Berlin-Prenzlauer Berg (Altbezirk)

  • Das Kistengeschiebe, um den treffenden Begriff aufzugreifen den weiter oben jemand benutzte, finde ich unglaublich entsetzlich.


    Sehe das aber ebenso wie jemand weiter oben als verschmerzbar, da der Prenzelberg ein fast lückenloses Altbautgebiet mit z. T. phantastischen Gründerzeitlern ist, der so etwas besser wegstecken kann. Wären unsere Städte unzerstört und voller Altbauten, fände ich so etwas möglicherweise sogar gut. Für Prenzelberg verschmerzbar, schlimmer fände ich so etwas in der noch immer z. T. brachliegenden Dresdner City.


    Das Gebäude an der Jablonskistrasse hingegen finde ich ziemlich gut, wenn auch das Dach im Eckbereich ein bischen holprig daherkommt, und gerade da ist es entscheidend, da Kopfbau. Man hätte hier m.E. entweder auf den Erker im 5. Stock ganz verzichten sollen, oder ihn ein gutes Stück nach hinten zurückzunehmen. Aber dennoch ist es eine Architektur, die ich voll unterstütze. Ich bin auch für modernes, sogar für modernes das mir nicht gefällt, vorausgesetzt die Stadtsubstanz ist intakt. Aber in zerstörten Städten bzw. Vierteln brauchen wir mehr Konvention. Meine Meinung.


    PS:
    Das Flachdach finde ich übrigens überhaupt kein Problem. Mich stört nur der aalglatt durchgehende Eck-Erker etwas, das letzte Stockwerk wirkt dadurch etwas zu wuchtig. Dennoch gute Note von mir für das Objekt Jablonskistrasse.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Bei aller Kritik scheinen mehr oder weniger traditionelle, gründerzeitquartiertaugliche Neubauten in keiner deutschen Stadt mit einer solchen Regelmäßigkeit zu entstehen wie in Berlin. Das Projekt an der Ecke Winsstraße/Jablonskistraße ist ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung. Berlin ist aus der Ferne betrachtet in der Tendenz auf einem doch positiven Weg. Für den Süden und Westen der Republik lässt sich ein solcher Trend leider bisher eher nicht konstatieren.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Kürzlich wurde diese aufwändige Fassadenreko in der Diedenhofer Strasse enthüllt:


    In diesem Kontext eine sinnvolle Maßnahme:

    Das Sockelgeschoss bleibt sicher nicht so.
    Aber schon jetzt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Zustand im Mai 2009 :



    Und noch ein Vorher-Nachher-Beispiel vom Helmholtzplatz:


    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....

    Edited once, last by Wiederaufbaumelder ().


  • In der Kolmarer Strasse (schon etwas älter)






    Wohnanlage in der Strasse "Am Friedrichshain" auf dem Gelände des früheren Vergnügungsgeländes "Schweizer Gärten", die offenbar
    von der Schneider-Brauerei betrieben wurden. Deren früheres Brauhaus steht noch als Ruine (im Untergeschoss befinden sich Musikstudios)


    Am rechten Bildrand ein Zipfel diese kürzlich fertiggestellten Wohnhauses:




    In dieser verborgenen Ecke auf dem Geländer der ehemaligen "Schweizer Gärten" droht einem Banner zufolge Unheil:




    und um diese Fläche geht es dabei:

    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....

    Edited 2 times, last by Wiederaufbaumelder: Ergänzungen ().

  • Großartig, dass hier und da wieder mit Wiederbestuckung angefangen wird! In Berlin schien diese Entwicklung scheinbar etwas länger zu dauern als in anderen Städten (gut, vor allem in Berlin war die Unsitte des Entstuckens besonders verbreitet). Es ist wirklich SO ein Riesengewinn für die Häuser. Ich meine, in so einem Bau würde man doch auch tausendmal lieber wohnen, als in so einem grauen oder braunen mit Rauputz versehenen Haus. Die wirken immer so erbärmlich und trostlos.

  • Wiederaufbaumelder:


    Schön, dass das Haus in der Diedenhofer Straße der Vollendung entgegengeht. Weiter oben im Strang wurde ja schon damals berichtet...


    Das Ramada-Hotel in der Karl-Liebknecht-Straße finde ich dagegen in Anbetracht der ohnehin stuttgartesken Umgebungsbebauung ganz passabel; allerdings sah das Gebäude vor dem Anbringen dieser goldigen Horizontalschwellen und -wellen besser aus.




