Zerbst/Anhalt

  • In der Tat erstaunlich was sich durch Engagement bewegen lässt....



    Moderationshinweis (Palantir): Die folgenden Beitäge dieses neuen Strangs zur Baugeschichte und Bausituation der Stadt Zerbst wurden aus dem Thema "Schloss Zerbst" herausgelöst.



    Zu Zerbst:
    Auf diesem Bild
    Sachsen-Anhalt von oben
    sieht man einen Teil der Innenstadt. Ich habe immer gehört, dass Zerbst hässlich sein sollte, aber so schlimm sieht's ja auch nicht aus. Die Zeilenbauten mit den roten Dächern könnten schlimmer sein.


    Schade, dass man das Schloss in Dessau nicht wiederaufbaut. Es scheint genügend Platz dafür zu sein.


    Soll die Kirche nicht restauriert werden?


    Claus

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • @ Akanthus: Danke für die vielen Infos.


    Gibt es eigentlich auch Pläne zur Umgestaltung der Zerbster Innenstadt? Müssen ja nicht unbedingt Rekos sein, aber der Abriss einiger Platten und eine Bebauung im traditionellen Stil könnte die Stadt enorm aufwerten.



    Und vor allem sollte man die Kirche wiederherstellen. Kann ja nicht so teuer sein, ein Notdach (vorerst) und ein paar Scheiben würden schon Wunder wirken. Aber leider will ja der zuständige Förderverein den Ruinenstatus beibehalten:


    http://www.sanktnicolai-zerbst.de/

  • Pläne zur Umgestaltung der Zerbster Innenstadt liegen massenweise vor. Im Rahmen von Ausschreibungen und Wettbewerben sind wirklich gute Ideen entstanden. Rekonstruktionen sind dabei nicht einmal enthalten, doch die Orientierung an dem, was vor 1945 das Flair der Stadt ausmachte: eine kleinteilige, abwechslungsreiche Bebauung. Leider wurden von diesen Ideen nur die wenigsten umgesetzt. Die Stadtverwaltung motiviert leider nicht, sondern wirkt eher hemmend auf Projekte.
    Der Abriss von Plattenbauten in der Innenstadt hat bereits vor Jahren begonnen und wird weiter forciert. In letzter Zeit wurden bereits sechs riesige Blöcke abgerissen. Leider befinden sich an deren Stelle jetzt nur wilde Parkplätze und Grünflächen. Und das mitten in der Innenstadt! In diesem Jahr ist wieder der Abbruch von zwei Großblöcken in Zerbst-Nord geplant. Wenn das so weiter geht, kann ich bald vom meiner Wohnung am Markt direkt bis zum 2,5 Kilometer entfernten Bahnhof sehen.
    Aktuell werden gerade Gebäude aus der Zeit um 1900 abgerissen, um Platz für den Neubau eines Supermarktes (Kaufland) zu schaffen. Wir haben ja genug Altbausubstanz!? Dieser hässliche Zweckneubau mit vielen Parkplätzen rundherum entsteht mitten im Zentrum an der Alten Brücke in unmittelbarer Nähe des Marktes und verunstaltet damit das gesamte Gebiet. Ansiedelungen sind wichtig, aber um welchen Preis? Das städtische Bauamt findet das Vorhaben jedenfalls toll.
    Die Ruine der St. Nikolaikirche soll nur gesichert, aber nicht rekonstruiert werden. Der Förderverein unter dem Vorsitz eines Grünen-Abgeordneten will tatsächlich den Ruinencharakter bewahren. Ein studentisches Projekt von 2004 sah den Einbau einer gläsernen Konzerthalle in die Ruine vor. Doch das ist völlig unrealistisch; Bedarf und Geld fehlen.


    Schönes Wochenende zusammen.

  • Quote from "Akanthus"

    ...Aktuell werden gerade Gebäude aus der Zeit um 1900 abgerissen, um Platz für den Neubau eines Supermarktes (Kaufland) zu schaffen. Wir haben ja genug Altbausubstanz!? ....


    Wie blöd muss man eigentlich sein, um seine eigene Stadt zu Grunde zu richten ? Um Zerbst werde ich dann wohl einen Bogen machen ! :?
    Habe mir gerade mal die Zusammensetzung des Zerbster Stadtrates ergooglet. Jetzt stellt Euch das mal vor ! Dort regiert die SED !!!
    Ich kann es nicht fassen, dort hat sich die SPD mit der PDS zur "FG" zusammengeschlossen. Wie in der DDR...


