Zwang zur Innovation verschandelt unsere Städte

  • Die Statistik ist um bestimmte Taten bereinigt. Genau so, wie die Meldungen an die Presse bereinigt sind. Die Presse bestätigte mir, dass sie nichts zurück hält. Aber hören wir an dieser Stelle auf. Hier im Osten hat man gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Heute wieder empfehlenswert.

  • Elbegeist Ich habe das jetzt mal gegengeprüft. Schau Dir die Zahlen der Versicherungsunternehmen an. Die zahlen auch für die Schäden, die Einbruchversuche verursachen. Dabei sind auch die Einbrüche in Kellerräume usw.

    Du wirst feststellen, dass die Versicherer weniger Schäden begleichen mussten. Ein weiteres Indiz, dass die Polizeistatistik einen wahrheitsgemäßen Trend wiedergibt beim Thema Einbruch.

  • "dass rund 20 Prozent aller Einbrüche von der Statistik nicht erfasst werden. Wie hoch zudem der Anteil der nicht gemeldeten Einbruchversuche ist, die womöglich gar nicht erkannt werden, ist nicht bekannt." Kein weiterer Kommentar.

  • "dass rund 20 Prozent aller Einbrüche von der Statistik nicht erfasst werden. Wie hoch zudem der Anteil der nicht gemeldeten Einbruchversuche ist, die womöglich gar nicht erkannt werden, ist nicht bekannt." Kein weiterer Kommentar.

    Wenn einigermaßen durchgängig immer 20% der Einbrüche nicht gemeldet werden (z.B. weil die Schadenssumme zu gering ist, um sich mit Versicherung und Polizei zu beschäftigen), dann ist die Entwicklung in der Polizeistatistik und den Versicherungsausgaben trotzdem im Trend korrekt. Sie wären es nur und alleine dann nicht, wenn die Zahl nicht gemeldeter Einbrüche vor 10 Jahren noch bei 0% und heute bei 20% liegen würde, wobei selbst das mathematisch nicht hinhaut, schließlich sind die Zahlen deutlich stärker als diese 20% gefallen. Gleiches gilt für die Aussage, dass die "Statistik bereinigt würde". Dies würde nur einen Effekt haben, wenn vor 10 Jahren noch nicht diese Sachen herausgerechnet wurden, jetzt aber schon. Ich sehe jedoch keine Änderung der Erhebungsmethoden.

  • Der Trend "weniger Einbrüche" wurde allerdings nicht durch eine geringe Kriminalität in Deutschland befeuert, sondern durch die Corona-Pandemie, bei der mehr Menschen zu Hause auf ihr Hab und Gut aufpassen konnten.

  • Exakt. Wenn die Leute wegen Home-Office oder ähnlichem den ganzen Tag zu Hause sind, wird eben weniger eingebrochen.


    Dunkelziffern sind extrem hoch. Allerdings vermute ich auch, dass das bei Wohnungseinbrüchen keine Rolle spielt, weil die Leute die Meldung wegen der Hausratsversicherung benötigen. Bei Raubüberfällen, Körperverletzung, Diebstahl usw. ist die Dunkelziffer sicherlich enorm. Ich kenne selbst Leute, die schon beraubt oder geschlagen wurden, aber auf eine Anzeige verzichteten, weil sie das als pure Zeitverschwendung angesehen haben. Als ich mal wegen eines kleinen Diebstahls zur Polizei gegangen bin, um Anzeige zu erstatten, wurde ich wie ein Krimineller behandelt. Die aufnehmende Beamtin blickte mich böse an und tat so, als sei ich ein Versicherungsbetrüger, ihr Kollege machte sich über sie lustig, weil sie die Arbeit hatte, meinen Fall aufzunehmen. Das nächste Mal sagen sich viele Leute, die so etwas erleben, dass sie nicht nochmals hingehen werden. Und die Polizei kann dann vermelden, dass statistisch die Diebstahlrate wieder herunter gegangen ist... sleep:)


    Aber, das Argument des Einbruchs, um etwas gegen Fenster ohne Gardinen zu sagen, ist wirklich sehr konstruiert.


    Nein, es geht darum, dass ich einfach nicht mag, wenn mir die Leute in die Bude glotzen, wenn ich - vor allem im Sommer - nur in Unterhose oder nackert durch die Wohnung latsche. Ich will mich am Hintern kratzen oder Pornoheftchen lesen, ohne, dass mich die Nachbarin oder jeder x-beliebige Passant dabei beobachtet.

    Manchmal laufe ich mit einem Kumpel an solchen Neubauvierteln mit bodentiefen Fenstern und ohne Gardinen vorbei. Wir sehen die Leute vor dem Fernseher sitzen, sehen deren Programm oder wie sie gerade in der Jogginghose Kartoffelchips mampfen. Und dann fragt mein Kumpel: "Möchtest du so leben?" Und ich schüttele den Kopf.

