Stuttgart

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    • Wenn ausgerechnet hier in diesem Forum schon Leute dem Teilabriss eines bedeutenden historischen Bauwerks zustimmen, oder auch nur mit Gleichgültigkeit begegnen, finde ich das ziemlich bedrückend. Hätte ich nicht erwartet. Gerade von APH-Teilnehmern sollten die Gegner von S21 eigentlich Rückendeckung erhalten, da es hier ganz konkret um Denkmalschutz geht.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Der Bahnhof wurde 1933 endgültig fertig gestellt, steht in der Tradition der Stuttgarter Schule und wurde im Wesentlichen von Paul Bonatz entworfen, so daß eine gewisse Ähnlichkeit zu Monumentalbauten des Dritten Reichs nicht ganz von der Hand zu weisen ist (man vergleiche mal die zentrale Fassade mit den Säulen mit dem Haus der Kunst in München)...

      Daher habe ich persönlich zu solchen Bauten ein sehr viel distanzierteres Verhältnis als beispielsweise zum Vorgängerbahnhof "Centralbahnhof" aus der Kaiserzeit in Stuttgart, dessen Fassadenreste ja noch in Form des Metropol-Kinos vorhanden sind.

      Außerdem wird der Bahnhof ja zu 95 % erhalten bleiben, und auf Bing Maps kann sich ja jeder den Bahnhof aus der Luft ansehen und selbst beurteilen, inwiefern die bereits abgerissenen Anbauten mit ihren Flachdächern und extrem "schlichten" Fassaden am Nordeingang wirklich etwas mit klassischer Architektur im Sinne dieses Forums zu tun hatten...

      Abgesehen davon ist die Anbindung von Bahnhöfen per Tunnel nichts außergewöhnliches, ein sehr schönes Beispiel ist Bahnhof Lissabon Rossio – Wikipedia oder Bahnhof Bruxelles-Central/Brussel-Centraal – Wikipedia

      Aber wie gesagt, zum Glück können ja jetzt die Bürger entscheiden, das ist (nicht nur in diesem Fall) wirklich die beste Lösung.
      "O meu amor tem um jeito manso que é só seu Que rouba os meus sentidos, viola os meus ouvidos Com tantos segredos lindos e indecentes" (C. Buarque)
    • Wenn ausgerechnet hier in diesem Forum schon Leute dem Teilabriss eines bedeutenden historischen Bauwerks zustimmen, oder auch nur mit Gleichgültigkeit begegnen, finde ich das ziemlich bedrückend. Hätte ich nicht erwartet.

      Es geht mir um die Verhältnismäßigkeit, die hier m.E. nicht stimmt - das hatte ich eigentlich betont. Würde sich die Demo in erster Linie ganz klar gegen den Abriss der Seitenflügel und für eine regionaltypische Bebauung der anschließenden Quartiere aussprechen, könnte ich durchaus was mit anfangen. Aber leider erscheint mir S21/K21 viel eher wie das übliche große, medial aufgeblasene, Konstrukt, das in Anbetracht viel gravierenderer Missstände leicht groteske Züge trägt und inadäquate Schwerpunkte setzt. Das impliziert nicht, dass ich für den Teilabriss dieses Denkmals stimme, da muss Dich überhaupt nichts bedrücken. Zudem sei jedem seine eigene differenzierte Sichtweise zu gönnen, völlig unabhängig davon, in welchem Forum wir uns hier befinden.

      Wieviel wichtiger wäre mir eine Wiederherstellung des Stuttgarter Marktplatzes! Warum geht dafür niemand auf die Straße? Ich weiß es.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • "Der Bahnhof wurde 1933 endgültig fertig gestellt, steht in der Tradition der Stuttgarter Schule und wurde im Wesentlichen von Paul Bonatz entworfen, so daß eine gewisse Ähnlichkeit zu Monumentalbauten des Dritten Reichs nicht ganz von der Hand zu weisen ist (man vergleiche mal die zentrale Fassade mit den Säulen mit dem Haus der Kunst in München)..."

