Betonflorenz - Warum reden wir so viel über Dresden?

  • Hallo Johan,

    wenn Dir Dresden nicht gefällt, brauchst Du es ja nicht zu besuchen. OK, in diesem Forum wimmelt es nicht gerade von objektiven Beiträgen, dass ist bei solch einem emotionalen Thema auch verständlich, aber was Du hier schreibst, ist schlicht & ergreifend Blödsinn.

    Jede Stadt hat ihre Licht- und Schattenseiten, und die deutschen Orte mit Ihrer (kriegszerstörten) Vergangenheit haben nicht nur ruhmreiche Kapitel beim Städtebau geschrieben.

    Trotzdem hat Dresden eine der schönsten Stadtsilhouetten Deutschlands, es gibt zahlreiche architektonische Leckerbissen zu entdecken (die Dresdner äußere Neustadt ist eines der größten Gründerzeitviertel des Landes), und die Umgebung hat mehr als nur Pillnitz & Weißer Hirsch zu bieten.

    Musste ich einfach mal loswerden.

    PS. Hat eigentlich schon jemand eine Info, dass die VVK am Neumarkt nun endlich angefangen hat??? Danke im Voraus... :)

  • Woll'n wir mal ein bißchen Pfeffer in die Wunde streuen...!

    1. Rathausturm, Blick nach NO auf die Elbeschlösser,
    vorn Hochhaus "Pirnaisches Tor"

    2. Rathausturm, Blick nach O auf den Borsberg
    in der Mitte die "Gläserne Manufaktur"

    3. Rathausturm, Blick nach Süden auf St.Petersburger Str.

    4. Rathausturm, Blick nach W

    5. Rathausturm, Blick nach NW

    6. Blick auf das Neumarkt-Areal
    (Alle Aufnahmen aus 2003)

  • Ich verstehe diese ganze Diskussion nicht. Wer nach Dresden fährt weiß, was er zu erwarten hat. Größere Ansprüche sind nicht zu stellen und zwar aus ganz einfachen Gründen. 5 aufeinander folgende Luftangriffe zerstörten das Zentrum und die Vorstädte nach Osten und Süden weitgehend. Danach wurde alles abgeräumt und vereinzelt Betonklötze nicht nach ästhetischen, sondern funktionalistischen Beweggründen aufgestellt. Zwischendrin Zeilenbau. Der heutige Zustand ist in größtem Maße provisorisch. Es wurde beinah nichts Erhaltenswertes geschaffen. Warum reden so viele über Dresden? Weil Dresden dennoch immer noch Dresden ist! Eine Silhouette inmitten der abgeräumten Stadt, das Bild im Hinterkopf, was Dresden war. Die Diskrepanz zu erkennen, was es heute ist, führt zur anhaltenden Diskussion darüber, was es werden soll. Dabei prallen verschiedenste Ansichten und auch theoretische Vorstellungen von Bürgern einerseits und Architekten und sonstigen Funktionalisten andererseits aufeinander. Ferner hält der Mythos vom "Schönen Dresden" die Erinnerung an "Elbflorenz" fortwährend aufrecht, was ein nicht zu vernachlässigendes ökonomisches Kapital darstellt, wenngleich es auch mit dem modernen Dresden nicht viel gemein hat. Ich finde es aus diesen Gründen auch aus der Luft gegriffen Dresden mit Prag oder auch Florenz zu vergleichen. Punkt.

    Und noch mal etwas Grundsätzliches: Schönheit, hat nichts zu tun mit: es ist interessant sich die Stadt anzusehen. Die Geschichte aufzusaugen und sie zu begreifen, sich auch berühren und belehren zu lassen. Die Nürnberger Burg finde ich auch nicht wirklich schön, ebenso wenig wie zahlreiche schlichte romanische Bauten. Einkaufen und bummeln kann ich ja von mir aus in [lexicon='Leipzig'][/lexicon], Zwickau oder München. In Dresden verpasse ich mir die ultimative Dröhnung einer Stadt, die ein Musterbeispiel an, in der Praxis verbauten, gescheiterten architektonischen Theorien und auch gesellschaftlichen Weltanschuungen darstellt. Einer Stadt, die sich im Wandel befindet und sich fortwährend mehr verändert als Krakau, Prag und Florenz zusammen.

    EDIT:
    Ah Danke für die Bilder, hatte auch schon überlegt das zu tun. Die Hochhäuser an der Prager Str. und in der westlichen Johannstadt stören mich nicht wirklich. Was mich akut stört ist, dass die schrecklichen Hochhäuser in der Grunaer Str. saniert wurden und ferner, dass sich niemand für den Abriss sämtlicher Plattenbauten am Pirnaischen Platz einsetzt. Hier liegt nämlich der "Pfeffer" begarben: Der Zusammenhang zwischen Altstadt und dem Rest, den Vororten und auch den mäßigen Zeilenbauten wird durch diese "Barrieren" gänzlich zerschnitten, bäh. Die Stadt erscheint mehr als nötig fragmentiert.

  • Zum Bild 1: die Zeilenbauten hinter der Plattebauten sehen OK aus. Das Problem sind die Platten am Pirnaischen Platz und die Freifläche zwischen Prager und Rathaus. Gott sei Dank wurde in der Altstadt nur ganz wenigen Platten gebaut....

    Sag mal, war die Altstadt Dresdens nicht schon vor dem 2WK ziemlich klein (in vergleich zu Nürnberg und München z.B)?

    Claus

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Zu meinen Rathausbildern habe ich ein paar Vergleichsaufnahmen herausgesucht:

    zu Bild 3

    zu Bild 4



    zu Bild 5


    und hier noch die Johann-Georgen-Allee,
    die einst als repräsentativer Boulevard die Stadtmitte mit dem Großen Garten verband,
    heute Lingner-Allee heißt
    und ein trauriges Dasein als Parkplatz fristet.


    Einzig erhaltenes Gebäude ist rechts das Deutsche Hygiene-Museum!

  • Ssooodele...äch bän schon widärr da! ;):D

    Warum soviel über Dresden geredet wird ?

    Weil Dresden auch im Ausland als größte Tragödie des Bombenkriegs in Europa wahrgenommen wird - sogar in Großbritanniens erlauchten Zeitungskreisen. Selbst als Negativbeispiel "Nun erst recht, Krauts!" sticht es hervor...gleichzeitig wurden nach dem 13. Gebruar zum ersten mal in breiter Front zweifel am "strategischen Bombenkrieg" laut....gut, für Swinemünde, Halberstadt, Potsdam und Pforzheim änderte das auch nichts.
    Als europäische, nicht primär deutsche Kunststadt wird es gerne mal aus der langen Riege deutscher kulturell bedeutender Städte axtrahiert, die ebenfalls im Feuersturm verglühten. Wer weiß heute, daß es mal eine deutsche Hauptstadt gab, die diesen Namen auch vom Stadtbild wirklich verdiente - Frankfurt/Main ? Oder wer weiß heute, daß Nürnberg, die alte deutsche Kulturhauptstadt, 1945 in seinem Kern nicht mehr existierte ?

    Dresden verdankt seine ganz spezielle Besonderheit auch seinem Schicksal nach dem Krieg. Gerade weil soviel von den höfischen und offiziellen Bauwerken übrigblieb, wenngleich zerschmettert, ausgebrannt oder nur in der Erinnerung (Sophienkirche, Rampische Straße, Neustädter Rathaus) - und beinahe nichts von der eigentlichen Stadt.

    Die offene Wunde, die man eigentlich nicht anders kennt, sich das Vollkommene so gar nicht vorstellen kann - die Frauenkirche, so eindrucksvoll sie auch ist, löst bei mir noch immer eine Gefühl des Befremdens aus - wenngleich ein angenehmes Befremden.

