Köln - Innenstadt

  • Danke für die Info.
    Das Bild des Buttermarkt erinnert mich an FFM.


    @Booni Ich denke es kommt auf die Region ein wenig an.


    Die wenigsten Städte für mich in NRW sind so "urig" wie einst FFM,Braunschweig,Nürnberg,Kassel oder Hildesheim.

  • Ein Verein möchte in Köln die noch verbliebenen Teile der römischen Stadtmauer restaurieren lassen. Fördermittel sind bereits von Bund und Land in Aussicht gestellt worden.


    Interessant finde ich in dem Zusammenhang folgende Aussage:


    (...) Sorge bereitet den Statikern eine Stelle, an der ein römischer Wachturm stand. Dort ist die Mauer dünner. Also soll der Turm rekonstruiert werden, so der Vorschlag der Denkmalschützer. (...)


    Der Denkmalschutz schlägt eine Rekonstruktion vor? Das ist ja mal eine Seltenheit.

  • Wobei bei mir da eher die Alarmglocken läuten. Der Denkmalschutz in Köln besteht wohl ganz strikt darauf, dass Reparaturen historischer Gebäude ganz deutlich als Baumaßnahmen der heutigen Zeit sichtbar sind, dass man eben nicht denkt "das hat schon immer so ausgesehen und war nie kaputt gewesen".


    Von daher befürchte ich da irgendeine Form von "Erinnerungsarchitektur", ein "Zitat der architektonischen Vergangenheit", irgendwas mit "Bruch".


    Also mit anderen Worten, einen Betonturm, bei Architekturwettbewerb dann garniert mit irgendwelchen reingestanzten Löchern und Schlitzen.


    Ich muss auch sagen, dass ich mir bei Rekonstruktionen antiker Gebäude schwer tue, weil es einfach zu wenig Anhaltspunkte gibt, wie sie konkret ausgesehen haben könnten. Es sollte doch mindestens ein Gemälde geben, um ein vernünftiges, authentisches Gebäude hinzubekommen.
    Aber gut, wenn es aus statischen Gründen notwendig ist, lieber ein passendes Fantasiegebäude als einen Beton-Fremdkörper.

  • Weiß jemand, ob das Delfter Haus an der Promenade eine Rekonstruktion ist? Kann kaum glauben, dass es fast 300 Luftangriffe überstanden hat. Hat jemand Vorkriegsbilder?

  • Das schöne Gebäude links daneben scheint auch gut durchgekommen zu sein und am Fischmarkt sind die linken beiden Gebäude gut erkennbar. Ein geschultes Auge erkennt auch heute, dass die anderen bunten Häuschen am Fischmarkt rechts daneben Nachkriegsbauten sind, da bei den Fenstern und der Anordnung eine gewisse Strenge herrscht.

  • Wobei mich die Vorkriegsbilder auch nicht wirklich aus den Socken hauen, da hatte Düsseldorf am Marktplatz ganz anderes zu bieten. Weiß jemand, warum die Kölner Altstadt keine Giebelgebäude à la Düsseldorf, Danzig oder Rostock zu bieten hatte? Immerhin war Köln Freie Reichsstadt.

  • Man darf sicher nicht vergessen, dass trotz vermeintlicher Nähe von Düsseldorf und Köln, damals Welten dazwischen lagen mit etlichen Kleinstfürstentümern dazwischen, ihren Zollschranken, unterschiedlichen Maßeinheiten, unterschiedlichen Herrschern, Geschmäckern, "Bauordnungen" (haha) und und und. Gerade in dieser Ecke. Rostock und Danzig lagen lange Zeit gar auf der anderen Seite des Limes... Sowas prägt doch. :lachentuerkis:


    Auf diesem Stadtpanorama von 1531 sieht man viele Häuser mit Giebel, sogar ähnlich dem Delfter Haus, allerdings auch viele Häuser aus Fachwerk. Die mag es auch ohne Stadtbrand irgendwann dahingerafft haben, zu einem Zeitpunkt als Hansegiebel nicht mehr In waren oder als ein wirtschaftlicher Aufschwung im 17./18. Jh. für einen anderen Boom sorgte.

  • Beeindruckend finde ich, dass nach den Jahrhunderten und zwei Weltkriegen das Panorama immer noch von denselbem Dreiklang aus Dom, Rathausturm und Groß St. Martin geprägt ist, auch wenn ich sich teilweise um Rekonstruktionen handelt. Das finde ich sehr ehrfurchtgebietend.

  • Centralbahnhof

    Changed the title of the thread from “Köln” to “Köln - Innenstadt”.
  • Zum Delfter Haus wurde zwar schon einiges geschrieben, ich möchte aber ein wenig ergänzen. Zunächst noch einmal ein paar schöne Bilder von heute.


    Die eigentliche Vorderseite des Hauses am Buttermarkt:


    IMG_6888


    IMG_6889


    Detail an der Fassade:


    IMG_6892


    Und der kunstvolle Kran am Giebel:


    IMG_6890


    Die Rückseite zum Rhein hin:


    IMG_6896


    Vor der "Altstadtsanierung" in den 30ern sah das Haus auf der Rückseite so aus (das zweite von rechts):


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_frankenwerft_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_historisch_8cd0311955_600x450xfr.jpeg


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_frankenwerft_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_historisch_2405136570_600x450xfr.jpeg


    Die Dachpartie:


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    Ein Beitrag in der verlinkten Diskussion legt nahe, dass mit dem Aufsetzen der Zinnen in den dreißigern sozusagen ein Ursprungszustand aus dem Mittelalter wieder hergestellt wurde. Ich habe da ehrlich gesagt Zweifel, denn vor dem Haus muss die Stadtmauer verlaufen sein. Dass das Haus auf der Stadtmauer gebaut wurde und die Zinnen sozusagen Teil derselben waren, halte ich wegen der Nachbargebäude für nahezu ausgeschlossen.


    Hier sieht man bei den Abbrucharbeiten der Stadtmauer Ende des 19. Jahrhunderts, dass diese damals vor dem angesprochenen Gebäude verlief, die beiden Häuser, die vorne noch nicht abgebrochen waren, müssen irgendwie Teil der Stadtmauer gewesen sein:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_frankenwerft_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_historisch_2127136578_600x450xcr.jpeg


    Hier noch ein Bild der noch intakten Befestigung vom anderen Rheinufer aus:


    k%C3%B6ln_deutz_schiffbr%C3%BCcke_und_gro%C3%9F_st_martin_hafenanlagen_historisch_31a0408548_600x450xfr.jpeg


    Eine repräsentative Gestaltung hat damals also überhaupt keinen Sinn ergeben, weil direkt hinter dem Haus die Stadtmauer verlief, was auch die eher Hinterhof-artige Gestaltung der gesamten Straße erklärt.

    Heute ist das natürlich undenkbar, weil die Häuserzeile an der Frankenwerft eine der Vorzeige-Seiten von Köln ist.


    Eine derartige Gestaltung mit Zinnen ist mir allerdings auch nur von einem einzigen anderen Haus in Köln bekannt, das stammte aus der Zeit der Renaissance und stand am Heumarkt:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_westseite_des_heumarkt_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_denkmalschutz_797a289763_600x450xfr.jpeg

  • Ich möchte noch etwas zu den Giebelhäusern sagen: Nachdem ich mir einige Bilder von Düsseldorf, Rostock und Danzig gesichtet habe (ich kenne mich in keiner der drei Städte besonders gut aus), habe ich die Vermutung, dass es sich bei den dortigen Giebelhäusern häufig um Kreationen und Umbauten aus dem Barock handelt. (Experten mögen mich hier im Zweifel bitte korrigieren.)

    Kölns Stern war zur Zeit des Barock aber ziemlich untergegangen, es fanden sich demzufolge nur wenige Zeugnisse dieser Zeit in der Stadt. Die unrühmliche Krönung dieses wirtschaftlichen und bedeutungstechnischen Niedergangs war dann die kampflose Besetzung der Stadt durch französische Revolutionstruppen Ende des 18. Jahrhunderts.

    Aufwärts ging es in Köln erst wieder in der Preußenzeit.

  • Auf dem Mercator-Plan von 1571 sind sehr viele Häuser mit diesen Zinnen, übers ganze Stadtgebiet verteilt, also wohl nicht nur an strategischen Punkten wie der Stadtmauer. Es mag sich wie bei den gezinnten Spitzgiebeln (Stufengiebel) vielleicht um ein Gestaltungselement handeln, ähnlich der Tudorgotik.

    In späteren Jahrhunderten sind diese vielleicht zu diesen vermeintlich "gekappten" Giebeln vereinfacht worden (Rechteckgiebel).

    Meine Theorie... :cool:

  • Die Umgebung des Delfter Hauses in Stichen vor seiner Erbauung ca. 1620

    Panorama 1531:

    Quelle: Wikipedia


    Mercator-Plan 1571:

    Hier sieht man schon weitere Häuser mit Zinnengiebel. Das Delfter Haus mag später auf die freie Stelle bei den Häusern zwischen Salz- und Lintgasse gebaut worden sein, in der Reihe nach der Stadtmauer.

    Quelle: world digital library


    Eine andere Ansicht aus Köln von 1588:

    Quelle: zvab


    Auch hier Zinnen über Zinnen. Noch nie was vom Köllnischen Zinnengiebel gehört? gibelus cinnus colonensis :lachentuerkis:

  • Wie können wir die Stadt Köln zu Rekonstruktionsprojekten bewegen? Ich denke, viele der Häuser im Altstadtbereich müssten bald saniert werden, sind sie doch um die 70 Jahre alt - in vielen Fällen dürfte ein Neubau nicht viel teurer sein. Vielleicht lässt sich die Stadt zu Gestaltungssatzungen wie im Falle der Carlstadt in Düsseldorf überreden? Wobei dann die Wiederherstellung des Vorkriegszustandes Erwähnung finden müsste.

  • Deine Hoffnung in Ehren, sie regt aber zu einigen Fragen an.


    - Sind die Häuser im Altstadtbereich städtisches Eigentum oder Privateigentum? In Fall 2 müsstest Du jeden einzelnen Privateigentümer überzeugen, doch sein Haus abzureißen und einen historisierenden Neubau zu errichten (oder gar eine Rekonstruktion).


    - Sollten die Häuser städtisches Eigentum sein, wäre die Stadt Ansprechpartner. Ebenso für den Fall einer künftigen Gestaltungssatzung, die aber nur Neubauten beträfe.... Nun hat die Stadt seit 70 Jahren wenig Interesse an der Rekonstruktion von Altstadthäusern gezeigt. Weshalb sollte sich das jetzt geändert haben? (Auch mit Blick auf die politischen Verhältnisse in Köln)


    - Wer soll die städtischen Politiker bzw. den Magistrat der Stadt zu einer Gestaltungssatzung im Sinne einer Annäherung an den Vorkriegszustand überreden? Und wie soll er das machen? (Flugzettel? An der Wohnungstür klingeln?)


    Nichts für Ungut. Ich würde mir selbst wünschen, Deine Vision würde Wirklichkeit werden. Aber der Blick auf die realen Verhältnisse in Köln sagt mir, dass da viel Vorarbeit von Nöten wäre. Oder nur punktuell kleinere Brötchen gebacken werden können. Die Fassadenrekonstruktion der ehemaligen Reichsbank wäre mal ein Anfang, an dem sich Rekonstruktionsfreunde in Köln ein bischen warmlaufen könnten. Indes, nicht einmal das erkenne ich.

  • Heimdall : Stimmt, der Gürzenich hat tatsächlich Zinnen. An den hatte ich gar nicht gedacht, weil er mit seiner Sandsteinfassade und seiner großen, repräsentativen Bauweise nicht das typische schmale Kölner Bürgerhaus darstellt, wo das Delfter Haus ja dazu gehört.


    Die selbe Machart findet man natürlich dann auch beim historischen Rathaus, das hat auch Zinnen:


    1200px-Rathaus-K%C3%B6ln.JPG


    Ganz ähnlich sah auch das historische Stapelhaus aus:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_stapelhaus_denkmal_denkmalschutz_konservator_stadt_historisch_553499048_600x450xfr.jpeg


    Ich hatte eher die schmalen Bürgerhäuser im Kopf, die ja als häufigste Variante im Vor-Historismus-Köln im 19. und 20. Jahrhundert einen geraden Giebelabschluss hatten. Treppengiebel gab es natürlich einige, aber diese Zinnen sind mir zumindest aus dem Vorkriegs-Köln gar nicht bekannt, mal von den erwähnten repräsentativen Gebäuden abgesehen.


    Mir ist allerdings die alte Jan-von-Werth-Apotheke eingefallen, die aber dann umgebaut wurde. Früher sah sie wohl mal so aus:


    mi01299a12


    Allerdings wurde sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut, der rechte Gebäudeteil wurde durch ein schlichtes schmales Haus ersetzt, der linke Teil bekam einen Treppengiebel verpasst:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_alter_markt_46_48_denkmalpflege_stadt_denkmal_historisch_konservator_aa8984911_600x450xfr.jpeg


    Mir ist ja ein absolutes Rätsel, wieso man das gemacht hat, es ist fast ähnlich wie der Verlust des legendären Haus zum Granen, nur das hier immerhin die Hälfte übrig geblieben ist.


    classica: Ich bin bei diesen mittelalterlichen Darstellungen immer etwas ratlos. Auf der einen Seite unterstelle ich den Erschaffern ja keine Fantasiegemälde, auf der anderen Seite muss laut diesen Zeichnungen ja die gesamte Stadt voll gewesen sein mit diesen Zinnengiebeln.

    Wie kann es dann aber sein, dass praktisch kein einziges davon bis ins 19. Jahrhundert überlebt hat? Oder hat man die Zinnen in den darauffolgenden Jahrhunderten alle abmontiert?


    Laut diesem Bild gab es am Alter Markt auch viele Zinnengiebel:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_alter_markt_mit_hochzeitsgesellschaft_historisch_gerhards_stiche_be98441492_600x450xfr.jpeg

    Das Bild ist von 1660, eine Zeit, aus der viele Häuser des alten, noch im 19. Jahrhundert erhaltenen Kölns stammen oder gerade erst erbaut worden waren (also mittelalterlich kann man das eigentlich nicht mehr nennen...). Wie schon zuvor ausgeführt, ist die Bautätigkeit in den folgenden Jahrhunderten stark zurückgegangen. Was ist also in der Zwischenzeit mit den ganzen Zinnen passiert?


    Hier eines der ältesten Fotos von Köln von 1862, es zeigt ebenfalls die Westseite mit der ebenfalls auf der Zeichnung abgebildeten alten Rathausfassade am Alter Markt, vor dem Umbau durch Raschdorff:


    k%C3%B6ln_altstadt_nord_blick_von_gro%C3%9F_st_martin_denkmal_denkmalpflege_konservator_stadt_historisch_dbd4130923_600x450xcr.jpeg


    Die Häuser auf der Zeichnung und auf dem Foto dürften die selben sein, nur die Zinnen sind allesamt verschwunden - sehr merkwürdig.

  • Solinger: Zum Thema Rekonstruktionen in Köln, Heimdall hat das schon sehr treffend formuliert: Es ist erstmal Vorarbeit nötig. Königsbau hat mit dem Domhotel ein sehr gutes Beispiel angesprochen. Was in anderen Städten eine Selbstverständlichkeit wäre, wurde in Köln nicht einmal ernsthaft erwogen.


    Auf der einen Seite scheint das Interesse an der historischen Stadt sehr groß zu sein: Ich habe sowohl in einer Buchhandlung gehört, dass Bildbände mit dem alten Köln wahnsinnig gut ankommen und viel gekauft werden und in der Ausstellung im Zeughaus mit Bildvergleichen aus dem alten Köln war das zugehörige Buch sogar ausverkauft, die mussten das einem per Post zuschicken, wenn man es haben wollte.


    Auf der anderen Seite ist mir aber niemand bekannt, der öffentlich mal irgendein Rekonstruktionsprojekt gefordert oder sich um die architektonische Qualität der Altstadt wirklich Gedanken gemacht hätte. Stattdessen wird die Stadt in hunderten Karnevalsliedern als beste Stadt der Welt besungen und es gibt einen wahnsinnig großen Lokalpatriotismus.


    In diesem Spannungsfeld braucht es eine lokale Kraft, die in der Öffentlichkeit wahrnehmbar agiert und sich für ein besseres Kölner Stadtbild einsetzt und vielleicht auch einmal auf Rekonstruktionen zu sprechen kommt. Ich sehe da durchaus Chancen, Zustimmung in der Bevölkerung zu generieren, aber ein Selbstläufer wird das nicht.


    Der Ortsverband Köln von Stadtbild Deutschland befindet sich aktuell im Neuaufbau. Mal sehen, wie sich die Dinge dort entwickeln werden. Ich versuche nach Kräften, auch mit eigenen Projekten wenigstens Material zusammenzutragen, wie mein Video zum Alter Markt, oder die anderen Social-Media-Kanäle mit früher-heute-Vergleichen. Aber auch da muss man erstmal Bekanntheit erlangen der Sache Zeit geben, um sich gesellschaftlich zu entwickeln.

    Wir befinden uns gerade ganz am Anfang, und bis zu konkreten Projekten wird es wohl noch etwas dauern. Wenn du dich im Ortsverband beteiligen möchtest Solinger , schreibe doch eine Mail an koeln@stadtbild-deutschland.org. Da kann man dann weitere Dinge besprechen.