    Aktuelles zu den Projekten des Architekten Marc Kocher in Prenzlauer Berg


    Neue Ansicht vom in Windeseile errichteten Bau Jablonskistraße/Winsstraße (Näheres ebenfalls oben im Strang):





    Auf einem bislang von Baracken und einer Tankstelle genutzten großen Grundstück in der östlichen Stargarder Straße unweit des Planetariums...



    ...entsteht dieses nächste Bauwerk von Kocher:



    Zwar etwas klotzig-eckig, aber in Anbetracht seiner entstuckten, leicht siffigen Umgebung sicherlich eine recht gut passende Gestaltung, die sich positiv einfügen kann - mal abwarten.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Bzgl. #443 :

    Sehr schöne Fassadenreko! Obwohl das Sockelgeschoss noch nicht fertiggestellt ist finde ich den farblichen Effekt zwischen dem Cremefarbenen oberen und dem grauen unterem Teil klasse, es wäre wünschenswert wenn das Erdgeschoss auch im finalen Zustand farblich von den oberen geschossen abgehoben wäre. ;)

  • Großartig, dass hier und da wieder mit Wiederbestuckung angefangen wird! In Berlin schien diese Entwicklung scheinbar etwas länger zu dauern als in anderen Städten (gut, vor allem in Berlin war die Unsitte des Entstuckens besonders verbreitet). Es ist wirklich SO ein Riesengewinn für die Häuser. Ich meine, in so einem Bau würde man doch auch tausendmal lieber wohnen, als in so einem grauen oder braunen mit Rauputz versehenen Haus. Die wirken immer so erbärmlich und trostlos.

    Nun, eigentlich hat die Wiederbestuckung in Berlin schon vor vierzig Jahren begonnen, als gerade die barbarische Entstuckungsmode in den letzten Zügen lag. Es begann mit der Wiederbestuckung in Kreuzberg, sogar offiziell von der Stadtbildpflege gefördert, und dann ging es durch die Jahrzehnte gaaaaanz langsam weiter. Auf Dutzende von Primitiv-Sanierungen kamen ein paar Versuche, mit bescheidenen Mitteln ein ansprechendes modernes Fassadengliederungskonzept zu verwirklichen, und e i n e echte Fassadenreko! Aufs ganze gesehen, ist es bis heute eine Tragödie, wie diese Stadt mangels einer verantwortungsbewussten Stadtbürgerschaft ihr städtebauliches Kapital, die Mietshausquartiere von gigantischer Ausdehnung nicht nur verludern ließ, sondern durch Entstuckung ins architektonische Nichts entsorgte. - Wenigstens stehen diese Häuser noch, materiell gesehen, und die Hoffnung bleibt, dass sie eines Tages auch architektonisch wieder auferstehen werden. Jedes Pilotprojekt einer Fassadenreko bedeutet ein weithin strahlendes Fanal, das irgendwann andere Hauseigentümer zum Nachziehen animieren wird.

  • Das Projekt Winsgärten, welches schon länger für einen großen Hinterhofbereich im Bereich Greifswalder Straße/Christburger Straße geplant ist, geht jetzt in die Startphase.


    Das Baugrundstück liegt hinter dem ältesten Haus der Gegend, Greifswalder Straße 200.


    Das Bauschild macht folgende Angaben:


    Die aktuelle Ansicht der Baustelle im Hinterhofbereich:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Eine weitere erfreuliche Entwicklung aus Prenzlauer Berg.


    Greifswalder Straße 219 aufwärts


    Gleich eine ganze Häuserzeile an der Greifswalder Straße unweit des Königstors wird instandgesetz und renoviert.


    Greifswalder Straße 219:


    Greifswalder Straße 220:


    Greifswalder Straße 223 - gleich links neben einer Brache an die zuvor gezeigten Objekte anschließend:


    Die Greifswalder mausert sich optisch beachtlich.


    Der tolle Ausblick auf die gegenüberliegende Straßenseite:


    Noch ein Bild vom ebenfalls jüngst instandgesetzten Haus Greifswalder Straße 228 bereits von Ende letzten Jahres:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Wie, soweit ich mich erinnere, schon an anderer Stelle erwähnt, tut sich derzeit und in Zukunft Einiges entlang der Greifswalder Strasse. So wie ich zum
    Fotografieren komme, aktualisiere ich gerne diesen Beitrag. Für heute erstmal diese Eindrücke:



    frisch entrüstet: Greifswalder Strasse 210. auch die drei Höfe wurden saniert. Der Stuck ist komplett neu.



    schon vor einigen Monaten entrüstet: Greifswalder Strasse 228 (wurde um 100% erhöht, vergleiche hier oder hat jemand Fotos vom Zustand davor?)



    ganz frisch entrüstet: Jablonski/Winsstrasse von Marc Kocher



    und zum Schluss noch eine gelungene Sanierung Ecke Esmarch/Liselotte-Hermann-Strasse:


    Fortsetzung folgt......

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  • Eine Gründerzeit-Fassade wieder instand zu setzen ist kein Hexenwerk. Aber was ist das für eine Dachaufstockung? Das sieht ja gruselig aus!

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • "Gelungen" würde ich auch nicht gerade sagen. Es ist hier eigentlich nur das aller mindeste getan worden. Stellen die vorher schon entstuckt waren, hat man auch genau so beibelassen und nur drüber gepinselt. An einer Stelle hat man sogar erhaltenen Stuck einfach entfernt, kann ich auf dem Bild erkennen. Und vom unpassenden Dachaufbau wollen wir nicht reden...
    Gegenüber diesem Haus steht übrigens eine absolute Seltenheit! Sieht aus wie ein barockes Amsterdamer Bürgerpalais!

  • @ Treverer: wie recht Du hast.


    1. Die Bossierung der Ecke über dem ersten Obergeschoss ist entfallen
    2. In der Lilo-Herrmann ist das Relief im 2. Obergeschoss eingespart worden.
    3. Hat jemand einmal auf die feurverzinkten Fallrohre geachtet? Was ist denn das für eine Führung?


    Und wenn man genauer hinschaute fände man sicher noch mehr...

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Tja, bin da wohl nicht kritisch genug und hab mich von der schöne leuchtenden Farbe blenden lassen. Das Haus an der gegenüberliegenden Ecke wird grade in Styropor gepackt, da wird wohl noch mehr verloren gehen..... ich lade dann ein Vergleichsbild hoch, sobald das Gerüst weg ist.


    Was haltet Ihr denn von den anderen Objekten, die ich gepostet habe?

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  • Zur Abwechslung mal wieder ein kleiner Abriss aus Prenzlauer Berg.


    Die Fassade des Eckhauses Choriner Straße/Zionskirchstraße wurde umfassend restauriert...


    ...mit gut begründeten Auslassungen, versteht sich. Gute Sache!


    Die Seite der "Choriner Höfe" zur Choriner Straße ist so gut wie fertig - schade, dass in den mittleren Geschossen diese miesen Fensterbänder gewählt wurden, sonst hätte das recht anständig werden können.

    (Wg. der Bildverkleinerung ggf. nicht so gut zu erkennen - das ist eine Ziegelfassade).


    Der hässliche "Schau mir in die Küche, Kleiner"-Neubau in der Schwedter Straße unweit der Kastanienallee ist auch annähernd abgeschlossen.


    Schönhauser Allee 22, das einstige jüdische Altersheim am alten Friedhof wurde von der jüdischen Gemeinde nach Restitution aus Geldnot verkauft. Nun baut der neue Eigentümer darin Wohnungen; warum er das denkmalgeschützte Objekt (Architekt Postbaumeister Schwatlo) mit diesem billigen Dachaufbau verunzieren darf, ist mir dagegen ein Rätsel.


    Haus Manheimer soll das Objekt nach dem einstigen Stifter und bedeutendendem Konfektionär Moritz Manheimer heißen - hier seine Grabstelle, unmittelbar hinter dem Objekt gelegen.


    Links nebenan erfolgt zugleich - auf dem alten Friedhofsgelände - ein mittelmäßiger Neubau, welcher in den betreffenden Visualisierungen jedoch nicht identisch aussieht.


    Diedenhofer Straße 7/8 am Wasserturm - die Fassadengestaltung und Restuckierung ist abgeschlossen.


    Fügt sich ganz links natürlich perfekt ein.


    Die Decke des Vestibüls.


    Der belanglose, ensemblestörende Neubau Immanuelkirchstraße 14 schreitet voran.


    Das Objekt Greifswalder Straße 223 wurde ca. 15 cm dick eingepackt gegen den Klimawandel.


    Der gelungene Marc Kocher-Eckbau Winsstraße/Jablonskistraße steht kurz vor dem Bezug...


