Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Denkmale und Denkmalschutz in Schleswig-Holstein

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    • Denkmale und Denkmalschutz in Schleswig-Holstein

      Nach Sachsen versucht man nun auch in Schleswig-Holstein den eh schon geschwächten Denkmalschutz weiter zu demontieren:

      Baunetz - Lex Eigennutz - Schleswig-Holstein schafft den Denkmalschutz ab

      Offener Brief der Kunsthistoriker

      Brief des Nationalkomitees


      wie weit geht diese geistige Armut eigentlich noch? :kopfwand:
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

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    • Es scheint hier ja vor allem um neuere Gebäude ab 1950 zu gehen, die vielleicht nicht unbedingt wirklich schützenswert sind (?):

      Schon die Epochen-Grenze 1950 ist reine Willkür. Auch bei Umbauten (geplante Abbrüche eingeschlossen) soll der Grundsatz der Praktikabilität gelten. Dieses Gesetz ist eines für den Staat und die Kommunen, die in großem Umfang über Verwaltungsbauten, Universitäten, Schulen und Kindergärten aus der Nachkriegszeit verfügen, diese ohne nennenswerten Bauunterhalt heruntergewirtschaftet haben und nun neuen Hygiene-, Sicherheits- und Energie-Standards anpassen müssen. Die Auseinandersetzungen um das Kieler Schloss, die Christian-Albrechts-Universität und das als hässlich diffamierte Rathaus in Elmshorn haben wohl zu dieser Selbstbedienungsklausel geführt.


      Wobei ich angesichts der Fotos (Kiel und Elmshorn) nicht von "als häßlich diffamiert" sprechen würde, sondern von "unbeschreiblich häßlich".

      Außerdem sieht man das als Eigentümer tatsächlich häufig anders - so durften meine Eltern aufgrund der "Ensemblewirkung" keine Metall- oder Kunststofffenster in das Haus einbauen. Und das, obwohl es sich beim "Ensemble" um völlig belanglose 50er-Jahre Architektur handelte, die in den 70er Jahren wegen der "autogerechten Stadt" abgerissen werden sollte und in die der Staat selbst vorher ein extrem scheußliches Fernmeldeamt und eine jede Maßstäbe sprengende Post (alles aus Sichtbeton) gebaut hatte. Aber das Vorblenden von 30 cm Styroporplatten war natürlich kein Problem, nur die Fenster... smile:)
    • Und auch mal gute Nachrichten:
      Wilster - ein Örtchen mit wenig mehr als 4.000 Einwohnern unweit der Elbmündung. Nie davon gehört.
      Das Nest hat ein Altes Rathaus und ein Neues Rathaus (Palais Doos); letzteres wird nun u. a. mit Fördergeld saniert.

      Landeskonservator Dr. Michael Paarmann überreichte Förderbescheid von 20 000 Euro für die anstehenden Sanierungsarbeiten.
      „Es steckt noch voller Geheimnisse, dieses Haus.“ Landeskonservator Dr. Michael Paarmann geriet bei der Besichtigung des Neuen Rathauses regelrecht ins Schwärmen. Erstmals besuchte er das historische Gebäude in der Marschenstadt – und er kam nicht mit leeren Händen. Dr. Michael Paarmann überreichte gestern Nachmittag den Förderbescheid der Denkmalpflegebehörde für die Sanierung des Neuen Rathauses an den stellvertretenden Bürgermeister Helmut Jacobs. Mit 20 000 Euro beteiligt sich die Denkmalpflege an den aktuellen Kosten für die „Substanz erhaltenden Maßnahmen“, für die die Stadt mit insgesamt 130 000 Euro rechnet.
      Denkmalpflege: Neues Rathaus – historisches Juwel - shz/Wilstersche Zeitung

      Das Neue Rathaus aus dem Jahr 1786:

      Bildquelle: Wikipedia, Urheber 'Torsten Bolten'

      Das Alte Rathaus aus dem Jahr 1585:

      Bildquelle: Wikipedia, Urheber 'Torsten Bolten'

      Förderverein "Historische Rathäuser in Wilster e.V."
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Revision der Kulturdenkmale

      Die Liste der Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein wird derzeit überarbeitet:

      schleswig-holstein.de/DE/Lande….html#doc1886070bodyText2

      "Die Bestandsaufnahme (Inventarisation) der Kulturdenkmale in
      Schleswig-Holstein ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, da die letzte
      landesweite Erfassung mehr als 30 Jahre zurückliegt. Wir stellen uns
      der Aufgabe, die Kulturdenkmale hinsichtlich ihres Erhaltungszustandes
      erneut zu überprüfen und bisher unbekannte Kulturdenkmale zu erfassen.
      Bislang sind knapp über 8000 Baudenkmale von besonderer Bedeutung in das
      Denkmalbuch des Landes eingetragen (ohne Lübeck). Etwa 4000
      Kulturdenkmale sind seit langem zur Eintragung vorgesehen. Die Zahl der
      einfachen Kulturdenkmale wird derzeit auf 16000 geschätzt. Die Erfassung
      und Bewertung der Kulturdenkmale soll zukünftig im landesweiten
      Vergleich erfolgen und der unterschiedliche Bearbeitungsstand der
      Landkreise aufgehoben werden. Neben einer Bewertung vor Ort, die
      grundsätzlich von öffentlichem Grund und Boden erfolgt, soll es eine
      Auswertung zur Verfügung stehender Quellen wie historischen Ansichten,
      Ortschroniken, Bauakten und den Inventarbänden geben. Dabei ist die
      Mithilfe vieler ehrenamtlich tätiger Heimatforscher, deren Wissen von
      unschätzbarem Wert für uns ist, ausdrücklich erwünscht."(Quelle: siehe oben!)


      "Mittlerweile haben Denkmalschützer etwa ein Drittel der geschätzt 16.000
      einfachen Kulturdenkmale im Land erfasst. Das Ergebnis ist aus Sicht
      des Denkmalschutzes erschreckend. Nur 2800 der 5800 Objekte werden in
      die geplante Denkmalliste aufgenommen. Der Rest existiert entweder
      überhaupt nicht mehr oder wurde in der Vergangenheit baulich so stark
      verändert, dass er nicht den neuen Denkmal-Kriterien genügt."

      shz.de/schleswig-holstein/poli…rschwunden-id9884931.html

      Leider ist es nicht nur in Schleswig-Holstein so, dass man oft nur einzelne, besonders herausragende Bauten schützt, dem Gesamtbild eines Ortes aber wenig Bedeutung beimisst. So steht etwa in Mölln in der Bleistraße (wie in vielen anderen Nebenstraßen auch) nicht ein einziges Gebäude unter Schutz, obwohl sich hier ein sehr ansehnliches Straßenbild ergibt. Hier würde bereits der Abbruch eines einzigen Hauses das Gesamtbild erheblich stören, zumal sich viele der heutigen Neubauten leider nicht besonders gut einfügen.
      Bleistraße Mölln, theoretisch könnten alle hier gezeigten Bauten abgerissen werden:
      panoramio.com/photo/97080188
    • Gewaltiger Denkmalschwund in SH

      Ich hatte den Faden vor allem für diese dramatische Meldung eröffnen wollen:

      Liste der Denkmäler in Schleswig-Holstein um die Hälfte geschrumpft

      Wie viele Kulturdenkmäler gibt es in Schleswig-Holstein? Damit hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren das Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt. Hintergrund ist ein neues Denkmalschutzgesetz vom Januar 2015. Doch nach der großangelegten Inventur steht nun fest: In den vergangenen 30 Jahren ist von 16.000 bisher gelisteten einfachen Kulturdenkmälern die Hälfte verschwunden.

      Platz für Neubauten rund um Hamburg

      Hier ein neuer Balkon, da ein modernes Fenster oder die Abrissbirne: Viele Kulturdenkmäler gibt es einfach aufgrund baulicher Veränderungen nicht mehr. Laut Landesamt für Denkmalpflege betrifft das vor allem den Hamburger Rand, wo in den vergangenen Jahren viel neu gebaut wurde. Alte Bauernhäuser zum Beispiel, die bisher unter der Kategorie "einfaches Kulturdenkmal" liefen, wurden abgerissen.

      Aber: Die Besitzer haben damit nichts Unerlaubtes getan. Denn diese Gebäude standen nicht unter einem besonderen gesetzlichen Schutz. Ab sofort wird das Landesamt nur noch die Denkmäler listen, die "von besonderem Wert" und damit schützenswert sind. Aus der bisherigen Liste der einfachen Kulturdenkmäler sind das rund 8.000. Sie werden dann bald auf einer zentralen Denkmalliste erscheinen - zusammen mit prominenten Namen wie dem Schleswiger Dom oder dem Gut Basthorst.

      Die Denkmalpfleger hatten viel zu tun. Mit dem neuen Gesetz wurde 2015 ein einheitlicher Denkmalbegriff eingeführt. Die Kategorie "einfaches Kulturdenkmal" fiel weg - deshalb mussten überhaupt erst einmal die etwa 16.000 Kulturdenkmäler überprüft werden. Für diese Mammutaufgabe stellte das Landesamt für Denkmalpflege zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Sie sollten untersuchen, ob das Denkmal noch steht - in welchem Zustand es ist und eben, ob es einen "besonderen Wert" hat und deshalb künftig gesetzlichen Schutz genießen darf. Der Leiter des Landesamtes, Landeskonservator Michael Paarmann sagte, man habe damit gerechnet, dass mehr als 50 Prozent verloren gegangen sind. "Dieses ist umso schmerzlicher, als gerade die weniger spektakulären, aber besonders landschafts- und ortstypischen Gebäude und Ensembles von diesem Verlust stark betroffen sind."


      ndr.de/nachrichten/schleswig-h…schrumpft,denkmal396.html
    • An sich scheint sich ja nichts zu ändern. Wenn die einfachen Denkmale bislang zwar als Kulturdenkmale galten, aber keinen Schutz genossen.

      Den Satz »Ab sofort wird das Landesamt nur noch die Denkmäler listen, die »von besonderem Wert« und damit schützenswert sind.« muss man sich aber auch auf der Zunge zergehen lassen.
      Herzliche Grüße

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