    Hier die Seite:
    http://www.stadt-zerbst.de/rathaus/stadtrat

  • Quote

    Aktuell werden gerade Gebäude aus der Zeit um 1900 abgerissen, um Platz für den Neubau eines Supermarktes (Kaufland) zu schaffen. Wir haben ja genug Altbausubstanz!? Dieser hässliche Zweckneubau mit vielen Parkplätzen rundherum entsteht mitten im Zentrum an der Alten Brücke in unmittelbarer Nähe des Marktes und verunstaltet damit das gesamte Gebiet. Ansiedelungen sind wichtig, aber um welchen Preis? Das städtische Bauamt findet das Vorhaben jedenfalls toll.


    Diese Bauvorhaben scheinen typisch für Deutschlands Osten zu sein. Insbesondere in Städtchen mit hohem Bevölkerungsschwund auf Grund hoher Arbeitslosigkeit, die jenseits von touristischen Hochburgen wie Weimar, Eisenach oder Quedlinburg liegen, dürfen scheinbar zweitklassige Investoren wie die Supermarktkette Kaufland schalten und walten wie´s gerade genehm ist, und sich über denkmalschutzrechtlichen Belangen hinwegsetzen. Und die Stadtväter in Zerbst stimmen dem auch noch zu, verspricht doch jeder Investor wieder mehr Leben in den ausgestorbenen Innenstädten.


    Vielleicht sollten wir mal einen Thread über ostdeutsche "Monde" (O-Ton Wissmut) aufmachen, deren teilweise noch original erhaltene Innenstädte massiv auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage bedroht sind. Ich war letztes Wochenende zum ersten Mal in Weißenfels und war entzückt, angesichts der Unzerstörtheit, und gleichzeitig angewidert, wie man diese schöne Stadt verfallen lässt.

  • Ich als alter Dessauer würde echt einen Wiederaufbau des Schlossplatzes in Dessau zusammen mit dem Shcloss bevorzugen, wobei schon die Marienkirche und derJohanbau (Teil des ehem. Stadtschlosses) wiederaufgebaut wurde.


    Was in Zerbst geschieht erfreut mich! Doch ich bin nicht zuversichtlich, da Zerbst nur eine Stadt aus Blockbauten 2 Kirchen und der Schlossruine mit Stadtmauer ist!


    Traurig: Die kleine Barockkirche (auf dem Luftbild zu sehen) erhielt Fliesen als Fußboden und das alte Gestühl ist raus, da die Kirchenleute Geld hatten... Anstatt Sandsteinplatten Fliesen.....PAH!


    Meine Mutter als zuständige Bauamtsleiterin der Kirche hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt... Aber in Zerbst wurde einfach losgebaut..
    :(


    Also nochmal zum Ende... Schlossplatz in Dessau. Dafür würde ich sogar meine Zunkunft opfern!

    Leisten sie Ihren Beitrag zum Wiederaufbau der Wallwitzburg!

  • Dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend unbekannt zählt zerbst zu den schmerzlichsten städtebaulichen Kriegsverlusten. In diesem Fall war es nicht einmal ein Terrorbombardement. Diese kriegsverlängerten Nazibonzen müssen wirklich eine Pest gewesen sein. Da offenbar einigen Teilnehmern hier unbekannt, folgende alte Ansichten:


    http://cgi.ebay.de/AK-Zerbst-S…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/PK-Zerbst-K…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318" onclick="window.open(this.href);return false;


    http://cgi.ebay.de/6wt7950-Zer…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Fisc…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    Und erst der Markt:


    http://cgi.ebay.de/AK-Litho-ZE…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/wd18923-Zer…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Mark…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318


    http://cgi.ebay.de/Zerbst-Mark…A12%7C39%3A1%7C240%3A1318

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Der Verlust Zerbsts kommt dem von Halberstadt wohl gleich. Oder dem von Neiße in Schlesien.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Bestrebungen, den alten Marktplatz samt Rathaus zumindest teilrekonstruktiv wiederherzustellen gibt es bislang keine, oder? Es würde der Stadt sicher gut tun. Ebenso gut wie natürlich die langsame Wiederherstellung des Schloßflügels, die ich mit Sympathie und Interesse verfolge.

