Neresheim (Galerie)

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    • Nun zum großartigen Torturm. Er stellt einen der Höhepunkte der Pressspanplatten-Architektur des frühen 21. Jahrhunderts dar und ist nicht nur wunderschön, sondern auch historisch perfekt erhalten.



      Beeindruckend die massive Konstruktionsweise, dieses Gebäude scheint jedem Feind standhalten zu können.



      Sogar die originale Bauinschrift hat sich erhalten!



      Nördlich der Kirche, in der Oberen Gasse:





      Mitten im Ort steht hier ein Neubau in BW-Bauweise

    • Über die Obere Gasse und die Hauptstraße gelangen wir wieder zum Marienplatz, wo das Vogts- und Schießhaus und das Rathaus ein schönes Ensemble bilden.



      Im Vogts- und Schießhaus befindet sich heute das Härtsfeldmuseum, es ist eines der ältesten Häuser Neresheims und wurde angeblich 1531 errichtet.







      das später offensichtlich stark veränderte Rathaus wurde 1640 unter Verwendung älterer Bauteile gebaut, es könnte im Kern noch spätmittelalterlich sein.





      Die Hauptstraße in Richtung Südosten. Recht viel mehr gibt es in Neresheim nicht zu sehen, abgesehen von der Abtei selbstverständlich, zu der ich später komme.
    • Besten Dank, Tobias, für die Bilder von Neresheim, einer kleinen Stadt, die immer irgendwie im Schatten der Abtei steht. Und das auch, als vor zwei Wochen Neresheim in den Schlagzeilen war.

      Was in Neresheim auch ungünstig ist, ist der Verlauf der B 466 mitten durch sie Stadt. Andererseits, so mag man denken, gibt es hier ja ohnehin kein großartiges Stadtbild mehr.

      -Tobias- schrieb:

      Am Straßenpflaster ist scheinbar der Stadtmauerverlauf abgebildet (Obwohl Luftbild und die Annahme, dass sich diese Straße noch innerhalb der Befestigung befunden hat, dagegen sprechen).

      Ich habe schon das Gefühl, dass die Markierungen den Verlauf der Stadtmauer richtig wiedergeben. Möglichweise ist nach dem Verschwinden der Befestigung auch das Straßensystem verändert worden.

      Das als "Wörmertor" bezeichnete Pappendeckelviech steht natürlich an einer völlig unhistorischen Stelle, denn sollte die Befestigung durch die Kirche gegangen sein? Andererseits zeigt das Aufstellen des Tores aber doch ein Bewusstsein für die Historie. In einer so beengten Stadt, durch die mitten durch auch noch eine Bundesstraße führt, gibt es freilich kaum einen anderen möglichen Standort. Die Steigerung wäre noch, wenn es über der Tiefgarageneinfahrt errichtet worden wäre.

    • Was in Neresheim auch ungünstig ist, ist der Verlauf der B 466 mitten durch sie Stadt. Andererseits, so mag man denken, gibt es hier ja ohnehin kein großartiges Stadtbild mehr.


      Der Straßenverlauf durch den Ort ist fürchterlich. Dass es jetzt eh schon egal ist, so kann man auch nicht denken. Wenn es auch fast keine Altstadt mehr gibt, so lässt sich die Hauptstraße trotzdem "retten". Eine Umfahrungsstraße mit einer verkehrsberuhigten Hauptstraße wäre sicher sehr gut für den Ort: Es würden sich mehr Geschäfte bilden (der Ort wirkt derweil ja relativ ausgestorben), ein nettes kleines Stadtzentrum würde vielleicht entstehen... Vielleicht kann man ja auch ein paar Abteibesucher anlocken mit dem Härtsfeldmuseum oder dem Wörmertor... :)




      Das als "Wörmertor" bezeichnete Pappendeckelviech steht natürlich an einer völlig unhistorischen Stelle, denn sollte die Befestigung durch die Kirche gegangen sein? Andererseits zeigt das Aufstellen des Tores aber doch ein Bewusstsein für die Historie. In einer so beengten Stadt, durch die mitten durch auch noch eine Bundesstraße führt, gibt es freilich kaum einen anderen möglichen Standort. Die Steigerung wäre noch, wenn es über der Tiefgarageneinfahrt errichtet worden wäre.


      Das Tor habe ich in meinem Beitrag natürlich stark veräppelt, aber das war ja nicht ganz ernst gemeint... Grundsätzlich ist es ja eine witzige Idee, die die Leute erinnert, dass man hier in einer historischen Stadt steht und die ganz gut aussieht. Finde ich gar nicht schlecht.
    • Nun zur Abtei Neresheim

      Gegründet wurde das Benediktinerkloster im Jahre 1095 vom Graf Hartmann I von Dillingen (vgl. Dillingen an der Donau). Nach dem Aussterben der Dillinger im 13. Jahrhundert entbrannte ein Jahrhunderte dauernder Streit darum, wem die Abtei eigentlich unterstand bzw. wie viele Rechte sie hatte. Sie selbst hatte ansehnliche Besitzungen im Härtsfeld, die sie bei der endgültigen Beilegung der Streitereien nach einem langen Prozess erst im Jahre 1764 (!) aber fast gänzlich verlor - So viel u. a. die Stadt Neresheim an die Grafen von Oettingen. 1802 wurde das Kloster schließlich aufgelöst; 1919 folgte eine Wiederbesiedelung. Heute gibt es lediglich zehn Mönche. In der Abtei sind ein Tagungshaus, ein Gasthaus, ein Museum etc...

      Blick auf das Kloster von Süden: (War glaub´ ich einmal Bilderrätsel)





      In einer Mauer hatte man eine einfalls- wie aussichtsreiche Telefonzelle eingerichtet



      Durch das Tor in einem wohl aus dem 16. Jahrhundert stammenden Trakt gelangt man in den Vorhof.



      Das selbe Gebäude von der Hofseite:



      Der großzügige Wirtschaftshof westlich der eigentlichen Klostertrakte. Die Gebäude hier scheinen mir zum Größten Teil aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu stammen, die Fassaden sind ins 18. Jahrhundert zu datieren.



      Der südliche Trakt mit einer beeindruckenden Gaupe.



    • -Tobias- schrieb:

      Nun zum großartigen Torturm. Er stellt einen der Höhepunkte der Pressspanplatten-Architektur des frühen 21. Jahrhunderts dar und ist nicht nur wunderschön, sondern auch historisch perfekt erhalten.



      Und was soll dieser merkwürdige Pressspan-Turm? Würde man eine Rekonstruktion wollen, könnte man solch einen Turm ja auch relativ kostengünstig mauern oder betonieren. Aber er scheint ja wohl noch nicht mal authentisch zu sein bzw. am richtigen Ort zu stehen. Also, wenn man den Begriff "Disneyland" unbedingt anwenden will, wäre er hier noch als Kompliment zu verstehen.
    • An der höchsten Stelle der Rückfallkuppe, auf der wir uns befinden, stehen Abteikirche und die eigentlichen Klostertrakte. Letztere haben eine Barockfassade in den groben, aber eindrucksvollen Formen des regionalen Barocks.



      Die berühmte Klosterkirche gehört zweifellos zu den bedeutendsten barocken Sakralbauten Süddeutschlands. Anstelle des mittelalterlichen Vorgängerbaus (12. Jahrhundert) wurde das bestehende Gebäude ab 1750 nach Plänen Balthasar Neumanns errichtet. Nach dessen Tod drei Jahre nach Baubeginn leitete Johann Baptist Wiedemann die Bauarbeiten, er hielt sich größtenteils an die Originalpläne. Nur 10 Jahre vor der Auflösung des Klosters (1792) konnte die Kirche fertiggestellt werden, seitdem wurde sie kaum verändert.

      Die Informationslage im Internet zu Baugeschichte (v. a. was die Klostergebäude betrifft) etc... ist äußerst mager. Ein Kirchengrundriss ließ sich immerhin finden.


