Fassadendämmung versus Stadtbildpflege

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    Diese EU-Richtlinie ist doch kaum ernst zu nehmen. Bis 2030 alle Gebäude zu Null-Energiehäusern? Wenn man mal die Lebensdauer bestehender Anlagen ansieht bedeutet das gigantische Mengen an laufenden und nutzbaren Installationen auszutauschen. Wenn man es nichteinmal schafft, den Verkehrssektor bis 2035 frei von fossilen Energieträgern zu bekommen, obwohl hier die Lebensdauer aller Anlagen wesentlich kürzer und die Investition wesentlich kleiner wäre, wie soll das bei Gebäude funktionieren?


    Mich beunruhigt diese Vorlage, die sicher im Rahmen eines quasi religiösen Klimaschutzverständnisses auftaucht auch sehr, aber nüchtern betrachtet ist das weder durch- noch umsetzbar. Man stelle sich mal Paris, Wien oder Budapest vollständig gedämmt vor.... Ein Irrsinn. Was ich aber für möglich halte ist durch gezielte, sinnvolle Investitionen die Emissionen zu reduzieren und den restenergiebedarf vollständig aus Erneuerbaren - oder, für Länder die es so wollen, aus Atomkraft.


    Man darf eins nicht vergessen: Die Klimaschutz wird von der Deutschen Politik deswegen so forciert, weil man hier einen Markt sieht, und hofft dass alle Volkswirtschaften, die ebenfalls auf den Klimaschutzzug aufspringen wollen, dann technisch führende deutsche Industrielösungen kaufen. Aber warum sollten das alle EU-Länder wollen? Deutsche Heizungsanlagen, Dämmsysteme, Solardächer usw. kaufen, wenn wir gelichzeitig deren nagelneue Kernkraftwerkstechnologie ablehnen. Krach ist vorprogrammiert, und wie Chamfort voraussagt wird eine wachsweich gespülte Version zu erwarten sein, die niemandem weh tut. Hoffentlich. Schlimm genug wieviel Baukunst aktuell auf dem Scheiterhaufen des Klimaschutzes verheizt wird.

  • nothor In dem Entwurf steht ja nicht mal, dass alle Gebäude auf Null-Energiehäuser gebracht werden sollen. Es stehen zwei Forderungen darin, wobei die eine nichts mit der anderen zu tun hat. Deswegen fand ich ja den Diskurs hier im Forum so fälschlich: 1. Vorschlag ist bis 2030 bei allen Neubauten Null-Energie-Haus Standard zu erreichen. 2. Vorschlag ist der Einsatz eines energetischen Mindeststandards für alle Gebäude, u.a. weil man auf diese Weise deutlich mehr Energie einsparen kann, als von einem Haus Baujahr 2010 zu einem Haus Baujahr 2030 Null-Energie.

  • Und wer zahlt mir als Hausbesitzer das Erreichen dieser "Mindeststandards"? Der Staat?

    Soweit ich das gelesen habe sind in der Tat altbekannte Formen der staatlichen Unterstützung vorgesehen: Förderprogramme, günstige Kredite, ja. Letztlich kann man es sich aber ja auch vom Mieter wieder zurückholen in Teilen, weil der ja auch empfindlich Heizkostenausgaben spart. Der Wert der Immobilie wird gesteigert, also eigentlich gewinnt gerade auch der Hausbesitzer.

  • Erst mal ist die Gewinnsteigerung einer Immobilie durch Dämmung eine behauptete. Zudem wird sie nur wirksam, wenn ich die Immobilie verkaufe.


    Wenn ich nicht verkaufe, habe ich erst mal nur Kosten. Wenn ich die Immobilie selbst bewohne, kann ich zudem gar nichts auf Mieter umlegen. Außerdem werden sich die Mieter und der Staat (Stichwort Mietpreisbremse) vermutlich freuen, wenn die Mieten plötzlich steigen sollen.


    Das heißt, Förderprogramm hin, Kredit her, ich soll mich aus Gründen der ideologischen Befriedigung einiger Politiker als Immobilieneigentümer verschulden. Plötzlich habe ich womöglich einige zehntausend Euro an Schulden, die ich bis zum Lebensende irgendwie von der Kleinstrente abbezahlen soll. Dafür wird mir erzählt, dass ich doch Heizkosten spare. Derzeit beheize z.B. ich eigentlich nur ein Zimmer und bekomme eine Rückzahlung. Viel mehr sparen werde ohnehin nicht können. Und in 25 Jahren lese ich dann Zeitungsartikel a la "Geschichtlicher Rückblick: Wärmedämmung der 2020er Jahre stellte sich zwanzig Jahre später als große Fehlinvestition heraus"... ;-\

  • Erst mal ist die Gewinnsteigerung einer Immobilie durch Dämmung eine behauptete.

    Wenn Du Wertsteigerung meinst, dann ist die Aussage falsch. Man steckt Material in ein Gebäude, und dessen Verbrauchswerte sinken. Man hat also niedrigere Betriebskosten und mehr Funktion. Man hat eine erhöhte Vermietbarkeit, weil der Standard nicht unter dem von anderen Gebäuden liegt. Das ist sofort eine Steigerung des Wertes der Immobilie und das kann ich von meiner Arbeit auch unzweifelhaft nachweisen.


    Wenn ich nicht verkaufe, habe ich erst mal nur Kosten. Wenn ich die Immobilie selbst bewohne, kann ich zudem gar nichts auf Mieter umlegen. Außerdem werden sich die Mieter und der Staat (Stichwort Mietpreisbremse) vermutlich freuen, wenn die Mieten plötzlich steigen sollen.

    Nein hast Du nicht, die Einsparungen in den Verbrauchswerten sind sofort im Geldbeutel spürbar. Deshalb steigen dann ja auch höchstens leicht die Mieten, weil die Einsparungen der Nebenkosten einen Großteil kompensiert. Der Rest der Mieterhöhungen kann in einem erhöhten allgemeinen Sanierungsgrad und damit erhöhter Wohnqualität auch begründet sein, wenn man schon energetisch saniert.

    Das heißt, Förderprogramm hin, Kredit her, ich soll mich aus Gründen der ideologischen Befriedigung einiger Politiker als Immobilieneigentümer verschulden. Plötzlich habe ich womöglich einige zehntausend Euro an Schulden, die ich bis zum Lebensende irgendwie von der Kleinstrente abbezahlen soll. Dafür wird mir erzählt, dass ich doch Heizkosten spare. Derzeit beheize z.B. ich eigentlich nur ein Zimmer und bekomme eine Rückzahlung. Viel mehr sparen werde ohnehin nicht können. Und in 25 Jahren lese ich dann Zeitungsartikel a la "Geschichtlicher Rückblick: Wärmedämmung der 2020er Jahre stellte sich zwanzig Jahre später als große Fehlinvestition heraus"... ;-\

    Naja, mehr als Geld kann Dir der Staat nicht schenken, dass Du dafür in Deinen Besitz investierst. Wenn man eine Immobilie wie ein Unternehmen sich anschaut, dann wird schnell klar, dass nur mit stetigen Investitionen das Unternehmen am Leben gehalten werden kann. Du verlangst, dass man diese Investitionen nicht tätigen muss. Das kann man natürlich machen bei Immobilien wie bei Unternehmen, jedoch wird dann halt die Immobilie stetig weiter abfallen im Wettbewerb zu anderen Immobilien und irgendwann aus der Zeit gefallen sein. Dann kommt nur noch der Abriss in Frage. Du lebst im Prinzip auf dem Rücken Deiner Immobilie, denn unbeheizte Räume und fehlende Investitionstätigkeit wird sich spätestens in der nächsten Generation dann niederschlagen, sodass ein Abbruch wahrscheinlicher wird.

    Ich kann Dir sagen von Unserem Immobilienportfolio, dass jede bisher vollzogene energetische Sanierung eine einkömmliche Investition war. Manche Altbauten, wie einzelne aus dem 19. Jahrhundert im Portfolio haben übrigens durch ihre dicken Ziegelwände nur neue Fenster und Heiztechnik bedurft, um ausgezeichnete Standards zu erreichen.

  • ^ Erstens, um das richtig zu stellen, ich heize einmal am Tag Flur und Wohnzimmer für 1-2 Stunden auf. Auch das Bad, wenn ich dort in die Badewanne gehe. Also, da geht nichts kaputt. Zwei Zimmer werden seit 40 Jahren so gut wie nicht beheizt, und auch da ist seitdem nichts kaputt gegangen. In früheren Jahrzehnten hat man auch nicht die komplette Wohnung im Winter auf 23 Grad gehalten.

    Zweitens investiere ich schon. Aber ich entscheide über die Investitionen in mein Haus gerne selbst. Vom Staat möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich wann zu investieren habe.

  • Vorschlag ist der Einsatz eines energetischen Mindeststandards für alle Gebäude

    Wenn man diesen Standard in etwa auf das Niveau eines durchschnittlichen Gründerzeitlers setzt, wäre viel gewonnen: die hässlichen Energiefresser aus den 60ern könnten eine bessere und deutlich effizientere Fassade bekommen, und die energetisch schon recht ordentlichen Gründerzeitler dürfen ihre schönen Fassaden behalten, denn

    Manche Altbauten, wie einzelne aus dem 19. Jahrhundert im Portfolio haben übrigens durch ihre dicken Ziegelwände nur neue Fenster und Heiztechnik bedurft, um ausgezeichnete Standards zu erreichen

  • Erstens, um das richtig zu stellen, ich heize einmal am Tag Flur und Wohnzimmer für 1-2 Stunden auf. Auch das Bad, wenn ich dort in die Badewanne gehe. Also, da geht nichts kaputt. Zwei Zimmer werden seit 40 Jahren so gut wie nicht beheizt, und auch da ist seitdem nichts kaputt gegangen. In früheren Jahrzehnten hat man auch nicht die komplette Wohnung im Winter auf 23 Grad gehalten.

    Zweitens investiere ich schon. Aber ich entscheide über die Investitionen in mein Haus gerne selbst. Vom Staat möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich wann zu investieren habe.

    Ja, aber schau mal. Wenn Du fast nur einen Raum heizt, dann wird Dich der Staat schonmal voraussichtlich gar nicht zu der Investition drängen. In dem Entwurf heißt es nämlich, dass die Häuser mit dem höchsten Energiebedarf pro m² von Mindeststandards betroffen sind, weil sich der Standard genau danach richtet. Sprich, wer das Geld hat Energie zu verschwenden, der soll endlich mal sparen und /oder investieren, weil er das gegen jede Vernunft scheinbar nicht getan hat. Der Staat schreibt Dir also gar nicht mit so einem Mindeststandard eindeutig nur eine Sanierung vor, Du kannst natürlich auch ein wenig so leben wie in ,,früheren Jahrzehnten".

  • Woran misst sich das denn? Am Energieausweis? Ich habe z.B. keinen, zumindest weiß ich von keinem für unser Haus. Und als selbstbewohnendem Eigentümer interessiert mich der Energieausweis auch garnicht, da ich die Heizkosten und -technik genau kenne. Und Mieter? In Großstädten dürfte der Markt aktuell nicht so funktionieren, dass Mietinteressenten kehrt machen, weil ihnen der Energieausweis nicht passt, sondern sie interessieren sich vielmehr für die Gesamtmiete und dafür, dass sie stabil bleibt. Faktisch bleibt das Problem ja bestehen, dass günstiger Wohnraum aufgrund energetischer Sanierung verloren geht und die Grundmieten deshalb stark ansteigen. Über Heizkosten nachzudenken lohnt sich für viele dann schon garnicht mehr, denn zu den Kostensparstrategien wie "im Winter reichen 19°C" oder das Badezimmer muss nicht rund um die Uhr 22°C haben, kommen die Menschen dann gar nicht mehr. Für Vermieter mag sich die Offensive durchaus lohnen, denn aus variablen Kosten, die die Mieter stark selbst beeinflussen können werden Fixkosten, an denen nichts mehr zu drehen ist. Geld, das Energieversorger von Mietern bekommen haben bekommt nun der Vermieter, und zwar fix und unveränderlich. Klassischer Staubsauger-in-den-Geldbeutel-Effekt.

  • Klingt eigentlich logisch, dass dann jedes Haus einen Energieausweis braucht. Denn eine Wärmepumpe oder einem Kachelofen mit eigenem Holz z.B. sieht man ja überhaupt nicht, da geht kein Geld extra über den Tisch, wohingegen bei Fernwärme oder anderen fossilen Heizungen man einen Verbrauch noch nachvollziehen könnte. Andererseits könnte das auch ein klares Indiz sein, dass der Entwurf nicht so kommen wird, weil man die Datenerhebung scheut.

    Die soziale Frage, die hat man natürlich immer, wenn man Standards vorgibt. Das wird auch kritisiert z.B. bei überbordenden Brandschutzbestimmungen, Bebauungsplänen, Sozialqoten usw. Da hilft wohl nur die Standards so gering wie möglich zu halten bzw. dann auf der anderen Seite dafür zu Sorgen, dass der Mindeststandard auf jeden Fall finanzierbar ist. Vielleicht wird ja auch deshalb der Mindestlohn hochgeschraubt ;) Ich als kleiner Angestellter hoffe jedenfalls auf ebenso steigenden Stundenlohn.

  • Man hat eine erhöhte Vermietbarkeit, weil der Standard nicht unter dem von anderen Gebäuden liegt

    In Großstädten mit Verkäufermarkt (hier Vermietermarkt) spielt das doch aktuell überhaupt keine Rolle. Vermieter bekommen die Wohnungen so oder so vermietet.

    Das ist sofort eine Steigerung des Wertes der Immobilie

    Was habe ich von einer Wertsteigerung, wenn das Gebäude / Grundstück im Familienbesitz bleiben soll? Da freut letztlich nur das Finanzamt. Die Politik behandelt Immobilienbesitzer zunehmend pauschal wie Einkommensmillionäre. Welch Irrsinn! Man stelle sich dies mal in England oder Italien vor. Letztlich werden Steuerlasten derart hoch, dass sich nur noch ein "Zwangs"verkauf an institutionelle Investoren rechnet, will man sich nicht verschulden.


    Energiesparen bei Mietern ist auch so eine Sache. Was ich da alles erlebe. Heizung Tag und Nacht auf Maximum, dabei die Fenster drüber gekippt, 24° Dauertemperatur im Winter und dann mit kurzer Hose und T-Shirt herumlaufen wie im Hochsommer... und dann sollten die Vermieter laut Grünen am besten noch die CO2-Kosten für die Mieter übernehmen... Welch Irrsinn!

  • Was der "Spiegel" da wieder für "Fake News" verbreitet. Es wird doch staatliche Beihilfen geben. Und letztlich rechnet sich alles doch in der Heizkostenabrechnung... :zwinkern:


    Geplante Sanierungspflicht

    Für viele Hauseigentümer wird es teuer

    https://www.spiegel.de/wirtsch…9f-4d0e-ba89-65b09ad825f7

    Dann glaub halt dran, dass es ein Verlustgeschäft sein wird. Wenn man 8 mal soviel Energie verbraucht wie ein Vergleichsbau, wie es im Artikel heißt, dann ist es eigentlich nicht so schwer auch hohe Investitionen zu rechtfertigen.

  • In Großstädten mit Verkäufermarkt (hier Vermietermarkt) spielt das doch aktuell überhaupt keine Rolle. Vermieter bekommen die Wohnungen so oder so vermietet.

    Prima, dann können wir auch endlich wieder Häuser bauen, bei denen die Toiletten im Hof unten sind. Spielt ja eh keine Rolle. Und alles versiffen lassen können wir auch, denn es wird so oder so vermietet. Super Argumentation.


    Die Politik behandelt Immobilienbesitzer zunehmend pauschal wie Einkommensmillionäre. Welch Irrsinn!

    Ja das redet sich leicht. Schafft man dann eben die Erbschaftssteuer ab, nicht wahr? Komisch, die Vermögen akkumulieren sich immer stärker, ob das mit dem Erben zu tun hat? Nee, die Regelungen sind ja vollkommen ungerecht, ,,nur" ein Haus völlig steuerfrei, und bei weiteren kann man die Steuern erheblich senken und mit Freibeträgen arbeiten. Totale Abzocke.


    ... und dann sollten die Vermieter laut Grünen am besten noch die CO2-Kosten für die Mieter übernehmen... Welch Irrsinn!

    Zumindest zum Ende raus kommt noch was sinnvolles.

  • Prima, dann können wir auch endlich wieder Häuser bauen, bei denen die Toiletten im Hof unten sind. Spielt ja eh keine Rolle. Und alles versiffen lassen können wir auch, denn es wird so oder so vermietet. Super Argumentation.

    Weshalb schließt du denn von A auf B-Z? Bleib doch bitte beim Thema, um das es hier geht: Energie. Wenn du Wohnungen dagegen versiffen lässt, schädigst du unmittelbar die Substanz. Toiletten im Hof, naja, ich weiß nur, dass vielen Interessenten nichts wichtiger ist, als ein ordentliches und gepflegtes (am besten renoviertes) Bad.

