Köln - Innenstadt

  • Zumal München vom Zerstörungsgrad her überhaupt nicht mit dem Kölns zu vergleichen ist, auch der von Dresden nicht, da sollte man sich in einem Forum wie diesem doch nicht an der Legendenbildung noch beteiligen.

    Was soll das jetzt schon wieder?


    Nochmal ein Verweis auf einen bereits weiter oben geposteten Auszug von Planet Wissen, immerhin einem "Gemeinschaftsprojekt des Westdeutschen Rundfunks (WDR), des Südwestrundfunks (SWR) und von ARD-alpha.":

    Als die Amerikaner am 30. April 1945 in München einzogen, fanden sie eine Stadt vor, die zur Hälfte dem Erdboden gleichgemacht war. Die historische Altstadt war sogar zu 90 Prozent zerstört.


    Die Beiträge von ein paar Foristen hier lassen mich tatsächlich einigermaßen perplex zurück.


    Köln ist definitiv eine attraktive Großstadt geblieben, trotz der tlw. gruseligen Architektur, sehr lebendig und vital. Ich war jedenfalls positiv überrascht vom Flair, das definitiv etwas ganz Besonderes ist.


    Selbtsverständlich gibt es viele Gründe die Köln für verschiedene Menschen als eine sehr attraktive, da pulsierende, bunte und weltoffene Großstadt erscheinen lassen. Das habe ich nie in Zweifel gezogen.


    Moderationshinweis: Unsachliche Unterstellungen entfernt. Bitte zukünftig unterlassen Danke.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Begriffsklauberei: Was heißt "historische Altstadt"?


    https://www.bavariathek.bayern…au/orte/detail/muenchen/2


    Hier heißt es, 60% der Münchener Altstadt seien zerstört worden. Die Frage ist hier wiederum: Was heißt "zerstört"? Beschädigt oder Totalverlust?


    Auf Bildern sieht München bei Weitem nicht so verwüstet aus wie Köln. Wie schon gesagt: Historisches Erbe hin oder her, wo großflächig Wüste bestand, wurde in den seltensten Fällen auch wieder großflächig rekonstruiert.


    Ich halte München für ein Beispiel eines insgesamt gelungenen Wiederaufbaus, es aber auch für übertrieben, Köln dermaßen zu verdammen. Das liegt vielleicht auch daran, daß ich eine Stadt als Ganzes im Blick habe und nicht alles nach 1945 nur verurteile.

  • Köln ist definitiv eine attraktive Großstadt geblieben, trotz der tlw. gruseligen Architektur, sehr lebendig und vital. Ich war jedenfalls positiv überrascht vom Flair, das definitiv etwas ganz Besonderes ist.

    Alles gut und richtig und schön.


    Nur - liebe Köln-Fans - dies ist nun mal kein Forum für die lebendigsten, vitalsten, weltoffensten, urbansten, sexiesten usw. Städte.


    Hier geht es um (klassische) Architektur. Und da ist Köln nun mal ... ach, Ihr wisst es ja selbst.

  • Alles wiederum richtig. Aber die konkrete Frage war, ob Köln sehenswert sei. Und nicht, ob das Stadtbild hübsch und gefällig ist.

  • Alles wiederum richtig. Aber die konkrete Frage war, ob Köln sehenswert sei.

    Sorry, auf diese Frage hast Du es erst verengt. Der Thread ist "Köln - Innenstadt".


    Im Übrigen ist die Sehenswürdigkeit Kölns nicht diskutabel, da sie außer Frage steht. Darüber zu reden macht nun wirklich keine Sinn.

  • Das mag sein, aber 50% sind deutlich weniger als 75%. 😉

  • Ein bloßer 50% Zerstörungsgrad ist doch absurd für die Münchner Innenstadt, von der demnach die Hälfte noch stehengeblieben sein müsste. Diese Zahlen messen sich idR nach zerstörtem Wohnraum, und da kommen 90% schon eher hin. Es stimmt, dass München 1945 nicht dermaßen UNKENNTLICH vernichtet war wie Kölner oder DDner Straßenzüge. aber das ändert auch nichts, dass in vielen Fällen der Abriss einfach die naheliegendste und wirtschaftlich vernünftige Option war.

    Der Kölner Wiederaufbau war wohl insgesamt von der Problematik gezeichnet, dass die gründerzeitliche Überformung und dadurch eingetretene Marginalisierung der Altstadt noch weiter als im über einige Strecken doch noch barock gebliebenen München fortgeschritten war und sich die Rekofrage in vielen Fällen erübrigte. Der Historismus war damals wenig geschätzt und dazu extrem aufwendig. Das schuf eine extrem ungünstige Ausgangsposition für ein ästhetisches Stadtbild, wobei ich für die unbekümmerte, unerschrockene Art, mit der die Kölner eine neue Stadt aus dem Boden stampften, zumeist unter naiver Beibehaltung des alten Straßennetzes, sogar eine gewisse Sympathie habe. In Köln habe ich nicht so den Eindruck, dass man wahnsinnig mehr hätte machen können, überhaupt unter den damals herrschenden Bedingungen. In München hingegen ist doch einiges verabsäumt worden. Anders als DD hatten beide Städte nicht das Glück der extrem späten Stunde des Wiederaufbaus eines zentralen Altstadtareals.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Insofern war Dresden gar nicht mit Köln vergleichbar. Was in Dresden tragischerweise endgültig verloren ging, und mit Köln doch vergleichbar ist, war die totalzerstörte innenstädtische gründerzeitliche Bebauung rings um die barocke Altstadt. Hier kann man tatsächlich zwei unterschiedliche Wiederaufbauphilosophien vergleichen: (1) In Dresden, totaler Abriss und darauffolgende Reißbrettplanung; (2) in Köln, Ersetzung der alten Gebäuden mit nüchternen und gesichtslosen Neubauten. Alle beide Versuche sind m. E. mißlungen, aber der Kölner Weg scheint mir der urbanere, großstadtgerechtere zu sein.

    Bostonian: Sie haben als Einziger meine tiefsten Problem mit Deutsche Grosstädte verwortet: die kaputte Gründerzeitring um die Innenstädte. Nach dem Krieg waren die Ringen "nur" um 20-25% zerstört (Die Neustadt Grinerzeit Ring in Köln war nur 20% zerbombt) und Innenstädte 33% (Leipzig) bis 90% (Köln). Leider wurden die Bauten in den Ringen nach dem Krieg schwerstens vereinfacht, abgerissen und leider kaum repariert. Besonders die Dächer hatten unter den Bombenkrieg gelitten und Dächer machen doch die meisten Eindruck wenn man nach Gebäuden schaut und sie schätzt. Wenn das Alles nur nach dem Krieg anerkannt wäre und alles auf Reparatur eingesetzt wäre, dann wären Deutsche Städte heute sehr lebhaft, urban und ansehlich gewesen. Ich habe hier Bücher voll mit Ruinenfelden in Dresden, Frankfurt und Berlin wo fast alle Gebäuden noch einigermassen standen und bestimmt aufbaufähig waren. Wir habben schon viel diskutiert über Aufnahmen von scheinbar wiederafbaufähige oder sogar bewohnbare Bauten in der Leipziger und Friedrichstrasse in 1945, doch am inneren ausgebrannt waren.....und wiederaufbau im alten Stil schwieriger war dann sie abzureissen und billig und funktionel neu zu bauen.
    Das Agnes Viertel in Köln, Offenbach neben Frankfurt, Prenzlauerberg und Bergmann Viertel in Kreuzberg sind allen sehr urbane, beliebte Viertel und Beweis dafür dass alles in Deutschland doch viel besser gestalltet hätte können.....Aber im Praxis wird auch heute kein grossflächige Stadtreperatur betrieben. Die "unfähige" Stadtplaner und Behörden in Dresden denken nicht daran die Gründerzeit Ringe wieder zu gestallten wie sie einst waren. Sah gerade Bilder von Ferdinandplatz und des sind wieder moderne Beton oder Glaskisten, die wir in D. allen so gut kennen nach 1945.

    Fehler in der Vergangenheit aber werden nicht heute ohne viel Anstrengungen korrigiert. 90% der Fehler werden wir noch für lange Zeit ertragen müssen so lange die Städten nicht massiv auf Rekonstruktion zielen.

  • Es wird schon einen Grund haben, warum Köln und Frankfurt nach dem 2. Weltkrieg als einzige größte Städte (>500.000) in ihrem jeweiligen Bundesland nicht als Hauptstädte ausgesucht wurden!