      Ach, wieder der Vorwurf der Nähe zu Nazi-Ideologie. Der ist ja schon ausreichend widerlegt worden.

      Zitat Architekturhistoriker Wolfgang Voigt:
      "Interessant ist seine Haltung zu Beginn des Dritten Reiches, von dem er nichts Gutes erwartete. Eine im Ausland gemachte Bemerkung - "Hitler bringt Deutschland um hundert Jahre zurück" - kam einem Nazi zu Ohren, der sie der Gestapo meldete. Mit tollkühnen Ausreden und Schweigegeld für den Denunzianten konnte Bonatz seinen Kopf aus der Schlinge ziehen."

      Bonatz war ein konservativer Vertreter der regionaltypischen Bauweise (siehe Kochenhofsiedlung) und ein Gegner jenes Modernismus, wie er nach dem Krieg so zahlreich in Stuttgart umgesetzt wurde. Genau das kritisieren wir auch. Der Stuttgarter Hauptbahnhof steht für eine andere Moderne, mit klassischen Elementen und im Bewußtsein der Tradition. Genau das fordern wir auch.
      Wird es nicht eher so sein, daß die Architekten des 3. Reichs Anleihen bei Vorbildern wie Bonatz gesucht haben, und man daher auf die Assoziation kommt? Man kann also seiner Architektur keine geistige Nähe zum Faschismus unterstellen, eher umgekehrt eine mißbräuchliche Vereinnahmung.

      Die Verschönerung des Marktplatzes ist ein anderes Thema, das sicher auch einmal zur Debatte stehen wird.
      Im übrigen, wie sollte eine Wiederherstellung aussehen? Ich hab mir da auch schon Gedanken drüber gemacht. Meiner Meinung nach gibt es hier nur ein entweder alles oder nichts, historische Bürgerhäuser im Schatten des modernen Rathauses würden sich nicht vertragen, man müßte also auch das alte Rathaus wiederherstellen. Das halte ich derzeit für utopisch, zumal es erst unlängst saniert wurde. Oder man sorgt für eine neue Marktplatzbebauung in postmoderner Bauweise, die sich mit dem Nachkriegsrathaus verträgt.

      Aber hier und jetzt geht es um das Baudenkmal Hauptbahnhof, und wir von APH setzen uns für Baudenkmäler ein (dachte ich jedenfalls).
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • @ saudadegostosa,
      wenn die Bürger direkt über die Zukunft dieses Bahnprojektes entscheiden könnten, wäre das ja noch ein lobenswerter Schritt auf direkte Demokratie zu, aber das ist leider nicht so!!! Es geht um die Abstimmung über ein Kündigungsgesetz: ob das Land BW aus den Finanzierungsvereinbarungen aussteigen kann, oder nicht. Man muß mit JA stimmen, um den Rückzug das Landes aus der Finanzierung zu unterstützen. Ob dann das Projekt scheitert ist noch nicht klar!?
      Keine direkte Abstimmung, die lauten könnte: Welches Bahnprojekt soll gebaut werden: S21 oder K21!?
      @ Youngi, tut mir leid, wenn du nichts in den links gefunden hast, was Dich besänftigt. Ich hatte auch erwähnt, daß auf den Demos unsere Themen angesprochen worden sind und dort Infomaterial, auch in Form von Zeitschriften der Parteien (Grüne, SÖS) verteilt worden ist.
      Und wenn ich Dir als Zeuge mitteile, daß städtebauliche Themen und die Nachkriegs-Abrißwut, samt mißlungenen Wiederaufbau thematisiert worden sind, dann wäre es schön Du würdest meine Mitteilungen akzeptieren, dem Glauben schenken und nicht infrage stellen! Sonst kann ich mir ja aufklärende posts sparen!
      Deine Stellungsnahmen werden dieser Bürgerbewegung in keinster Weise gerecht. Und die Medien unterstützen überhaupt nicht diesen "hype", zumindest die regionalen nicht in der Zeit als Mappus noch MP war. Da wurde die Bewegung eher verunglimpft, negativ dargestellt und versucht zu kriminalisieren!
      Es geht in Stuttgart um etwas viel Tieferes, als nur um den Bahnhof und eine neue Bahnanbindung. Die Leute wollen nicht mehr, daß wenige über sie bestimmen und ihre identitässtiftende Lebensumwelt ausgetauscht wird zu einer einer kalten, seelenlosen Architekturwüstenei mit unkalkukierbaren ökologischen (Klima; Mineralquellen,...) Risiken, ganz zu schweigen von den Unfallrisiken während des Baus und danach. Und bei all dem sollen sie auch noch nicht mal gefragt werden und man hat das Projekt nur mit Betrug durchgebracht, was allerdings seit Jahren auffliegt. Bereits in 2007 gab es eine Bürgerbefragung der Stuttgarter. 67000 Bürger waren gegen S21. Der OBM Schuster hat es ignoriert und schnell vorher Verträge unterzeichnen lassen (siehe Dresden, dieselbe Masche). Darum geht's doch! Aufzustehen, selbst Verantwortung zu übernehmen und die alte politische Kaste ihrer Macht zu entheben. Was ja mit der Landtagswahl im März schon teilweise gelungen ist. Wünsche Euch für Dresden einen ähnlichen Erfolg!
      Hier weitere links:

      Jürgen Schwab

      KL21-Ostertag-VR-24-08-2011

      vr-transport.de/archiv/Kopfbf_S_Text.pdf

      Kopfbahnhof ist leistungsfähiger als Stuttgart 21

      Wort zum Blog: Volksabstimmung zu Stuttgart 21 | see-online.info

      PS:
      Der Bonatz-Bau wurde auf den Demos schon mehrfach ausführlichst gewürdigt, vom ehemaligen Leiter des Landesdenkmalamtes und von Architekten für K21 ua.. Mit dem Nazivorwurf mußte man das auch ägyptischer Architektur anhängen. Lächerlich! Denn dort hat Bonatz Anleihen hergenommen. Man beachte nur die Pfeilerarkaden und die triumphbogenartigen Eingänge, eine zeitlose Monumentatlität ausstrahlend!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SchortschiBähr ()

    • Dirk schrieb:

      Die Wiederherstellung des Marktplatzes ist ein anderes Thema, hier geht es nun einmal um den Bahnhof.

      Was ist denn das für eine Argumentation? Genau das habe ich doch kritisiert, "dass es hier nun einmal um den Bahnhof geht"! Ich finde es typisch, dass die Masse nur das zu interessieren scheint, was gerade "in" ist. Und S21 ist gerade "in", medial gestützt. Dieser jahrelange Wahnsinnsprotest ist nach meinem Empfinden reichlich unverhältnismäßig, wenn man bedenkt, wie Stuttgarts Innenstadt aussieht. Aber ich wiederhole mich.

      Dirk schrieb:

      Im übrigen, wie sollte so eine Wiederherstellung aussehen?

      In Wesel war es möglich, die Rathausfassade wiederherzustellen und weitere Gebäude sollen historisierend angepasst werden. Es muss nicht immer die große Lösung sein, Schwarz-Weiß führt selten zum Ziel. Aber, wie gesagt, sowas steht ja in der Bevölkerung überhaupt nicht zur Debatte. Und ich bin mir sicher, wenn sich nun ein Verein gründen würde, hätte er nach einem Jahr mit viel Glück 100 Mitglieder (in Dresden sind wir momentan bei etwa 10!). Und jetzt vergleiche mal mit dem medialen Großereignis wegen der Seitenflügel. Weiß eigentlich nicht, was man da erklären muss.

      Dirk schrieb:

      Aber hier und jetzt geht es um das Baudenkmal Hauptbahnhof, und wir von APH setzen uns für Baudenkmäler ein, ich bin der Meinung hier kann es nur eine Position geben, nämlich für den Erhalt, also gegen S21.

      Da denkst Du falsch. Das APH ist kein gleichgeschalteter Verein, sondern besteht aus Individuen mit jeweils eigenen Ansätzen, wenn sich auch alle an einem großen übergeordnete Ziel zu orientieren scheinen. Wie kommst Du auf die Idee, dass hier alle Deine Einschätzungen teilen müssten?
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    • SchortschiBähr schrieb:

      Ich hatte auch erwähnt, daß auf den Demos unsere Themen angesprochen worden sind und dort Infomaterial, auch in Form von Zeitschriften der Parteien (Grüne, SÖS) verteilt worden ist. Und wenn ich Dir als Zeuge mitteile, daß städtebauliche Themen und die Nachkriegs-Abrißwut, samt mißlungenen Wiederaufbau thematisiert worden sind, dann wäre es schön Du würdest meine Mitteilungen akzeptieren, dem Glauben schenken und nicht infrage stellen!

      Stelle ich nicht infrage. Nach außen dringt das aber leider nicht durch. Warum ist der Herr Geißler in seinem langen Schlussplädoyer mit keinem Wort darauf eingegangen? Warum wird das in den Medien nicht thematisiert? Warum setzen die von Dir genannten Organisationen diese Themen nicht in den Mittelpunkt ihrer Webauftritte? Ich finde, diese ganze Demo sollte sich VOR ALLEM um die von Dir genannten Misstände kümmern - und den Hauptbahnhof dann als weiteres Beispiel UNTER VIELEN anführen. Mit den meisten Punkten, gegen die sich m.E. der Hauptprotest richtet, kann ich persönlich wenig anfangen. Ich bin durchaus ein Freund visionärer Großprojekte und kann der Idee des Durchgangsbahnhofs einiges abgewinnen. Wirklich stören tut mich an S21 eigentlich nur das geplante Modernistenquartier.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von youngwoerth ()

    • Mit dem Verweis auf die Ähnlichkeit zu manchen Bauten des Dritten Reichs wollte ich den Bahnhof als solchen ausdrücklich nicht in eine gewisse Ecke stellen, sondern nur begründen, weshalb ich persönlich damit nichts anfangen kann.

      Daß Paul Bonatz recht problemlos im Dritten Reich im großen Stil weiterbauen konnte und andere Architekten dieser konservativen Architekturschule (Der Block) wie Paul Schmitthenner sich höchster Anerkennung erfreuten, ist allerdings auch nicht zu leugnen. Aber darum geht es mir gar nicht...

      Das Kernanliegen des Forums endet meines Erachtens mit der Gründerzeit (wobei ja schon damit viele Teilnehmer nicht mehr viel anfangen können), so daß Bauten aus der Zeit des Bahnhofsbaus (ob nun Bauhaus-Moderne oder traditionalistischer Moderne) wohl weitgehend herausfallen...

      Keine direkte Abstimmung, die lauten könnte: Welches Bahnprojekt soll gebaut werden: S21 oder K21!?


      Richtig - denn wir leben zum Glück in einem Rechtsstaat mit genau festgelegten Verwaltungsabläufen und schriftlich festgehaltenen, allgemein gültigen Gesetzen... und das Bahnhofsprojekt ist eben bereits in einer Phase angelangt, in der nach zahllosen Einspruchsverfahren in einem endlosen Verfahren Baurecht erteilt wurde. Daher hat der Bauherr einen einklagbaren Rechtsanspruch, sein Projekt zu verwirklichen, und das Land hat nur die Möglichkeit, auf diesem Wege das Projekt indirekt über die Finanzierung zu Fall zu bringen (wobei aber auch hier hohe Entschädigungsforderungen die Folge sein könnten).