    Ja das redet sich leicht. Schafft man dann eben die Erbschaftssteuer ab, nicht wahr? Komisch, die Vermögen akkumulieren sich immer stärker, ob das mit dem Erben zu tun hat? Nee, die Regelungen sind ja vollkommen ungerecht, ,,nur" ein Haus völlig steuerfrei, und bei weiteren kann man die Steuern erheblich senken und mit Freibeträgen arbeiten. Totale Abzocke.

    Wer spricht denn davon die Erbschaftssteuer (die nicht nur auf Immobilien anfällt) abzuschaffen? Wer spricht davon, Häuser steuerfrei zu bewohnen? Meiner Ansicht nach, gehst du hier gleich von 0 auf 180, dazwischen gibt´s jedoch viel Gestaltungsspielraum. Ein Thema wäre die Berechnung der Grundsteuer, ein weiteres die faire Gestaltung der CO2-Bepreisung (der seltsame Vorschlag der Grünen wurde ja zum Glück abgewendet), ein drittes die vor der Wahl diskutierte Wiedereinführung einer Vermögenssteuer (Grundbesitzer in München, FFM, Hamburg wären da schnell drin ohne entsprechende Liquidität), ein viertes die steuerliche Behandlung von Mieterträgen (günstige Mieten werden vom Finanzamt missbilligt, selbst Münchens OB Reiter (SPD) möchte hier umgekehrt steuerliche Anreize für Vermieter mit geringen Mieten).

    Die 10-jährigen Freibeträge der Erbschaftssteuer sind dagegen bei Grundstückswerten von mehreren Millionen Euro nahezu irrelevant.

  • Weshalb schließt du denn von A auf B-Z? Bleib doch bitte beim Thema, um das es hier geht: Energie. Wenn du Wohnungen dagegen versiffen lässt, schädigst du unmittelbar die Substanz. Toiletten im Hof, naja, ich weiß nur, dass vielen Interessenten nichts wichtiger ist, als ein ordentliches und gepflegtes (am besten renoviertes) Bad.

    Deine Aussage war so nach dem Motto, die Wünsche der Mieter sind egal, weil man sowieso alles vermieten kann in Großstädten. Natürlich kann ich dann Optionen nennen, die das widerlegen, und im Prinzip widerlegst Du Dich selbst, wenn jetzt also doch wieder zählt, dass den Mietern ein ordentliches, gepflegtes Bad am wichtigsten ist. Das heißt dann doch, dass man da sehr wohl z.B. Unterschiede in der Vermietbarkeit dann festmachen kann (inklusive Miethöhe). Und da sind wir auch zurück beim Thema Energie. Wenn eine Wohnung bei gleicher Fläche 8x soviel Energie braucht, wie ein Neubau, wo ist dann wohl die Vermietbarkeit und die Mieteinnahmen schwieriger? Lange Rede kurzer Sinn, auch in Großstädten ist die Frage einer guten Vermietbarkeit nicht aufgehoben.


    Wer spricht denn davon die Erbschaftssteuer (die nicht nur auf Immobilien anfällt) abzuschaffen? Wer spricht davon, Häuser steuerfrei zu bewohnen? Meiner Ansicht nach, gehst du hier gleich von 0 auf 180, dazwischen gibt´s jedoch viel Gestaltungsspielraum. Ein Thema wäre die Berechnung der Grundsteuer, ein weiteres die faire Gestaltung der CO2-Bepreisung (der seltsame Vorschlag der Grünen wurde ja zum Glück abgewendet), ein drittes die vor der Wahl diskutierte Wiedereinführung einer Vermögenssteuer (Grundbesitzer in München, FFM, Hamburg wären da schnell drin ohne entsprechende Liquidität), ein viertes die steuerliche Behandlung von Mieterträgen (günstige Mieten werden vom Finanzamt missbilligt, selbst Münchens OB Reiter (SPD) möchte hier umgekehrt steuerliche Anreize für Vermieter mit geringen Mieten).

    Die 10-jährigen Freibeträge der Erbschaftssteuer sind dagegen bei Grundstückswerten von mehreren Millionen Euro nahezu irrelevant.

