Lübeck

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Könnte es nicht sogar sein, dass dieses ganze Bauvorhaben mal wieder völlig überkandidelt und abgehoben ist?

  • Soweit ich das verstanden habe, saß sie Unesco bei der Lösungsfindung für die Treppe mit am Tisch und hat am Ende zugesichert, dass die Zerstörung des Kellers keine Auswirkungen auf den Welterbestatus haben wird, da der Keller nicht im Welterbe-Kerngebiet liegt. Das ist schon grotesk und unglaublich.

    Dazu muss man wissen, dass das Beratergremium der UNESCO personell und auch von der Ausbildung her sehr eng mit der deutschen institutionellen Denkmalpflege verbandelt ist, teilweise mit Personalüberschneidung. Es ist also keineswegs so, dass man hier internationale Berater hätte, die sich komplett unabhängig ein Bild machen würden. Man wird sehr genau darauf schauen, was die Kollegen vom Denkmalschutz vorher dazu gesagt haben. Man scheint u.a. auch ein besonderes Herz für Modernismus (und hier) und Zeitgeist zu haben.

  • Dazu muss man wissen, dass das Beratergremium der UNESCO personell und auch von der Ausbildung her sehr eng mit der deutschen institutionellen Denkmalpflege verbandelt ist, teilweise mit Personalüberschneidung. Es ist also keineswegs so, dass man hier internationale Berater hätte, die sich komplett unabhängig ein Bild machen würden.

    Das ist etwas irreführend dargestellt. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) ist beratend für das Welterbekomitee tätig. ICOMOS selbst unterteilt sich in zahlreiche nationale Gremien. Auf deutscher Seite existiert zum Beispiel das Deutsche Nationalkomitee von ICOMOS, das dann natürlich für das deutsche Welterbe zuständig ist. Im Vorstand befindet sich aber kein aktiver Denkmalschützer (sehr wohl aber ehemalige mit ihrer langjährigen Expertise): https://www.icomos.de/index.ph…h&contentid=150&navid=197

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Heute berichten auch die Lübecker Nachrichten über den Gewölbekeller (leider hinter der Bezahlschranke):


    https://www.ln-online.de/Lokal…rs-soll-verhindert-werden


    Kurze Zusammenfassung: Der Widerstand gegen die Zerstörung des Kellers wächst. In der Bürgerschaft sind neben der Partei "Die Unabhängigen" nun auch CDU und Grüne gegen die Zerstörung. Diese hätten zusammen eine Mehrheit in der Bürgerschaft, wenn es zu einer Abstimmung käme. Pikant dabei: Die CDU befindet sich eigentlich in einer großen Koaltition mit der SPD, die zu BM Lindenau hält, der wiederum an seiner eklatanten Fehlentscheidung (dieser wertende Ausdruck ist von mir und nicht aus dem LN-Bericht) festhält. Unabhängige und CDU wollen, dass Lindenau als oberster Denkmalpfleger, der gegen seine eigenen Fachleute entschieden hat, abgesetzt wird. Lindenau reagiert "gelassen", weil man dafür erst das Landesdenkmalschutzgesetz ändern müsste.


    Als Alternative wird auch hier genannt, die Treppe hinten an das Haus anzubauen. Allerdings würde man dann die rückwärtige gotische Kelleraußenwand durchbrechen müssen und zudem würde die Rückfassade des Hauses beeinträchtigt werden.


    Meine Meinung: Lieber einen relativ kleinen Durchbruch in die Rückwand bauen als großflächig mehrere Gewölbe wegreißen. Und: Bei dem Siegerentwurf wäre wohl jede "Beeinträchtigung" der Rückfassade eine Verbesserung! :biggrin:


    Berichtet wird auch noch darüber, dass im Grundbuch für die Fläche einer rückwärtigen Treppe Rechte für 19 Nachbarn eingetragen sind und eine Änderung hier wohl ca. 3 Jahre dauern würde. Dazu kann ich nur sagen: Wie lange dauert die Planung jetzt bereits nochmal? Hätte man das nicht schon vor 3 Jahren in die Wege leiten können?


    Ich kann auch nur nochmal sagen, dass es wirklich unglaublich ist, für ein Museumskonzept, das wahrscheinlich in spätestens 10 Jahren überholt ist und wieder geändert wird, ein 800 Jahre altes originales Bauwerk zu zerstören. :wuetenspringen:

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Die Wählergemeinschaft GAL (auch wenn sie aktuell nur einen Sitz in der Bürgerschaft hat) veröffentlicht heute ebenfalls eine Stellungnahme gegen die Zertstörung des Gewölbes auf HL-Live.


    Neben den Argumenten, die ich oben auch bereits nannte (das Konzept wird in einigen Jahren veraltet sein und man hätte sich eher um die Parkrechte kümmern müssen), wird noch ein weiteres wichtiges genannt:

    Quote

    Jeder kleine Haussanierer ist zu Recht angehalten, die Aspekte des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Selbst die Farbe der Fenstersprossen wird genau vorgeschrieben und darf von der Historie nicht abweichen. Wenn der Bürgermeister sich nun als formal oberster Denkmalpfleger über das fachliche Votum des Lübecker Denkmalschutzamtes hinwegsetzt und die Zerstörung des historischen Gewölbekellers beschließt, ist das mehr als ein ungünstiges Signal und kann fatale Folgen für den Erhalt der denkmalgeschützten Bauten in der Altstadt haben. Warum sollte irgendjemand zukünftig die fachlichen Vorgaben des Denkmalschutzamtes noch stringent befolgen, wenn der Bürgermeister das Votum des Denkmalschutzamtes auch nicht als weisend erachtet

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Heute äußert sich bei HL-Live auch die Fraktion der Linken ablehnend zur Zerstörung des denkmalgeschützten Gewölbekellers und fordert wie zuvor schon CDU, Die Unabhängigen, Grüne, GAL und Freie Wähler einen Stopp der Planungen. Sie spricht gar von "Engstirnigkeit und undemokratischem Vorgehen".


    Damit wird es um BM Lindenau und seine SPD langsam sehr einsam. Ich hoffe, dass das Treiben mit einer Abstimmung in der Bürgeschaft gekippt werden kann oder dass der Bürgermeister noch von allein zur Vernunft kommen wird.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Bei den Ideen des Orgelausschusses im Prospekt zum Orgelsymposium vom 9. und 10. Mai 2014 (2. Link oben) steht folgender Satz über die Hauptorgel: ''Eine 1:1 Kopie des 1942 zerstörten Prospekts wird derzeit von der Denkmalpflege abgelehnt.''


    Es liegt hier im Grunde genommen ein gleicher Fall vor wie beim Vorderhaus des Nürnberger Pellerhauses und dessen Fassaden (Straßen- und Hofseite) Die Frage tut sich dabei auf, was es denn für Gutes bringen könnte, den Wiederaufbau des deutschen humanistischen Erbes zu verhindern, jetzt zu einer Zeit, da ein solcher Wiederaufbau erst wieder möglich wäre. Es ist doch gerade auch dieses Erbe, das die deutsche Kultur auf positive Weise mit den Nachbarländern verbindet. Ich denke bei der Hauptorgel von St. Marien in Lübeck dabei zum Beispiel an die Niederen Landen und Schweden.

    Bei der Hauptorgel der Marienkirche müßten doch wenigstens die Rekonstruktion des Prospekts und der Buxtehude-Orgel drin sein.

  • Vielleicht könnte man ähnlich wie in Skt. Katharinen in Hamburg die Orgel ohne Vergoldung rekonstruieren? Als Kompromiss - dann kann man ja später weitermachen floet:)

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker