Buffalo (Galerie)

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    • Buffalo (Galerie)

      Buffalo ist mit ca. 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat New York und liegt in der Nordwest-Ecke des Staates in Sichtweite der Niagara-Fälle fast direkt am Lake Erie. Buffalo wurde in sämtlichen USA-Nordostreiseführern, die ich in diesem Jahr gelesen hatte, als Schmuckstück bezüglich amerikanischer Architektur bezeichnet, rückblickend kann ich dem nur zustimmen. Büffel hat es übrigens in Buffalo nie gegeben, der Name soll eine Verballhornung einer frühen französischen Stadtbezeichnung um „beau ville“ oder „beau fleuve (=Fluss)“ sein.

      1 Wir beginnen gleich mit Buffalo’s vermutlich bekanntestem Bauwerk, dem hier im Forum auch schon diskutierten Buffalo Central Terminal, a.d. 1929, von den Architekten Fellheimer und Wagner (deutschstämmige Architekten hatten von hier bis Chicago um 1900 einen großen Einfluss), der Office Tower ist 83 m hoch. Verständlich ist dieses völlig überdimensionierte und deplazierte Bauwerk nur mit einem Blick auf die Stadtgeschichte (im Wesentlichen aus Wikipedia): Buffalo war um 1900 mit 500.000 Einwohnern (doppelt so vielen wie heute!) Boomtown, um 1920 wurde von einem Wachstum auf eine Million ausgegangen. In der Innenstadt gab es keinen Platz, man plante einen neuen Bahnhof als Umsteigebahnhof und brauchte Rangiermöglichkeiten, weswegen man dann 4 km nordöstlich der Downtown baute, man ging auch von einem Wachstum der Stadt in Richtung zum Bahnhof aus. Zudem hatten Bahnhöfe in den 1920er für Fernreisen eine Monopolstellung, auch dies wird ein Argument gewesen sein, einen Bahnhof (wie heute Flughäfen) abseits einer Innenstadt zu bauen. In jedem Fall lief die Fahrgastfrequenz bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg gut an, um dann allerdings nachzulassen, dies in Verbindung mit einer Krise in der Region, hervorgerufen durch eine Verlegung relevanter Handelsrouten und den Verlust relevanter Industrie. 1980 wurde der Buffalo Central Terminal schließlich geschlossen und dann mehrfach zu Spottpreisen verkauft, um völlig zu verwahrlosen. Zeitweise wurden Wertgegenstände wie aus einer römische Therme systematisch ausgebaut, die original concourse clock konnte 2005 allen Ernstes bei ebay wiederersteigert werden. Bergauf ging es mit dem Bahnhof ab 1997, als die „central terminal restoration corporation“ den Bahnhof für einen Dollar kaufte. Seitdem betreibt die Gesellschaft die Anlage als non-profit und setzte ihn so gut es ging in Stand. Zeitweise finden Veranstaltungen statt, so 2010 ein Oktoberfest mit 20.000 Besuchern. Ich hoffe, dass ich mit meinen Ausführungen nicht langweile.




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      4 Dass das Areal damals wie heute in einem einfachen Wohngebiet lag/liegt, sehen wir in dem linken Bild. Vermutlich fuhren Busse in die Downtown.




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      6 Während das Hauptgebäude zumindest gegen Witterung geschützt und halbwegs in Schuss ist, sind die restlichen Bereiche natürlichem Verfall preisgegeben und taugen für die Fernseh-Doku „30 Jahre nach den Menschen“.




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      8 Danach sind wir in die Downtown gefahren, die nicht besonders groß ist, ich würde sagen kleiner als die Bremer Altstadt. Wir haben uns etwas mehr als Hälfte der Innenstadt angeschaut, danach war meine Frau genervt, weil es partout keine Einkaufsmöglichkeiten gab. Buffalo scheint wie mancherorts große Teile seiner Infrastruktur in die Außenbezirke verlagert zu haben, ich wette, nach Feierabend werden Downtown die Bürgersteige hochgeklappt. Sehenswerte Architektur gibt es allerdings genug, wenn auch vieles etwas unmotiviert in der Gegend herumsteht und so kein geschlossener Eindruck entstehen kann. Ich beginne mal mit dem Elliot Square Building von 1896 und von Daniel Burnham, der zeitlebens vor allem in Chicago aktiv war, dort baute er mit der bekannten Rookery 1886 ein ähnliches Gebäude




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      11 Jetzt sind wir am „One M6T Plaza“, wer’s weiß, glaubt sofort, dass das Gebäude der Architekt Minoru Yamasaki (übrigens ein Amerikaner) entworfen hat, der sich auch für das New Yorker World Trade Center verantwortlich zeigte.





      12 Dies ist das Guaranty Building (1896) von Dankmar Adler und Louis Sullivan, einer der weltweit ersten Skyscraper, ein Stahlskelett-Bau in deutlicher Chicago-Schule. In St. Louis gibt es mit dem Wainwright Building einen Zwilling.




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      15 Jetzt sehen zur Old County Hall aus den 1870ern mit der Spitze der Buffalo City Hall dahinter.




      16 Jetzt sehen wir zum Niagara Square mit der Buffalo City Hall links und dem United States Court House rechts. Der Obelisk in der Mitte ehrt den 1901 in Buffalo erschossenen Präsidenten William McKinley, Mc-Kinley ist auf der $-500,-Note abgebildet, falls die schon mal jemand in der Hand gehalten hat.



      17 Die architektonische Nähe der City Hall (1931) zum eingangs gezeigten Bahnhof ist offensichtlich. Aus den genannten Gründen ist die City Hall ebenso wie der Bahnhof für eine 250.000-Einwohner-Stadt grandios oversized.




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      19 An der City Hall und am ehemaligen Präsidenten Millard Fillmore vorbei sehen wir jetzt zu den Statler Towers (1923, heute Hilton Hotel)




      20 Nachdem wir in New York letztes Jahr aus so gut wie jeder öffentlichen Lobby herausgeflogen waren, waren wir hier überrascht, dass das hier nicht geschah. Pictures? No problem.




      21 Das Observation Deck im 28. Stock war ohne Eintritt jederzeit zugänglich. Die nächste positive Überraschung. Hier sehen wir als erstes zum Bahnhof, den wir eingangs gesehen haben ...




      22 ... und den Niagara Fällen. Leider habe ich nicht etwas weiter nach links photographiert, dann sähen wir den zum Greifen nahen Lake Erie, der leider in keiner Form an die Stadt angebunden wurde.




      23 Jetzt sehen wir über die Statler Towers zum auffällig weißen Niagara Mohawk Building, 1912 von einem August Carl Esenwein, wieder ein deutsch-stämmiger Architekt.




      24 Das ist der Blick Richtung Osten zum Lafayette Square.




      25 Hier dominiert das Liberty (Bank) Building, das mit seiner Halikarnassos-Doppelspitze von der Seite stark an das Monumento Vittorio Emmanuel II in Rom erinnert hat. Der Architekt war ein Engländer namens Alfred Bossom, der das Gebäude 1924-29 baute. Die Liberty Bank wurde 1882 als German-American Bank gegründet und im Zuge des 1. Weltkrieges umbenannt.




      26 Jetzt sehen wir den Bereich um das Guaranty Building im Detail von oben.




      27 Und nun haben wir den kompletten Bereich Richtung Südosten, links das Gebäude vom WTC-Architekten.




      28 Auf der Besucherplattform bekamen wir noch den Tipp, uns noch das City Council Chamber (so etwas wie der Stadtrat, der auch gerade tagte) im 13. Stock anzuschauen. Unglaublich, wie ungezwungen wir uns im Gebäude bewegen konnten. Die heutige Situation in Buffalo ist positiv, laut einer Forbes Studie ist Buffalo die 10.-beste Stadt, um in den USA Kinder großzuziehen. Es wurden neue Wirtschaftsbereiche erschlossen und die Stadt profitiert vom Tourismus in die nahen Niagara-Fälle. Zwischen Bahnhof und Innenstadt gibt es teilweise zerfallene Bereiche, die heute wohl in jeder amerikanischen Stadt anzufinden sind. Die Innenstadt machte auf mich einen tadellosen Eindruck, in der Hälfte, die wir gesehen haben ohne nennenswerte Leerstände, Ruinen oder Abrisskandidaten.




      29 Jetzt sind wir wieder vor der City Hall angekommen und schauen noch zweimal zum Lafayette Square und das war es dann auch.




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    • Danke für die interessanten Eindrücke aus Büffel - ich mag ja die monumentalen amerikanischen Groß- und Hochbauten von 1880-1930.
      Im übirgen, schön, dass du als Weitreisender öfter mal aus fernen Gefilden berichtet, Buffalo ist für den gemeinen Europäer schon recht exotisch.

      Erpel schrieb:


      Das müsste dann wohl Hamilton/Ontario am Horizont sein? - ich hatte zunächst beinahe Toronto vermutet; dennoch über 50 km entfernt, falls ich mit der Vermutung richtig liege.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • @Palantir: Meine Fernaufnahme in Bild 22 zeigt die Niagara-Fälle, die von Buffalo ca. 40 km entfernt sind. Das Spektakel dort ist sicher sehenswert, aber architektonisch wenig interessant. Ein paar offensichtlich ziemlich große Hotels und Kasinos, dann ein Amüsier-Viertel, das aber auch nichts taugt. Wir hatten zuerst überlegt, in Buffalo zu übernachten, waren dann aber doch zwei Nächte auf der kanadischen Niagara-Seite, weil es dort mehr und relativ preiswerte Hotels gab.