    • Innenraum. Auf den Fotos kommt das natürlich meistens nicht so rüber, aber die Raumwirkung ist einzigartig. Das Besondere an der Kirche ist das für Neumann typische Konzept, dass anstatt einer gewöhnlichen Folge rechteckiger Joche verschiedene runde oder ovale Raumteile an- bzw. nebeneinandergereiht werden. Das hat er schon in anderswo (z. B. Kapelle der Würzburger Residenz) angewandt, in seinem Spätwerk Neresheim aber perfektioniert. Das Zentrum der kreuzförmigen Raumes bildet hier ein runder Raumteil, der von einer Flachkuppel überwölbt wird; diese lagert nur an den vier Ecken direkt auf (freistehenden) Pfeilern, sonst auf Gurten und Gewölben auf. An allen vier Seiten sind ihr weitere Räume (Haupt- und Querschiffe) zugeordnet, so entsteht, besonders wenn man direkt unter der Kuppel steht, ein Eindruck gewaltiger Weite. Man hat den Eindruck, dass jedes Mauerstück lebendig geschwungen ist, es scheint keine geraden Linien zu geben - das macht die Klosterkirche einzigartig. Um den Text zu verstehen ist ein Blick auf den Grundriss empfohlen.









      Der Chor



      Gegenüber der Kanzel eine geschickt eingefügte Figurengruppe:



      Blick nach Westen mit der großartigen Dreierfenstergruppe und der genauso genialen Orgel.





      Die Fresken stammen von Martin Knoller




      Ende.
    • @ Zeno: Eine Umfahrung für Neresheim wäre gar nicht schwer; Südlich des jetzigen Straßenverlaufs wäre zwischen Stadt und Berg noch Platz; die Route wäre sogar kürzer als die jetzige. Ich weiß ja nicht, wie es mit den Besitzverhältnissen etc... steht, aber das scheint mir zu vergleichsweise niedrigen Kosten realisierbar.

      Heimdall schrieb:


      Und was soll dieser merkwürdige Pressspan-Turm? Würde man eine Rekonstruktion wollen, könnte man solch einen Turm ja auch relativ kostengünstig mauern oder betonieren. Aber er scheint ja wohl noch nicht mal authentisch zu sein bzw. am richtigen Ort zu stehen. Also, wenn man den Begriff "Disneyland" unbedingt anwenden will, wäre er hier noch als Kompliment zu verstehen.

      Ich finde das nicht so schlecht. Das ist ja kein dauerhaftes Gebäude, sondern wird wohl in den nächsten Jahren wieder abgebaut, wenn es nicht vorher vom Wind umgeblasen wird. Ich könnte mir sogar gut vorstellen, dass man es über den Winter abbaut. Das ist ja nur ein Gag, der witzig ausschauen und an die Geschichte erinnern soll. Mir gefällt das ganz gut, auch wenn es hier definitiv nicht bis in alle Ewigkeit stehen sollte.

      Eine echte Rekonstruktion ist übrigens selbstverständlich nicht realistisch, da u. a. anstelle des Torturms die Straße verläuft und so etwas ja sowieso ganz undenkbar ist.
    • Schade, schade, schade. In Deutschland kämpfen wir den ewigen Kampf gegen die Abrissbirne. Auf der einen Seite kann man sich 'ne Rekonstruktion erringen, auf der anderen Seite werden uralte Häuser beseitigt. :crying:

      Die gezeigten Neubauten in Beitrag Nr. 34 sind jedoch echt brauchbar. Vielleicht noch bessere Fenster,...
      Das ist natürlich kein Trost für verschwundene Altbauten. Ganz bitter ist immer der Abriss für 3 oder 4 Parkplätze.
    • Ich denke, es ist bei meiner damaligen Reise durch Schwaben mit Abstecher ins Württembergische eine richtige Entscheidung gewesen, das Ortszentrum links liegen zu lassen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Beim Kruschteln entdeckt! Sogleich einen Scan gemacht.

      Bildtafel: die Pläne des Sohnes von Balthasar Neumann darstellend zur Einwölbung der Abteikirche Neresheim.
      "Neresheim, Benediktinerabteikirche, Konstruktionsriß für die Einwölbung und die Dachwerke, 1755 von Franz Ignaz Michael Neumann"

      Schade, daß das nicht zur Ausführung kam. Na ja, ist auch jetzt eine herrliche Pracht!