• Ich habe Gera in Bing Maps angeschaut, und der Eindruck ist gemischt: Auf einer Seite ein sehr bemerkenswerter Marktplatz mit Rathaus und Barock Fassaden, und die interessante Grosse Kirchstrasse. Auf der anderen Seite, ein Platenbauviertel nebenan... Ich wuerde mich freuen, mehr Info ueber die Stadt und die Entwiclung nach 1990 zu haben.

  • Vergleichbar mit dem Palast der Republik in Berlin, dem Gewandhaus Leipzig und dem Kulturpalast Dresden.



    Auch mit dem Stadtbibilothek in Potsdam...


    Ich habe irgendwo gelesen, dass Teile der Altstadt in Gera "wienerisch" (!) Stil und Flair hatten. Es interessiert mich, was noch von diesem Flair bleibt.

  • Schöner (wenn auch nicht überragender) Marktplatz und zwei erhaltene, architektonisch mittelmäßige parallele Fußgängerachsen treffen im Zentrum auf erbärmliche Nachwendecenter, sozialistische Solitäre und Brachen übelster Machart. Bei den Stadtvierteln gibt's denselben Kontrast: Herrliche Villenviertel höchster Qualität kontra riesige Plattenareale.


    Gera hinkt entwicklungstechnisch hinterher, Abwanderung & die üblichen Imageprobleme "vergessener Städte des Ostens" gibts gratis dazu. Diese Stadt ist in vielerlei Hinsicht der exakte Gegenpol zum florierenden Jena.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Die kleine Altstadt der Großstadt Gera ist eine einzige Enttäuschung. Der Marktplatz mit dem wunderbaren Rathaus kann sich sicherlich sehen lassen, aber sonst ist es nicht besonderes. Ein paar erhaltene Barockhäuser auf der Ostseite der Greizer Straße gegenüber den Plattenbauten sind auch noch ganz nett. Um die Sorge muss man sich keine Sorge machen. Die bereits außerhalb der Altstadt gelegene Hauptgeschäftsstraße der Ostthüringenmetropole ist ganz erträglich. Was Gera aber wohl einzigartig macht, ist der Umstand, dass die Straßenbahn in der Stadtmitte nicht in einer Straße, sondern in einem Block hinter den Straßen geführt ist, der Bereich "Hinter der Mauer". Auch die Durchfahrt eines Hauses in der Johannisstraße ist bemerkenswert (http://commons.wikimedia.org/w…9Fe,_Stra%C3%9Fenbahn.jpg). Ansonsten wüsste ich noch ein kurzes Stück Stadtmauer mit einem Turm zwischen Böttchergasse und Stadtgraben, das neben den Plattenbauten ziemlich deplaziert erscheint. Ein größerer Teil der Altstadt besteht heutzutage nämlich nur noch aus Plattenbauten. Ebenfalls unpassend erscheint der barocke Museumsbau am Museumsplatz innerhalb der zu DDR-Zeiten völlig modern umgestalteten neuen Stadtmitte.


    Ansonsten kann es sein, das Gera für Klassizismusfreunde noch einiges zu bieten hat. Und diverse Villen der Jahrhundertwende dürften da rumstehen. Auf jeden Fall kriegt man genug zu sehen zum Thema "komplexer Wohnungsbau".


    Wie youngwoerth schon zutreffend feststellte, ein völliger Gegensatz zum florierenden, lebensfrohen Jena.

  • Ich bin ganz anderer Meinung, für mich ist Gera eine schöne Barockstadt mit einem perfekten, überraschend großen Marktplatz, einer davon abzweigenden schönen Hauptstraße und einer ansonsten eher nichtssagenden, aber keineswegs hässlichen Innenstadt. Macht in meiner Rechnung untem Strich recht viel aus. Für mich ist eher so etwas wie (aus gegebenem Anlass) Lauingen ein Ärgernis, das in zentralen Ensembles verhunzt ist, auch wenn es in Summe weit mehr an (allerdings nicht überwältigender) Substanz zu bieten hat. Mir wäre lieber, Markt und Hauptstraße sowie der Beginn der einmündenden Gassen wären komplett erhalten, obwohl die Altstadt auf 60% des Vorbestandes reduziert worden wäre.
    Jena dagegen ist städtebaulich einfach nichts Besonderes, obwohl ich mich auch nicht darüber abfällig äußern wollte. Es ist recht nett. Aber der Markt in Gera ist richtig großartig, und da kann man über andere Unzulänglichkeiten eher hinwegsehen. Meine (ostdt.) Fixierung auf den zentralen Platz führt eben zu solchen Wertungsergebnissen. Daher kann ich mit dem DDR-Zerstörungsmuster mehr anfangen, das bewusst zentrale Ensembles geschützt hat und unwichtigere Flächen dafür komplett beseitigt hat. Im BRD-Zerstörungsmuster lastete auf zentrale Ensembels ein besonderer wirtschaftlicher "Erschließungsdruck". "Neues" Musterbeispiel aus Thüringen ist der in der DDR musterhaft erhalten gebliebene Altenburger Markt, auf dem jetzt eine Einkaufspassage errichtet wird.