  • Im verlinkten Nationalatlas werden Nürnberg und Dresden mit Köln in eine Reihe gestellt ("nahezu vollständig zerstörte Innenstädte")


    Sowohl Frankfurt als auch München sind hier in diesem Zusammenhang nicht aufgeführt.


    Besonders starke Zerstörungen verzeichneten die Innenstädte, die seit 1942 ganz entscheidende Angriffsziele darstellten. Von den Großstädten waren 30 Innenstädte zu über 70% zerstört, in Dresden, Köln, Essen, Dortmund, Hannover, Nürnberg, Chemnitz, Hagen, Münster, Solingen, Darmstadt und Bremerhaven nahezu vollständig.


    Ebenso erging es den damaligen Mittelstädten Heilbronn, Pforzheim, Hanau, Gießen, Hildesheim, Paderborn, Rathenow, Emden, Neubrandenburg, Offenbach, Nordhausen, Ulm, Koblenz und Halberstadt.


    Sei´s drum, die Diskussion ist eh ausgefranst. Da zudem mein letzter Beitrag von der Moderation gekürzt und der Argumente genug ausgetauscht wurden, sehe ich nun wenig Sinn darin diese Diskussion fortzuführen.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Letztlich ist es lächerlich, zwischen Ruinenlandschaften groß zu differenzieren. Die obige Aufstellung ist überdies hinsichtlich Ulm wohl zu pessimistisch, aber die mögliche unterschiedliche Sichtweise wurde schon in Ulmsträngen erörtert.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • In dem verlinkten 'Nationalatlas' gibt es (auf der zweiten Seite) eine Deutschlandkarte, auf der die Größe der Stadt (gemessen an der Einwohnerzahl 1939), der Zerstörungsgrad (gemessen an den totalzerstörten Wohnungen) und ab 100.000 Einwohnern auch der Zerstörungsgrad der Innenstadt graphisch dargestellt wird. Eine Tabelle mit Zahlen wäre mir zwar lieber, aber immerhin kann man dort auch vergleichen - zum Beispiel Köln, Frankfurt, Dresden und München. Was stellt man dabei fest? Dass Münchens Innenstadt nur zu 50 bis 60 Prozent, die anderen drei Innenstädte hingegen zu über 80 Prozent zerstört waren. Dagegen wurde die Hamburger Innenstadt ausweislich dieser Karte nur zu 40-50, das gesamte Stadtgebiet hingegen zu 50-60 Prozent zerstört.

  • "Zerstörungsgrad" ist sowieso ein komplizierter Begriff, aber nicht ohne Bedeutung wenn man realistisch über Wiederaufbau redet, und verschiedene Städte vergleichen will. Sogar wissenschaftliche Bücher die das Thema behandeln, wie beispielsweise das vierbändige Kriegsschicksale Deutscher Architektur, sind nicht konsequent. Was Ursus beispielsweise von Ulm sagt (75% kann gefühlsmässig nicht stimmen), betrifft u.a. auch Soest (62% ist doch unmöglich!). Um genaue Vergleiche zu haben, müsste man eher wissen, welche Prozente der Hausfassaden in jeder Altstadt wiederaufbaufähig waren. Aber der Begriff "wiederaufbaufähig" ist selbst unklar, und sehr unterschiedlich von Stadt zu Stadt gewesen. Waren Gebäude wie das Salzhaus oder das Essighaus "total" zerstört obwohl die Erdgeschosse erhalten waren?


    Zum Beispiel, in München hat man das Gefühl daß viele Häuser, wenn auch vereinfacht,wiederaufgebaut wurden die in anderen Städten abgerissen wären. So kann man erklären, daß die großen Prunkstrassen (Prinzregenten, Leopold-Ludwig), der Viktualienmarkt, und sogar, auf einer Strassenseite oder der anderen, die Hälfte der Fassaden in der Kaufingerstrasse noch stehen. Wäre so etwas auch in Köln möglich gewesen bei höherer Wertschätzung von der gründerzeitlichen Architektur?


    Wichtig ist auch die Bauart der jeweiligen Altstadt. Fassaden die mit Stein gemauert waren konnten eventuell gerettet werden, wie in München. Von Fachwerkstädten aber, wie Frankfurt und Kassel, war gar nichts übrig, von Hildesheim nur ein einziges (allerdings schönes) Viertel am Rande. In Frankfurt stand nur ein einziges Fachwerkhaus. Die Fachwerkstädten waren besonders hart betroffen. Die hohe Anzahl der erhaltenen Fachwerkhäuser in Ulm ist bemerkenswert, und beweist daß wesentlich mehr als 25% der Häuser noch standen.


