Stuttgart

  • Also, Heilbronn ist nun wirklich nicht schön, sondern wirkt vielerorts reichlich schäbig.


    Ansonsten habe ich den Eindruck, wir reden aneinander vorbei - im Rahmen des Möglichen sind alle genannten Projekte deutliche Verbesserungen, und Reko-Projekte stehen hier sowieso nicht zur Debatte. Außerdem gibts durchaus auch preislich ganz normale Gastronomie im Viertel, und den flächenmäßig größten Mieter kann sich wohl jeder leisten, das ist ein normalpreisiger Supermarkt im Untergeschoß.

  • Ich kann hier Gmünder nur zustimmen. Auch auf mich wirkt es so, daß die Innenstadt in erster Linie ein Ort des Konsums sein soll. Freilich gibt es mittlerweile auch zunehmend Gastronomie, letztendlich auch nur, weil man damit Geld machen kann.
    Auch die Entwicklung der letzten Jahre geht in diese Richtung. Ist die Königsstraße schon eher funktional angelegt, wird das mit den neuen riesigen Shopping-Centern noch schlimmer. Ich habe in den SN vor ein, zwei Jahren gelesen, daß auf dem neuen Areal von S21 ein weiteres Einkaufszentrum entstehen soll. Begründung: Die Kaufkraft der Umlandbewohner soll nicht auf der grünen Wiese außerhalb der Stadt abgeschöpft werden. Ich halte es für eine vollkommen irrwegige Argumentation, dafür dann die eigenen Innen"stadt" in ein gefühltes Gewerbegebiet umzuwandeln, nur damit die Menschen dort bequem ihr Geld ausgeben können. Zumal: Als ob man an Kaufkraft und Konsum nicht ohnehin in Stuttgart genug hätte.. Das ist doch nicht das Problem...

  • Diese Stadtplanung nach Funktionsarealen, in diesem Fall "Konsum", wird sich dann als besonders fatal erweisen, wenn der Konsum einbricht. Sei es durch die Zunahmen des Online-Handels, sei es durch ein Nachlassen der Kaufkraft (das dürfte in Stuttgart allerdings länger dauern, als in anderen Regionen), sei es durch die Verschärfung der Sicherheitslage in den Innenstädten. Dann wird es eine Menge unbelebter Geister-Areale mit verwaisten Gebäuden geben, in die sich dann vielleicht Wohnsitzlose einquartieren. Folgen falscher Planungen, für die die einst Verantwortlichen aber nicht mehr werden gerade stehen müssen.

  • Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) als Eigentümerin dreier Bauhaussiedlungen im Stadtgebiet hat diese in den letzten Jahren aufwändig saniert. Dabei handelt es sich um:


    - Siedlung Ziegelklinge in Heslach von 1927/28


    - Inselsiedlung in Stuttgart-Wangen von 1929/30


    - Wallmersiedlung in Untertürkheim von 1925-1930 (Denkmalschutz wurde aufgehoben)


    Quote

    Als Stuttgarter Zauberberg oder auch "Hustenburg" bezeichneten die Einheimischen die Siedlung Ziegelklinge im Stadtteil Heslach. Die Stadt errichtete die Siedlung 1927/28 an einem Südhang mit dem Ziel, dort Familien mit tuberkulosekranken Angehörigen in 26 dreigeschossigen Reihenhäusern in fünf parallel angeordneten Blocks unterzubringen. Das oberste der drei Geschosse war als Krankenzimmer mit Loggia ausgelegt, um Luft und Sonne zu tanken. Doch das Konzept ging nicht auf. Die jeweils rund 100 m2 großen Reihenhäuser mit vier bis fünf Zimmern wurden in zwei Bauabschnitten zwischen 2016 und 2018 für rund sieben Mio. Euro saniert. Im Prinzip ist nun alles neu. Dabei mussten viele Denkmalschutzauflagen beachtet werden: Spezielle Sprossen-Isolierglasfenster mit Holzrahmen, Holz-Klappläden, Restaurierung der Original-Innentüren und Fußböden sowie der Haustüren und der Außenanlagen nach historischem Vorbild.