    Aber andere möchten vermutlich sogar noch eine Webcam auf dem WC haben. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

  • Gleiches gilt für die Aussage, dass die "Statistik bereinigt würde". Dies würde nur einen Effekt haben, wenn vor 10 Jahren noch nicht diese Sachen herausgerechnet wurden, jetzt aber schon. Ich sehe jedoch keine Änderung der Erhebungsmethoden.

    Nicht der Erhebungs- sondern der Veröffentlichungsmethoden. Wer steht denn seit 2015 ständig in der Kritik und brauchte politische Schützenhilfe?

  • Reine Spekulation. Ihr habt es tatsächlich geschafft, keine einzige Quelle, die Eure Sicht unterstützen würde, zu präsentieren. Wie soll man so zu einem Erkenntnisgewinn kommen? Die Zahl der Einbrüche ist auch nicht erst "seit Corona" gesunken, sondern in jedem Jahr seit 2015. Steht doch alles in der Statistik. Macht Ihr Euch nicht mal die Mühe, Euch die Daten anzuschauen, bevor Ihr spekuliert?


    Die Wohnungseinbrüche werden auch nicht durch Geflüchtete begangen, sondern traditionell durch osteuropäische Banden, nach der Grenzöffnung gab es schon einmal einen Peak in den 90ern - das waren oft polnische Banden ("wie gestohlen, so in Polen"), mit zunehmendem Wohlstand in Polen verlor das Geschäftsmodell an Reiz und die Zahlen sanken wieder. Den zweiten Peak etwa Mitte der 2010er Jahre gab es nachdem Bewegungsfreiheit für Rumänen und Bulgaren eingeführt worden war. Aber auch dort hat der Wohlstand große Schritte gemacht, das Geschäftsmodell "sich bandenmäßig deutsche Einfamilienhausgebiete vorknöpfen" verlor an Reiz, die Zahlen sanken.


    Ist wirklich alles ganz einfach zu erklären. Exakt nichts spricht für Eure seltsamen Verrenkungen, warum alles viel schlimmer wird. Nicht eine einzige Quelle. Muss man erstmal schaffen, eine ganze Seite nur Geschwurbel.

    Aber, das Argument des Einbruchs, um etwas gegen Fenster ohne Gardinen zu sagen, ist wirklich sehr konstruiert.

    Nein, Du hast das Argument nicht im Ansatz verstanden. Es geht mal wieder um Dichte und Urbanität, die Einbrüche schwieriger macht. Attraktivste Ziele sind Einfamilienhausgebiete, weil man da ganz in Ruhe arbeiten kann in den abgeschotteten Grundstücken. Und das ist eben eine Spielart des Modernismus und Individualismus. Alles schlüssig erklärt und argumentiert.

  • Nein, Du hast..

    Eigentlich hatte ich Dir zugestimmt. Aber das hast Du offenbar nicht verstanden.


    Bei Deiner weiteren (und neuen) Argumentation aber widerspreche ich Dir. Aber toll, dass Du jetzt auch noch Kriminologe bist, der erklärt, wer aus welchen Gründen Einbrüche tätigt.

    Also, Einfamilienhausgebiete mögen für Einbrecher attraktiv sein, weil sie dort meist wohlhabendere Leute vermuten. Nicht zwangsläufig ist ein Einbruch in einem Einfamilienhausareal einfacher. Meist sind dort nämlich Türen und Fenster besser gesichert. Es ist auch weniger anonym als in vielen Mehrfamilienhäusern. Die Nachbarn kennen sich besser und beobachten mehr. Das habe ich selbst schon in mehreren Beispielen erlebt. Außerdem hängt viel von der Einsehbarkeit des Grundstücks ab. Wobei hier Einsehbarkeit Einbrecher eher abhält.

    Ich kenne jedenfalls beides. Bei einem Kumpel sind sie mal ins Reihenhaus eingestiegen. Allerdings hatte der auch einen ziemlich zugewucherten Garten, so dass die Einbrecher Sichtschutz hatten. Bei zwei Freunden sind sie aber auch in die Wohnungen eingebrochen. Beide haben in Mehrfamilienhäusern gewohnt, einer in einem alten Gründerzeithaus. Es ist so, wie mir mal ein Kriminalbeamter erklärte: Es gibt keine Regel.

    Er sagte mir: "Hören sie auf, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wer wann und wo einbricht. Das einzige, was einen Einbrecher abhält, ist die Zeit. Machen sie es ihm schwer, ins Haus zu kommen, braucht er also länger, steigt für ihn die Gefahr, entdeckt zu werden. Dann lässt er von seinem Vorhaben ab."

  • Der Trend "weniger Einbrüche" wurde allerdings nicht durch eine geringe Kriminalität in Deutschland befeuert, sondern durch die Corona-Pandemie, bei der mehr Menschen zu Hause auf ihr Hab und Gut aufpassen konnten.

    Ein Trend der weit vor der Coronapandemie begann ist durch die Corona Pandemie zu begründen? Ich weiß ja nicht. :wie:

    Also, Einfamilienhausgebiete mögen für Einbrecher attraktiv sein, weil sie dort meist wohlhabendere Leute vermuten. Nicht zwangsläufig ist ein Einbruch in einem Einfamilienhausareal einfacher. Meist sind dort nämlich Türen und Fenster besser gesichert. Außerdem hängt viel von der Einsehbarkeit des Grundstücks ab. Wobei hier Einsehbarkeit Einbrecher eher abhält.

    Es gibt da genaue Analysen, die besagen, dass das Einfamilienhaus bis zu einer Größe von 150.000 Einwohnerstädten das bevorzugte Ziel der Einbrecher ist, und erst in den größeren Städten die Wohnungen häufiger heimgesucht werden. Das könnte Deine und Heinzers These verbinden, nämlich, dass in größeren Städten Einfamilienhäuser nur für besser Betuchte noch zur Verfügung stehen und damit ein besser geschütztes Ziel sind, in kleineren Städten und auf dem Land jedoch die Einfamilienhäuser weniger Entdecktwerden versprechen.

    Rein logisch ist ja ein Wohnung schon grundsätzlich kritisch für einen Einbrecher, denn es gibt ab dem 2. Stock praktisch keine anderen Fluchtwege als die Wohnungstür. In der Polizeianalyse wird ein Fluchtweg als kritisches Merkmal eines (professionellen) Einbrechers beschrieben.

  • Wir sehen an der Statistik, dass 2015 ein Peak war. Aus welchen Gründen auch immer. Die Jahre zuvor ist der Wert ständig angewachsen, danach zurückgegangen. So ist das, denn manchmal verlaufen Entwicklungen in Wellen. Schauen wir, was in zehn Jahren ist. Die gescheiterten Einbrüche sind jedes Jahr gewachsen, vor allem wegen verbesserter Sicherheitsmaßnahmen. (Siehe hier) Auch das könnte abschreckend gewirkt haben.

    Rein logisch

    ... ist nichts. Wie gesagt, ich kenne Leute, die im 3. Stock wohnten, und dennoch wurde eingebrochen.


    Können wir also diese sinnlose Diskussion eigentlich mal beenden? Das ist kein Kriminologen-Forum, und hier dürften nur Laien miteinander diskutieren.


    Und es ist komplett off-topic, hat also nichts mit der Thematik zu tun.

  • ... ist nichts. Wie gesagt, ich kenne Leute, die im 3. Stock wohnten, und dennoch wurde eingebrochen.

    Der Unterschied zwischen anektdotischer und empirischer Evidenz.

    Und es ist komplett off-topic, hat also nichts mit der Thematik zu tun.

    Das stört mich auch, mein Ausgangsbeitrag hat deutlich mehr zu bieten, als dass man hier seine Kritik ergießen müsste über unzuverlässige Kriminalzahlen. Moderators (2) ab #11 bitte in den "Die große Tartaria und Schlammflut Verschwörungstheorie" Strang verschieben. Nein, Spaß, die Debatte könnte aber gerade wegen hier zuletzt zur Frage der Dichte und Einsehbarkeit gut in diesen Strang passen:

    :blumen:

  • mir war das vorher nie als besonders aufgefallen, aber es stimmt, hier gibt es kaum Gardinen (außer in Schlafräumen) und oft keine Zäune zwischen den ohnehin lächerlich kleinen Gärten.

    Das stimmt auch für viele Altstädte. In Amsterdam und anderen holländischen Altstädten fällt das z.B. besonders auf.
    Dort gibt es kaum Gardinen oder Sichtschutz, wenn man abends durch die Straßen geht sieht man überall Leben in den Fenstern. Absolut faszinierend. <3

  • Der in den Niederlanden häufig anzutreffende Verzicht auf Gardinen, dürfte auf den Calvinismus zurückgehen. Danach sollte niemand etwas zu verbergen haben und einen im wahrsten Sinne offensichtlich ehrbaren Lebenswandel ohne Sünden führen.

  • … so weit ich es weiss, hängt der Verzicht auf Gardinen in Holland eher mit einem sehr weltlichen Grund zusammen: es gab eine Gardinensteuer, die kaum jemand bereit war zu zahlen.

    Wie weit diese Reaktion von calvinischen Sittenwächtern intendiert wurde und die Steuer Mittel zum Zweck war, weiss ich aber nicht….

  • wenn man abends durch die Straßen geht sieht man überall Leben in den Fenstern. Absolut faszinierend.

    Von außen möglichenfalls. Wenn´s was interessantes zu sehen gibt.

  • Gardinensteuer

    Eine Gardinensteuer? Was zum...? Was wollte man damit denn bezwecken? ;-\ Der Staat und seine Räuberfantasien...

    Es gab ja auch in mehreren Städten eine Besteuerung der Grundfläche der Häuser, aber nicht der Gesamtfläche. Das führte dann zu weit auskragenden Fachwerkhäusern, die nach oben immer breiter wurden. Schon spannend sowas.

    Oder die Zoning Resolution in New York, die zum umgekehrten Phänomen der nach oben verjüngten Hochhäuser führte.