Freiburg im Breisgau - Kaiser-Joseph-Straße 192

  • Ja, sind die völlig geschmacksverirrt? Die jetzigen, stilistisch offenbar dem Jugendstil entsprungenen, Gebäude mit Rundbogenarkaden und großzügigen Rundfenstern werden gegen solche beliebigen Kisten getauscht. Hier scheint es nur darum zu gehen, mehr bzw. totale Beleuchtung in die Büros zu bringen. Und offenbar hat man leider immer noch zu viel Geld, um ein solch unsinniges Bauvorhaben auch umsetzen zu können. Würde man nur einen Teil dieses Geldes in eine Fassadensanierung und Innenrenovierung stecken, man könnte Schmuckstücke mit Charakter bekommen.

  • :augenrollen:


    Die aktuelle Fassade stammt aus den 80er Jahren und ist eine Reminiszenz an das ehemalige Jugendstilgebäude,
    welches bei Errichtung wohl nicht unumstritten war.
    Gemessen am aktuellen Entwurf wirkt die Anlehnung der Postmoderne an den Jugendstil als wahre Bereicherung.
    Abgesehen von der fraglichen Notwendigkeit eines Neubaus wird hier nicht nur ein schwacher
    Entwurf als Ersatz präsentiert, sondern infolge auch die Kernsubstanz des Originals zerstört.


    Kleiner chronologischer Rückblick zu diesem Gebäude:
    http://img3.imagebanana.com/im…48m/sparkassefreiburg.jpg

  • Einfach nur verrückt...Immer wenn man glaubt, wir wären schon weiter, wird man durch solche negativen Meldungen in die Realität zurückgeholt.
    Das ist keine Aufwertung sondern ein großer Rückschritt. Die Kaufhausfassade war eines der wirklich gelungenen Beispiele der Postmoderne, ausgerechnet die beseitigt man jetzt. Man begreift es nicht.

  • Da wird leider das falsche Gebäude beseitigt. Als ich im August in Freiburg war, sind mir direkt mal zwei grausame Häuser aufgefallen, die schnellst möglich aus dem Freiburger Stadtbild entfernd werden sollten. Es sind: THALIA


    http://golocal-media.de/7d7e2b…a28eb3cd830835aac8fa65969


    und BREUNINGER


    http://golocal-media.de/7d7e2b…3fcc23af60b4409b9d8528cfc


    Sehr schlimm, daß dieses Breuninger auch noch eine Fassade am Marktplatz hat.
    :schild5:

  • Bei allem Verständnis für deinen Ingrimm, Neußer, möchte ich einen baugeschichtlichen Rückblick vornehmen: das Breuninger-Gebäude war in den siebziger Jahren das legendäre Kaufhaus Schneider, legendär, weil von vielen gefeiert als ein Vorstoß des Karlsruher Architekten Heinz Mohl, um die Beschränktheit der damals allbeherrschenden Rasterfassaden-Moderne zu durchbrechen. Mohl suchte nach einer differenzierteren, altstadtgerechten Architektursprache, "weil das Repertoire, das uns die funktionalistische Architektur anbietet, nicht für die Lösung dieser und ähnlicher Aufgaben geeignet ist, weil dieses Repertoire nicht angemessen erweitert wurde und auf dem Stand der großen Meister der modernen Architektur stehengeblieben ist." ("Baumeister" Okt. 1980)


    Mohl hat auch bei ähnlichen Bauaufgaben in anderen Städten eine solche Grenzüberschreitung gewagt und wurde dafür von Architektenkollegen geradezu angegiftet. Wenn wir uns klar machen, wie eine Pioniertat von damals für heutiges Empfinden reichlich grob und abstoßend wirkt, können wir die Wegstrecke ermessen, die es brauchte, den modernistischen Stumpfsinn der sechziger Jahre zu überwinden. Und wir dürfen natürlich erwarten, dass der Reifungsprozess weitergeht. Eines Tages werden selbst Kollhoff, Nöfer, Patzschke usw. alt aussehen. Das ist doch eine fantastische Perspektive!

  • Kaiser-Joseph-Straße 192
    Der Austausch des Sparkassengebäudes bedeutet sicherlich eine Verschlechterung. Der Neubau sieht ja unendlich einfalls- und belanglos aus.


