Ostdeutsche Stadtansichten vor der Zerstörung (Galerie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Ostdeutsche Stadtansichten vor der Zerstörung (Galerie)

      Eine eher selten gezeigte Ecke von Zerbst, das am 16. April aufgrund unsinniger, ja verbrecherischer Verteidigung zerstört wurde. Rechts Rathaus mit Roland.


      Wieder Zerbst. Die Häuser haben, wie Zeno richtig bemerkte etwas Schwäbisch-Bayerisches an sich, während im ersten Bild eine eher östlicher Geist waltete:


      Eine eher selten gezeigte Gesamtansicht des Zerbster Marktes. Aus dieser Perspektive wirkt er etwas weniger malerisch und vergleichbaren bayerisch-schwäbischen Kleinstädten wie Donauwörth oder gar Nördlingen durchaus unterlegen:

      Ein besonders schmerlicher Verlust auch wenn (oder vielleicht gerade wil) der Turm als solcher noch steht:



      Standardansicht vom Platz:




      FWH waren eher selten in Zerbst, dieses wurde darüf umso öfter abgebildet:

      anonmye Vorstadt mit markanten türmen:

      Was für ein Stadtbild!



      Aber noch bedeutsamer war dieses:

      Ringecke mit Breslauer traße in Neiße, 1945 völlig zerstört. Nur vereinzeinzelte Bürgerbauten blieben erhalten, die hier gezeigten sind nicht dabei. Auch die Jakobus-Kirche ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.



      Im Folgenden einige seltenere Ansichten dieses meist nur aus einer perspektive abgelichteten Ringes.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Wobei es in Zerbst zweifellos kein an und für böser Wille zur Zerstörung einer pittoresken Stadt war (wie in sonst so vielen Fällen).
      Hm... ist Bernburg wirklich so langweilig? Ich war noch nie dort, hatte die Stadt aber eigentlich schon einmal auf dem Programm gehabt. Altstadt, Neustadt, dazu dieses Schloss, das klingt doch recht anregend?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      ist Bernburg wirklich so langweilig?

      Im Vergleich zum alten Zerbst: Ja.

      Die klitzekleine Unterstadt mit dem unmittelbaren Saale-Bereich ist malerisch, aber das eigentliche Zentrum, die Oberstadt (Neustadt), dürfte Dich enttäuschen.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • wäre interessant, was drüber zu sehen, weil ich von dieser Stadt (abesehen vom Schloss) kein signifikantes Bild kenne.

      Zurück zum Strang. Ich weiß natürlich,dass Neisse heute nicht mehr in Deutschland liegt und will damit keine Ostgebietsdebatten vom Zaun brechen. Bei der hier gezeigten, in doppelter Hinsicht untergegangen Stadt handelt es sich indes unzweifelhaft um eine deutsche Stadt, so wie es sich beim heutigen Nysa um eine polnische Stadt handelt. Daher darf sie hier unter diesem Thema behandelt werden. Der Betrachtung von ausdrücklich Verlorenem sollten keine (künstlichen) Grenzen gesetzt werden. Zudem erscheint mir der Zusammenhang mit Zerbst sehr interessant. Beide Städte waren sehr giebelfreudig und einander in manchen pittoresken Details ähnlich.

      Hier keine versprochene seltene Ansicht:



      die aber ein Grundproblem von Neisse zeigt: eine große Auswahl von Perspektiven steht eigentlich nicht zur Verfügung. So kenne ich keine Ansicht der "Rückseiten" dieses zentralen Ringblockes, insb keine Ansicht des eigentlichen Rathausbaues. Wer mir da aushelfen könnte, wäre sehr willkommen! Offensichtlich handelte es sich um keinen allzu bedeutsamen Bau, denn er wurde nie bzw kaum abgebildet.

      Seltener ist schon dieser kleine Schwenk:

      Die Giebelhäuser rechts sind mE nachträglich entfernt worden, dies zugunsten einer langweiligen historistischen Bebauung mit flachen Dächern bzw Fassadenabschlüssen.

      Hier ein Schwenk nach der anderen Seite:

      Diese Ring"ecke" war, wie man sieht, rund! Ganz links ein schönes Barockhaus, wie es es auch auf der Breslauer Goldenen Becher-Seite zu sehen gibt.

      Hier müsste nach meinen Berechnungen eigentlich links die Rathausseite jenes Zentralblocks zu sehen sein, wenn es jemand besser weiß, bitte um richtigstellung:

      Hier eine "Vergrößerung" eines zuletzt gezeigten Hauses. man beachte den zweisprachigen Ortsnamen auf der AK!