      Auf welcher Grundlage möchtest Du denn bei einer solchen Fragestellung den Bauherren dazu bringen, sein Projekt zu beenden? Das wäre eine rechtlich unverbindliche Meinungsäußerung, mehr nicht.

      Ich persönlich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Stuttgart 21 nicht kommt, und die derzeitige Bahnanbindung finde ich gar nicht sooo schlecht. Wenn es an dieser Stelle überhaupt keinen Bahnhof gäbe, dann wäre doch die heutige Lösung mit dem gigantischen Flächenverbrauch durch die 1 Kilometer lange und rund 200 Meter breite "Gleis-Schneise" direkt neben dem Schloßgarten nicht mehrheitsfähig, und eine große Mehrheit würde eine Anbindung per Tunnel befürworten (was ja auch im sehr großen Maßstab funktionieren kann, siehe den größten belgischen Bahnhof, den Brüsseler Zentralbahnhof).

      identitässtiftende Lebensumwelt ausgetauscht wird zu einer einer kalten, seelenlosen Architekturwüstenei mit unkalkukierbaren ökologischen (Klima; Mineralquellen,...) Risiken, ganz zu schweigen von den Unfallrisiken während des Baus und danach


      Ich bin definitiv FÜR direkte Demokratie, die man ja ähnlich wie in der Schweiz umsetzen könnte, vielleicht mit verstärkter Einbeziehung des Internet, um mehr Transparenz und Informationen bereitzustellen, damit die Bürger dann wirklich selbst eine fundierte Entscheidung treffen können - und zwar ganz zu Anfang von Projekten und nicht ganz am Ende des Genehmigungsprozesses, wenn es effektiv schon zu spät ist.

      Daß in Stuttgart mehr als 1 % der Bürger Interesse an identitätsstiftender Architektur hätten, konnte ich bislang noch nicht feststellen, oder demonstriert irgendwer gegen all die anderen Großbaustellen in der Innenstadt, wo auch nur wieder die üblichen Glas- oder Betonkästen entstehen (mit der neuen Bibliothek als absolutem Tiefpunkt)? Der Abrißwahn in Stuttgart geht immer weiter, man fahre nur mal mit der 15er Linie vom Fernsehturm ins Zentrum, immer wieder fehlt plötzlich ein Altbau, und irgendein Kubus entsteht oder wird an ein vorhandenes Gebäude angebaut. Das interessiert doch auch niemanden... nur beim Bahnhof "interessiert" es plötzlich.

      Welche Risiken für das Klima durch den Bahnhof entstehen, erschließt sich mir nicht. Außerdem gibt es bereits seit 30 Jahren eine durchgehende unterirdische zweispurige Gleisverbindung vom Bahnhof zum Flughafen, ohne daß jegliche Probleme aufgetreten wären (da fährt nämlich die S-Bahn).

      Die Leute wollen nicht mehr, daß wenige über sie bestimmen


      Richtig, und daher würde ich als Bürger gern über all diese Entscheidungen auf EU-Ebene mitreden, die hier mal eben im kleinen Kämmerlein getroffen werden und dann im Eilverfahren durch den Bundestag abgenickt werden. Da geht es inkl. des Engagements der Bundesbank um Summen in Größenordnung einer halben Billion Euro und mehr, und daher verstehe ich nicht, weshalb der Fokus ausschließlich auf diesen Bahnhof liegt. Oder weshalb ausgerechnet die "Bahnpartei Nummer 1" (laut Cem Özdemir) zwar für die Bahn, aber gegen den Bahnhof, oder für regenerative Energien, aber gegen den Bau neuer Staustufen an der Donau ist....
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von saudadegostosa ()

    • Eine Nähe zur Monumentalarchitektur aus der Zeit des Nationalsozialismus sehe ich beim Stuttgarter Bahnhof absolut - nur ist bei den Nazis in der Regel (bei weitem) nicht so häßlich und monströs gebaut worden.