    SWSG verjüngt Bauhaussiedlungen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • In der Tübinger Straße 109 wurde ein Wohn- und Geschäftshaus saniert, dabei erhielt das Gebäude seine historischen Türen und Schaufenster zurück, die hässlichen Einbauten wurden beseitigt. Eine solche Veränderung macht so viel aus für das Gesicht eines Hauses.


    Also, auch in Stuttgart gibt es erfreuliche Entwicklungen.



    Vorher:



    Jetzt:


  • Sehr gut gelungen! Wie schön könnten unsere Städte doch werden, würde man die Altbauten wieder denkmalgerecht restaurieren. Leider passiert das nachwievor viel zu selten, insbesondere wenn kein Denkmalschutz vorliegt.

  • Schon etwas her, aber auch erwähnenswert: Die Villa Federer von 1910 in der Mörikestraße 20 wurde behutsam saniert, der Wildwuchs im Vorgarten beseitigt.


    Vorher:


    Nachher:

  • Ja, da wird einer, der durch die Zuführung von Großaufträgen verwöhnt ist, langsam größenwahnsinnig in seinen Allmachtsphantasien. Ein solcher Abriss des historischen Gebäudes muss selbstverständlich verhindert werden, gerade in einer an historischer Substanz nicht überreich beschenkten Innenstadt wie der Stuttgarts.
    Hier ein Bild des Gebäudes: https://de.wikipedia.org/wiki/…nigin-katharina-stift.jpg

  • Es handelt sich wohl um einen Fehler des Redakteurs. Ein Abriss des Gebäudes ist - anders als der Artikel suggeriert - nicht beabsichtigt, lediglich ein Umzug der sich darin befindlichen Schule. Also Entwarnung. Ein solcher Plan wäre auch - selbst in Stuttgart- ungeheuerlich gewesen. Aber man sieht an diesem Beispiel wie blank die Nerven liegen. Man kann heutzutage nichts mehr gänzlich ausschließen.

  • Das Kavaliershäuschen Nr. 6 bei Schloss Solitude wird definitiv nicht abgerissen, sondern wahrscheinlich ab nächstem Jahr saniert werden.


    Quote

    Das Häuschen wird zudem einen Verputz erhalten und bekommt auch im Inneren neue Böden und einen neuen Anstrich. Außerdem wird die Haustechnik komplett erneuert. Weil das Kavaliershäuschen, das seit längerem unbewohnt war, unter Denkmalschutz steht, muss die Sanierung in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden erfolgen. „Von der Bewertung hängt ab, wann und wie wir loslegen können und was es kostet“, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums. Wenn alles gut laufe und der Denkmalschutz sein Einverständnis gebe, könnte die Instandsetzung im kommenden Jahr beginnen.


    Kavaliershäuschen wird nicht abgerissen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Ich verlinke das mal hier. An dieser Stelle (Eberhard-/Steinstraße) könnte man ganz wichtige Stadtreparatur betreiben. Das ist eine Art kleines Altstadtquartier, wenn auch die Bebauung meist gründerzeitlich ist. Sehr beliebt bei jungen Leuten. Stattdessen ist nun dieser belanglose Komplex geplant. In Stuttgart scheint offenbar niemand dazu zu lernen, oder?

    Das Thema betrifft aktuell auch Stuttgart. Prämiert wurde ein Neubau, der leider alles andere als altstadtverträglich ist. Der Zweitplatzierte hätte es besser gemacht. Aber es ist hier wirklich so dass die Investoren über das Stadtbild entscheiden. Doch die haben eigene Interessen. Im Rathaus scheint man machtlos.


    Wollen wir Städtebau nach diesem Prinzip? Ich glaube nicht.


    Stadträte protestieren gegen Siegerentwurf

    P.S.: Hier sieht man unter 05/2018 den Entwurf des Zweitplatzierten Jo Franzke. An dieser Stelle wäre das die weit gefälligere Lösung.

  • Es handelt sich wohl um einen Fehler des Redakteurs. Ein Abriss des Gebäudes ist - anders als der Artikel suggeriert - nicht beabsichtigt, lediglich ein Umzug der sich darin befindlichen Schule. Also Entwarnung. Ein solcher Plan wäre auch - selbst in Stuttgart- ungeheuerlich gewesen. Aber man sieht an diesem Beispiel wie blank die Nerven liegen. Man kann heutzutage nichts mehr gänzlich ausschließen.