      Und zum Schluss für heute ein häufiges Motiv, das Assoziationen zu Zerbst zulässt:


      Generell wirkt Neisse großzügiger und auch pittoresker angelegt als Görlitz, kann jedoch in der Qualität der einzelnen Bürgerbauten kaum mithalten!
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus silesius schrieb:

      Hier müsste nach meinen Berechnungen eigentlich links die Rathausseite jenes Zentralblocks zu sehen sein.


      Das hast du richtig berechnet:



      Womit - wenn ich das richtig sehe - auch die Rückseite des Blocks inkl. des schlichten Rathausbaus gezeigt wird (?).

      Zum Überblick:


      Ergänzend eine weitere Ansicht der Kämmereiseite:


      Und noch eine (weniger pixelige):


      2002 :schockiert: :
      bildindex.de/bilder/fmlac46848a.jpg

      Diese super Seite möchte ich niemandem vorenthalten:
      Spacery Literackie

      1. Bilder sind gemeinfrei.
      2. Der Editor verkürzt die Lebenszeit ungemein.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Vielen Dank, Ursus Silesius und Palantir, für die schönen Bilder der beiden ostmitteldeutschen Städte, aus Gegenden, die man zusammen mit Brandenburg-Preußen die "Wiege des neuzeitlichen Deutschlands" nennen könnte.

      Die Städte sind vielleicht nicht so prächtig als manche bayrisch-schwäbische, aber sie übertreffen diese m. E. in mathematische Präzision und Verfeinerung von Stadtanlagen und Proportionen in den Fassaden.

      Gerade das ein wenig Karge, Östliche dazu macht sie wirklich unheimlich schön und malerisch.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Brandmauer ()

    • man beachte den zweisprachigen Ortsnamen auf der AK!
      Sind dies eigentlich originale alte Ansichtskarten oder Neuauflagen? Die offizielle Schreibweise mit "ss" (bis in die 30er Jahre hieß die Stadt ja offiziell Neiße) ist ja recht jungen Datums, und eine slawische Minderheit gab es im äußersten Südwesten Oberschlesiens (ganz im Gegensatz zur ethnischen Zusammensetzung im Osten Oberschlesiens, die Gegend von Neisse war ja auch nicht Gegenstand der Volksabstimmung von 1921) meines Erachtens nicht. Daher ist der zweisprachige Aufdruck überraschend.

      Und noch etwas Off Topic: Umbenennungen von Städten sind übrigens gar nicht so selten, früher hieß "Esslingen" bis 1964 "Eßlingen" und "Mönchengladbach" hieß "München Gladbach". Spektakulärer war da die Umbenennung von "Kristiania" in "Oslo", und warum "Krung Thep" im Westen "Bangkok" heißt, ist mir nach wie vor ein Rätsel... :smile:
    • Grundsätzlich sind alles alte AKs, nicht aus meiner Sammlung (Neisse liegt außerhalb meines Gebietes). Die AK von der Kämmerei könnte ein Reprint des Aufstiegs Verlages München sein. Generell wird Neisse auf den allermeisten alten AKs mit ss geschrieben.
      Und nun zum interessantesten Stück: Da habe ich mich in der Tat täuschen lassen. Es handelt sich tatsächlich um ein Reprint. Die Frage, ob Reprint oder nicht, wäre für die Frage der Authentizität des Aufdrucks grundsätzlich unbeachtlich. Dass zB Reprints alter AKs von Karlsbad in neuer Rahmung mit darunter liegender (eindeutig als neu erkennbarer) Aufschrift Karlovy Vary gehandelt werden, ist nichts Ungewöhnliches.
      Hier liegt eigentlich eine Fälschung vor. Die polnische Bezeichnung ist in der alten Schrift gehalten und im alten Schriftfeld gelegen. Der Betrachter muss diese Schrift eigentlich als Teil der Originalvorlage auffassen. Normalerweise hätte ich keinen Zweifel, dass die zweissprachige Bezeichnung echt ist, aber sicher nicht in diesem Fall! Zwar lag Neisse tatsächlich nicht weit von poln. Siedlungsgebiet (das im Süden fast bis an die niederschlesische Grenze reichte, genauer bis Neustadt), weshalb ich auch drauf reingefallen bin.

      die neuen Bilder von Palantir kann ich von meinem AmtsPC nicht öffnen, daher muss ich mich später dazu äußern.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Generell wirkt Neisse großzügiger und auch pittoresker angelegt als Görlitz, kann jedoch in der Qualität der einzelnen Bürgerbauten kaum mithalten!

      Und da mir Ersteres wichtiger ist, meine ich, Neisse zu bevorzugen. Ein ausdrucksstarkes Ensemble ist nicht auf grandiose Einzelbauten angewiesen. Neisses Raumfolgen scheinen mir tatsächlich interessanter, stimmungsvoller und pittoresker zu sein als die von Görlitz.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • "Webmaster" schrieb:

      und eine slawische Minderheit gab es im äußersten Südwesten Oberschlesiens (ganz im Gegensatz zur ethnischen Zusammensetzung im Osten Oberschlesiens, die Gegend von Neisse war ja auch nicht Gegenstand der Volksabstimmung von 1921) meines Erachtens nicht.

      Das denke ich auch. Anders als etwa Oppeln, welches eine Stadt mit deutscher Mehrheit und polnischer Minderheit war, die bereits ein polnisches Umland hatte, lag Neisse klar westlich der deutsch-polnischen Sprachgrenze (die jedoch nie ganz so scharf war wie die deutsch-tschechische in Böhmen). 1884 zeigten sich die Sprachverhältnisse in Schlesien ungefähr so: deutschlanddokumente.de/Bilder/krtSchlesien.jpg
      Bis zur Vertreibung 1945 kam es sicherlich im nach dem 1. Weltkrieg bei Deutschland verbliebenen Teil Oberschlesiens zu einer weiteren Assimilierung der polnischen Bevölkerung hin zum Deutschen. Die Karte stellt den Anteil der Polen vermutlich sogar eher großzügig dar.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Antwort auf youngwoerth, erstellt um 11 h, erst jetzt abschickt (so hart ist der österr. Beamtenalltag):
      Na ja, der Görlitzer Untermarkt ist halt eine lausige pardon Lausitzer Miniaturausgabe des schlesischen Ringplatzes, und Neisse nach Breslau das prächtigste Beispiel. Dazu sind Rathausturm, Kämmeerei und Jakobskirche äußerst prächtige Einzelleistungen, die auch in Görlitz Ihresgleichen suchen würden.
      Generell sind bzw waren die Städte im Osten perfekt "inszeniert". Man vergleiche etwas Neisse mit einer faden Stadt wie Lauingen, dessen Schimmelturm sich schon allein durch die alberne Bedachung um einen Gutteil der potentiellen Wirkung bringt. Wie herrlich ist die Ensemblewirkung von Rathausturm und Kämmerei, dazu noch die durch das Gässchen durchschimmernden Giebel der Westseite. Von einer Ecke hatte man sogar noch die Jakobskirche zusätzlich im Blick.
      Wahrscheinlich hatte Neisse an barocken bzw vorbarocken Giebelhäusern nicht annähernd die Substanz von Lauingen. Aber dort ist alles so unsäglich bieder, eng und kleinbürgerlich geblieben, nichts gegen den Herrschaftsanspruch, den die schlesische Planstadt inmitten dieses bis dahin kulturellen Niemandslandes erheben musste.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Genau so empfinde ich auch, Ursus. So genial ich den Schimmelturm finde, so "bieder" den Kontext. Die gezeigten Bilder von Neisse faszinieren mich ungleich mehr als viele Stadtanlagen West- und Süddeutschlands.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • Zwar lag Neisse tatsächlich nicht weit von poln. Siedlungsgebiet
      Kleine Randbemerkung (ich hoffe, dieser kleine sprach- und kulturwissenschaftliche Einschub stört den Lesefluß nicht zu sehr):

      Durch den langen Kontakt zwischen deutsch- und slawischsprachigen* Bürgern im östlichen Oberschlesien bildete sich ja eine ganz interessante Diglossiesituation heraus (also eine weit verbreitete Zweisprachigkeit), die natürlich auch nicht ohne Einfluß auf die Kultur und Sprache der slawischen Bürger blieb - die "schlonsakische" Sprache und Kultur entstand, die sich durch zahllose deutsche Einflüsse (nicht zuletzt beim Wortschatz des ansonsten eindeutig slawischen Substrats) auszeichnet.

      Sogar eine kleine Wikipedia gibt es inzwischen auf Schlonsakisch: Wikipedyjo, swobodno yncyklopedyjo (was zajta und gyszichta bedeuten, kann man sich mit etwas Phantasie sicher vorstellen :smile: )

      Deshalb würde ich hier nicht von klassisch "polnischem" Siedlungsgebiet, sondern eher (mit Blick auf die Gegend von Kattowitz, also im Wesentlichen die heutige Woiwodschaft Schlesien) von slawisch-schlesischem Gebiet sprechen.

