Fassadendämmung versus Stadtbildpflege

  • Dabei wäre es so einfach, genau diese Kunst am Bau auch auf eine gedämmte Fassadenhaut aufzubringen. Aber, es wird gestalterisch auf gesamter Linie versagt. Ich hoffe, dass jetzt, da die Leute nimmer so einfach irgendwohin reisen können wo es schön ist, dien Leute bei Verstand sind und eben kein Styropor auf ihre Stadtbilder kleben, dass immer mehr Menschen bemerken wie schwierig es ist diesem Irrsin in Deutschland zu entkommen und wie verheerend es auf unsere Umgebung und unsere Lebensqualität wirkt.


    Der Mensch fühlt: Heizkosten gespart - Juhuu - Aber leider isses hier jetzt hässlich zum wohnen, teurer wurde es auch noch, lass uns umziehen....

  • Gesetzentwurf zum Denkmalschutzgesetz NRW.


    Ich denke, diese Information passt in diesen Strang. In NRW wurde ein Gesetzentwurf (17/8298) zum Thema „Änderung des Denkmalschutzgesetzes NRW“ durch die Fraktion „die Grünen“ eingebracht. Fazit, so wie ich ihn interpretiere (Kern ist der 2. Absatz im Abschnitt A, sowie der Abschnitt B der Drucksache): Eine Änderung des Erscheinungsbildes eines Denkmals zum Vorteil energieeffizienter Betrachtungen soll vereinfacht werden.


    Vielleicht auch interessant: Es lassen sich auch diverse Stellungnahmen (verlinkt) abrufen, die teilweise noch weiterreichender sind (z.B. Architektenkammer). Hauptseite:

    Gesetzentwurf Denkmalschutzgesetzt NRW.


    Etwas irritierend finde ich, dass auch diese Quelle mit anderem Fokus relativ aktuell erscheint:

    Novellierung des Denkmalschutzgesetzes NRW


    Stand/Zugriff 24.07.2020, alle Angaben ohne Gewähr.

  • Interessant, danke koelle.


    Was auch immer unter „Ein Ziel des Gesetzentwurfs der GRÜNEN ist es, die energetische Sanierung und Modernisierung von Denkmalschutzobjekten grundsätzlich zu erleichtern und den zuständigen Denkmalschutzbehörden einen klaren Abwägungsspielraum zu Gunsten der Erfordernisse von Klimaschutz und Klimafolgenanpassung bei ihrer Genehmigungsentscheidung einzuräumen“ im konkreten Fall bedeuten wird...

    Mit halbwegs bezahlbaren und umweltschädlichen Dämmungen, die als Nebenprodukt in energieintensiver Herstellung entstehen, werden nicht nur traditionelle Baukonstruktionen und eingesetzte Materialien langfristig in Mitleidenschaft gezogen, dieser Gesetzesentwurf wäre aber darüberhinaus in seiner praktischen Anwendung nicht einmal nachhaltig und nähme zusätzlich die Zerstörung des vielfältigen, bunten Erscheinungsbildes der bis dato geschützten Baukultur hierzuland „für die gute Sache“ inkauf.

    Menschen, die solch einen Entwurf einreichen, reicht offenbar die einseitigen Bewunderung fremder authentischer Kulturen, auch wenn es nur die Finca beim Rotweinsaufen in der Toskana ist.

  • Wenn man nur will, lassen sich Fassadendämmung und Erhalt des Stadtbildes in manchen Fällen versöhnen. Als Beispiel unser eigenes Haus (- ja, ich weiß, Eigenlob duftet...), dass auf 3 von 4 Seiten innen gedämmt ist, auf der Rückseite Außendämmung mit Mineralwolle.


    Warum überhaupt Wärmedämmung?


    Unser kleiner Häuschen wurde, anders als viele andere Gründerzeitler, offenbar mit einfachsten Mitteln errichtet. Die dünnen einsteinschen Wände hatten sehr schlechte Dämmeigenschaften - unser Vorgänger musste bis 2013 eine monatliche Gas-Abschlagsrechnung von 300 EUR (!) für winzige 65m2 zahlen.


    Die Innendämmung schien uns ein gangbarer Kompromiss zu sein, zumal es innen keinen Stuck gab. Auf der vom Straßenraum unsichtbaren Rückseite - eine einfache Brandschutzwand ohne Fenster - haben wir uns für Außendämmung entschieden, um Platz zu sparen. Innendämmung ist grundsätzlich etwas teuer als Außendämmung, die Kostendifferenz spielt m. M. nach aber langfristig keine Rolle.


    Vom Wohngefühl her empfinden wir Innendämmung als sehr angenehm. In unserem sehr kleinen Haus erfüllen alle Räume bis auf die Badezimmer jeweils 2 Funktionen zugleich. Unser Schlafzimmer ist z.B. tagsüber ein Arbeitszimmer. Für Büroarbeit empfinde ich eine wärmere Temperatur angenehm als zum Schlafen. Da die innen gedämmten Wände kaum einen Speichereffekt haben, genügt ein kurzes Querlüften, um die Temperatur bleibend zu senken.


    Uns ist mit mehreren Maßnahmen (Dämmung, Solarthermie, Küchenherd mit Holzfeuerung und Warmwasserzeugung) gelungen, die laufenden Heizkosten von besagten 300 EUR auf etwa 20 EUR zudrücken (- bei korrekter Betrachtung müsste man natürlich die Abschreibungs- und Wartungskosten für die Solarthermie und den Herd mit einberechnen, dann sähe weit weniger günstig aus).



  • HelgeK


    Danke für den vorbildlichen Einzelfall mit einer offenbar durchdachten und differenzierten Vorgehensweise.

    Ist das Gebäude denkmalgeschützt?


    Unsere Erfahrung hier im Forum zeigt uns ehrlicherweise auch, dass bereits das Gros nicht geschützter Bausubstanz aus Sicht der Orts- und Stadtbildpflege durch Dämm-Maßnahmen optisch erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wenn nun auch denkmalgeschützte Gebäude für diese Praxis geöffnet werden, sind die Kulturdenkmäler im wahrsten Sinne zum Abschuss freigegeben.


    Eine Sensibilität im Umgang mit dem historischen Bauerbe, trotz Liberalisierung der Gesetze, wie man sie bestenfalls für sich in Anspruch nimmt, kann nicht auf die große Masse übertragen werden - ein gängiger Trugschluss.

  • HelgeK

    Ist das Gebäude denkmalgeschützt?

    Nein.


    Ein Denkmalschutz bestand nicht bzw. wurde abgelehnt, da dass Dachgeschoss und die Fensteraufteilung im 1. Stock in den 1930ern stark verändert und erst von uns wieder den originalen Plänen entsprechend rekonstruiert wurden. So sah das Haus aus, als wir es 2013 gekauft haben:


  • Abgesehen von der eigentlichen Thematik in diesem Strang sind das augenscheinliche Verbesserungsmaßnahmen gegenüber dem Zustand von 2013 wie sie übertragen auf andere Orte und Gebäude, auch ohne Denkmalstatus, zu begrüßen wären. Ein bildlicher Vorher-Nachher-Vergleich sagt auch in diesem Fall mehr als viele Worte. Zum Ergebnis kann man wirklich gratulieren!

  • Mir ist auch aufgefallen, dass beim Stichwort Wärmedämmung jedem sofort WDVS einfällt. Viele erhaltenswerte Häuser wurden jedoch zweischalig gebaut und hier kann mit einer wesentlich günstigeren Mineraleinblasdämmung ein ähnlicher Effekt erzielt werden. Wenn man dann noch ein modernes Heizsystem, z.B. Erdwärme in Kombination mit Photovoltaik, Solarthermie und Flächenheizungen hat, dann muss man auch nicht völlig luftdicht dämmen. Gerade Flächenheizungen, die mit Strahlungswärme arbeiten, erlauben ein wohliges Raumgefühl bei 2-3 Grad weniger Raumtemperatur. Leider ist die Dämmstoffindustrie sehr aktiv und präsent.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Gewiss gibt es gute Beispiele für modernisierte bzw. gedämmte Fassaden. Doch leider sind diese oft Einzelfälle und die Mehrheit sieht schlimm aus, Fassaden bis zur Unkenntlichkeit verändert. Bei solchen Aktionen werden bedauerlicherweise auch noch Ornamente und andere überstehende Elemente abgeschlagen :daumenunten:

    Die Fassaden zu dämmen zerstört leider zu oft das Gesicht des Gebäudes und macht somit Straßenzüge teils unansehnlich. Hinzu kommt, dass es zu bauphysikalischen Problemen kommen könnte, die es vorher nicht gab, gefolgt von möglichen Bauschäden. Zu guter letzt wird es kaum möglich sein, bis zum letzten Haus zu dämmen, um flächendeckend Ressourcen zu sparen. Ganz zu schweigen von den Umwelteinflüssen.


