Boston (Galerie)

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    Jahreshauptversammlung 2019: 1. und 2. Juni in Balingen/Zollernalb. Mach mit!

    • Boston (Galerie)

      Boston hat mir sehr gut gefallen, zumal meine Erwartungen noch gar nicht mal besonders hoch waren. Boston gilt ja als relativ europäische US-Stadt. Dies wird vor allem daher rühren, dass es in weiten Teilen der Stadt kein Raster-Straßennetz gibt und die Innenstadt (wir waren nur einen Sonntag dort) im Gegensatz zu anderen US-Städten überaus quirlig ist. Es gibt jede Menge Geschäfte und es laufen Unmengen Leute herum, es gibt einen tollen Park. Von der Architektur her erschien mir jedoch Boston als eine Art New York City im kleinen, es gibt jede Menge Hochhäuser, vor allem im Bankenviertel interessante, gewaltige Bauwerke aus der Zeit um 1910 und einige Bausünden, abgerundet wird das ganze durch einige auch für unsere Verhältnisse respektabel alte Gebäude, Boston ist die US-Metropole mit der ältesten Bausubstanz. Zudem gibt es in Boston auch an vielen Stellen Hinweise auf Eckpunkte amerikanischer Geschichte, z,B. auf Paul Revere, der (angeblich) in einem mutigen Ritt die vor der Stadt stehenden Truppen George Washington’s vor den Engländern warnte.

      1 Zu einem bemerkenswerten Bauprojekt kam es in Boston bis 2005, als die die Innenstadt querende Interstate 93 (gelb markiert) im Rahmen des „big dig“ in einen unterirdischen Verlauf verlegt wurde. Bis dahin wurde die nordöstliche Spitze der etwa faustförmigen Innenstadt mit dem dort befindlichen Hafen, Little Italy und Teilen des ältesten Bereiches der Stadt durch diese Interstate von Rest abgetrennt, eine markante Fehlplanung aus den 50ern. Immerhin sah Boston bis 2005 mit Baukosten um 16 Milliarden $ das seinerzeit größte öffentliche Bauprojekt der USA.



      2 Jetzt sehen wir vom Hotelzimmer und von Süden aus Downtown . Man beachte ganz rechts außen das halb verdeckte Custom House, das größte ältere Gebäude (Aufstockung 1911,151m) der Stadt.



      3 Hier sehen wir links vom Park in Bild 1 die Gegend um den Copley Square, mit einigen interessanten Ge-bäuden, etwa links den Prudential Tower (1964, 228 m), dann in der Mitte das gläserne John Hancock Center (1976, 240 m)und daneben etwas kleiner das Berkeley Building (1947, 151 m)



      4 Beim Eintritt in die Downtown von Süden her sieht das hier alles noch etwas ungeordnet aus.



      5 Dagegen sehen wir am Copley Square das wohl meistphographierte Motiv der Stadt, das John Jancock Center, in dessen gläserner Fassade sich die umliegenden Gebäude spiegeln und das in einem wirkungsvol-len Kontrast zur neoromanischen Trinity Church steht.



      6



      7 Die Trinity Church sieht auf den ersten Blick ganz gut aus, bei näherer Betrachtung ist die Verarbeitung doch etwas lieblos, so wurden die karolinigisch anmuten Säulen simpel aus Beton gegossen. Typisch ameri-kanisch ist es wohl auch, im Bild unten in eine neoromanische Ansicht einen gotischen Bogen einzubauen.



      8




      9




      10 Das Berkeley Building (auch: Old John Hancock Building) rechts a.d. 1947 gefällt mir sehr gut, eines der wenigen relevanten Bauwerke aus dieser Epoche.



      11 Auch im Umfeld gibt es genug sehenswerte Gebäude.



      12



      13 Jetzt sind wir an der Boston Public Library, einem Beaux Arts Bau (1895) des New Yorker Architekten Charles McKim, der zusammen mit zwei Partner als McKim, Mead & White in New York einiges geleistete hat (u.a. die abgerissene Penn Station). Wir erinnern uns an Stanford White, der 1906 im Dachrestaurant des von ihm selbst gebauten alten Madison Square Garden von einem eifersüchtigen Ehemann erschossen wurde.



      14 Die Perspektive von der Library zur Trinity Church hat sich in den letzten 100 Jahren doch deutlich verän-dert.



      16 Bildquelle Wikipedia



      17 In Richtung Norden geht es dann wesentlich kleiner, aber sehr gut sortiert und durchaus europäisch weiter, was hier im Bild halbwegs zu erahnen ist.



      18 Jetzt sind wir in Bild eins rechts vom Park nahe Downtown angekommen und gehen ein Stück den Free-dom Trail herunter, in dem einige Eckpunkte des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes markiert sind. Zunächst sehen wir das State House ...



