Fribourg / Freiburg im Üechtland (FR) (Galerie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Kleist schrieb:

      Vielen Dank für die Bilder Johann!

      Täuscht mich der Eindruck, oder wurden an Fenstern/Auskragungen etc Regotisierungsmaßnahmen an alten, ma Gebäuden vorgenommen? Im Detail wirkt es oftmals zu regelmäßig und eben, gerade die Fenster. Kann dazu jemand etwas sagen?

      Grüße

      Gibt es da weitere Meinungen? Denn selbst wenn, wie von "Mündener" geschrieben, die Bauweise der Fenster etc bis ins 17. Jhdt sehr gotisch geprägt war (was ja an sich kein Schweizspezifikum ist, auch zB in den Alpenregionen Baierns oder Tirols), erklärt das für mich nicht die viel zu "perfekte" Ausführung. Oder hat man es bei der Renovierung einfach zu gut gemeint?
      "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940
    • So jetzt kommt diese Tour endlich zum Oberstadt und Zeno hat eigentlich diese Teil abgedeckt - so hier kommt ein Paar mehr Eindrucke. Die Oberstadt ist im Vergleich ziemlich lieblos und kann nicht wirklich mit restliche Altstadt mithalten. Eigentlich ist es umgekehrt zum Bern. Erst sind die Gebauden nicht so gut im Schuss wie die andere Teilen und die Autos sind auch auf manche Platzen erlaubt. Um Bahnhof wird es auch ganz krass...
















      So die beste Bilder kommt jetzt - zwei Highlights um Bahnhof...






      Fazit:

      Fribourg ist trotz die Oberstadt wirklich eine grosse Highlight- Die Touristeninformation macht Werbung mit ihre 200 gotische Fassaden und da kann man nur zustimmen - ich habe bisher im Schweiz nicht etwas ahnliches erlebt. Die Fassaden in Bern sind da deutlich uberformt. Ich habe auch selten so viele einzigartige gotische Fassaden wie im Fribourg auf enge Raum gesehen - vielleicht Regensburg im Nordeuropa.

      Die Stadt hat auch eine ganz eigene Flair - duster aber auch gleichseitig fast ein bisschen Marchenhaft. Im Unterstadt gibt es fast keine Cafes oder Restaurants - es wird hier hauptsachlich gewohnt. Eigentlich ist dass auch schon so. Wie grossen Teilen von Lubecks Altstadt wird also ein normales Leben hinter diese Fassaden gefuhrt.
    • Es hat wohl früher auch Mentalitätsunterschiede zwischen der Freiburger Oberstadt und der Unterstadt gegeben. Mein Onkel Willy (1930-2015), der als Schweizer "z' Friburg" seinen Militärdienst geleistet hatte, hat mir Folgendes erzählt: Die Unterstadt von Freiburg/Schweiz war das Handwerker-Viertel und überwiegend von Deutsch-Schweizern bewohnt. Deshalb sprach man dort überwiegend deutsch. Aber auch die Freiburger "Bollen-Sprache", die auch viele französiche Wörter beinhaltete. Die Bewohner der Freiburger Oberstadt hätten immer nur französich gesprochen. Heute wird wohl in Freiburg/Schweiz kaum mehr deutsch gesprochen. Die "Bollensprache" soll dem Vernehmen nach, inzwischen so gut wie ausgestorben sein. Schade ist es auch um die Kettenbrucke, die einst das Tal grazil überspannte.
    • Dein Beitrag, Villa1895, ist äußerst interessant!


      In der Erwartung, eine topographisch hochinteressante, alte Stadt kennenzulernen, war ich von Freiburg schließlich ziemlich enttäuscht. Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich nur einen Teil der Oberstadt gesehen habe und vor allem von dem unerträglichen Verkehr und den Abgasen ziemlich genervt war.

      Als jemand, der das Französische nicht versteht, war ich angesichts des Umstandes, dass es nur 1 oder 2 km westlich des Röstigrabens fast kein deutsches Wort mehr zu sehen gibt, schon ziemlich vor den Kopf gestoßen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, in Frankreich zu sein. Dass Freiburg in der Schweiz liegt, ist selbst heute für mich ein Gedanke, den ich nur verstandesmäßig in den Kopf kriege, gefühlsmäßig ist es für mich französisch. So stark ist eben die Wirkung der vorherrschenden, in Freiburg fast alleinigen Sprache. Ich bin nicht sicher, ob ich in diesem Fribourg irgendwo das Wort "Freiburg" gesehen habe...

      Aber ich bin froh, dass ich das wundervolle Murtentor gesehen habe; das entschädigt wieder für einiges.
    • Zeno schrieb:

      Dein Beitrag, Villa1895, ist äußerst interessant!

      Als jemand, der das Französische nicht versteht, war ich angesichts des Umstandes, dass es nur 1 oder 2 km westlich des Röstigrabens fast kein deutsches Wort mehr zu sehen gibt, schon ziemlich vor den Kopf gestoßen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, in Frankreich zu sein. Dass Freiburg in der Schweiz liegt, ist selbst heute für mich ein Gedanke, den ich nur verstandesmäßig in den Kopf kriege, gefühlsmäßig ist es für mich französisch. So stark ist eben die Wirkung der vorherrschenden, in Freiburg fast alleinigen Sprache. Ich bin nicht sicher, ob ich in diesem Fribourg irgendwo das Wort "Freiburg" gesehen habe...