    Die Art und Lage der überlebenden Häuser ist auch wichtig. Man liest z. B. von 85% Zerstörung in Mainz und Koblenz: aber die ganze zusammenhängende südliche Altstadt von Mainz, und sogar das gesamte mittelalterliche Zentrum von Koblenz sind noch erlebbar und könnten für sich als schöne Altstädte gelten. Das liegt auch an der Tatsache daß sich die erhaltene Substanz direkt neben dem Dom, bzw. wichtigen Kirchen befindet. Dadurch entsteht eine Ensemblewirkung.


    Das einzige teilweise erhaltene Ensemble in Köln ist leider nicht unmittelbar neben dem Dom. Es ist außerdem sehr klein im Vergleich zum riesigen Ausmaß der Kölner Altstadt, und hat auch deswegen nicht dieselbe Wirkung wie die Viertel in Mainz und Koblenz.

  • Interessant ist auch, dass in Köln die wunderbare Kirche "Groß St. Martin" als "mittelschwer beschädigt" galt.

    Ich bin zwar Laie, weiß jetzt nicht ganz genau, welche Maßstäbe galten, aber hier mal ein Foto.


    Groß St. Martin, Brigittengäßchen, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1945)


    Groß St. Martin, Frankenwerft, 50667 Köln - Altstadt-Nord (2009)

  • Ist offenbar mit der Frauenkirche in Dresden zu vergleichen. Schön, dass beide ohne moderne Kontraste wiederaufgebaut wurden.

  • Die Synagoge in der Kölner Innenstadt soll umgestaltet werden, hierzu werden seitens des Bundes 42 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der entsprechende Artikel des Kölner Stadtanzeigers ist leider hinter einer Bezahlschranke. Ein Absatz im Wikipedia-Artikel zur Synagoge, welcher sich auf den KStA-Artikel bezieht, lässt aber auf Großes hoffen:

    Für eine aufwändige Umgestaltung der Synagoge im Sinne der Denkmalpflege stellte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags im Oktober 2020 auf Antrag der SPD und CDU einstimmig einen Betrag von 42 Millionen Euro zur Verfügung. So sollen etwa Dach und Kuppel, ein Mosaik im Innenraum sowie Fenster in „ursprüngliche[r] Pracht mit modernen Materialien“ wiederhergestellt werden.

    Eine aktuelle Ansicht der prächtigen Synagoge ist im Wikipedia-Artikel zu sehen. Der Ursprungszustand ist auf der Website der Museen Köln (s. hier) abgebildet. Im Forum Skyscrapercity wurde bereits detaillierter auf das Thema eingegangen: Link

  • Neues von der Oper: Wie heute bekannt gegeben wurde, wird die Sanierung noch einmal 63 - 70 Mio. € teurer und die geplante Eröffnung um ein weiteres Quartal auf 2024 verschoben.


    https://www.rundschau-online.d…1-millionen-mehr-37978920


    Zählt man alle Kosten zusammen (für Kreditfinanzierung und die Interimsstandorte), kommt man mittlerweile auf eine Milliarde Euro Gesamtkosten. Ohne Worte. Was man davon alles tolles hätte bauen können...


    :kopfwand:

  • Vielleicht hätte man es einfach so wie im übrigen Europa machen sollen: Einfach das historische Opernhaus nutzen, statt ein sanierungunfähiges Betonmonster zu bauen. Im vom Krieg pulverisierten Köln hatte man nichts besseres zu tun, als das nur leicht beschädigte alte Opernhaus 1958 abzureißen und die triste moderne Oper zu bauen: https://www.ksta.de/koeln/der-…22702118?cb=1611684877976

  • (...) ...mittlerweile auf eine Milliarde Euro Gesamtkosten. (...)

    Und das dafür: https://upload.wikimedia.org/w…C3%B6ln_%284202-04%29.jpg


    Es ist wohl jedem klar, daß man für eine Milliarde auch das hier hätte bekommen können: https://i.pinimg.com/originals…89c1cfb068e682d144c62.jpg


    Ich befürchte, daß es in Frankfurt ähnlich laufen wird. Da wird am Ende sehr viel Geld für Schrott ausgegeben.