Berlin - vorher, nachher, heute

  • Der Strang heißt ja "... - vorher, nachher, heute". Gibt es ein Nachher-Bild, also nach dem Krieg? Es würde mich doch sehr interessieren, ob die Kuppel, Haube und Giebel nicht noch zu retten gewesen wären.


    Es wäre doch schön, wenn es ein Förderprogramm für den Ausbau und die Wiederherstellung solcher Schmuckstücke gäbe. Damit ließen sich die Städte im gesamten Bundesgebiet deutlich aufwerten.

    Da gebe ich dir Recht. Nur die Frage ist auch, welche Hürden würde der Denkmalschutz setzen? Ich verweise mal darauf, dass ein nicht unerheblicher Teil der Denkmalschützer Rekonstruktion am Denkmal nicht begrüßt. Man beiseitigt damit schließlich den Bruch, den die Zeitgeschichte dem Denkmal zugeführt hat.
    Für uns ist diese Argumentation unvorstellbar aber im Bereich der Denkmalpflege spielt das tatsächlich eine Rolle und kann ein großer Stein im Weg sein.

  • Alter Klassiker, Blick von der alten Gertraudenbrücke nach Norden (Oberwasserstraße/Friedrichsgracht).


    Etwa 1900:


    Am letzten Wochenende.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Hallo Onkel Henry,


    die Statue der hl. Gertrud wird wohl "zur Kur" vorübergehend weg sein. Jedenfalls meine ich mich zu erinnern, gelesen zu haben, dass die Statue renoviert wird.


    Übrigens galt St. Gertud von Nivelles im Mittelalter als Patronin bei Mäuse- und Rattenplagen. Dies war im 19. Jh. zumindest noch einigen Leuten bekannt. Zu Füßen der Statue waren wohl deshalb, auch aus Bronze geschaffen, einige dieser netten Pelztierchen mit den langen Schwänzen dargestellt. Flüsse und Kanäle werden von den guten Schwimmern gerne als Wasserstraßen genutzt, daher vermutlich die Aufstellung der Statue der hl. Gertraud ausgerechnet auf einer Brücke.

  • Übrigens galt St. Gertud von Nivelles im Mittelalter als Patronin bei Mäuse- und Rattenplagen. Dies war im 19. Jh. zumindest noch einigen Leuten bekannt. Zu Füßen der Statue waren wohl deshalb, auch aus Bronze geschaffen, einige dieser netten Pelztierchen mit den langen Schwänzen dargestellt. Flüsse und Kanäle werden von den guten Schwimmern gerne als Wasserstraßen genutzt, daher vermutlich die Aufstellung der Statue der hl. Gertraud ausgerechnet auf einer Brücke.

    Und einem Aberglauben zufolge, soll es Geldsegen bringen wenn man die Ratte streichelt - die war schon ganz blank....aber ich hätt sie wohl länger streicheln sollen - mein Umsatz langt mir noch nicht :biggrin:

    Vollendet das ewige Werk.

  • ca. 1900 (Tucherhaus/Nürnberger Hof):

    Von dem Berliner Tucherhaus (1887 bis 1891 erbaut) steht eine zweite, 1901 errichtete Version in Tübingen, dort "Deutsches Haus" genannt (Am Lustnauer Tor 4), beide nach Plänen von Conradin Walther.


    512px-T%C3%BCbingen%2C_Am_Lustnauer_Tor_4.jpg
    Karsten Ratzke, CC0, via Wikimedia Commons


    512px-Deutsches_Haus_T%C3%BCbingen_Lustnauer_Tor_4_von_C._Walther_vor_1914.png
    Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

    Conradin Walther (11. Mai 1846, † 20. Mai 1910), Public domain, via Wikimedia Commons

  • Und selbst im vom Krieg verschont gebliebenen Tübingen, hat man die Dächer an den Seiten verändert. Warum nur?

    (...) Die beiden Spitzdächer der nun nur mit einem flachen Dach versehenen und daher fast umbemerkbaren Erker rechts und links vom abgetreppten Giebel wurden nach den 1950-er Jahren entfernt [2] und bis heute, trotz Denkmalschutz-Status, nicht wieder aufgebaut. (...)

  • Wilmersdorf, Nürnberger Straße N°18, kurz vor 1900:

    bwidnstr18x4kvt.jpg


    2014:

    612px-N%C3%BCrnberger_Stra%C3%9Fe_18_%28Berlin-Charlottenburg%29.JPG

    Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Bodo Kubrak', gemeinfrei

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Schöner ist es m. E. aber ganz gewiss nicht geworden. Was mich auch gar nicht wundert. Der entstuckte Bereich wirkt auf mich steril, triste und langweilig. Früher war der Einfluss des Jugendstils an der Fassade unverkennbar, auch oben am Giebel, wo man ganz oben ein beliebtes Motiv des Jugendstil, eine Sonne mit ihren Strahlen erkennen kann. Früher war es ein Haus mit einem individuellen Gesicht, heute wirkt die Fassade wie ein Gesicht eines Invaliden, der schwere und schwerste Plessuren erleiden musste.

  • Oh mein Gott, was hat man diesem Haus nur angetan ??? :crying:


    Ich hoffe mal auf einem Besitzer, welcher die alte Schönheit des Gebäudes wieder entdeckt und es in alter Pracht erstrahlen läßt.


    Das Erdgeschoß, geht ja noch, aber der Rest - einfach nur greisslich.

  • Lieber Onkel Henry,


    habe meinen Text noch mehr auf den Punkt gebracht. Aber es ist wirklich traurig, was man manchen Häusern antut.

  • Ja Villa1895 mein alter Spezl Rolf selig, welcher der Chef von der Amboß Hausverwaltung war, ist der Ansicht gewesen, daß man Altbauten möglichst wieder in den Originalzustand versetzt.


    Bedauerlicherweise gab es hierfür keinerlei Fördermittel vom Land Berlin.


    Es auf die Miete umzulegen - ja, das geht in München, aber wohl in Berlin auch nicht.


    Hier wäre der Berliner Senat gefördert, Hausbesitzern entsprechende Förderungen zur Verfügung zu stellen.


    Wenn es um Teakholz Brückengeländer geht, ist der Senat doch auch nicht knauserig, also warum nicht auch zum Erhalt historischen Stadtbildes?

    Vollendet das ewige Werk.

  • ...


    Hier wäre der Berliner Senat gefördert, Hausbesitzern entsprechende Förderungen zur Verfügung zu stellen.


    Wenn es um Teakholz Brückengeländer geht, ist der Senat doch auch nicht knauserig, also warum nicht auch zum Erhalt historischen Stadtbildes?

    Eine sehr schöne Vorstellung, dass der Senat den Erhalt des historischen Stadtbildes fördert. Realistischer ist eine Förderung für ein massives Wärmedämmverbundsystem oder für eine fantasievolle Fassadenbegrünung.

  • Wenn die Eigentümer vielleicht auch keinen Wert drauf legen, dann bringen Förderprogramme auch nichts. Es wurden außerdem einige Altbauten in letzter Zeit neubestuckt, gerade in den Seitenstraßen den Kudamms.


    Wie sah das Haus denn unmittelbar vor der Entsuckung aus? Das mit Mosaiken verkleidete EG ist ja "alt", aber eindeutig nicht mehr identisch mit dem auf dem ersten Bild, sondern eher aus den 20ern oder so.

  • Nun, eine maßvolle Re-Stuckierung in Anlehnung an das Original sollte möglich und finanzierbar sein. Die dunklen Fassadenteile könnten dazu beispielsweise mit Klinkerriemchen nachgebildet werden. Das hätte bereits viel Effekt.