Köln - Innenstadt

  • Bild oben von mir.

    Ein recht ansehnliches Bürogebäude direkt am nördlichen Rheinufer (Konrad-Adenauer-Ufer/Worringer Straße) hat eine Fassadenrestaurierung "nach historischem Vorbild" bekommen. Der Unterschied ist gut am höheren Turm zu sehen. Das Foto zeigt den Gebäudekomplex, es geht um das Gebäude rechts. Den Vergleich gibt es hier: Quelle: AKNW

  • Neue Mitte Köln

    Bin mir nicht sicher, ob das Thema bereits erwähnt wurde. Über die Suchfunktion habe ich jedoch nichts gefunden.


    Die Architekten Paul Böhm und Paul Bauwens-Adenauer haben die Vision, den Hauptbahnhof weg vom Dom, auf die andere Rheinseite zu verlegen. Das bestehende Bahnhofsgebäude soll zu einem Regionalbahnhof verkleinert werden. Die dann nicht mehr gebrauchten Gleisanlagen könnten neu bebaut und zu Grünflächen umgewandelt werden. Die Hohenzollernbrücke wird in der Vision begrünt und zur Fußgängerbrücke


    https://www.24rhein.de/koeln/b…dt-deutsche-91528498.html


    Eine mögliche Realisierung dieser Idee soll, laut den Schätzungen von Paul Böhm, bis in das Jahr 2080 dauern. 58 Jahre halte ich allerdings für einen sehr ausgedehnten Zeitplan. In dieser Zeit könnte man eine ganze Stadt neu bauen.


    Was haltet ihr von diesen Visionen?

  • Es kann sein, dass der Beitrag nicht im Forum geteilt wurde. Auf Facebook ist vor einem Jahr auf jeden Fall folgender Kommentar auf der Seite des Ortsverbandes eingestellt worden:


    Gedanken zu den Vorschlägen eines "Star-Architekten":
    Der Kölner Architekt Paul Böhm hat mit einem Experten-Team einen Plan zur Umgestaltung von Kölns zentralster Eisenbahnstrecke vorgeschlagen. Der Hauptbahnhof soll ins Rechtsrheinische nach Kalk verlegt und die bisherige Bahnstrecke durch die nördliche Innenstadt samt Hohenzollernbrücke analog zur New Yorker High Line begrünt und für Fußgänger und Radfahrer nutzbar gemacht werden. Für die Realisierung der Pläne bringt er sogar einen Tunnel unter dem Rhein ins Spiel.

    https://www.express.de/.../hauptbahnhof-nach-kalk-mehr...

    Die Maßnahmen sollen unter anderem "das Herz der Stadt wiederbeleben und für die Menschen zurückgewinnen", und eine "Platz für eine neue lebendige Mitte schaffen".

    Um das Vorhaben zu realisieren, soll nun ein gemeinnütziger Verein gegründet werden, zudem wurde eine Petition an den Kölner Stadtentwicklungsausschuss gestartet: https://www.openpetition.de/.../fuer-ein-lebenswertes-und...

    Was ist von den Plänen zu halten? Zunächst einmal ist die Idee, das Köln einen großen städtebaulichen Wurf braucht, für den auch viel Geld in die Hand genommen werden muss (ungeklärt der Frage, wo dies nach den horrenden Ausgaben der vergangenen Jahre herkommen soll), richtig.

    Doch wofür sollte das Geld investiert werden? Das Nadelöhr Hohenzollernbrücke mag durchaus eine Herausforderung für die Deutsche Bahn und ihr Fernlinienkonzept sein, ein Problem für die Stadt Köln ist sie nicht. Die nördliche Innenstadt wird von der Bahnstrecke zwar zerschnitten, doch dank Hochtrasse entstehen dadurch keine verkehrlichen Probleme. Wenn es ein verkehrliches Problem in der Innenstadt gibt, dann ist es die Nord-Süd-Fahrt, welche die Innenstadt in zwei Hälften zerschneidet. Eine Neuordnung des Verkehrs sollte sich zuallererst mit diesem Problem beschäftigen.

    Will man das Herz der Stadt für die Menschen zurückgewinnen, dann sollte man an die architektonischen Konzepte heran. Anstatt ganze Häuserblocks an einen einzigen Investor zu verkaufen, der sie dann mit wenigen gigantischen Baukörpern bebaut, sollte es eine Rückkehr zur mittelalterlichen Parzellenstruktur geben mit vielen schmalen Häusern mit individueller Gestaltung (in den äußeren Bereichen der Innenstadt wie zum Beispiel dem Severinsviertel liegt diese Parzellenstruktur übrigens immer noch vor). Dazu sollte die in weiten Teilen ästhetisch völlig belanglose Innenstadt mit Rekonstruktionen von Leitbauten aufgewertet werden. Zentrale Plätze wie der Alter Markt oder der nördliche Heumarkt könnten durch eine großflächige Rekonstruktion des Vorkriegszustandes wieder zu echten Hinguckern werden.
    Am Dom müssten die Umbauten aus der Nachkriegszeit revidiert werden: Die Domplatte hat mehr Probleme geschaffen als gelöst, das Römisch-Germanische Museum und das Museum Ludwig sollten Neubauten weichen, die architektonisch mit dem Dom harmonieren. Statt den Bahnhof zu verlegen, könnte man die alte Eingangshalle samt Turm wiederaufbauen und hätte einen der schönsten Bahnhöfe Deutschlands wieder.
    Gebäude wie das Gericht am Appellhofplatz und viele Wohngebäude in den äußeren Bereichen der Innenstadt könnten durch die Zurückversetzung in ihren Originalzustand durch Wiederbestuckung relativ kostengünstig die Stadt deutlich aufwerten.
    Auch die Umgebungsbebauung der meisten romanischen Kirchen lässt stark zu wünschen übrig: Genau wie beim Dom müsste Köln hier die Präsentation seiner weltweit einmaligen Architekturperlen grundlegend neu gestalten.

    Andere Städte in Deutschland zeigen, wieviel Erfolg man mit der Rückbesinnung auf das im Krieg zerstörte historische Erbe haben kann. Es braucht keine "visionären Konzepte" von begrünten Eisenbahnbrücken und Tunneln unter dem Rhein, die Milliarden verschlingen und nichts an der architektonischen Belanglosigkeit weiter Teile der Innenstadt ändern. So wundert es auch nicht, dass die Petition nach 3 Wochen gerade einmal 250 Unterstützer gefunden hat.

    Der große Wurf, die Kölner Stadtmitte neu zu denken? Ja bitte! Aber es braucht Konzepte, die machbar sind und die nachweislich Erfolg haben würden. Wenn derartige Vorschläge nicht von sogenannten Star-Architekten kommen, müssen sich vielleicht die Kölner Bürger stärker in die Debatte einbringen.

  • Was haltet ihr von diesen Visionen?

    Nichts.


    Das ist eine Wiederholung der Fehler wie etwa Kassel-Wilhelmshöhe oder Limburg. Ein reiner Umstiegs- und P+R-Bahnhof im Nirgendwo. Menschen, die sowas vorschlagen, haben in der Regel nicht verstanden, was Menschen, die Bahn fahren, wichtig ist.


    Ja, ein Großteil des Fernverkehrs wird in Deutz abgefertigt, aber Deutz ist fußläufig von der Altstadt entfernt und über die Bahn und die Straßenbahn gleichermaßen mit dem nördlichen und dem mittleren/südlichen Teil der Altstadt verbunden.

  • Köln nach dem Krieg in Farbe

    Aus aktuellem Anlass, bezugnehmend auf den Krieg in der Ukraine, hat der Kölner Filmemacher Hermann Rheindorf einen Dokumentarfilm erstellt, der nachkolorierte Szenen aus der Zeit des Wiederaufbaus zeigt.


    Vorgestellt wird dieser Film ab dem 01. Juni 2022 im Freiluftkino im Rheinauhafen. Der Eintrittspreis beträgt 15,00 Euro.


    https://www.express.de/koeln/k…eg-97226?cb=1653293361670

  • Ein recht ansehnliches Bürogebäude direkt am nördlichen Rheinufer (Konrad-Adenauer-Ufer/Worringer Straße) hat eine Fassadenrestaurierung "nach historischem Vorbild" bekommen. Der Unterschied ist gut am höheren Turm zu sehen. Das Foto zeigt den Gebäudekomplex, es geht um das Gebäude rechts.

    Vielen Dank für den Hinweis! Ich hatte zwar gesehen, dass das Gebäude saniert wird, aber mit dieser positiven Überraschung hatte ich nicht gerechnet.

    Der Ortsverband hat dazu folgenden Beitrag auf seiner Facebookseite veröffentlicht:


    Das ist ein kleiner Reko-Hammer in Köln!


    Zugegeben, auf dieser Seite wird das Kölner Baugeschehen sonst viel kritisiert. Diesmal findet eine Baumaßnahme dagegen unsere ausdrückliche Zustimmung und wir plädieren für zahlreiche Nachahmung!


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    So sah das Gebäude vor der Sanierung im Sommer 2020 aus.


    In der Neustadt Nord wurde an der Ecke vom Konrad-Adenauer-Ufer/Worringer Straße in den letzten Monaten ein Gebäude aus der Gründerzeit saniert, dessen Neorenaissance-Verzierungen aus Sandstein in der Nachkriegszeit entfernt worden waren. Bei dieser Sanierung wurden die Schmuckelemente originalgetreu wiederhergestellt.


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    Zustand im Mai 2022: Der Originalzustand ist wiederhergestellt.


    Das Gebäude erstrahlt so wieder in seinem ursprünglichen Glanz und fügt sich wieder harmonisch in das Ensemble mit seinen unmittelbaren Nachbarn ein.


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    Ein wiederhergestellter Balkon mit aufwändigen Sandstein-Verzierungen.


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    Eine wiederhergestellte Ädikula mit Tympanon als Fensterumrandung.


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    Der Kopf hatte die Zerstörung des Fassadenschmucks in der Nachkriegszeit überlebt, jetzt ist das Portal wieder harmonisch in die Fassade eingegliedert.


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    Das Gebäude von der Worringer Straße aus gesehen.


    So geht echte Stadtverschönerung! Im Kölner Stadtgebiet, gerade in der Neustadt, finden sich viele Gebäude, die auf diese Weise mit vergleichsweise wenig Aufwand wieder zu echten Hinguckern werden könnten. Möge dieses Beispiel den Eigentümern einen Anstoß geben, auch ihre Fassaden bei der nächsten Sanierung wieder in den Ursprungszustand zu versetzen.

  • Sehr schönes Beispiel für eine Wiederherstellung! Ich hoffe bei so etwas immer auf einen "Domino-Effekt", also Nachahmer in der Nachbarschaft, die an solchen Beispielen sehen, was man aus diesen Häusern alles noch machen kann. Diese Effekte hatte es umgekehrt leider auch bei den Verunstaltungs-/Entstuckungswellen gegeben, die sich durch unsere Städte gezogen haben, umso schöner ist die umgekehrte Richtung. Auch die Städte müssten hier aus meiner Sicht mehr machen, informieren, vielleicht Zuschüsse geben (muss gar nicht viel sein, schon 5.000 Euro oder so können Ansporn sein, statt einfach nur zu streichen auch Fassadenelemente wiederherzustellen).


    So könnte man gerade in Westdeutschland und in Berlin extrem viele Gegenden noch deutlich aufwerten.

  • Schöne Sache! Bauzeitlich sah das Haus aber mal so aus, also bestehen für die Zukunft noch kleinere Optionen.


    Villa am Kaiser-Friedrich-Ufer in Köln, Architekt Jean Pütz Schmitz.

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    Bild: Architekturmuseum der TU Berlin, gemeinfrei

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ziemlich gute Nachricht vom Kölner Heumarkt: Dort soll ein schnöder Bürokomplex aus den Nachkriegsjahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Hoffen wir auf einen etwas wertigeren Nachfolger.



    Pressemitteilung




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    [/url][url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Signal-Iduna-Haus,_Heumarkt,_G%C3%BCrzenichstra%C3%9Fe,_K%C3%B6ln-1474.jpg]Signal-Iduna-Haus, Heumarkt, Gürzenichstraße, Köln-1474[/url]© Raimond Spekking

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Diesen Bürokomplex aus den Nachkriegsjahren find ich jetzt gar nicht mal so schlecht. Der Wechsel aus Ziegelmauerwerk, Fensterverglasung mit dunkler Rahmung und Fassadenrasterung gefällt mir sogar einigermaßen.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Mir nicht. Es ist die typische Nachkriegsbanalität, die leider noch immer unsere westdeutschen Städte prägt. Ich bin froh, dass sowas nicht unter Denkmalschutz gestellt wird, sondern verschwindet.

    In dubio pro reko

  • In Köln wurde ein zwölfköpfiges Gremium geschaffen, welches das koloniale Erbe der Stadt aufarbeiten soll. Es berät direkt den Kulturausschuss des Stadtrates.

    Die erste Forderung aus diesem Gremium: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Hohenzollernbrücke soll abgerissen werden.