      19 ..., dann die King’s Chapel (1749), ...



      20 ... die Old City Hall (1865), ...



      21 ... das Old South Meeting House (1729) ...



      22 ... und das Old State House (1713), hier wird am ehesten der Kontrast der historischen Gebäude zu sei-nem aktuellen Umfeld deutlich.




      23 Gegenüber des belebten Arreals um den Quincy Market ...



      24 ... steht dann aber mit der (neuen) City Hall ein unglaublich hässliches Gebäude, das ich zwar vor Ort wahrgenommen, aber vor Schreck nicht photographiert habe (somit zweimal Bildquelle Wikipedia), gebaut 1963-1968, Brutalismus in Reinkultur. Das mir unbekannte Internetprojekt Virtualtourist hat die Boston City Hall 208 zum hässlichsten Gebäude der Welt gewählt (Quelle Wikipedia).


      24a




      25 Das Gebäude 75 State Street (119 m) beweist, dass man auch 1988 noch sehenswert bauen konnte.



      26



      27



      28 Jetzt schauen wir vom Wasser auf 75 State Street und das Custom House.




      28-info



      29 Jetzt sind wir am Filene’s-Basement (1908) angekommen, einem schönen Kaufhaus, das (besonders die Uhr als einfachster Nachbau) an das Marshall-Field-Kaufhaus in Chicago angelehnt wurde. Aktuell befindet sich neben dem geschlossenen Filene‘s ein Bauloch, wie wir sehen, ist ein Neubau geplant.


      30


      31


      32



      33 Nun sehen wir noch exakt von der ehemaligen Interstate auf das Custom House, ...



      34 ..., das Umfeld hat sich deutlich verbessert (Bildquelle Wikipedia), der nahe Bereich um den Quincy Mar-ket war vor dem Big Dig garantiert tot. Abschließend kann ich sagen, dass ein Tag in Boston einer zu wenig war, ich wäre den Freedom Trail gerne zu Ende gegangen und auch von Norden soll es über den Charles River einen schönen Blick auf die Stadt geben. Das Problem in Boston sind ganz klar die Hotelpreise. Wir sind übers Wochenende in einem Business-Hotel nahe einer riesigen Messehalle untergekommen, hier hätte sich der Übernachtungspreis unter der Woche verdreifacht. In der Innenstadt sind gute Hotels nicht zu bezah-len.
    • Irgendwo hab ich mal gelesen oder gehört, dass Boston noch so etwas wie eine richtige Altstadt zu haben scheint, aber das dürfte aufgrund dieser Bilder nicht der Fall sein?

      Die neue City Hall finde ich eigentlich nicht so schlecht. Da gibt s in dt. Städten andere Kandidaten mit weit weniger gestalterischer Qualität. Aber es kommt wohl auf das Umfeld und den Bezug zu diesem an.

      Was heißt eigentich dieses "Downtown" genau? Eher Stadtzentrum als Niederstadt?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Hmh, so richtige Riesenfreude kommt beim Betrachten der Bilder nicht auf - städtebaulicher Wildwuchs, der Historisches mit austauschbar Modernem verquickt; allein die barbarische Stadtautobahn macht eher Lust auf weniger.

      Gibts nicht außer Boston noch ein paar anregende Fotos aus kleineren Neuenglandstädten? Die sollen in in Bild und Flair wesentlich hübscher sein.

      Das wäre schön.
    • Wie die von Johan eingestellten Links zeigen, ist Beacon Hill ein englisch angehauchtes Viertel, in dem ich aber nicht war.

      Das älteste Viertel in Boston soll North End sein, im weiteren Verlauf des Freedom Trail, dort war ich aber ebenfalls nicht. Hier steht das Paul Revere Haus a.d. ca. 1680. Die Gegend macht auf mich auch einen ziemlich englischen Eindruck (zweimal Bildquelle Wikipedia).

      North End


      Paul Revere Haus


      Es gibt in Boston zwar einige alte Häuser, so etwas wie eine geschlossene Altstadt vor 1850 oder 1800 aber nicht. Überhaupt gibt es in den USA ja häufiger „historic districts“, mit Häusern knapp vor 1900, die unserer Vorstellung von einer Altstadt nicht entsprechen.

      Mit dem gängigen Begriff Downtown habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Wie der Ursprung des Begriffes ist, weiß ich nicht. Nach meinem Verständnis ist in den USA grundsätzlich der Ortskern nach unserem Verständnis gemeint, nur stehen dort meist Banken, aber lange nicht immer. Als ich 2003 in Kalifornien war, habe ich mich in dem beschaulichen Städtchen Monterey nach dem „City-Center“ erkundigt, wurde nicht verstanden und habe erst nach so etwas wie, „ach so, Sie meinen Downtown“ eine Auskunft erhalten.