    Witzig, erstmal darauf pochen, dass es doch um das Thema Energie geht (was nicht falsch ist beim Thema Isolierung) und dann selbst einen ellenlangen Text schreiben, um die deplazierten Ausführungen bezüglich ,,Politik behandelt Immobilienbesitzer wie Einkommensmillionäre" weiter zu beackern. Aber fürs Protokoll, von mir kam überhaupt keine Aussage zu ,,Häuser steuerfrei zu bewohnen", warum Du also da jetzt auch noch das Thema aufmachst, muss wohl an einem Missverständnis liegen. Fakt ist, und mehr habe ich dazu nicht gesagt, dass die Erbschaftssteuer trotz steigender Immobilienwerte (ggf. durch energetische Sanierungen, aber wohl eher durch die Spekulationsblase) zumindest einen Grundbedarf außen vor lässt, nämlich ein eigen bewohntes Haus, egal wie wertvoll das ist. Und das ist gut, aber dann muss man sich nicht aufregen, wenn dann weitere Immobilien versteuert werden, denn für den Erben ist es natürlich ein Einkommen durch die Erbschaft, halt ein recht statisches. Aber mit einer Hypothek kann man den Zugewinn auch ohne Verkauf sofort in finanzielle Möglichkeiten ummünzen.

  • Unterm Strich ist es in meinen Augen stark an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit, dem Immobilieneigentümern derart tief eingreifend vorzuschreiben, was sie wie mit ihrer Immobilie anzustellen und wieviel sie zu investieren haben. Wenn sich Mieter und Eigentümer einig sind über den Ist-Zustand und die laufenden Kosten, oder der selbstbewohnende Eigentümer keinen Grund für eine energetische Modernisierung sieht, wüsste ich keine gerechtfertigte Handhabe des Staates, da Vorschriften zu machen. Diese hilflosen Versuche, die Heizkosten den Vermietern aufzubürden, oder eben der mal schlecht, mal recht funktionierende Energieausweis sind Ausdruck einer orientierungslosen Politik. Die CO²-Bepreisung wäre m.E. das einzig faire Instrument, aber auch nur wenn hier das Verursacherprinzip gilt und es keine Ausnahmen davon gibt. Wenn Verkehr und bestimmte Industrien davon ausgenommen sind, dann ist es inakzeptabel.

  • Das Problem dabei ist nothor, das kann im Immobilienbereich nicht funktionieren. Wenn man es über den Energiepreis steuert, werden zwangsläufig sehr viele Menschen das nicht mehr bezahlen können, bis dann erst die Vermieter reagieren müssten. Es muss also irgendwie Anreize geben, bevor die Preiswelle kommt, die schlimmsten Zustände bereits saniert zu haben.

  • Deine Aussage war so nach dem Motto, die Wünsche der Mieter sind egal, weil man sowieso alles vermieten kann in Großstädten.

    Nein, das war das, was du lesen wolltest. Wenn du dir deinen Austausch mit Heimdall oben durchliest, siehst du, dass sich deine Aussage, auf die ich mich oben bezog ("Man hat eine erhöhte Vermietbarkeit, weil der Standard nicht unter dem von anderen Gebäuden liegt") eindeutig auf das Energiethema bezieht. Wenn ich dann antworte, dass dieses ("das") bei der Vermietung in Großstädten keine Rolle spielt, hat das absolut nichts mit Versiffung oder Bädern im Hof zu tun.

    Einen Widerspruch in meiner eigenen Aussage erkenne ich (noch) nicht?

    Witzig, erstmal darauf pochen, dass es doch um das Thema Energie geht (was nicht falsch ist beim Thema Isolierung) und dann selbst einen ellenlangen Text schreiben, um die deplazierten Ausführungen bezüglich ,,Politik behandelt Immobilienbesitzer wie Einkommensmillionäre" weiter zu beackern.

    Ich finde nichts witziges daran. Dir ist doch klar, dass du mit der Zuspitzung entsprechende Einwände hervorrufst. Bei meiner angeblich deplatzierten Äußerung - mit Sicherheit aber eine genauso zugespitzte - fehlen die wichtigen Wörter "zunehmend" und "pauschal". Haus & Grund mahnt seit Langem an, wie im Immobilienbereich Einkommen und Vermögen von Seiten der Politik vermischt werden. Dazu zählen für mich auch Vorschriften und Auflagen zu i.d.R. teuren energetischen Sanierungen.


    Und da ich hier leichte Aggressionen verspüre: Nein, ich bin weder Besitzer einen eigenen Immobilie in Deutschland, noch sonstiger Vermögens- oder Einkommensmillionär :)