Zunehmende Verschandelung der Kulturlandschaft durch Windräder

  • Vor den Toren der Domstadt befindet sich einer der größten Binnenland-Windparks Europas. Dort reihen sich bis zum Horizont Hunderte der weißen Stengel. In ganz OWL gibt es derzeit 770 Windräder, aber viele weitere sind geplant. Die beiden Fotos unten zeigen nur einen kleinen Teil des bereits extrem stacheligen Landschaftsbilds.



  • Im Moment laufen die Planungen für Windkraftanlagen im Landkreis Regen, Bayr.Wald, genauer in der Gemeinde Kirchberg, allerdings neigen die Einwohner dieses Bauernkaffs zu konservativistischen Entscheidungen (Wahl des CSU-Kandidaten bei der Landratswahl :thumbdown: ) , und es formiert sich eine Gruppe von Protestlern :gehtsnoch: . (zur Info: die WKA stünden in einem schwer einsehbaren Bereich und würden das Landschaftsbild nicht stören.)

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Was soll der Quatsch, das Windkraftgegner auf so primitive Art beschimpft werden? :gehtsnoch::gehtsnoch::gehtsnoch::gehtsnoch:


    Man darf pro oder contra Windkraft sein, aber muss eine andere Meinung auch zu tolerieren imstande sein. auc die Leute im zersiedelten Regen haben Recht auf Schutz ihrer verbliebenen Landschaft (von anderen Aspekten wie Vogelschutz abgesehen).

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Erstens ists bei uns nicht so zersiedelt und zweitens sind die Gegner ja genauso polemisch.

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Ich kann den Protest der Menschen aus Regen gut verstehen. Immerhin wird sich das Landschaftsbild auch in dieser Region massiv verändern. Meiner Ansicht nach muss es Ausschlussgebiete für Windräder geben. Besonders reizvolle Urlaub-s und Erholungslandschaften (z.B. Bodensee, Rhön, Schwäbische Alb) sollten weitgehend windradfrei bleiben. In Schleswig-Holstein, ob man es glaubt oder nicht, gibt es solche Ausschlussgebiete noch, daher ist der Naturpark Holsteinische Schweiz bislang noch ohne Windräder. Aber sicherlich werden bald auch solche Vorschriften fallen, da die bisherigen Standorte wohl kaum ausreichen werden, um genügend Windstrom zu erzeugen.


    Hier noch ein Artikel zur Bodenseeregion:


    Landschaftsbild kein Argument gegen Windparks am Bodensee | see-online.info

  • OK, das traditionelle Windrad ist schöner :smile: . Aber wenn ihr nur deshalb gegen WKA seid, weil sie groß, weiß und modern sind, dann ist diese Einstellung etwas äh... äh... naja. :lachen:

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Es geht dabei auch um die völlige Entromantisierung der deutschen Landschaft und damit auch des deutschen Volkes.
    Wer keine Schönheit mehr kennt, wird sie nicht vermissen.


    Im Sinne einer zukünftigen geistigen Wende in Sachen Architektur auch ganz schlecht, das zumindest meine Hypothese.

  • Hmm.... vielleicht sollte mal jemand gegen die böööööööösen Windräder kämpfen. *DonQuijote* :biggrin:
    Mir gefallen sie halt schon irgendwie, mit ihrem eleganten Design, ihren Flügeltriplets... :smile:

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Gefallen sie dir wirklich in der Masse und vor allem in ihrer landschaftlichen Einbettung?
    Ist die ähnliche Kontrastkacke, wie in den Städten, hier nur nicht ästhetisch-ideologisch begründet, sondern rein entwicklungstechnisch. Zeichen von Fortschritt in zurückgebliebenen,rückständigen Gebieten - dem Land. Ich bin sowieso überrascht, dass von den Ansässigen, eben meistens Landbevölkerung, es schon auch Proteste dagegen gibt, denn diese sind doch meist gar nicht so romantisch, sondern eher pragmatisch veranlagt und sind auch die Ersten, die sich daran gewöhnen.