      Hier eine Ansicht der Stadt "Freyburg in der Schweiz" aus einer Urkunde von 1844, die ein weitläufiger Verwandter von mir während seiner Zeit in Freiburg/Schweiz erhalten hatte. Man erkennt die damals berühmte Kettenbrücke. Das Gebäude, das oben wie eine Burg zu sehen ist, war nach Angaben meines Onkels die Kaserne, in der er seine Wehrpflicht ableistete.

      Die Urkunde aus dem Jahr 1844 ist ganz in deutscher Sprache verfasst. Der "ehrbare Jüngling Karl Stecher aus Königheim im Badischen. Ein Mechaniker" (der das hölzerne Räderwerk von Wassermühlen herstellte, später auch Zimmermann war, wohnte in seiner Freiburger Zeit in der Freiburger Unterstadt.




      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Villa1895 ()

    • Zu dem, was in der Schweiz so faszinierend ist, gehört der allmähliche Wandel der vorherrschenden Sprache, wenn man von der deutschspachigen Schweiz in die frankophone kommt, etwa von Bern nach Lausanne oder von Solothurn nach Neuchatel, oder natürlich sinngemäß in die andere Richtung. Ganz anders aber in Freiburg, von dem man annehmen könnte, hier würden sich Französisch und Deutsch die Hand reichen... Wäre es nicht ein wunderbarer Ausdruck der Mehrsprachigkeit, wenn in Freiburg beide Sprachen nebeneinander präsent wären?
    • Generell setzt sich in der Schweiz bei zweisprachigen Gemeinden im Laufe der Jahre eigentlich immer das Französische durch, so z. B. auch in Sion/Sitten, es gibt zwar eine Reihe von offiziell zweisprachigen Kantonen, Graubünden ist sogar dreisprachig, aber die einzige größere Stadt mit offizieller Zweisprachigkeit ist Biel/Bienne.

      Interessant ist indes die Existenz von teilweise winzigen Sprachinseln z. B. um den Neuenburgersee herum, wo sich deutsche Siedlungen in französischsprachiger Umgebung halten können.
    • Zeno schrieb:

      Lässt sich das auf die überwiegend frankophonen Kantone beschränken oder gilt das auch im Kanton Bern? Ist eines Tages der ganze Kanton Freiburg frankophon?
      Ich bezog das nur auf einzelne lokale zweisprachige Gemeinden wie z. B. Sitten/Sion oder Biel/Bienne, wo wohl durch den Zuzug französischsprachiger Schweizer (z. B. zur Arbeit in der Uhrenindustrie in Biel) die Bedeutung der deutschen Sprache zurückging.

      Ähnlich scheint es laut Wikipedia auch in Freiburg/Fribourg zu sein:

      Wikipedia schrieb:

      Besonders seit 1950 ist der Anteil der Deutschsprechenden durch den Zuzug aus der französischsprachigen ländlichen Gegend westlich und südlich von Freiburg stark zurückgegangen. Die Stadt dehnte sich dabei vor allem gegen Westen hin aus. Trotzdem werden aber seit Mitte des 20. Jahrhunderts Anstrengungen unternommen, die Zweisprachigkeit zu erhalten.
      Der Effekt tritt wohl nur dort auf, wo schon französischsprachige Schweizer zuvor lebten, gewissermaßen als Anknüpfungspunkt. Verstärkt wird der Effekt dadurch, daß die französischsprachigen Schweizer (oder Belgier, die Franzosen sowieso) meist einfach an ihrer Muttersprache festhalten, was z. B. den Eindruck erweckt, die Stadt Luxemburg sei eigentlich französischsprachig.

      Auch im eigentlich rein deutschen Eupen in Belgien stellte ich bei einem Besuch im Supermarkt fest, daß das Personal überwiegend nur französisch sprach (eigentlich surreal: man stelle sich mal vor, deutsche Verkäuferinnen würden in Frankreich weiterhin bei der Arbeit deutsch sprechen).

      Indes ist Biel tatsächlich die einzige offiziell zweisprachige größere Stadt der Schweiz, andere Städte sind zwar effektiv auch zweisprachig, allerdings gelten sie politisch als einsprachig und stellen lediglich auf Wunsch der anerkannten Minderheit (in Freiburg: der deutschsprachigen Minderheit) bestimmten Leistungen auch in einer zweiten Sprache zur Verfügung (z. B. beim Umgang mit Behörden, Schulen).

      Was den Gesamtkanton Bern betrifft, ist durch die Abspaltung eines Teils des französischsprachigen Jura der Anteil der französischen Sprecher ja gesunken. Die restlichen französischsprachigen Bezirke sprachen sich indes für einen Verbleib bei Bern aus und traten dem Kanton Jura abgesehen von einzelnen Gemeinden nicht bei. Daher wird sich an der Sprachenverteilung wohl auch nicht mehr viel ändern.

      OT: Ähnlich ist es ja auch in Kanada: Dort gibt es mit Englisch und Französisch ja landesweit auch zwei
      Amtssprachen, aber nur eine einzige offizielle zweisprachige Provinz, und das ist nicht etwa Québec oder Ontario, sondern New Brunswick/Nouveau-Brunswick (und das auch nur, weil Louis Robichaud als Premier die französische Sprache im Alleingang gleichstellte, ebenso wie er eine neue Flagge ohne vorherige Rücksprache präsentierte). Einen Eindruck des skurrilen dortigen Französisch vermitteln diese Comics oder diese Band :)

      Das ist natürlich nicht mehr wirklich relevant von den Strang und kann daher gern verschoben werden.