      Für mich ist dieses Gebäude völlig mißlungen, geradezu eine Ausgeburt schlechter Architektur und schlechten Geschmacks.

      Wieso um diesen nackten Kaiser soviel Gedöns gemacht wird, erschließt sich mir überhaupt nicht.
    • Aber hier und jetzt geht es um das Baudenkmal Hauptbahnhof, und wir von APH setzen uns für Baudenkmäler ein


      P.S. Wenn es hier um den von mir erwähnten alten Centralbahnhof von 1913 und/oder um einen echten Abriß ginge, würde ich mich natürlich auch sofort dagegen aussprechen. Aber ein Umbau mit einem Volumen von vielleicht 5 % der Baumasse an einem mehr schlecht als recht rekonstruierten Gebäude (man schaue sich nur mal die Überdachungen der Bausteige an), das mich sowieso nicht besonders anspricht, ist für mich einfach nicht so relevant...
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    • Ich bin nur enttäuscht, weil sich dieses Forum ganz ausdrücklich dem Erhalt von Baudenkmälern widmet. Und in diesem Fall, sei es aus Gründen des persönlichen Geschmacks oder anderer Prioritäten, scheint man es gleichgültig oder billigend hinzunehmen daß ein wirklich bedeutendes historisches Bauwerk irreparabel beschädigt werden soll. Da frag ich mich doch wirklich, ob ich im richtigen Forum bin. Ich hätte das hier einfach nicht erwartet, vielmehr ein Bekenntnis zum Erhalt dieses Beispiels einer besseren, traditionsorientierten Moderne, für die Bonatz steht.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • @ Ach weißt Du Dirk, die Leute, die die Kultdemos nicht vor Ort erlebt haben und wenig Einblick in die zahlreichen Informationsinitiativen haben, können es offensichtlich nicht nachfühlen, was die Stuttgarter so erzürnt und sie massenweise engagiert auf die Straße gehen läßt. Selbst wenn man mit der Bonatz-Architektur geschmacklich nicht ganz einverstanden sein kann, wäre es doch angesagt, angesichts der enormen Energie des Aufbegehrens in Stuttgart näher und tiefer hinzuschauen und zu realisieren, daß der Bahnhof mittlerweile zum Symbol für eine demokratische Bürgerkultur geworden ist, ein Anfang, der Ausstrahlungswirkung hat und andere Bürgerbewegungen in anderen Städten und Ländern sich ein Beispiel nehmen, wie man Protest nachhaltig und friedlich, kompetent und sachorientiert organisieren kann. Wir sollten hier in diesem Forum nicht so eng im "Tunnelblick" auf wünschenswerte Rekonstruktionsprojekte schielen und dabei verkennen, daß es dazu einen vorbereiteten Bewußtseinsboden braucht, auf dem dann auch andere stadtbildgestaltende Initiativen erwachsen können. Ich glaube es braucht hier einen weiteren Blick, der erkennt, welches kreative Gestaltungspotential mit dieser Protestbewegung geweckt wurde. Das ist ein Anfang!
    • Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, daß auch das historische Hotel Silber abgerissen werden sollte und erst der Bürgerprotest dazu führte, daß das Gebäude nun erhalten bleibt. Es ist also mitnichten so, daß die Stuttgarter den städtebaulichen Entwicklungen abseits von S21 gleichgültig gegenüberstehen würden. Im Gegenteil, gerade an diesen zwei Beispielen zeigt sich, daß es ein großes Engagement für den Erhalt von Baudenkmälern gibt, an dem sich manch andere Stadt ein Beispiel nehmen könnte. Das Thema Marktplatz ist im Gegensatz zu S21 schlichtweg derzeit nicht akut, wenn hier eine bauliche Neuordnung geplant wäre, würden sich die Bürger sicher auch in Gestaltungsfragen einmischen. Man kann einfach nicht verlangen, daß dies derzeit für die Menschen von gleicher Brisanz sein sollte wie das aktuell geplante Großprojekt S21, wo es um unmittelbare Entscheidungen und einen konkreten Eingriff in denkmalgeschützte Bausubstanz geht.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Beim Hotel Silber ging es wohl eher darum, daß dort früher die Gestapo-Zentrale untergebracht war, die als Denkmal erhalten bleiben soll - vom äußeren Erscheinungsbild des alten Hotel Silber ist sowieso nichts erhalten:

      Hotel Silber – Wikipedia

      Der Bahnhof bleibt ja im Wesentlichen erhalten, abgerissen wurde bislang der Nordausgang:

      Hbf Stuttgart Auenansicht (Nordflgel) 1, Nordausgang [Gittertor] und - Kbs761.startbilder.de
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    • 1. Es ging beim Hotel Silber darum, daß ein historisches Zeugnis der Stadtgeschichte bewahrt bleibt, auch wenn es ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte war. Aber ob wegen der äußeren Substanz oder Nutzungsgeschichte, es ging letztendlich um den Erhalt eines Baudenkmals, verwiesen sei auf die Ausführungen von Roland Ostertag. Unser Anliegen wurde dabei vertreten! Stuttgarts Mitte ist arm an historischen Gebäuden, die noch etwas von der Vorkriegsgeschichte der Stadt erzählen. Umso wertvoller ist da jedes einzelne Bauwerk, aus welchen Gründen auch immer es erhalten wird. Ich danke dafür engagierten Stuttgarter Bürgern.

      2.Und das stimmt eben nicht, der gesamte Schloßgartenflügel wird abgerissen, die Hälfte der Fassade (!) des denkmalgeschützten Hauptbahnhofes ist damit vom Abriss bedroht, außerdem die Große Schalterhalle amputiert, seiner Funktion beraubt, die große Treppe entfernt.

      Das nenne ich NICHT "im Wesentlichen erhalten".

      Achja, im Zuge von S21 soll auch noch das gründerzeitliche Gebäude der Bahndirektion zur Hälfte abgebrochen werden.

      Alles Maßnahmen mit denen ihr (offenbar einschließlich des Webmasters) gut leben könnt? Hallo, bin ich hier wirklich im APH Forum? Für jede unscheinbare Hütte engagiert man sich hier, aber wo es um ganz konkrete Bedrohung herausragender Architektur geht, nimmt man es einfach hin? Also ich kann dem nicht folgen.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Also ich muß Dirks Appell an den Forengeist unserer hier an der Diskussion beteiligten user unterstützen!
      Neulich hat mir eine Stuttgarter Freundin erzählt, daß vor einer der Montagsdemos eine Führung durch engagierte Architekten zur und durch die alte Bahndirektion angeboten wurde und dort die gesamte Außen- wie Innenarchitketur hoch gelobt wurde und es eines der wenigen großen historistischen Gebäude der Stadt sei, welches vollkommen erhalten sei, insbsondere wurden die Treppenhäuser und die Innenhöfe hervorgehoben.
      Es ist an kultureller Barbarei nicht zu überbieten, was an Bau- und Gartenbaudenkmäler einschließlich der Gefährdung der Stuttgarter Mineralquellen geopfert werden soll, nur um einen Bahnhof quer zum Talkessel in den Boden zu versenken, der sogar noch weniger leistungsfähig sein wird als der alte unmodernisierte Bahnhof , nur um dann auf dem Gleisvorfeld monumentale, kalte Investorenkisten aus dem Boden zu stampfen, die eine seelenlose urbane Wüste hinterlassen werden..., noch Fragen!?