    Wie wirds mit dem "Stadtgefühl", wenn die klitzekleine Neumarktaltstadt, ehemals die sorbische Vorstadt, einmal vollendet worden ist, mit ihren rekonstruktionen und modernistischen einsprengseln ? Nun, in Weimar kommt mir manches auch ziemlich surreal und geleckt vor; eine solche Stadt, in ihrer Goetheschen verlogenen Klassik eigentlich ziemlich häßlich, aber bedeutend, kann es dennoch nicht mit dem Wundenzauber Dresdens aufnehmen. Es ist wie bei einer guten Geschichte - gerade weil man sichs vorstellen muß, entfaltet sie ihre Wirkung. Der Film, gerade wenn er lieblos gemacht ist, zerstört im nachheinein die ganze Imagination. Die Bruchstücke werden im Buch sehr anschaulich beschrieben und der solitäre Theaterplatz ist ja in seiner wunderschönen sandsteinschwärze alles andere als surreal - aber den Rest denkt man sich dazu. In Weimar hat man alles, satt. Man weiß, es ist eine Altstadt, aber irgendwie doch nicht richtig altstädtisch - zu klassisch das alles; dabei wird der Neumarkt mal nicht anders aussehen, nur zwei, drei Stockwerke höher. Frage: gehören französische Mansarddächer eigentlich in den Altstadtkern bzw. sollen sie ihn beherrschen, wie es in Weimar der Fall ist ?

    Dresden, Dresden...ich halte nach wie vor am Altmarkt fest; das kann ich euch sagen Leute. Genaugenommen ist mir der Neumarkt als Ergänzung des höfischen Ensembles sogar egal. Das wird rekonstruiert, damit habe ich im idiellen Sinne nichts zu tun. Wie bei der Frauenkirche, bei der es nur EINEN Weg nach Rom gibt - beim Altmarkt dagegen wird echte Vorstellungs...gewalt erfordert, da sich eine Rekonstruktion, ja nur eine Annäherung verbietet, angesichts der Wucht der Schneiderschen Arbeiterpaläste. Wenn allerdings der Altmarkt, wie stark zu befürchten steht, zur erweiterten Prager Straße gerät, kalt-metallisch glänzend und hypermodern - Sinnbild der GANZ neuen Europäischen Stadtidee - müßte ich mich wohl von Dresden abwenden - eine weitere deutsche Stadt wäre geschändet...und man kann sicher sein, das wird jetzt auf immer so weitergehen....Zwickau, Jena, Chemnitz....usw.


    Gruß, Roy Batty

    Nein, die werden gedünstet

  • Elbflorenz ist in der Tat 1945 untergegangen. Das heutige Dresden ist eine verschwindend kleine historische Insel inmitten einer atemberaubend hässlichen Plattenwüstenei.

  • @ den Dänen
    Ja, die eigentliche Altstadt Dresdens war relativ zu Nünberg bspw. ziemlich klein. Vergleich: DD ca. 800 Bürgerhäsuer (ohne innere Neustadt), Nürnberg ca. 2000. Das betitelte Gebiet der Altstadt war und ist sehr viel größer, umfasste allerdings die neobarocken Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts mit ein und heute eben die Stadt des Sozialismus, grotesk.

  • Quote from "Miwori"

    Ist ja eigentlich der Traum jedes Architekten, quadratkilometergroße Innenstadtbrachen mit Gebäuden aufzuforsten.

    Nur dass man bei Dresden die Architekten nicht braucht, die Bauten wurden ja schonmal gebaut. Nur das wollen die nicht einsehen!

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Was macht die Diskussion über Dresden und seine vermutliche "zukunftige" schwer zu verstehen ist die unwahrscheinlichkeit dass es überhaupt passieren wurde. Die ganze Innenstadt muss dann wiederaufgebaut werden. Wäre es nicht sinnvoller die ganze engerie in Städte wie zum beispiel Lübeck, Halle, Potsdam oder Erfurt investieren, wo es immer noch grosse Teile von die historische Stadtbild. Ûberlegt mal wie schön Lübeck werden kann, wenn man die Bausühnde wegnimmst und ersätsz es mit schöne Giebelhäuser....man wurde dann vielleicht eine die Schönste Städte Europas schaffen.

    Ich bin dafür eine historische Verein für Lübeck zu schaffen, eine grosse Stadtsanierung und die Altstadt wieder schön machen. Lübeck hat zukunft, Dresden weniger......Dresden ist eher verschwedene Geld...

    Zu Aenos
    Gute Frage. Ich kenne die Deutschsprachige Raum ziemlich gut. Ich bin oft in Deutschsprachigeraum gereisst...erstmal als 14 jährige habe ich im Wien gewohnt, ausser Sparchkursen und Praktikum habe ich 2 Jahren in Deutschland verbracht (Nürnberg, Boppard, Freiburg, und Konstanz.) Dazu bin ich mit eine Deutschin verlobt...sie kennt auch viel über Schweden. Dazu kommt auch eine Fazination für Deutschland von meine Familie....die Deutsche intelektuelle Erbe hat mir immer faziniert...Kant, Hegel, Nietzsche, Kafka, Mann, Hesse......

    Bert schreibt

    Quote

    "wenn Dir Dresden nicht gefällt, brauchst Du es ja nicht zu besuchen. OK, in diesem Forum wimmelt es nicht gerade von objektiven Beiträgen, dass ist bei solch einem emotionalen Thema auch verständlich, aber was Du hier schreibst, ist schlicht & ergreifend Blödsinn."

    Warum ist es Blödsinn? Ich sage nur was ich denke wenn ich Dresden heute anschauen....warum soll dass Blödsinn sein....schaut anfach an die Bilder von die Stadt.....

    Dass bedeutet nicht dass ich nicht die Regione schätzen....Sachsen hat eine besonder Platz in mein Herz. Schaut mal an die Liste von die schönste Städte in Deutschland.....lauter Sächsichte Städte....und desto mehr ich reise in Deutschöand, desto mehr verstehe ich Sachsen kulturreichtum......Görlitz, Bautzen, Pirna, Meissen, Freiberg, Torgau...und so weiter...Sachsen ist wunderschön, Dresden ist nicht schön....aber Dresden ist hässlich, hässlich aber sehr intressant.....die Kunstsamlungen sind immer noch eine die Beste in Deutschland....

  • Quote from "Booni"

    Nur dass man bei Dresden die Architekten nicht braucht, die Bauten wurden ja schonmal gebaut. Nur das wollen die nicht einsehen!


    Ist doch aber nur eine gaaanz kleine Ecke, die da rekonstruiert wird!
    Das kunsthistorische Zentrum und die beiden Elbufer.
    Überall sonst können sich die Architekten austoben, wenn sie nicht gerade Hochhäuser bauen wollen.
    ->Siehe Ufa-Kristallpalast, St.Bennogymnasium oder Gläserne Manufaktur,
    Landtag und Kongresszentrum

    Probleme entstehen immer dann, wenn profilierungssüchtige Stararchitekten ihre Stücke bewußt da hinsetzen wollen, wo es wehtut und provoziert.
    z.B. der Libeskind-Bau, den die Woba für die Hauptstraße plant, würde an viele ander Standorte, z.B. am Wiener Platz oder Straßburger Platz, gut hinpassen.
    Aber nein, er soll neben Kügelgenhaus, Rähnitzgasse und Dreikönigskirche platziert werden
    soll im Kontrast das letzte bißchen bürgerlich-barockes Umfeld aufsprengen, statt es zu reparieren...

    Und das geht nicht in einer Stadt, in der schon so viel, ja fast alles zersprengt worden ist.

    Dresden braucht Architekten, die reparieren und verbinden, Übergänge schaffen zwischen dem kunsthistorischen Zentrum und seinem Umfeld,
    Architekten, die die viel zu großen Brüche heilen.

