Darmstadt

  • Der als Neubau zwischen den Institutsgebäuden gebaute Uhrturm von 1904 von Friedrich Pützer wurde im Krieg beschädigt (s. Fotogalerie Foto von 1952 noch recht gut erhalten). Nach weiteren Zerstörungen wartete der Uhturm auf seine Rekonstruktion. Doch nun das - ein unharmonischer Glasquader statt der Reko ist geplant:
    https://www.tu-darmstadt.de/un…nzelansicht_225920.de.jsp
    Chance verpasst! Da nützt auch die liebliche Visualisierung nichts...

  • Schade dass Jugenstillartige aufbauten die nach dem Krieg überall entfernt wurden und besonders wo sie beschädigt waren, fast nie wieder rekonstruiert werden wie in Darmstadt, Berlin, Aachen, Kassel, Frankfurt.
    Meistens waren Hauben und Spitzen am Gerichtsgebäuden, Theater wie am Nollendorfplatz Berlin, Kino's, Konzert und Oper; fast allen erbaut kurz nach 1900. Auch schöne aufwendige und leicht beschädigte Turmaufbauten wurden entfernt, wie am Spandauer und Schöneberger Rathäuser, Landgericht Türmchen in der Littenstrasse, Berlin, am Bahnhofsplatz in Frankfurt usw. In Glas werden dann einige quasi Reko's errichtet wie in der Littenstrasse und nun jetzt in Darmstadt.
    Das Schauspielhaus in Frankfurt wurde auch ziemlich entstellt und Jugendstill abgeblendet und entfernt, wie viele ganz intakte Gründerzeitler in fast alle D. Städte.


    Ist Jugendstill in D. heute so ungeliebt?

  • Komplett gegen den Blockrand gerichtet ist der Entwurf nicht mal. Einige Kanten werden ja eingehalten. Ich vermute, dass die Einzeichnung grüner Dachgärten einen gewissen Wettbewerbsvorteil gegenüber den konkurrierenden Entwürfen mit sich brachte, da es bei der Wettebewerbsvorgabe auch um eine "klimagerechte Stadtentwicklung" geht. Da macht sich ein bisschen Dachgrün immer gut, zumal es ja in Wirklichkeit darum geht, Wohnraum für Zuziehende zu schaffen. Es sind zudem noch ein paar Bäume eingezeichnet. Wollte man aber wirklich nur das Klima retten, hätte man aus dem Parkplatz schließlich eine innerstädtische Grünanlage machen können.


    Allerdings betont das Stadtplanungsamt auch wirklich, dass es den Entwurf gewählt hätte, weil er sich nicht an den Blockrand halten würde:
    "Dieses Konzept tut sich dadurch hervor, `dass es eine besondere städtebauliche Form gefunden hat, die an diesem Standort gegenüber vom Staatstheater eine neue Haltung zeigt. Es wird von der üblichen und oftmals auch introvertierten Blockbebauung abgewichen. Besonders lobenswert ist bei dieser Arbeit auch der Umgang mit Klimaschutz sowie das Angebot von reichhaltigen Freiflächen und Begrünungsmaßnahmen´, so das Preisgericht."
    (https://www.darmstadt.de/stand…ene-projekte/marienplatz/)

  • Städtebau der 70er, aber mit ein paar eingemalten Grünflächen auf dem Dach, die am Ende vielleicht dann doch eher im Schotter veröden...Deutschland 2019


    "introvertierter Blockrand"...vollkommen Gaga

  • Der Entwurf begeistert mich nicht übermäßig. Aber im Vergleich zu den extrem verdichteten Baumassen konkurrierender Entwürfe, erweist sich die Entscheidung für diese Arbeit geradezu als großzügig. Viel zu verschlechtern ist an dieser Stelle ohnehin nicht. Dazu ist die benachbarte Bebauung entweder zu banal oder zu unwirtlich (Staatstheater).


    Immerhin öffnen sich beim Preisträger die begrünten Höfe zur angrenzenden Bebauung und auch ein Hochhaus an der Heidelberger Str. ist nicht wirklich maßstabsprengend. Nördlich und südlich davon steht in einiger Entfernung jeweils auch schon eins. Zum anderen braucht die erdrückende Kubatur des Staatstheaters irgendeine Entsprechung.


    https://www.competitionline.com/de/beitraege/179199


    http://poth-poth.de/wettbewerbe_marienpl_1.htm

  • ...


    "introvertierter Blockrand"...vollkommen Gaga

    Klingt etwas unbeholfen, so wie der Rest der städtischen Pressemitteilung auch. Aber in dieser Formulierung versteckt sich wohl eher Kritik and den Betonkonvoluten der meisten anderen Wettbewerbsentwürfe. Im "Grünen" Darmstadt will man es grün haben - und an dieser trostlosen Stelle ist eine Durchgrünung wohl auch angemessen.

  • (...) Der Turmstumpf des Uhrturmgebäudes auf dem Campus Stadtmitte bekommt in einigen Wochen einen zeitgemäßen Zuwachs. (...)

    Damit dürfte wieder klar sein, daß wir uns in einer ästhetisch abgestumpften Zeit befinden.


    Das dunkle und "fleckige" Glas sieht bei Tage nicht schön aus. Aber der Kasten soll ja beleuchtet sein. Die Wirkung bei Dunkelheit, würde mich interessieren.


    VaterRhein, zunächst einmal herzlich willkommen im APH-Forum!

    Hättest Du die Möglichkeit, ein paar Bilder bei Dämmerung/Dunkelheit zu knipsen? Das wäre super. :foto::blumen:

  • Die Metallkonsstruktion und dahinterliegende Uhr waren nach dem Krieg noch erhalten und wurden 1952 abgebrochen. Für den jetzigen völlig missratenen Aufbau hat der Verein Freunde der TU 50.000 Euro gespendet. Ich hoffe einige lassen sich ihre Spende von der TU zurückerstatten...

  • Neußer vielen Dank! :smile:

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    Das dunkle und "fleckige" Glas sieht bei Tage nicht schön aus.

    In der Tat, die Bilder sind an einem kalten frühen Morgen entstanden, ich vermute, diese Flecken waren Frost.

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    Hättest Du die Möglichkeit, ein paar Bilder bei Dämmerung/Dunkelheit zu knipsen? Das wäre super.

    Ich habe noch bis vor Kurzem an der TU-Darmstadt, Informatik studiert und wohne in Heidelberg. Leider komme ich vermutlich nicht mehr so schnell nach Darmstadt. Sollte ich es aber demnächst noch mal nach Darmstadt schaffen, werde ich bei Dunkelheit ein paar Bilder machen.

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    Auf der Mathildenhöhe sind auch Bauten des Jugendstils aufwändig saniert und sogar teilweise rekonstruiert worden.

    Ja, die Mathildenhöhe ist echt ein Besuch wert:thumbup:

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    Umso unverständlicher ist mir der Umbau des Institutsgebäudes.

    Ich kann es auch nicht verstehen, an der TU-Darmstadt wird sogar Architektur an einem extra Fachbereich gelehrt. Dort müssen doch Leute mit einem gesunden Menschenverstand sitzen. Überall das gleiche Bild, in der Bahnstadt Heidelberg ebenso, ich habe langsam das Gefühl, man handelt hier vorsätzlich um das "alte" mit einem "neuen", "modernen" (Bauhaus)-Stil entweder wie in diesem Fall, zu verschandeln, zu verdrängen oder ganz zu ersetzen. Hat vermutlich mehr mit Ideologie als mit Ästhetik zu tun. :/