Berlin - vorher, nachher, heute

  • Ich finde in diesem Fall den Nachkriegsbau sogar am besten, eine beständige Architektur die sich gut einfügt und zwischen Tradition und Moderne vermittelt.

  • Schmidtstraße von der Wollankstraße (Berlin-Pankow) ca. 1920.


    Heute Kattegatstraße von der Wollankstraße (nunmehr Berlin-Wedding).

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Diese entstuckten Fassaden sind so hässlich, möglichst noch alternativ-geschmacklos bunt angestrichen und prollige Szeneläden im Erdgeschoss. Leider allgegenwärtig im heutigen Berlin. In Stuttgart, das wahrhaftig auch viel Anlass zu Kritik bietet, kenne ich keinen einzigen derart entstellten Altbau. Naja, in Sachen Graffitischmierereien holt man immerhin langsam zur Hauptstadt auf.

  • Definitiv gibt es das. Selbst in Mitte hat es noch bezaubernde Ecken, namentlich die Spandauer Vorstadt, die Gegend um das Märkische Ufer mit Wallstraße, Rungestraße, Neue Grünstraße usw. Ganz zu schweigen von all den erhaltenen wunderschönen Gründerzeit- bzw. Historismusquartieren wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg, Charlottenburg, Teile Moabits usw. Ich habe leider das Gefühl, dass Berlin hier im Forum zu häufig mit Mitte gleichgesetzt wird. Natürlich ist Mitte nahezu für jeden Touristen der Ort, der zuerst aufgesucht wird, da die europäische Stadt eben eine historisch gewachsene Stadt darstellt, die sich mehr oder weniger um ein altstädtisch geprägtes Zentrum entwickelte. Daher besuchen die allermeisten Touristen eben nur die Linden, Friedrichstraße, Alexanderplatz, fertig. Dieses Zentrum entfällt in Berlin allerdings großteils. Zumindest was urbane Dichte im Sinne mit historischen Gebäuden kleinteilig bebauter Parzellen angeht. Die Schönheiten Berlins sind außerhalb der Akzisemauer zu finden. Daher bitte auch einmal über Mitte hinausgehen und -sehen.

  • Wenn nur all diese entstuckten, ihrer Seele beraubten Häuser nicht wären. Weiß man in Berlin nicht was man da am Stadtbild wiedergutmachen könnte, wenn man diese ganzen Fassaden rekonstruieren würde?

  • Ich weiß nicht ob es noch heute so in Berlin ist, ich kannte in den 90iger Jahren einen Hausbesitzer (Gott hab ihn seelig) , jenen fragte ich mal "weshalb denn Häuser in der Bergmannstraße (Kreuzberg) einesteils wieder so schön hergerichtet wurden und andere dieses unscheinbare äußere Antliz zeigen" Er meinte dann zu mir "Wenn bei der Sanierung das Äußere noch original erhalten ist, stellen die Hausbesitzer es wieder her, wenn nicht, wird es eben nur übergestrichen - die Miete bleibt die gleiche"


    Hier hätte es Zuschüsse vom Land Berlin geben müssen um den Hausbesitzern einen Anreiz zu geben die Häuser wieder in ihrem Originalaussehen erstrahlen zu lassen.


    Die Mietpreisbremse (welche nie funktionierte) ermutigte auch nicht unbedingt Hausbesitzer ihrer Fassade wieder ein ansprechendes Äußeres zu geben.

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    Hier hätte es Zuschüsse vom Land Berlin geben müssen um den Hausbesitzern einen Anreiz zu geben die Häuser wieder in ihrem Originalaussehen erstrahlen zu lassen.

    Eben jenes Land Berlin (West) hat in den 50er und 60er Jahren den Hausbesitzern Prämien gezahlt, wenn sie den übrig gebliebenen Stuck an ihren Häusern haben abschlagen lassen. Glatt und modern lautete die Devise.

    Heutzutage bekommt man in der Regel bei einer Neubestuckung sehr selten die komplette Fassade im Originalzustand zurück, sondern ein paar Versatzstücke, die die glatten Wände ein bisschen verzieren sollen.

  • Friedrichshain, Straßmannstraße/Wilhelm-Stolze-Straße, 1920er Jahre


    2020:

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    (Immanuel Kant)