      Übrigens war diese spezielle Problematik ja auch dem polnischen Staat bewußt, der sich nicht so recht im Klaren darüber war, wie in dieser Gegend zu verfahren war:

      Während in Niederschlesien und im westlichen Oberschlesien praktisch alle ansässigen Bürger vertrieben wurden (klar, hier betrug der deutschsprachige Bevölkerungsanteil ja deutlich über 90 %), herrschte im östlichen Oberschlesien weitgehende Ratlosigkeit, wie man die dortigen Schlesier behandeln sollte. Schließlich wurde eine Art Fragebogen erstellt und versucht, anhand von Kriterien wie Verwandtschaftsbeziehungen oder jeweiliger Sprachbeherrschung festzustellen, wer jetzt eigentlich welcher Nationalität (deutsch oder polnisch) angehörte und wie mit dem jeweiligen Bürger zu verfahren war.

      Interessanterweise wurden die Anforderungen dieser Prüfungen im Laufe der Jahre immer weiter gesenkt, so daß in Oberschlesien auch als "Nebenprodukt" dieser Regelungen noch eine relativ große deutschsprachige Minderheit übrig blieb. Wenn ich recht informiert bin (vielleicht hat hier jemand gesicherte Informationen), ist die relativ große Anzahl an deutschstämmigen Schlesiern in der Gegend von Oppeln schlicht darauf zurückzuführen, daß hier dieses Verfahren erst relativ spät in Gang kam, als die Anforderungen an den "Polnisch-Test" schon so niedrig waren, daß er auch von den ansässigen deutschen Schlesiern bestanden wurde.

      Also in jedem Fall eine sehr interessante und differenziert zu betrachtende Situation, der man mit den üblichen Kriterien des Nationalstaats nicht gerecht wird.

      Hierzu:

      Oberschlesier demonstrieren für Autonomie | Leserartikel | ZEIT ONLINE

      Eine Autonomiebewegung strebt für die Region politische Selbstbestimmung an. Sie ist vor allem bei jungen Leuten populär: Nicht Deutscher, nicht Pole. Schlesier | Archiv - Berliner Zeitung

      * ganz im Süden herrschen ja eher Übergangsvarietäten zwischen dem Polnischen und Tschechischen vor (wie das Lachische, häufig mit Entnasalisierung)
    • Noch ein Nachtrag zu Neisse. Hier die machtvolle Panoramawirkung vor der eindrucksvollen Kulisse des Riesengebirges:



      was natürlich ein fiktiver Quatsch ist. Aber das Altvatergebirge ist natürlich als Hintergrund weit weniger spektakulär (zumal viel weiter entfernt und nur bei Tagen von extremer Fernsicht photographisch brauchbar). Alte AKs liebten derlei Firlefanz.
      Ich werd noch ev Bilder vom "königlichen" Ringblick, der alle Hauptsehenswürdigkeiten vereint, nachliefern.


      Machen wir vorerst einen Bogen zur anderen Neisse, welche Namensgleichheit bekanntlich zum Schicksal Niederschlesiens wurde.
      Eine Stadt wie Görlitz hat in diesem Strang glücklicherweise nichts zu suchen, könnte man meinen. Aber auch Görlitz hat uU sein meistphotographiertes Motiv eingebüsst:




      Hier handelt es sich zwar um keine "echte" Kriegsgszerstörung", sondern um einen nachträglichen Abriss. Noch in Hermann Schreibers Buch "Unvergessener deutscher Osten" ist diese berühmte Häuserzeile im Verfallszustand abgebildet ("Blick auf den polnisch verwalteten Teil der Stadt Görlitz"). Die Häuser mussten links von der Altstadtbrücke (dh nördlich ) gewesen sein, wo heute eine Brache ist. In Görlitz scheinen sich nicht alle daran erinnern zu können, zumindest habe ich niemanden gefunden, der mir bei meinem ersten Besuch, als ich noch nicht so gut Bescheid wusste, über Verbleib bzw ehem Standort Auskunft geben konnte.
      Wer solche Ensembles heute sehen will, muss nach Steyr fahren.
      Das hier ist zwar nicht alles weg, aber auch etwas gelichtet:

      Der einzige unmittelbare und schmerzliche Kriegsverlust in Görlitz betrifft ein Barockhaus am Obermarkt (neben dem sog. Napoleonhaus), das von der DDR recht anständig ersetzt wurde.
      Ach ja, und die Altstadtbrücke selbst ist natürlich auch ein Kriegsverlust.

      so wie wohl auch diese schöne Brücke:


      In weit stärkerem Maße war die schöne Stadt Cottbus betroffen, wenngleich auch hier glücklicherweise das Essentielle erhalten blieb.
      Hier der schlimmste Verlust, das Rathaus:


      von dem es allerdings sehr wenig Bilder zu geben scheint. Auch das hier zeigt nicht die Platzseite, die noch schlichter war.

      Unser nächster halt ist Frankfurt an der Oder, von dem ich über sehr viel Bildmaterial verfüge, das hier bereitzustellen allerdings einiges an Mühe bereiten würde. Deshalb einstweilen ein paar anspruchslose AKs.
      mE ist der Verlust dieser Stadt bzw die Versäumnis, sie ordentlich wiederaufzubauen, bisher von der dt. Öffentlichkeit nicht hinlänglich gewürdigt worden. Wie denn auch anders: das Phänomen "Dt. Osten" und alles damit in Zusammenhang Stehende wird von dieser Gesellschaft hinlänglich verdrängt.
      Frankfurt blieb die mW einzige Großstadt mit schlesischem Ringschema auf heutigem deutschen Boden. (Die einzige - bedeutende - Kleinstadt hingegen blieb wohlerhalten: Luckau. Görlitz ist hier nicht eingerechnet: der Untermarkt ist schließlich zu klein und das Rathaus steht nach Lausitzer Muster nicht in der Ringmitte, wodurch der zentrale Block sehr mickrig geraten ist).


      Frankfurt hatte schon sehr unter der historistischen Überformung gelitten. Dem Erweiterungsbau des Rathauses war der ganze zentrale Häuserblock zum Opfer gefallen, und auch die Randbebauung war sehr schwächlich geworden. Im obigen Bild werden die wenigen Giebelhäuser durch das Rathaus verdeckt.
      Links eine zweite "Inselbebauung", was sogar einen Sonderfall darstellte - die "Siebenhäuser", 1945 wie der Rest des Ringes zerstört und zunächst nicht wieder aufgebaut. Zuletzt erfoglte eine sehr enttäuschende zeitgeistige Adaption - Ästhetik scheint auch heute in Frankfurt keine Rolle zu spielen, und noch weniger wohl der Erinnerungswert dieses Platzes an die unzähligen verlorenen und/oder zerstörten.
      Hier noch ein Blick zur Kirche:

      Der Wiederaufbau Frankfurts zählte zum Katastrophalsten und Uninspiriertesten, das die DDR zu bieten hatte. Selbst Zerbst oder Dessau sind dagegen Glanzstücke zeitgenössischen Bauens geworden.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • @UC

      Ach ja, FF...kenne ich sogar sehr gut, zumal ich einen ganzen Sommer dort einmal verbrachte.

      ad "Siebenhäuser": Meinst Du vieleicht die "Sieben Raben" -die vor ca. 10 Jahren - in modernen Stil - wieder aufgebaut wurden?

      Als ich das letze Mal in FF war, da war die Marienkirche noch im Argen. Die unschätzbaren Bleiglasfenster wurden im Gegensatz zu vieln anderen Raubstücken von den Russen an Deutschland zurückgegeben. Jetzt müsste die Marienkirche wieder halbwegs in Ordnung sein?

      Der Verlust Frankfurts ist wahrlich schwer zu verschmerzen. Es gibt nur wenige unzerstörte Viertel, aber Idylle pur existiert noch in der - ich glaube - Fischergasse oder -straße, die für Deinen Begriff mit alten Häusern in der Nähe der Oder die sowjetische Walze glücklich überstanden hat. Das Gefühl dort durchzugehen war irgendwie so, wie wenn man um 200 Jahre zurückversetzt wurde - Hammerhafte Stimmung.

      Besonders schön fand ich überhaupt das Oderbruch, Müllrose etc.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf.Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Natürlich Sieben Raben, danke für den Hinweis. Die Siebenhäuser standen in Hirschberg.

      Der Verlust Frankfurts ist wahrlich schwer zu verschmerzen.


      Genau das wollte ich eben sagen (wobei ich fast das "schwer" überlesen habe und deshalb gerade zu einer Rüge ansetzen wollte). der Verlust des letzten großen Ringes auf dt. Boden. Das Letzte, was vom dt. Osten blieb. Irgend eine Gasse oder so etwas ist damit verglichen völlig unwichtig. Alte Gassen gibt es noch genug, sogar in Hoyerswerda.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()