  • Wenzel, das ist eine ganz hervorragende Idee, die wie du weißt schon sehr lange auch in meinem Kopf rumoxidiert. Vorschläge für eine Stadtreparatur gerade am Altmarkt habe ich durchaus. Dresdens innerstes Zentrum muß nach und nach von allem befreit werden, was nach 1958 entstand. Konkret: Kulturpalast, die beiden flankierenden, leider totalsanierten Platten von 1959 bzw. 61, dem fürchterlichen Advantariegel sowie dem Legohaus am Altmarkt. Wobei ich letzterem lediglich ein "richtiges" Dach sowie eine andere Vorplattung verpassen würde; die vergleichsweise kühle Architektursprache kann ja sehr reizvoll sein, wenn sie mit historischer Form verbunden wird. Dresdens Zentrum soll die Wärme und Behaglichkeit ausstrahlen, die dem Plattenring noch für viele Jahrzehnte abgehen wird. Ich finde: Ist erstmal der Altmarkt zu einem richtigen Herzen der Stadt gereift und die Verbindung zum Schloß wiederhergestellt, ergibt sich alles andere von selbst. Solange lediglich der Neumarkt mehr oder weniger traditionell bebaut wird, dürfte sich für den betrachter und auch für das Stadtgefühl nichts ändern. Denn der Neumarkt ist eine bürgerliche Fortsetzung der bekannten Stadtsillhouette(die es, etwas reduziert, auch zu Ostzeiten gab); der eigentliche Kern ist er NICHT. Letzterer fehlt, solange sein Areal nicht als "Altstadt" begriffen wird und lediglich Glas- und Sichtbetonpaläste die Ausschreibungen dominieren(übrigens seit 1958). Nur: Erzähl das mal den Investoren, dem Stadtrat, den Architekturkritikern..und meinen Professoren...euren an der TU übrigens auch. Der städtebauliche Dogmatismus hat sich ja nicht nur in Weimar zu einem festen Ideologiestahlbeton verfestigt, sondern ebenso an anderen Universitäten.
    Das Problem sind nicht die fehlenden Mittel; das Problem ist deren Verteilung....

    Nein, die werden gedünstet

  • @ Wissmut

    Ich seh das genauso, obwohl der Neumarkt schon sehr wichtig ist, Rampische Gasse und Jüdenhof waren legendär. Und sie können wieder erstehen! Voraussetzung für eine schöne Altstadt wäre wirklich, dass der Kolhoff Kulturpalast kommt. Es ist ein großes Glück, dass Dresdens Altstadtkern so klein ist. Vom Rathaus bis zum Albertplatz und vom Japan. Palais bis zur Synagoge stehen im wesentlichen nur die von Dir aufgezählten Bausünden. Aber Querschnittsfotos zeigen, dass zumindest auch die größten Platten um die Altstadt rum verschwinden müssen, sie werfen einen bösen Schatten auf jede noch so schöne Altstadt.

    @ Johann

    Ich gebe Dir bis dahin recht, dass es utopisch ist, die ganze Stadt zurückzugewinnen. Dresden wird wahrscheinlich tatsächlich eine schöne Altstadt, umgeben von Vierteln, in denen Metall und Glas glitzert.
    Aber: Ist eine in Mischmasch Architektur aufgebaute Stadt wie z.B.: [lexicon='Leipzig'][/lexicon] wirklich besser als eine wirklich schöne Altstadt, die in einem häßlichen Umfeld liegt?

    Ich sage nein! Mir kommt es bei einer Altstadt nämlich nicht so sehr auf die Größe an, sondern auf die Qualität. Ich finde zum Beispiel die Altstadt von Limburg wunderschön, obwohl sie klein ist. Oder nehmen wir Graz: Eine wundervolle Altstadt, aber die Außenbezirke sind auch da voller Platten. Trotzdem ist sie Welterbe! Genauso Warschau, dort hat man auch nur die Altstadt rekonstruiert, drumrum stehen auch dort Platten.

    Zweitens: Du hast recht, wenn Du sagst, dass man in Lübek oder Erfurt viel erreichen kann. Da sind Rekos wichtig. Aber Identitätsstiftend sind nun mal vorrangig die Metropolen. Und die sind wirklich alle stark beschädigt! Als ich in Dresden war, dachte ich mir: Verdammt noch mal, solche einmalige Bauwerke wie der Zwinger oder die Frauenkirche, die schreien ja förmlich nach einer besseren Altstadt!

    Stuttgart, Frankfurt, Essen, Duisburg, alle Metropolen müssen nicht gleich bedacht werden. Aber solche ehemalige Kunstwerke wie Nürnberg, Hamburg, München, Bremen und das die allergrößten Kunstwerke besitzende Dresden liegen mir wirklich sehr am Herzen!

  • Quote from "jojojetz"

    Als ich in Dresden war, dachte ich mir: Verdammt noch mal, solche einmalige Bauwerke wie der Zwinger oder die Frauenkirche, die schreien ja förmlich nach einer besseren Altstadt!


    Der Diamant braucht eine würdige Fassung.
    Damit dem Besucher was geboten wird.

    Für das spezielle Dresdner Lebensgefühl selbst ist dagegen die Innenstadt nicht so wichtig wie eine intakte Elblandschaft.

  • @ Jojojetz


    In fast allen Punkten kann ich dir zustimmen. Allerdings wende ich mich mit größter Entschiedenheit gegen den Kollhoffentwurf!
    Lieber soll der Kulturpalast noch ein paar Jahre als Stadtschande rumoxidieren oder eine Brachfläche entstehen...aber ein Bau dieses gewaltigen klassizistischen Ungetüms in Dresdens ehemals intimster Stelle würde die Sprengung des Stadtgefüges auf ewig zementieren. Nicht so sehr die oft vielgescholtene Größe stört mich dabei; die Idee eines Scharnier-Multifunktionsgebäudes ist an und für sich sehr interessant; würde auch an den Ort passen...aber der Altmarkt gehörte nie zur europäischen barocken Schauseite Dresdens, sondern war immer den Einwohnern der Stadt selbst vorbehalten. Europäischer Klassizismus(den Kollhoff aufnimmt, im gegensatz zu Herbert Schneider und Johannes Rascher, die eine Art deutschen Arbeiterbarock schufen), erst recht in einer unerträglichen westdeutschen Kolonialstilfassung; blankweiß, Spiegelglas und mit knallrotgedecktem, flachgeneigtem Dach würde die Altstadt zwar nicht zerstören, aber auf schlimmste Weise verändern, entgegen ihrer ursprünglichen Weise. Durch seine traditionelle Form ersetzt der Kollhoff-Baukörper die in den Köpfen noch intakte Altmarktform bzw. die Fortsetzung des Schneidergedankens.

    Kollhoff bemüht sich, aber alle seine Varianten sind merkwürdig unproportioniert, selbst für einen heutigen Klassizisten. Er variiert die fassade hin zu größerem Formenreichtum und Anlehnung an Traditionen, aber behebt den größten Stilbruch nicht: sein Ding paßt sich, etwas modifiziert, den Plattenbauten der Wilsdruffer an; kommuniziert mit dieser Unarchitektur. Es würde schlicht den gegenwärtigen, internationalistischen Zustand festlegen; der Neumarkt wäre nun entgültig abgeschnitten und würde fälschlicherweise als Stadtkern fungieren, derweil der Altmarkt sich in seine zwangsweise Rolle als innerstädtische Brache, als Grippeplatz, freiwillig gefügt hätte....vielleicht erleben wir noch einen exquisiten Glaskasten neben der Kreuzkirche. Für Anregungen fahre man bitte nach Halle und betrachte man sich den Hertie-Führerbunker am Hauptmarkt, anstelle des 1950 abgerissenen alten Rathauses...

    Nein, die werden gedünstet

  • Den Kulturpalast bekommst du nicht weg, weil er
    a) gebraucht wird und
    b) für Generationen von Dresdnern mit positiven Assoziationen verknüpft ist, ähnlich wie der Palast der Republik für die Ostberliner,
    nur daß man beim Kulturpalast keine ideologische Belastung durch Volkskammer und SED-Parteitage gegenrechnen kann.

    Vielleicht, wenn man den Sarrasani-Bau als Mehrzweck-Veranstaltungsarena rekonstruieren könnte oder etwas ähnlich Geniales neu bauen würde, könnte man im Gegenzug auf den Kulturpalast verzichten.
    Aber bezahlen kann das in absehbarer Zeit auch niemand.

  • Nun, ich sehe aber kein Problem, einen Kulturpalast mit besserer Aussattung, Akkustik und Zufahrtswegen beispielsweise an den Postplatz hinzusetzen.
    Selbst ein Umbau des Kulturpalastes rechtfertigt aufgrund der städtebaulichen Wirkung die hohen Kosten - natürlich sollte das in anderer Form geschehen als bei Kollhoff, das ist mal klar wie Kristall.

    Aber der Kulturpalast wirkt seit seiner Entstehung als "Haus der Sozialistischen Kultur als sprengendes, auflösendes Element im innersten Dresdner Stadtkern. Solange er besteht, kann man den Gedanken an Elbflorenz und an eine Altstadt, die ihren Namen verdient, im Klo runtertspülen; da nützt der ganze Neumarkt ziemlich wenig.

    Die sterile Glasfassade muß mindestens weg; ein Steildach sollte zumindest vorgeblendet sein, um dem Altmarkt zumindest eine Art von städtebaulicher Geschlossenheit wiederzugeben.
    Zeugnisse der DDR gibts in Dresden genug - die besten natürlich am Altmarkt Ost/West - aber auch das Robotron-Gelände oder die Prager samt Rundkino....da könnte man so viel draus machen - der Grüngürtel dürfte in 20 Jahren desn Plattengürtel weitgehend ersetzt haben, sieht man mal von Johannstadt usw. ab. ;)
    Aber der Kulturpalast gibt dem Dresdner Zentrum sein wirkliches Gesicht, nicht die Elbsilouette....
    Man kann ja als Architekt die Zackenwirkung des Dachs erhalten bzw. in die neue Fassade einarbeiten. Da kommst zwar in Schwulitäten mit den traditionalisten, aber schon die DDR-Postmoderne bewies doch, daß manches geht, mit ein bißchen gutem Willen und Fantasie, was bislang als unvereinbar galt, siehe Fünfgiebelhaus in Rostock, was sie jetzt in Gladbeck wiederentdeckt haben. Bei einem Umbau müßte dem Kulturpalast die Kälfte und die internationalistische Glattheit genommen werden...schlicht seine ganze Erscheinung. Harris und Churchill hätten am Ende doch noch gewonnen, wenn man das Erscheinungsbild des gegenwärtigen Kulturpalasts nachträglich freimütig als "stadtbereicherung" akzeptieren würde.... :(

    Das heißt nicht, daß ein Kristallpalast als "Haus der Kultur" prinzipiell undenkbar wäre. Aber für die Variante, die VERTRÄGLICH wäre, ist die Zeit noch nicht reif; da muß noch ein bißchen gestorben werden in Medien- und Fuelletonabteilungen.... :lachen:

    Nein, die werden gedünstet

  • @ Miwori und Wissmut:

    Der Vergleich mit den zu fassenden Edelsteinen gefällt mir. Das und das Welterbe Elbetal ist es, was für mich den Postplatz genauso wichtig wie den Altmarkt macht. Der Ausblick von den Zwingergalerien ist einfach unwürdig.