    Um es festzuhalten: Der Verein Aufbruch Stuttgart mit Arno Lederer und Wieland Backes hat den Abriss des denkmalgeschützten Königin-Katharina-Stifts tatsächlich beabsichtigt! Die wiederholte und versuchte Relativierung dieser Absicht wurde in der Stuttgarter Zeitung vom 23.04.2018 anschaulich widerlegt. Nicht umsonst wurde eine Petition eingereicht, da die Gefahr offenbar nicht gebannt ist: https://www.change.org/p/gemeinderat-stuttgart-königinkatharinastift-in-gefahr-stimme-gegen-abstruse-pläne-des-aufbruch-stuttgart


    Quote

    Bevor die Petition bekannt wurde, hatte schon OB Fritz Kuhn (Grüne) Kritik an Aufbruch Stuttgart geübt. Er sagte, der Verein müsse sich angesichts seiner Vorschläge eigentlich eher „Abriss Stuttgart“ nennen.


    Quelle: https://www.stuttgarter-zeitun…d0-a9e7-047a62f67a14.html


    Erst in der Sitzung des Technischen Ausschuss am vergangenen Dienstag hat der Verein Aufbruch Stuttgart eingelenkt:

    Quote

    Nach heftiger Kritik an seinen Plänen, den Standort des Königin-Katharina-Stifts für den Bau einer neuen Oper oder eines Konzerthauses zu opfern, rudert der Verein Aufbruch zurück. Man müsse akzeptieren, wenn das Gymnasium an seinem Standort bleiben wolle, und sei bereit, auch über alternative Standorte wie etwa den Akademiegarten am Charlottenplatz zu sprechen, sagte der Vereinsvorsitzende Wieland Backes am Dienstag im Technikausschuss.



    Quelle: https://www.stuttgarter-nachri…85-bbd4-de5800cfaa8c.html

  • Nachtrag:


    Trotz der anders lautenden Konzeption (http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/assets/files/newsroom/allgemein/stadtmuseum/sms_stadtmuseum_museumskonzeption_01.pdf)
    bestätigte mir das Stadtmuseum oben getätigte Aussage zum historische Stadtmodell:


    Die Leiterin der Sammlung vom neuen Stadtmuseums in Stuttgart, StadtPalais genannt, unterrichtete mich kürzlich auf meine nochmalige Nachfrage, warum entgegen der beteuerten Absicht das historische Stadtmodell von Alt-Stuttgart aus der Hand von Emma und Karl Weingand* nun doch keinen Platz in der Dauerausstellung des Stadtmuseums gefunden hat:


    Quote

    ...das historische Stadtmodell von Weingand hat in der Dauerausstellung leider keinen Platz gefunden. Die Alternativen, die wir versucht haben, haben sich als sehr schwierig herausgestellt. Entweder stand das Modell im vollen Licht, weil eine Abdunkelung nicht realisiert werden kann oder es wäre auf Verkehrs-, Veranstaltungs- bzw. Fluchtwegen gestanden. Aktuell ist es deshalb im Depot.



    Ich erkundigte mich daraufhin, ob wenigstens die Möglichkeit bestünde, das Modell im Depot zu besichtigen?


    Quote

    Nein, besichtigen kann man unser Depot leider nicht.Für wissenschaftliche Recherchen kann auf Antrag ein Besuch ermöglicht werden.


    Mein Fazit:


    Es ist bezeichnend, dass in einer Stadt wie Stuttgart, die erst seit jüngster Zeit überhaupt ein Stadtmuseum besitzt, die historische Vorstellung der Stadt kaum oder wie das Modell der Stadt um 1750 keinen Eingang in die Ausstellung gefunden hat. Mangelnden Möglichkeiten zur Aufstellung konnte ich indes nach Besichtigung und der genannten Einschränkungen nicht erkennen. Das Museum glänzt an vielen Stellen geradezu mit gähnender Leere. Bei mir entsteht nach dem Hin und Her über die Aufstellung dieses Modells vielmehr der Eindruck, hier wird mit vorgeschobenen Gründen operiert, um dem großzügigen modernen Stadtmodell des heutigen Stuttgarts im Zentrum der Ausstellung des StadtPalais keine qualitativ und im Detail wesentlich eindrucksvollere und zudem reichere historische Konkurrenz gegenüber zustellen.
    In der Summe bleibt für mich nach derart langer Vorplanung das Ergebnis des neuen Stadtmuseums ein Reinfall. Denn angesichts von über 20 Jahren Vorlaufzeit, zudem die Tatsache, dass ein Stadtmuseum in Stuttgart überhaupt erst jetzt verwirklicht wurde, lässt sich über die ohnehin vielfach kritisierte und problematische Stadtplanung sowie Architekturentwicklung dieser Stadt hinaus auch einiges über das Stuttgarter Geschichtsbewusstsein
    und -verständnis aussagen. Im Museum wird vor allem die jüngere (Nachkriegs-)Geschichte und Moderne, aktuell auch die Musikbranche (Stadt des Hip-Hop) gefeiert. Über die Baugeschichte, die Traditionen und Historie des alten Stuttgarts erfahren interessierten Besucher indessen wenig.


    Wie sagt der Schwabe? "Schad' um das viele Geld", welches für diese Einrichtung ausgegeben wurde und wird. Normalerweise sollte der Reiz eines Museums doch auch darin bestehen, auf weitere Besuche Appetit zu machen. Ich muss bei dieser Konzeption allerdings kein weiteres Mal hin.

  • In Stuttgart-Degerloch sollen zwei nebeneinander liegende Bauten aus dem 19. Jahrhundert abgerissen werden, nämlich die Große Falterstraße 18 und 20. Die Nr. 20 ist ein ehemaliges Schulhaus. Beide Gebäude gehören der Stadt.


    https://www.stuttgarter-nachri…f0-a0ed-eda189efabbe.html


    Das Areal aus der Luft:
    https://binged.it/2JHDvzP


    Ein Schmankerl aus obigem Artikel: "Dass die Stadt das Gebäude abreißen will, hat die Bewohnerin der Großen Falterstraße 20 vor allem aus einem Grund überrascht: "Bisher hat man uns immer gesagt, das Gebäude steht unter Denkmalschutz“, erzählt die 56-Jährige. In der Vergangenheit seien mit diesem Verweis von der Stadt als Vermieter Sanierungsmaßnahmen abgelehnt worden. Nun habe sie auf Nachfrage beim Liegenschaftsamt erfahren, dass gar kein Denkmalschutz bestehe. "

  • Na immerhin scheint sich ja endlich mal Widerstand in Stuttgart zu regen. Zitat aus dem Artikel:


    Quote

    Im Internet hat unsere Berichterstattung jedenfalls auf der Facebook-Seite „Abriss Watch Stuttgart“ viele Reaktionen ausgelöst. Es sei „das übliche Spiel“ schreibt ein Nutzer. „Weil eine Sanierung des Gebäudes im Vergleich zu einem Neubau wirtschaftlich nicht tragbar“ sei, „stirbt wieder ein Stück Heimat im schleichenden Prozess. Und es stellt sich die Frage, ob das Landesdenkmalamt die Häuser auf ihre historische Bedeutung untersucht hat“. Ein anderer Nutzer kommt zu dem Urteil: „Es ist eine Schande, wenn die Stadt mit schlechtem Beispiel vorangeht – und es wundert einen überhaupt nicht, wie es in dieser Stadt aussieht und welche Wertigkeit die ältere Bausubstanz im Allgemeinen hat.“ Und eine Böblingerin urteilt in ihrem Statement: „Stuttgart hat genügend verheerende Abrisse von Altbauten zu verantworten. Dabei ginge es auch anders.“ Dies machten andere Städte wie Wien oder Zürich vor. Die entsprechende Empfehlung eines Nutzers, der den Abriss gerne verhindern möchte: „Lasst uns Druck machen!“

  • Schönwetter-Denkmalschutz. Alles was 'ne Mark mehr kostet, ist "unwirtschaftlich" und kann abgerissen werden. Wahrlich kein Wunder, wie die Stadt aussieht.