    Kaiser-Joseph-Straße 169 - 177
    Aber den Breuninger finde ich gar nicht so schlecht. Natürlich ist der Bau nicht der Gestaltungsweisheit letzter Schluss. Aber er hat doch seine Qualitäten. Nein, noch viel mehr: Die festungsartige Machart finde ich geradezu genial und der Bau ist feingliedriger als die bisweilen klobigen Bauten Brancas. O, wie sehr würde man sich solche Bauten anstelle der Warenhaus-Einheitsarchitektur überall in Deutschland wünschen! Und es dürfte ja wohl allgemein bekannt sein, dass Breuninger diverse üble Kästen besitzt.
    (geschrieben vor dem Beitrag von Philoikódomos)

  • Naja, zur Straßenseite hin ist das Haus noch ganz annehmbar. Aber die Seite zum Marktplatz finde ich schon recht übel. Diese waschbetonmäßige Fassade lässt diese Ecke des Platzes ziemlich düster aussehen. Selbst bei strahlendem Sonnenschein. Möglicherweise würde es helfen das Gebäude einfach in einem helleren, freundlichen Farbton zu streichen. Es stimmt schon, daß es weitaus schlimmere Kaufhäuser gibt. Immerhin hat das Breuninger ein angepasstes Dach. - Das gräulich dunkle Erscheinungsbild stört mich dabei am meisten. Ja, Farbe wäre schon toll. Am besten zwei verschiedene Farben, um die Wand nicht so groß und monoton erscheinen zu lassen.


    http://upload.wikimedia.org/wi…Freiburg_-_Breuninger.jpg

  • Ich durfte mir heute anschauen, wie einem der besten Nachkriegsgebäude Freiburgs das Gesicht abgeschlagen wird. Das ist für mich schon schwer zu ertragen. Völlig absurd in Anbetracht des hervorragenden Zustands dieser großstädtisch-prächtig-qualitätvollen Fassade und der ungleich schlechteren Gebäude zur Rechten und Linken (z.Bsp. Herders Schieferkubus), die selbstverständlich erhalten bleiben. Absolut grotesk, ich darf da nicht näher drüber nachdenken. Und über die Nichtigkeit, die dort als Ersatz entstehen soll, erst recht nicht.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

    Edited once, last by youngwoerth ().

  • Rückblick:










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  • Danke für die Ergänzung! In der Stadt waren Plakate aufgehängt, die zum Widerstand gegen den Abriss aufgerufen und zu Bürgerdiskussionen für den Erhalt eingeladen haben. Hat wie üblich nix gebracht.

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  • Das ist jetzt nicht wirklich euer Ernst, oder? Das Gebäude wurde schon abgerissen? Das will ich nicht glauben. Welche neuzeitliche Glanzleistung soll denn stattdessen entstehen?

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • wurde schon abgerissen?


    wird gerade abgerissen.


    Für die neuzeitliche Glanzleistung klickst Du auf den Link in meinem Beitrag 51 oder hier .


    Quote

    "Ein sehr gutes Projekt", lobt Baureferent Norbert Schröder-Klings. Die Architektur bedeute eine Aufwertung der Kaiser-Joseph-Straße.



    Moderationshinweis (Zeno):
    Früherer Beitrag 51 von "Freiburger Bausituation" jetzt Beitrag 1 in diesem Strang

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  • Fällt mir nix zu ein. Das übliche Phrasengedresche und es bleibt dabei - Exkremente kann man nicht polieren, auch nicht mit blumigen Worten. Danke für deinen Link.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Ja, wir waren schonmal weiter. Die 80er und Früh-90er mit ihrem postmodernen Hang zu traditionellen Wurzeln hatten leider zu Unrecht Hoffnung geschürt.


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  • In der Tat waren wir schon weiter. Was sich derzeit auf dem Feld der Architektur hierzulande abspielt, ist nur noch geistloses Variieren von Rasterfassaden wie in den Sechzigern, aufgelockert lediglich durch größere Glasflächen und modisches Fensterversetzen. Es ist zum Heulen und in einer Stadt wie Freiburg erst recht.

  • Der Nachkriegsbau des Sparkassengebäudes Kajo Nr. 192 ist mittlerweile ein Trümmerhaufen.
    (Zur Erinnerung: Freiburg im Breisgau - Freiburger Bausituation - Seite 3 - Süd - Architectura Pro Homine und Freiburg im Breisgau - Freiburger Bausituation - Seite 5 - Süd - Architectura Pro Homine hier Beitrag 51und 52)
    Hier der aktuelle Eindruck von heute. Auffällig für mich waren die großen Sandsteinquader auf dem Trümmerhaufen UND natürlich der jetzt freigelegte Blick auf die Fransziskanerkriche St.Martin, der so nie wieder kommen wird. Hier hätte sich ein wirklich gläserner, transparenter Nachfolgebau angeboten, der den Blick in etwa durch eine hohe gläserne Passage auf den Chorbau freiläßt!




    Und hier der Stand der Abrissarbeiten der alten Uni-Bibliothek:




    Moderationshinweis (Zeno):
    Frühere Beiträge 51 und 52 von "Freiburger Bausituation" jetzt Beiträge 1 und 2 in diesem Strang

  • Sehr traurig, ich will's gar nicht sehen.

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