    ...während im angrenzenden Würfel-Stillleben Jablonskistraße 29a bereits die ersten modernen Menschen eingezogen sind.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich hoffe, die Wiederbestuckung der Diedenhofer Straße 7/8 macht mal in Berlin die große Runde! Man vergleiche nur mal bei Google Streetview den alten Zustand mit der jetzt wieder gewonnenen Austrahlungskraft des Gebäudes (der ganzen Zeile sogar). Hier werden sich Mieter sicherlich mehr drum reißen als um eine trostlose, entstuckte Traurigkeit. Sollte jedem Hausbesitzer klar sein...

  • Vielen Dank für die Photos, es ist erfreulich mal zu sehen, was sich in der alten Heimat so tut.
    Das letzte Haus ist schauerlich, während Haus Mannheimer und artverwandte die Seele wärmen.
    Mieter werden sich für alle finden und es drängt sich der schaurige Verdacht auf, daß der moderne Mensch es nimmt, wie`s halt kommt und daß ihm ästhetische Wohlfühlaspekte im Grunde doch eher schnurz sind.

  • Rund um die Greifswalder Strasse verstärkt sich die Bautätigkeit. Die letzten Lücken im Winsviertel werden geschlossen, die letzten grauen Häuser im Bötzowviertel werden farbig und teilweise kommt sogar der Stuck zurück.


    Einige Beispiele aus dem Winskiez:


    In der Christburger Strasse schlagen die Klötzchenbauer zu:
    Nr. 19 sieht derzeit so aus: (im Hintergrund übrigens die fast fertigen "Winsgärten" http://www.stadtgaerten-winsviertel.de)



    und in Zukunft so:
    cb19_beschreibung 1



    Die Nr. 13 wird zwar politisch korrekt, aber kein gutes Beispiel für einfühlsames Bauen im Bestand:
    Christburger Straße 13 | Stiftung Bildung. Werte. Leben.




    Lang umstritten war der Neubau im Hof der Marienburger Strasse 23 anstelle eines von den Anwohnern geschätzen Hinterhofgartens, nun ist er fertig:


    :



    Nun zum Bötzowviertel:


    Gegenüber des schon einmal gezeigten Gebäudes Ecke Esmarch/Liselotte-Hermann-Strasse:


    ist nun dieses Objekt angemalt (und vorher dick in Styropor gepackt) worden:






    zwei Ecken weiter (Bötzowstr/ Hufelandstr) gibt man sich etwas mehr Mühe mit dem Stuck:


    Das Haus war komplett entstuckt und hat seinen letzten Anstrich wohl vor dem Krieg bekommen.
    Macht richtig Freude, den Stuckateuren bei der Arbeit zuzusehen. Die Gelegenheit hat man ja auch nicht alle Tage....


    Und schliesslich noch ein Bild, das ich grade mal vor einem Jahr in der John-Scher-Strasse gemacht habe:



    da wusste ich noch nicht, dass kurz danach alles abgerissen würde, um Platz zu machen für ein weiteres Bauklötzchen-Projekt:
    BVBI: JOHNS.HOME



    Der Run auf den Prenzlauer Berg hält an, deswegen habe ich mir vorgenommen, die letzten unrenovierten Häuser und Baulücken alle aufzunehmen, um später schöne vorher/nachher - Beispiele posten zu können....



    Hier noch ein BIld vom fast fertigen Projekt in der Imanuelkirchstrasse:

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    Edited 4 times, last by Wiederaufbaumelder ().

  • Am Pfefferberg tut sich grade Einiges, auch ohne das BMW Guggenheim Lab, das ja nun doch nicht herkommt.


    Chinesische Investoren wollen die Brauereikeller zur Galerie umbauen:
    Galerie-Projekt - Chinesische Kunst will unter den Pfefferberg - Berlin Aktuell - Berliner Morgenpost - Berlin



    Sergei Tchoban setzt sich ein Denkmal mit der Errichtung eines Museums für Architekturzeichnungen als moderner Würfelturm. Leider konnte ich dazu noch kein Bild im Netz finden.


    Und die Gebrüder Woesner haben die letzte Ruine auf dem Gelände nahezu beseitigt, um ein Theater in der historischen Form wiederaufzubauen:
    siehe dazu Keine Torte für den Pfefferberg | Prenzlberger Stimme



    Rückseite des ehemaligen Gebäudes


    weitere Bilder in Kürze....

    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....