    Außerdem geht es um Straßenumbenennungen und das "Aufarbeiten von kolonialen Strukturen in der Stadt", wie zum Beispiel dass man auf die Tatsache hinweisen will, dass die Schokoladenfabriken ja Produkte aus den Kolonien verarbeitet haben.


    Link (hinter Bezahlschranke): https://www.ksta.de/koeln/kais…AikUqJUk7iCUVJoVEOamoNUew


    Tja, was soll man dazu sagen? Während die Stadt sich einen Sch*** um ihre Stadtgeschichte kümmert und ehrenamtlich Tätige in dem Bereich vor den Kopf gestoßen werden, im rheinischen Bildarchiv (dem Kulturdezernat unterstellt) tausende Bilder vom historischen Köln ungeordnet und erbärmlich präsentiert verrotten (derweil kümmert man sich um Ausstellungen wie "Chargesheimer fotografiert Jazz"), schafft man ein vielköpfiges Gremium, welches Schuld, Schuld und nochmals Schuld über das historische Köln ausschütten soll.


    Es erübrigt sich eigentlich jeglicher Kommentar - hier setzt sich nahtlos fort, was wir in Berlin mit dem Humboldtforum erleben, ja wie Diskussionen über unsere Kultur mittlerweile vielfach ablaufen.


    Ich frage mich wirklich, wie viele Jahre wir diesen erbärmlichen Unfug jetzt eigentlich ertragen müssen und ob das jemals wieder aufhört.

  • ob das jemals wieder aufhört

    Alles hört auf.

    Und eines ist sicher: Sollte es einmal zu einer Renaissance der Kultur kommen, werden die Gedanken dieser Leute weggefegt werden. Und sie werden kein ehrendes Angedenken erhalten.

  • Ich frage mich wirklich, wie viele Jahre wir diesen erbärmlichen Unfug jetzt eigentlich ertragen müssen und ob das jemals wieder aufhört.

    Dieser Selbsthass und diese ausufernde Dekadenz ist mittlerweile typisch für den gesamten Westen, besonders ausgeprägt ist das alles aber in Deutschland. Leider. Die sich verschärfende ideologische Auseinandersetzung mit den kriegerischen Diktaturen Russland und China kann so jedenfalls nicht gewonnen werden. Wer seine Kultur nicht achtet und seine Freiheit nicht wirklich versteht und wertschätzt hat gegen autoritäre Systeme keine Chance... Der Untergang Westroms war auch eine schleichender Prozess...

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Diese Politik wurde von den Kölnern gewählt, nicht vergessen. Dasselbe in Berlin und anderen Großstädten. Linksgrün dominiert, Konservative sind schon lange eine Minderheit. Das urbane Publikum soll dementsprechend mit dem Ergebnis leben und sich bloß nicht beklagen.


    Heimdall, zu einer Renaissance der Kultur kommt es auch nur, wenn man sich dieser bewusst bleibt. Daran scheitert es ja bei uns schon.

  • In Köln wurde ein zwölfköpfiges Gremium geschaffen, welches das koloniale Erbe der Stadt aufarbeiten soll. Es berät direkt den Kulturausschuss des Stadtrates.

    Danke für den Hinweis. Dann schauen wir uns mal an, wie sich dieses "Gremium" zusammensetzt und welche "Vertreter von Kunst, Kultur und auch Denkmalschutz" vertreten sein mögen:

    "Gremium Koloniales Erbe der Stadt Köln", Quelle: https://www.stadt-koeln.de/

    Liest sich, als würden Gruppen von "Influencern" aus diversen "Zeitgeistminderheiten" über die Historie und Gestaltung einer Millionenstadt entscheiden wollen. Gestützt von einer (meiner Meinung nach überforderten) OB, die alles durchwinkt, was mit entsprechendem Druck von dort ausgeübt wird. Vielleicht kann an dieser Stelle weiter berichtet werden, wie das Thema (z.B. in Leserbriefen) diskutiert wird. Ich lese die Lokalzeitungen mangels genau dieser fehlenden Kritikfähigkeit nicht mehr.

    Ansonsten sollten rechtzeitig Institutionen (Denkmalschutz, Rheinischer Verein für Denkmalpflege) einbezogen werden, die keine offensichtlich ergebnisgeschlossene Meinung haben und das Maximum ihrer Forderungen herausholen wollen. Gegebenenfalls kann sich die Ortsgruppe ja mal zu dem Thema treffen, bevor die ersten Ornamente aus dubiosen gründen abgekratzt werden etc.