    Meines Erachtens sollte an anderer Stelle das Rädchen gedreht werden, nicht unbedingt an der Architektur / Fassade. Vielmehr sollte durch gewisse Technik die Einsparung erfolgen. Diese wird heutzutage doch so umfangreich im Bau eingesetzt.
    Ich bin kein Chemiker oder Physiker, aber ich könnte mir sogar vorstellen, dass es (irgendwann) eine Möglichkeit geben könnte und sollte, Gebäude mit einer Energiequelle zu betreiben, wo es nicht schlimm wäre, dass davon viel verbraucht wird. So könnte man sich doch die Dämmorgien ersparen und die (schönen) Fassaden erhalten!

    Historische Architektur

    mit Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts - Klassizismus + Neorenaissance


    Berliner Architekturbüro Kyllmann & Heyden

  • Ich bin kein Chemiker oder Physiker, aber ich könnte mir sogar vorstellen, dass es (irgendwann) eine Möglichkeit geben könnte und sollte, Gebäude mit einer Energiequelle zu betreiben, wo es nicht schlimm wäre, dass davon viel verbraucht wird. So könnte man sich doch die Dämmorgien ersparen und die (schönen) Fassaden erhalten!

    In die Richtung gehen auch meine Gedanken. Wir können die Probleme der Energieversorgung nicht durch immer extremere nachträgliche Dämmung von Bestandsbauten lösen.


    Die tatsächliche Energieeinsparung fällt häufig viel geringer aus als vorab berechnet, da der "Faktor Mensch" nicht berücksichtigt wird. Zum einen werden schlecht isolierte Altbauten oft sparsamer beheizt als pauschal angenommen. Welches berufstätige Paar, das tagsüber nicht zu Hause ist, lässt im Winter schon alle Heizkörper auf "voll" durchlaufen, wenn keiner da ist? Zum anderen wird auch nach der Dämmung eines Gebäudes gegen "Fenster auf Kipp" gegenangeheizt, weil frische Luft gewünscht wird. In Summe bringt die Dämmmaßnahme dann deutlich weniger, als kalkuliert.


    Und auch bei Neubauten gibt es Grenzen des Sinnvollen. Passivhaus-Standard funktioniert schlecht bei dichter urbaner Geschossbauweise. Wir benötigen also, platt gesagt, ausreichend saubere Energie, um es uns leisten zu können, ein Stück weit zum Fenster hinaus heißen zu können.

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    Schön gedämmt, aber die alten Plastefenster drin gelassen. Die Bewohner werden da wohl kaum eine Verbesserung bemerken, aber teurer wird, und hässlicher ist es auch. Und dann immer dieses "modische" Grau....

    Sowas macht uns in Europa niemand nach.

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    Die Bewohner werden da wohl kaum eine Verbesserung bemerken, aber teurer wird, und hässlicher ist es auch.

    Leider ist es allerdings so, dass die Bewohner sich häufig eine Verbesserung einreden. Ich kenne Leute, die in solchen gedämmten Häusern leben und völlig erstaunt gucken, wenn ich daran Kritik äußere. Eigentümer wie Mieter. Ästhetisches Empfinden ist ohnehin kaum vorhanden. Und die Kosten werden mit dem angeblichen Nutzen (Umweltschutz/Klimawandel und Heizkostenersparnis) verrechnet.

  • Ich frag mich immer welche Heizkosten da eigentlich gemeint sind. Wir beheizen unsere Wohnung mit rd. 30-40 EUR im Monat Gas, übers Jahr gerechnet. Ich würde gerne mal wissen wie sich eine Wärmedämmung da amortisieren soll. Dazu müssten die Heizkosten nicht nur auf 0 sinken sondern ich müsste sogar noch Geld verdienen! Achja, Vermieter verdienen ja Geld damit, weil sie die Baukosten auf die Miete schlagen können, und zwar unbefristet, für immer!