  • Dass es durchaus berechtigte Vorbehalte gegen Windräder an sensiblen Stellen und einfach überall gibt, sehe ich absolut ein. Jedoch ist weder Polemik à la „immer und überall schreckliche, landschaftszerstörende Ökoräder“ hilfreich noch die hier ebenfalls provokativ geäußerte Häme à la „pöse, pöse Windräder“.


    Ich denke, wir werden uns mit den Dingern meistens einfach arrangieren müssen wie mit so vielem anderen auch. Ich sehe Bürgerinitiativen gegen Windräder als absolut legitimes Mittel, diese in Einzelfällen oder in besonders sensiblem Umfeld verhindern zu können.


    Zum Vergleich Windräder vs. Autobahnen/andere Verkehrstrassen bin ich bekanntermaßen etwas anderer Meinung als Zeno. Ich sehe die undifferenzierte Zuasphaltierung/Versiegelung mit immer breiteren und weniger in die Landschaft eingepassten Straßen (hochgeständert, Talbrücken, Tröge, Lärmschutzwände), obwohl bewiesen ist, dass breitere Straßen immer nur noch mehr Verkehr anziehen, als mindestens genauso kritisch an, aber natürlich gibt es dagegen in einer automobilabhängigen Gesellschaft letztlich keine Mehrheit.


    Verschiedene Lebensrealitäten bedingen eben verschiedene Sichtweisen. Als Stadtbewohner muss ich die Windräder kaum sehen, der Landbewohner hingegen freut sich natürlich über die Schnellstraße in die nächste Stadt....

  • Nun: ja ich finde die Teile schön :smile: . Bei uns sieht es so aus, dass mehrere Gemeinden gemeinsam auf erneuerbare Energien setzen wollen und es sich bei betreffendem Gebiet um die Stelle handelt, wo ein bis zwei Windräder am wenigsten in das Landschaftsbild eingreifen. Dieses Areal liegt auf dem mittleren Kamm des Bayr. Waldes zwischen Frauenau und Richnach/Kirchberg, und ist von meiner, touristisch wichtigeren, Heimatgemeinde Frauenau aus nicht einsehbar. Flächen im Nationalpark fallen natürlich komplett aus dem Raster und auch im umgebenden Naturpark gibt es nur wenige Positionen, die die notwendigen Abstandsflächen einhalten.

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Ich dachte, du findest die Windräder schön? Müsstest da nicht eher unglücklich sein, dass diese bei dir kaum einsehbar sind?

  • Schön sind diese Windräder sicher nicht, aber man kann sie eines Tages ganz einfach wieder zurückbauen. Denken wir mal an die Zeit der Industrialisierung, als jede etwas größere Schmiede eine eigene Dampfmaschine für Hammerwerke und dergleichen hatte. Dazu immer schön ein mittelgroßer rauchender Schornstein....
    Auf manchen alten Bildern hat man den Eindruck: Je mehr Schornsteine, desto fortschrittlicher die Gegend. In der Realität sah so ein Horizont voller Fabrikschornsteine sicher genauso bescheiden aus wie heute die Windräder.


    Aber wo hat man heute noch einen Horizont voller Fabrikschornsteine? Nirgendwo. Und zum Glück ließen die sich dank des Fortschritts (Strom überall) bald abschaffen und spurlos beseitigen.
    Genau so wird es eines Tages mit den Windrädern passieren, wenn sich eine bessere Lösung durchgesetzt hat wie Strom aus der Wüste oder was-auch-immer. Die nächsten 2 bis 3 Jahrzehnte werden die Windräder halt gebraucht. Die Alternative wäre Atomkraft und das will in Deutschland die Mehrheit nicht mehr haben. Und das ist auch gut so.

  • Schön sind diese Windräder sicher nicht, aber man kann sie eines Tages ganz einfach wieder zurückbauen.


    Lasst uns hoffen, dass der Denkmalschutz nicht auf die Idee verfällt, sie könnten ein erhaltungswürdiges Zeugnis der Energiewirtschaft sein.

  • Aber wo hat man heute noch einen Horizont voller Fabrikschornsteine? Nirgendwo. Und zum Glück ließen die sich dank des Fortschritts (Strom überall) bald abschaffen und spurlos beseitigen.

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