irgendwie nicht stimmig. So etwas gibt es leider massig, selbst bei den erhaltenen und auf den ersten Blick sogar ganz gut renovierten Häusern aus der Kaiserzeit sind gerade die Dachlandschaft und viele höhergelegene Fassadenelemente und Zwerchgiebel mit der Zeit abhanden gekommen oder durch Aufstockungen unkenntlich gemacht worden, ganz ohne dass ein Haus richtig entstuckt werden müssen.


    Wenn man sich Vorkriegsfotos ansieht, sieht man oft erst, was alles weggekommen ist selbst bei Häusern, die auf den ersten Blick so aussehen, als hätten sie Krieg und Nachkriegszeit ganz gut überstanden.

  • Das Herrmann-Böse-Gymnasium, von Heinzer schon hinreichend beschrieben, von hinten. Da kommt doch echtes „Feuerzangenbowle-Feeling“ auf!



    Und weil Schule auch „schön“ sein kann: das Vietor-Haus des Kippenberg-Gymnasiums (ehemals „Schule für höhere Töchter“) mit seinem knarrenden Treppenhaus. Das Gebäude ist noch voll im Betrieb, wenngleich das oberste Stockwerk aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde.




    An der Graf-Moltke-Straße scheint man einen ehemaligen Lichtschacht zu erkennen. Jedenfalls würde ich das so einordnen:


  • Der Lichtschacht wurde wohl erst sichtbar, nachdem die Firma Tektum (die auch für das Debakel um das Medienhaus verantwortlich zeichnet) das völlig intakte angrenzende Altbremerhaus abgerissen hatte. Das einzig Gute daran war, dass danach wenigstens eine Erhaltungssatzung für das gesamte Gebiet verabschiedet wurde. Dabei finde ich den Neubau noch nicht mal komplett scheisse, er hält zumindest die Traufhöhe ein und ist nicht offensichtlicher Müll. Trotzdem ein Unding, da man den Bau (kleiner) einfach angrenzend auf dem Gelände der ehemaligen Garagen hätte errichten können.

  • Ich habe jetzt wohl den Überblick verloren. Wie sah denn noch mal das abgerissene Haus in der Graf-Moltke-Straße aus? Und wie sieht der Neubau aus?