  • Lieber Akanthus, könntest du uns sagen, ob von den auf den AKs gezeigten Gebäuden noch irgendetwas steht?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Der Marktplatz:

    Der Plattenbau (im Hintergrund) soll umgestaltet werden.


    Das fehlende Haus ist nach 1990 abgerissen worden. Das Haus rechts am Rand ist eine Ruine.

    Die Marktseite ist unbebaut.

  • Ich hatte bzgl. Historisches Zerbst schon einige Male in Auerbachs Keller angefragt - schön, dass ich nun hier eine Antwort finde. :zwinkern:
    War ja mal wieder klar: Das einfache Köthen bleibt erhalten, das bedeutende Zerbst geht verloren. Und die nächste Trauermeldung heißt Dessau - diese Stadt hatte ein ganz besonderes Flair.


    Die Besichtigung von Zerbst war im Übrigen ein Trauma. Die gewaltige Kirchenruine, umrahmt von grauester Plattenmonotonie - goldener Schorsch, solche Erlebnisse spare ich mir künftig gerne.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Erstaunlich, dass doch noch einiges steht. Da ließe sich noch was draus machen. Danke, maximus.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Obwohl erfreulich ist, daß dort überhaupt was passiert, ist das "Generationenhaus" architektonisch doch nichts besonderes. An die einst wunderschönen Bauten am Marktplatz erinnert überhaupt nichts.
    Zu erhoffen sind vor allem: die Vollrekonstruktion des Schlosses und des Rathauses am Marktplatz, und der Wiederaufbau der Stadtkirche. Der Plattenriegel, der anstelle des Rathauses stand, ist bereits abgebrochen worden.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Das Eckgebäude gefällt mir, das Signalrot nervt mich. Wieder nix Regionaltypisches. Sie werden es nie lernen. Von wem auch.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Quote from "maximus"

    Die Plattenbauten am Markt werden neu gestaltet. Der Umbau kostet 5 Millionen Euro, 1,35 Millionen Euro gibt das Land.
    2,5 Millionen !!! gibt die Stadt Zerbst für die Platzgestaltung aus.
    http://www.bwz-zerbst.de/Generationenhaus/index.htm
    http://www.keesdevries.de/Aktuelles/Baubeginn_BWZ.pdf

    PS: Für das Schloss gibt die Stadt 2009 7000 Euro.



    Genau sind es 7.500 Euro - ein Witz für dieses bedeutende Objekt Schloss Zerbst. Das furchtbare Projekt auf dem Markt lehnt ein Großteil der Zerbster Bevölkerung ab, doch die "Herren mit Einfluss" haben sich ohne Rücksicht auf Meinungen durchgesetzt.

  • Quote from "youngwoerth"

    Das Eckgebäude gefällt mir, das Signalrot nervt mich. Wieder nix Regionaltypisches. Sie werden es nie lernen. Von wem auch.


    Es gab Ende der 1990er Jahre sehr gute Vorschläge für die Bebauung des oberen Marktes. Argumente der Stadt und der stadteigenen Bau- und Wohnungsgesellschaft waren, dass es nur für einen Umbau der DDR-Plattenbauten Fördergelder gab. Wer's glaubt ...

  • Quote


    Die zu bildende Projektgruppe will in 3 bis 5 Jahren das Gesamtprojekt erstellen und es dann der Stadt vorlegen. Wann und was dann wirklich passiert ist völlig offen.


    Sollte das Schloss rekonstruiert werden, wäre es wirklich eine sehr schöne Sache. Neben Neustrelitz und Schwedt ist dieses Schloss sicherlich eines der wichtigsten Schloss-Rekoprojekte in Deutschland. Die Stadtschlösser in Berlin und Potsdam werden wir schon 2015 bestaunen können. Allerdings verstehe ich nicht ganz, was hier los ist. Solle erst 3 bis 5 Jahren geplant werden? Und wer ist der Investor?


    Übrigens habe ich hier ein Photo des Marktes um 1960 gefunden:

    http://www.bwz-zerbst.de/image…/Volksstimme_04_08_07.pdf


    Dort stand ein völlig intaktes, wunderschönes Giebelhaus, das offenbar später abgerissen wurde :boese:

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker