Mannheim - O 4 4, Bankpalais

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    Das barocke Adelspalais in O 4, 4 aus der Zeit 1723/25 hatte den Krieg unbeschadet überstanden.

    Allein das ist ja in Mannheim schon bemerkenswert.


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    Der Hüter historischer Substanz rollte nochmals die unheilvolle Abriss- und Wiederaufbaugeschichte von 1971 bis 1975 auf, als die Denkmalschützer dem Drängen der Bauherren nachgaben.

    Versager. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Da ist man Denkmalschützer in einer Stadt, die im Krieg sehr stark zerstört wurde und in der schon in den 50er und 60er Jahren viele erhaltene Altbauten abgerissen worden waren. Und ausgerechnet dort gibt man dem "Drängen des Bauherrn" nach? Was für eine erbärmliche Flasche, die ihren Beruf verfehlt hat, muß man denn dazu sein? Oder hat der Bauherr irgendwie anders nachgeholfen?


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    Die Badische Bank ließ das Bauwerk 1971 abreißen.
    Mit Genehmigung der Denkmalschützer. Bedingung: Fassade und Treppenaufgang sollten abgetragen und im Original wieder aufgebaut werden. Beim Wiederaufbau wurde das alte Material nicht wiederverwendet. Begründung: Die Steine seien zerbröselt.

    Ja, klar. Sicher. Natürlich. War plötzlich alles zerbröselt. Eines Morgens waren nur noch Krümel übrig. Was will man machen...


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    Am Ende blieb das Original auf der Strecke, wurde eine barock anmutende Replik hochgezogen, im Maß verändert, die Gesimse aus Epoxidharz nachgegossen -

    Und wieso hat der heldenhafte Denkmalpfleger dann nicht wenigstens darauf geachtet, daß die Fassadenrekonstruktion in den originalen Maßen und mit ordentlichem Material ausgeführt wurde? Was bitte saßen denn da für handlungsunfähige Handpuppen in der Behörde? :kopfschuetteln:

  • Interessant ist auch wie das Städtische Zentral-und Jubelorgan (Mannheimer Morgen), der grundsätzlich alles Mannheim betreffende im Sinne der Politik und Interessenverbände bejubelt, plötzlich eine Kehrtwende vollzogen hat. Wollte er uns nicht erzählen, das Palais sei vor seinem Abriss "ruinös" gewesen? Alles nachzulesen weiter vorne im Faden. nono:) (47)

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Interessant finde ich ja, dass das Denkmalschutzgesetz in BW erst am 01.01.1972 in Kraft trat. Für mich klingt das so, wie als hätte man damals, wie fast überall, im Vorgriff noch tabula rasa in Bezug auf O 4, 4 gemacht. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit der Denkmalschutz überhaupt eine Handhabe hatte.


    Der Wiederaufbau in modernsten und künstlichen Materialien ist derweil völlig normal für die technikgläubigen 1970er Jahre, ein Rückgriff auf historische Techniken war damals fast undenkbar. Wunderbar kann man das etwa in den Dombauberichten vieler großer Kirchen in Deutschland (Kölner Dom, Frankfurter Dom) nachlesen – ganz erhebliche Schäden gehen auf unsachgemäße „Restaurierung“ mit vermeintlichen Wundermitteln aus den 1970er Jahren zurück.

  • Jo Franzke soll´s richten. Das Haus soll abgerissen und durch einen "Entwurf in historischer Anmutung" ersetzt werden. Die stadtbildprägende Wirkung soll in "neu interpretierender Form" erhalten bleiben. Das heißt wohl also, man will eine immerhin authentisch dem historischen Vorbild nachempfundene Fassadenrekonstruktion durch einen "Disneyland-Entwurf" (um auch mal das polemische Wort zu gebrauchen) ersetzen, um die Gemüter ein bischen ruhig zu stellen. Letztlich geht es vor allem um ökonomische Geschossauslastung.


    http://www.morgenweb.de/mannhe…-trumpf-in-o-4-4-1.563872


  • Na, immerhin eine Bewahrung des früheren Erscheinungsbildes.


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    Mit der Präsentation eines völlig neuen Entwurfs in "barockisierender" Form zeichnet sich nach langem Streit nun doch noch eine Lösung für das so genannte "Barockpalais" im Quadrat O 4, 4 in der Fußgängerzone Planken ab. Nachdem der Eigentümer LBBW Immobilien mit seinen Plänen zum Abriss des bestehenden Gebäudes und den Neubau eines Geschäftshauses im zeitgenössischen Stil auf breiten Widerstand in der Stadt gestoßen war, kommt der neue Entwurf den Wünschen der Bevölkerung sehr entgegen.[...]

    Die Rhein-Neckar-Zeitung im Web - Metropolregion - Kampf ums "Barockpalais" hat sich gelohnt (mit Abbildung)



    Experten begrüßen Rekonstruktion - Speyer - morgenweb

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Sorry, aber das Teil:
    http://www.rnz.de/netcontentme…eim-Palais_onlineBild.jpg
    hat mit dem ursprünglichen nix mehr zu tun!
    http://www.lbbw-immobilien.de/…44-mannheim.523.349.s.jpg
    Noch nicht mal die Stockwerk-Anzahl wurde eingehalten :angry:
    Das Dach ist ein Graus, wo sind die Fensterkörbe, neben dem Portal das einzg originale an dem Ding? Nee, so nicht, aber die Masse ist's zufrieden, in 30 Jahren kann man dann ja endlich einen "modernen" Entwurf verwirklichen. Entschuldigt meinen Pessimismus, dann fast lieber gleich Glas und Stahl!Ist jetzt Vielleicht ein bißchen krass, aber als angepassten Neubau wurde ich sowas geradezu bejubeln, aber nicht hier, wo alles gut dokumentiert ist und eine Reko möglich wäre. Wahrscheinlich kommt auch Plastikstein und Plastikfenster. In diesem Sinne...

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Ich finds OK. "Authentizität" hat für mich keinen hohen Stellenwert. Das Gebäude hätte über die Jahrzehnte auch aufgestockt werden können, wie es ja mit vielen Altbauten geschehen ist. Wichtig ist für mich fast ausschließlich die städtebauliche Wirkung und mit der kann ich mich anfreunden. Ist halt ein historisierender Neubau und der sollte im modernistischen Mannheim nicht schaden. Ein austauschbarer Glas-Stahl-Kubus als Alternative in einer kriegszerstörten (Alt-)Stadt? Von meiner Seite ein klares Nein.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ich bin zwiegespalten. Einerseits eine Art Kompromiss, der den wirtschaftlichen Bestrebungen nachkommt, andererseits eine weitere Verwässerung des Ursprungsbaus. Richtig glücklich bin ich nicht damit. Die Fensterkörbe sollten aber mindestens gesichert und wiederverwendet werden, möglichfalls bei einer eventuellen Hoffassade.

  • Der "Kompromiss" ist ein riesiger Erfolg für die Mannheimer Bürger. Hier zeigt sich eindrucksvoll, dass die Menschen die Nase voll haben von banalen Betonklötzen und erfolgreich auf die Barrikaden gehen, wenn Investoren weitere Stadtzerstörungen in die Wege leiten. Investoren und Architekten wacht auf und baut endlich Städte im Sinne der Bürger!

  • Ich würde es auch als positiv für Mannheim bewerten - endlich wird einmal gezeigt, daß sich das Engagement des Bürgers lohnen kann und daß es tatsächlich eine Alternative zum üblichen modernistischen Allerlei gibt.

  • Es hat sich letzendlich doch alles positiv entwickelt.
    Hätte ich am Anfang nicht für möglich gehalten (siehe meine pessimistische Einschätzung am Anfang des Threads)
    Hier ein Artikel:


    Bauvoranfrage mit barocken Anwandlungen - Mannheim Stadt - Mannheim - morgenweb


    Was die kindisch provokante Überschrift schon wieder soll von wegen Barocke Anwandlungen ist mir schleierhaft.
    Vorallem im letzten Teil liests sich aber schön: Putz und Naturstein, originale Tore :rolleyes:
    Leider steht da nix zu den Fensterkörben. Ich hoffe die verrotten nicht in irgengeinem Depot oder werden auf der Grünen Wiese gelagert um dort Schrotthändlern in die Hände zu falle oder lansam zu verrosten wie in MA schon geschehen. Wenn man sie dort nicht mehr anbringt würden sie bestimmt das eine oder andere Barockhaus in MA oder der Umgebung schmücken können.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Solch einen aufgestockten Barockbau, wie das Bankpalais zu Mannheim, würde ich mir in Dresden sehr wünschen und vorstellen können.

  • Hier mal wieder eine kleine Aktualiesierung.
    Das Bankpalais sollte eigentlich schon abgerissen sein, aber anscheinend zögert sich alles hinaus.
    Anbei noch ein kuzer Artikel, der sich völlig untypisch für den MM kritisch mit den "Mannheiner Machenschaften" auseinandersetzt,
    Das BP wird hier zwar nur am Rande erwähnt, trotzdem interessant. Die Stimmung in MA scheint kritischer zu werden und das ist gut so!
    http://www.morgenweb.de/mannhe…iche-geschichte-1.1161625

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Wow... wenn das hinter der barocken Fassade stand, ist wirklich scheinbar nichts historisches mehr dran. Auch wenn aus städtebaulichen Gründen ein leichter Rückschritt erkennbar ist - so schlimm wie einst befürchtet ist die Entwicklung nicht.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Vergleich:


    Abgerissener "Neu-Altbau" und Visualisierung des Neubaus.


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    Mit fünf Achsen entlang den Planken, mit elf Achsen entlang der Kurfürstenstraße nimmt der Neubau die Lochfassade im Stil des 18. Jahrhunderts auf voller Länge wieder auf. Das anschließende fünfachsige ehemalige Kutscherhaus erhält sein aus dem 18. Jahrhundert stammendes Remisentor aus Sandstein zurück und wird in Anlehnung an seine ursprüngliche Gestalt neu interpretiert, da der Originalzustand lediglich noch durch ein verschwommenes Foto dokumentiert ist.

  • Dahingehend hatte ich auch recherchiert, als ich vom Architekten des Bankpalais in MA las, der auch für die LBBW in FR am Münsterplatz zum Zuge kommen soll.

  • Wie sieht denn der hintere Teil des Neubaus in Richtung Kunststraße mit dem barocken Portal aus? Anders als in Beitrag #96 wohl von der Homepage des Architekturbüros zitiert, existierte nicht nur ein "verschwommenes Foto" des Kutscherhauses. Eine kurze Recherche im bildindex ergab z.B. diese Bilder:



    Quelle: bildindex.de, mi07095b09



    Quelle: bildindex.de, mi07095a07


    Hier eine Aufnahme aus dem Mannheimer Morgen mit dem Portal am Bau der 70er Jahre.