Leverkusen

  • Hallo Zusammen,


    Lese hier schon seit Jahren mit aber jetzt muss ich auch mal was schreiben.


    Leverkusen Fettehenne feiert nun 2011 650 Jahre und die Kapelle wird 275 Jahre alt.


    ABER: nun das ! Leverkusen: Trauriger Abriss | RP ONLINE


    Das Ortsprägende Fachwerkhaus steht nicht mehr ! Ich wohne nur ein paar Häuser weiter und dachte letzte Woche noch, oh nach langem Lehrstand endlich werden Gerüste aufgebaut für eine Sanierung und dann der Hammer am Freitag, ich komme nach Hause zurück und sehe nur noch Reste davon .


    Was ist in dem Land nur los !


    Traurig :kopfwand:

  • Ich sehe die Schuld hier in erster Linie bei den staatlichen Denkmalschutzbehörden. Diese können die Erhaltung eines Bauwerkes zwar letztendlich nicht erzwingen bzw., positiv gesagt, sicherstellen. Aber hier haben sie ja vermutlich noch nicht einmal das Grundlegende getan, denn das Haus war nicht auf der Denkmalliste.


    Seit geraumer Zeit beobachte ich, dass eine sehr große Zahl von alten, nicht selten ortsbildprägenden Gebäuden nicht auf der Denkmalliste steht. Wie oft kommt es vor, dass erst anlässlich des Abbruchs entdeckt wird, wie alt ein Haus doch ist bzw. war! In diversen Beiträgen in diesem Forum habe ich auf diesen Missstand hingewiesen. Glücklicherweise gibt es aber auch Fälle, wo man sich anlässlich eines Bauvorhabens mit dem Vorhandenen beschäftigt und dessen Alter berücksichtigt oder jedenfalls in die Waagschale wirft.


    Zum anderen werden die Kriterien, aufgrund derer die Schutzwürdigkeit beurteilt wird, immer schwammiger und unberechenbarer. Die Auswahl der Objekte muss geradezu als willkürlich erscheinen. Ich vermute mal, dass die benachbarte Johannes-Nepomuk-Kapelle auf der Denkmalliste steht und muss hier mal provokant die Frage stellen, warum eigentlich? Solche Kapellen gibt es doch jede Menge und gemäß der Logik des Denkmalschutzes muss ein Bauwerk erst einmal entsprechend selten sein, um die Schutzwürdigkeit zu erlangen. Erst wenn alle ihre Häuser zerstört haben, wird der Wert des letzten verbliebenen Hauses erkannt. Bei sakralen Gebäuden scheint dies aber plötzlich überhaupt nicht zu gelten. Dabei gibt es wirklich massenhaft Kirchen aus der Barockzeit. Man könnte sie doch alle auf die Bauschuttdeponie fahren; nur einige wenige oder herausragende Exemplare zu erhalten, muss doch reichen. Genau das ist nämlich die Logik bei einfacheren Gebäuden, die aber genauso Teil der dörflichen oder städtischen Ensembles sind wie Kirchen und Kapellen und in gleichem Maß das Lebsenumfeld der Menschen bilden, das es zu erhalten gilt.


    Deswegen: Denkmalschutz nicht nur für die Wieskirche, sondern auch für Berliner Straße 48 in Leverkusen. Eigentlich sollte sich diese Erkenntnis spätestens seit Ende der 70er-Jahre durchgesetzt haben.


    Aber Hauptsache wir müssen uns um die Erhaltung des Uni-Klinikums in Aachen - gigantischer Großbau des Brutalismus und High-Tech-Monster - keine Sorgen machen. Dafür wird der Denkmalschutz schon sorgen. Bei einem dörflichen Fachwerkhaus dagegen ist er blind.


    http://v5.cache2.c.bigcache.go…93.jpg?redirect_counter=1


    Ähnliche Thematik bei einem Fall in Österreich: Meldungen aus Österreich

  • http://www.ksta.de/html/artikel/1324062797377.shtml


    Aha, da steht die Erklärung:

    Quote

    „Es war uns leider nicht möglich, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, weil in den 60er Jahren schon zu viele Umbauten durchgeführt wurden.“


    Es wurden also schon mehrfach Umbauten vorgenommen und im Innern des Hauses Hölzer falsch behandelt. Na ja, was soll's, dann kann man das Haus gleich ganz zerstören. Tut mir leid, aber diese Logik des Denkmalschutzes kriege ich in meinen Kopf nicht rein. Wenn man so nach und nach immer ein bisschen was ausgetauscht hat, dann ist das ganze Haus nichts mehr wert? Nach dieser Logik kann man, wenn ich das richtig sehe, den Kölner Dom auch gleich auf die Bauschuttdeponie fahren, weil dessen Steine ja im Lauf der Zeit auch zu einem großen Teil ausgetauscht wurden. :kopfwand:


    Aber Denkmalschutz hat mit Logik offenbar nicht viel zu tun.

  • Dem Denkmalschutz irgendeinen eindeutigen rationalen Kern zu unterstellen würde zu weit gehen. Ich denke, dass das immer Entscheidungen sind, die mit konkreten Leuten in konkreten Situationen zu tun haben, dann vor Ort nach bestimmten Interessenlagen entschieden werden und am Ende irgendwie begründet werden müssen.
    Im vorliegenden Fall eines 300 Jahre alten Wohnhauses kann man sich nur noch an den Kopf greifen vor so viel Ignoranz. Aber Leverkusen hat ja schließlich eine solche Fülle an historischen Baudenkmalen und Sehenswürdigkeiten zu bieten, da spielt das vermutlich kaum eine Rolle.


    Hier mal ein paar weitere ältere Abrisserwähnungen aus dieser tollen, sehenswerten Stadt:
    http://www.lev2000.de/guide/index.php?view=00083

  • Ich bin doch überascht das die Kommentare beim KSTA alle ähnlich sind, Fassungslosigkeit.


    Bin auch mal gespannt welch hübscher Betonklotz dort bald stehen wird.
    Und vielleicht schaffen sie es ja auch noch die Kapelle abzureissen, denn der neue Betonklotz braucht ja auch Parkplätze.


    Habe hier den 2012 Kalender mit alten ansichten von Fettehenne für 2012 auf dem Schreibtisch liegen, tolle Bilder aus alten Zeiten.


    Und das abgerissene Fachwerkhaus war ohne die Schieferverkleidung aun der Strassenseite wirklich beeindruckend. Was hätte man daraus machen können.


    Zu Zeno da gebe ich Dir vollommen Recht, nach der Logik müsste man den Dom auch abreissen, denn der ist ja oft genug umgebaut worden und überhaupt die ganzen romanischen Kirchen in Köln da war von vielen dach dem Krieg nicht mehr viel übrig, auch nicht mehr Original.


    zu Heimdall das alte Rathaus kenne ich noch, habe auch den Abriss als Kind noch mitbekommen, dann kam der Asbest Kubus der hielt 30 Jahre.


    Das nächste Gebäude sollte auch noch weg in Leverkusen, scheint aber gerettet, fragt sich nur wie lange Gebäude soll nicht abgerissen werden - Kölner Stadt-Anzeiger