      Zum weiteren Neuengland kann ich nicht ganz viel sagen. Wir waren noch in einem allerdings sehr schönen Ort namens Ogunquit/Maine mit einigen viktorianischen Hausern (und dem einzigen relevanten Sandstrand an diesem Küstenabschnitt) und noch in kurz in Portland/Maine, das mich allerdings enttäuscht hat. Ganz viel tolle Architektur gibt es in Neuengland außerhalb Bostons, glaube ich, nicht, grundsätzlich werden dort Naturfreunde besser aufgehoben sein.
    • ursus carpaticus wrote:

      Irgendwo hab ich mal gelesen oder gehört, dass Boston noch so etwas wie eine richtige Altstadt zu haben scheint, aber das dürfte aufgrund dieser Bilder nicht der Fall sein?


      Jein ... es gibt das bereits erwähnte Beacon Hill, das eine relativ geschlossene Bebauung aus der Zeit zwischen 1795 und 1840 aufweist (also schon vor 1850 :lockerrot: ) und doch sehr "europäisch" wirkt.

      Daneben gibt es dann noch das ebenfalls erwähnte North End, das heute übrigens vorwiegend von Italoamerikanern bewohnt wird.
      Das North End ist städtebaulich insofern ganz interessant, als die Bebauung zwar größtenteils aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (meinem Eindruck nach ab etwa 1850) stammt, sich dazwischen aber auch immer mal wieder ein älteres Haus aus dem 18. Jahrhundert oder wie im Fall des gezeigten Paul-Revere-Hauses sogar aus dem 17. Jahrhundert, sowie einige Kirchen des 18. Jahrhunderts finden. Gleichzeitig hat das North End meinem Eindruck nach (ich war 2004/05 mal öfter in Boston) weitgehend den Grundriß und die Parzelleneinteilung aus der Gründungszeit Bostons im 17. Jahrhundert bewahrt (Boston soll schon um 1700 übrigens die zweitgrößte englischsprachige Stadt nach London gewesen sein).
      Der Grund dafür dürfte sein, dass die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Backsteinhäuser einfach die früheren Holz- und Fachwerkbauten (siehe als Beispiel eben das Paul-Revere-Haus) auf denselben Parzellen ersetzten. Das ergibt insgesamt eine angenehme Kleinteiligkeit und zumindest teilweise so etwas wie Altstadtatmosphäre.

      Typische Eindrücke vom North End gibt's hier:
      BostonByAida North End

      Und z.B. hier:
      4.bp.blogspot.com/_EaTrs3A_q_c…alem+Street+North+End.jpg

      Ist nicht direkt eine Altstadt, aber kommt dem doch irgendwie nahe, was meinst du, ursus?!
    • Das oben gezeigte Paul Revere - Haus verdankt seine physische Überlieferung eben auch nur seinem Namensgeber und steht, obwohl voller Geschichte und Ahnung und Anmutung, sehr verloren zwischen seinem Umgebungsprotz, ähnlich dem Goethe-Haus in Frankfurt.
      Fast es wäre es gnädiger gewesen, man hätte es abgerissen, aber wenn Amerika schon keine (lange) Geschichte hat, so braucht es doch wenigstens seine Mythen und wenn sie auf einem Reitersmann bestehen - aber bereits diese Generation, die schon nicht mehr wissen wird, wer Revere war, hat dafür doch Spiderman und Captain Marvel, was an und für sich auch reichen sollte.
    • Was ich übrigens abgesehen von Boston selbst bei meinem Aufenthalt dort architektonisch sehr ansprechend fand, waren in Harvard die Universitätsgebäude des 18. Jahrhunderts im Georgianischen Stil (ergänzt durch einige des 19. Jahrhunderts im neo-georgianischen Stil).
      Ein vornehmer, protestantisch zurückhaltender Frühest-Klassizismus in Backstein. Hatte von der Anmutung her beinahe schon was preußisches.

      Was das Paul-Revere-Haus angeht, hat Sarrazene natürlich recht.
    • Schmucke Galerie! Schön, dass die Bilder alle online sind, Stadtbild-Hosting sei Dank. ;)

      Der Umfang ist ja recht überschaubar, aber gut, es war eben auch nur ein Tag. Ich selbst war 2012 etwas länger da und habe u.a. an und mit mehreren Universitäten dort gearbeitet (MIT, Harvard). Ich könnte was von Cambridge und Brookline zeigen und noch die ein oder andere Ansicht von Downtown und der Riverside, falls Interesse besteht. Cambridge erinnert schon sehr stark an englische Mittelstädte, überhaupt ist der Charakter der alten Zentren denen in England verdammt ähnlich. New England eben.