    Mein Fazit: bei einer Thüringen-Reise sollte Gera nicht fehlen. Jena wohl auch nicht, beide Städte kann man schön kombinieren und (zusammen) an einem halben Tag bequem unterbringen. Das unweite sächsische Zeitz oder Altenburg sind natürlich touristisch weit anspruchsvoller als diese beiden Städte.


    Zu Gera wäre noch zu bemerken: die von Zeno erwähnte Straßenbahnlösung ist schon wieder sehr originell.
    Es dürfte in Gera noch ein zweites Stadtzentrum (Untermhaus) geben, mit den (abgesehen vom Markt) "eigenlichen" Sehenswürdigkeiten, der got. Stadtkirche, Schloß mit Orangerie und Burg Osterstein. Aber dort war ich noch nicht.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

    Edited once, last by ursus carpaticus ().

  • Die einstige Sommerresidenz derer zu Reußen, Schloss Tinz in Gera, wird für 6,4 Mio. € saniert.


    http://www.otz.de/startseite/d…saniert-werden-1826704234


    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • In Gera wurde das historische Hauptgebäude des Waldklinikums von 1920 saniert. Zu den angesprochenen Neubauten gehört auch das m.E. gelungene Bettenhaus. (siehe 1. Link)


    Quote

    Nach großen Investitionen in Neubauten hat das Wald-Klinikum Gera nun auch sein historisches Hauptgebäude saniert. Dazu seien spätere Anbauten wie ein OP-Trakt und Aufzüge abgerissen worden, sagte Kliniksprecherin Katrin Wiesner. So wurde das fast 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Haus auf seine Grundstruktur zurückgebaut


    http://www.bung-gruppe.de/proj…ld-klinikum-gera/?lang=de


    http://www.welt.de/regionales/…ld-Klinikums-saniert.html


    http://de.wikipedia.org/wiki/S…_Waldklinikum_2010_10.jpg

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Das Haus an der Ludwig-Jahn-Straße 6 stand zirka 10 Jahre lang leer, und der Dachstuhl war 2015 abgebrannt. Für den Bau gab es keine große Hoffnung mehr.


    Doch nun ist das Haus gerettet. Es bekam ein neues Dach, wurde saniert und erhielt sogar den spitzen Turm auf dem Eckerker zurück.


    http://gera.otz.de/web/lokal/k…el-erhaelt-Erke-611003762


    http://gera.otz.de/web/lokal/l…Jahn-Strasse-6-1586413819


    Die investierende Immobilienfirma kommt aus Düren. Wäre doch ganz schön, wenn die Firma auch mal im heimatlichen NRW den einen oder anderen Turm rekonstruiert. ;)

  • Schöne Nachrichten aus Gera. Hier in NRW würden solche Vorhaben allenfalls Kopfschütteln und Unverständnis hervorrufen, warum man die Ruine nicht einfach plattmacht und stattdessen schön neu baut.
    Abgesehen davon werden Immobilienfirmen bei Altbauten nur aktiv, wenn sie die Denkmalschutzabschreibung nutzen können. Da hierzulande nur sehr sparsam mit der Unterschutzstellung umgegangen wird, sind es auch nicht so viele interessante ich Objekte.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Die denkmalgeschützte Villa Münch Ferber in Gera wird umfassend saniert. Im beigefügten Link gibt es zahlreiche Fotos von der Fassade und aus dem Innern des Hauses.


    Villa Münch Ferber wird saniert



    Dazu diese sehr schöne Meldung: Im Geraer Stadtwald wurde ein Medaillon zu Ehren Otto von Bismarcks, welches 1942 eingeschmolzen wurde, wieder am Bismarckstein angebracht. :applaus:


    Medaillon am Bismarckstein kehrt nach 75 Jahren zurück


    Bismarckstein zum 202. Geburtstag saniert

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Danke für den Artikel, "Gaube".


    Ich muss zu den Auslassungen des FAZ-Autors folgendes anmerken. Da sitzt eben ein FAZ-Journalist in der typischen Feuilleton-Wohlstandsblase und kann überhaupt nicht verstehen, dass öffentliche Haushalte nicht unendlich viel Helikoptergeld über Mensch und Kommune abwerfen wollen und können.


    "Gera lässt sich die Gelegenheit entgehen"... "Verwunderlich ist..." und... "Ein Ausstellungshaus für die bereits erworbenen Meisterfotografien der berühmten Tochter der Stadt stünde Gera neben seinem vielbeachteten Otto-Dix-Haus gut zu Gesicht."


    Der Herr Kunsthistoriker und nun FAZ-Feuilletonist findet die Fotografien von Aenne Biermann offenbar wertvoll. Nun hat die Stadt Gera mal vor einigen Jahren ein Konvolut Fotografien erworben. Und da ist es für Herrn Stefen Trinks völlig "verwunderlich", warum sie nicht auch noch gleich eine marode Villa kauft, um diese teuer zu sanieren und dann damit ein vermutlich stark defizitäres weiteres Zuschuss-Museum einzurichten.


    Hallo? Gera ist überschuldet. Vor fünf Jahren meldete die "Welt": "Gera ist pleite." Und seitdem ist die Stadt bei hohen Sozialausgaben bemüht, unter großen Anstrengungen die Schulden ein wenig abzubauen. (Siehe hier) Und wir stehen von einer Rezessionsphase. Aber für den FAZ-Feuilletonisten stände es der Stadt "gut zu Gesicht", weitere Schulden für eine Foto-Villa zu machen.


    Ich bitte das nicht misszuverstehen. Ich bin für den Erhalt des Gebäudes. Dazu aber müsste es eben zuerst unter Denkmalschutz gestellt werden, und dann ein Investor mit möglichst entgegenkommenden Konditionen zum Erhalt des Gebäudes bewogen werden. Die Fotos können dann z.B. auch mal bei einer Ausstellung im Rathausfoyer gezeigt werden.

  • Die Ostthüringer Zeitung hatte im Dezember 2017 durchaus positiv über das Bauvorhaben auf dem Grundstück der Biermann-Villa berichtet. Wenn die Villa nicht unter Denkmalschutz steht, kann sie eigentlich nicht besonders wertvoll sein. Die Straßenfassade ist auch nur mittelmäßig und von der Innenausstattung hat sich offenbar nichts erhalten.


    Ein Fotoausstellungshaus wäre kein sinnvolles Konzept, um die Villa zu betreiben. Das Museum für Angewandte Kunst betreut die Sammlung und hat sie Anfang des Jahres in einer Ausstellung präsentiert (siehe Zitatlink). Die Fotos von Aenne Biermann finde ich gar nicht so bemerkenswert. Andere haben in der Zeit Ähnliches gemacht. Fotoausstellungen sind im Allgemeinen keine Publikumsmagneten. Man kann Fotos aus konservatorischen Gründen auch nicht dauerhaft ausstellen. Eine "Foto-Villa" könnte mit Biermanns Werk ohnehin nicht sinnvoll bespielt werden, denn

    Ihre Œuvre ist wahrscheinlich zu großen Teilen vernichtet. Die Negativsammlung, die nach der Flucht ihrer Familienangehörigen aus Nazideutschland nach Palästina verschickt werden sollte, wurde konfisziert und ist bis heute nicht auffindbar. Mehr als 3000 Negative sind verschollen. Nur einige Hundert nachweisbaren Papierabzüge sowie sehr wenige Negative sind in Museen und Privatsammlungen zu finden. Umso mehr ist das Museum für Angewandte Kunst Gera stolz darauf, eine der umfangreichsten Sammlungen an Fotografien der Lichtbildnerin zu bewahren.

    Der Erwerb der Fotosammlung war seinerzeit nur mit der Unterstützung durch Freistaat, Kulturstiftung der Länder und Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen möglich, und ich schätze mal, dass das Konvolut günstiger war, als es die Sanierung der Villa wäre. @Heimdall, du hast völlig recht. Das FAZ-Feuilleton ist manchmal weltfremd. Schade ist es natürlich um jedes alte Haus, das verschwindet.

  • Gute Nachricht für Gera: Das ehemalige Kaufhaus Tietz von 1882, Stammhaus von Hertie,, soll mit Bundesmitteln revitalisiert werden. 20 Jahre stand der Prachtbau leer. https://www.mdr.de/thueringen/…ng-bad-salzungen-100.html

    Bilder vom Kaufhaus: https://www.lxpress.de/2019-01…m-kaufhaus-tietz-in-gera/

    Alle nationalen Städtebauprojekte 2021: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZIP/NPS/NPS_node.html

  • Architektonische Rundschau 1891.


    Wohnhaus am Schützenweg in Gera, Thüringen, einst Residenzstadt des Fürstentums Reuß jüngere Linie:

  • Architektonische Rundschau 1888.


    St, Johanniskirche zu Gera, Fürstentum Reuß jüngere Linie, erbaut von Hartel und Lipsius, Architekten in Leipzig:

    Anmerkung: Das Gotteshaus war als Grablege des Fürstenhauses vorgesehen.