    Ich möchte aber meine Gründe aufzählen, warum ich Kollhoff in Schutz genommen habe, mir wäre natürlich auch ein Kulturpalast am Postplatz oder der Wiederaufbau Sarassani lieber, wenn das nur wer bezahlen könnte. Außerdem wäre meine Muss-Reko in der Neustadt das Neustädter Rathaus.

    1. Kolloff hat ja seine Pläne nochmal überarbeitet. Anfangs war die Seite zum Altmarkt tatsächlich eine monumentale Wand mit Dreieckgiebel. Allerdings nahmen die Arkaden schon Bezug zu Rascher. Jetzt ist die Fassade doch deutlich in 3 Teile gegliedert und sogar Statuenschmuck ist vorgesehen, den ja auch Hofkirche, Zwinger, Semperoper... haben. Auch Rascher hat die Kleinteiligkeit schon geopfert. Wo früher 8 Bürgerhäuser standen, steht jetzt eine Wand (Ostseite), bei der sich lediglich die höhergebauten Enden herausheben. Allerdings gebe ich Wissmut Recht, dass Kollhoff zu wenig schmückt. Wirklich tragisch ist aber in dem Punkt die Südseite: Wenn neben die Kreuzkirche ein Klotz kommt, dann Gute Nacht.

    2. Die Seite zum Altmarkt ist die schlechteste. An den anderen Seiten sind eine Fülle an Leitbauten vorgesehen, hier soll die Kleinteiligkeit zumindest optisch wieder zur Geltung kommen! Bilder dazu auf der GHND Seite.

    3. Auf dem Kulturpalastareal befanden sich früher 4 quadratische Wohnquartiere. Kollhoff will die Kleinteiligkeit wieder herstellen, indem er auch den neuen Komplex in 4 getrennte Baumassen gliedert, zwischen denen überdachte Passagen durchführen. Solche Passagen hat [lexicon='Leipzig'][/lexicon], Mailand u.a. Dresden vermisst sowas. Allerdings wünsche ich mir auch hier mehr Mut zum Ornament von Kollhoff. Bilder auf der GHND Seite.

    4. In Verbindung mit dem Kulturpalast will Kollhoff auch eine Tiefgarage unter dem Altmarkt bauen. Das ist dringend nötig! Nichts zerstört den Altmarkt mehr, als dass er als Parkplatz gebraucht wird. Wenn der Altmarkt seine Tiefgarage hat, kann man den Verkehr erst wirklich aus der Innenstadt heraushalten. Dann könnte man den Altmarkt wieder mit einem Kopfsteinpflaster belegen, alte Kandelaber dort aufstellen, einen Brunnen dorthin versetzen...

    5. Früher wurde Dresden oft als Stadt der Kuppelbauten bezeichnet. Frauenkirche, Kunstakademie, Yenidze stehen noch/wieder, die Kuppelbauten des Ausstellungspalastes, Zirkus Sarassani, Kaiserpalast nicht mehr. Mit Kollhoff käme wieder eine Kuppel, allerdings finde ich auch hier, dass sie Kollhoff etwas historisierender gestaltender sollte. Ich finde, die Kuppel sollte so groß sein, dass sie einerseits in die historische Elbsilhouette nicht eingreift, andererseits vom Altmarkt her gut zu sehen ist.

    6. Die Alternativen zu Kollhoff sind derzeit schrecklich. Hänsch hat einen Plan vorgelegt, der den K. Palast ebenfalls vergrößert, aber seine Häßlichkeit zementiert. Dann gibt es noch die kleine Gruppe ideologischer Fanaten, die ihn erhalten will. Das ist lächerlich, den die wenigen erhaltenswerten Teile, z.B.: Wandgemälde könnte man auch in die Prager versetzen, wo es hinpassen würde. Dagegen ist Kollhoff zumindest das kleinste Übel. Es gibt z. Zt. keinen besseren Vorschlag. Wir müssen also warten oder das beste aus Kollhoff machen.

    Die nächsten Antworten zum Thema Kulturpalast werde ich im Kulturpalast Tread geben, sonst entfremden wir noch Johanns Forum.