      Allein die 10-15 Jahre Bauzeit, wahrscheinblich noch länger wird ein Horrorszenario für Stuttgart werden. Ich schätze es kommt ständig zu Baupannen, wenn nicht gar zu Unfällen, ganz zu schweigen von zahllosen Demoblockaden. Das wird die teuerste Baustelle Deutschlands. Allein ein vernunftbegabter Geist müßte doch erkennen, daß es eine irrwitzige Resourcenverschwendung ist einen Bahnhof quer zur gebirgigen Topographie in die Erde verschwinden zu lassen und dafür nicht die einzige Talöffnung, wie gehabt zu benutzen.
      Das wäre doch genauso, wenn ihr euer Haus von der Garage aus per unterirdischen Gang betreten würdet. Nun denn, wenn das Haus eh nur eine seelenlose Bunkerfassade hätte wär's eh egal... .
      Hier regiert der kapitalistische Wahnsinn,... . Ich schweige jetzt zu dem Thema.
      Und mach am 27. bei der Farce von Volksabstimmung dennoch mein Kreuzerl an der richtigen Stelle ... :thumbup: OBEN BLEIBEN!
    • Bezüglich des Bahnhofs kann ich "Dirks" und "SchortschiBährs" Position durchaus verstehen. Natürlich ist der Flächenverbrauch des Gleisbetts nicht ideal, andererseits wird auch die Bebauung mit Bauklötzen, die von den sich sicher bereits die Hände reibenden Architekturbüros errichtet werden dürften, das Gesicht der Stadt nicht vorteilhaft prägen. Die lange Bauzeit lässt - da die ökonomische Krise naht - das Risiko erscheinen, dass die Mitte Stuttgarts zu einer Dauerbaustelle für Jahrzehnte verkommt. Fertigstellung ungewiss. Nein, das Projekt sollte verhindert werden, wenngleich das die "Grünen" in eine ganz problematische Situation bringen wird. Sie hoffen nämlich sicher darauf, dass S21 durchkommt, sie sich dann die Hände in Unschuld waschen können und von den drohenden Schadensersatzforderungen der beteiligten Konzerne verschont bleiben.

      Dirk schrieb:

      Es ging beim Hotel Silber darum, daß ein historisches Zeugnis der Stadtgeschichte bewahrt bleibt, auch wenn es ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte war. Aber ob wegen der äußeren Substanz oder Nutzungsgeschichte, es ging letztendlich um den Erhalt eines Baudenkmals, verwiesen sei auf die Ausführungen von Roland Ostertag. Unser Anliegen wurde dabei vertreten! Stuttgarts Mitte ist arm an historischen Gebäuden, die noch etwas von der Vorkriegsgeschichte der Stadt erzählen. Umso wertvoller ist da jedes einzelne Bauwerk, aus welchen Gründen auch immer es erhalten wird. Ich danke dafür engagierten Stuttgarter Bürgern.


      Webmaster schrieb:

      Beim Hotel Silber ging es wohl eher darum, daß dort früher die Gestapo-Zentrale untergebracht war, die als Denkmal erhalten bleiben soll - vom äußeren Erscheinungsbild des alten Hotel Silber ist sowieso nichts erhalten.


      Wenn man das Ding schon stehen lässt, um eine weitere Gedenkstätte haben zu dürfen, dann aber sollte man konsequent auch auf eine Fassenrekonstruktion drängen. Die jetzige Nachkriegsfassade ist ja schließlich unauthentisch und spiegelt nicht wirklich den Schrecken jener Zeit wieder. Sie zeigt nicht die Fassade, hinter der die Täter von einst ihrem sinistren Tun nachgingen. Es wäre ja, als würde man einen mittelalterlichen Folterkeller im Gewand einer modernen Shopping-Mall nahebringen wollen. Also, nur eine konsequente Fassadenrekonstruktion steht auch für geschichtspädagogische Ehrlichkeit. Alles andere wäre verlogen, riecht nach Konstrukt. Da heißt es nun für die diesbezüglich engagierten Institutionen und Vereine, vor der Ausstattung mit öffentlichen Fördergeldern erst einmal mit der Sammelbüchse loszumarschieren und Spenden zu erhaschen.