Berlin - Reichstagsgebäude und Spreebogen

  • Quote from "Treverer"

    :lachen::lachen::lachen:


    Darf ich mal lachen...? Sorry, aber die Fläche vor dem Reichstag ist nach Meinung der zuständigen Leute, Architekten/Landschaftsplaner schon gestaltet worden..


    Ja, das ist mir auch bewusst, nur man muss die Fakten mal Gegenüberstellen (vor 1933 und heute). Die Lanschaftsarchitekten haben sich meiner Meinung bei der Gestaltung des Platzes vor dem Regierungsgebäude, welches Weltweit bekannt ist, keine Mühe gegeben, bzw. irgendwelche Gedanken darüber gemacht wie man einen ansprechenden Platz gestalten kann. Auf die Idee, einfach Rasen dort einzusähen, das ist keine Leistung als Landschaftsarchitekt, da kann jeder drauf kommen. Haben die heutigen Architekten denn gar kein Gespür für klassische, ansprechende Gestaltungen?

  • Ihr redet die ganze zeit nur von ner rasenfläche...aber da sind doch auch künstlerisch gestaltete hecken oder vertue ich mich da?
    Also nich dass ich die jetz ansprechend fände, aber es wurde doch ein künstlerischer entwurf versucht.....betonung liegt auf versucht :)
    Aber nur eine wiese ist es doch auch nich....

  • Die schlechte Gestaltung des Platzes der Republik im Vergleich zur Vorkriegssituation ist nur ein Teil des eigentlichen Problems bzw. sogar teilweise ein Ergebnis des eigentlichen Problems, das im Grunde städtebaulicher Natur ist.


    Leider habe ich im Netz keine vergleichenden Grundrisse des Regierungsviertels vor dem Krieg und heute gefunden, in der S-Bahn-Station Unter den Linden hängen aber solche Grundrisse.
    Wenn man sie vergleicht, wird man feststellen, wie gelungen die städtebauliche Lösung vor dem Krieg war und wie vollständig mißlungen die Lösung durch das idiotische "Band des Bundes" ist.


    Vor dem Krieg war das Viertel nämlich ganz in Harmonie mit den topographischen Gegebenheiten entlang von Nord-Süd-Achsen ausgerichtet. Von nördlich der Spree kommend durchzogen drei Straßen radial-symmetrisch den Spreebogen, der entlang dieser Straßen spitz zulaufend mit Wohnhäusern bebaut war und mündeten auf zwei kleinen ovalen Plätzen nördlich des runden Platzes ein, auf dem damals noch die Siegessäule stand (man kann das ansatzweise in der linken oberen Ecke auf dem ersten von Memel eingestellten Bild sehen).
    Dadurch war eine Nord-Süd-Verbindung geschaffen, der die Gebiete nördlich und südlich der Spree miteinander verband und den Spreebogen mit dem im Süden anschließenden Platz zu einem Hort der Urbanität inmitten des Regierungsviertels machten.


    Das "Band des Bundes" durchschneidet das Regierungsviertel dagegen völlig entgegen der topographischen Gegebenheiten in West-Ost-Richtung und trennt damit erstens die Areale nördlich und südlich der Spree an dieser Stelle radikal voneinander ab. Der Spreebogen gerät dadurch zweitens völlig ins städtebauliche Aus und erhält dementsprechend den Charakter einer Brache.


    Die mißlungene Gestaltung des Platzes der Republik ist m.E. auch ein Folgeproblem dieses städtebaulichen Desasters. Hätte man die alte Gliederung des Regierungsviertels mit seiner Abfolge von vier Plätzen mit Nord-Süd-Achsen und Wohnbebauung wiederhergestellt, dann auch hätte die Gestaltung des Platzes der Republik fast zwangsläufig anders ausfallen müssen.

  • Quote from "Memel"

    Haben die heutigen Architekten denn gar kein Gespür für klassische, ansprechende Gestaltungen?


    Nein, haben sie nicht! :klaresnein:

    Für weniger Ideologie!

  • Ich war heut mal wieder auf dem Platz der Republik. Die Situation vor Ort ist wirklich grauenhaft. Man merkt sogar wie Touristen versuchen die neuen Gebäude nicht aufs Bild zu bekommen....

    "... der Mensch mit den modernen Nerven, braucht das Ornament nicht, er verabscheut es." (Adolf Loos, Ornament und Verbrechen)


    Diese Aussage ist ein Verbrechen

  • Quote from "Booni"

    Naja, mir hätte ein orignalgetreuer Aufbau mit rekonstruierter Kuppel besser gefallen als das Foster-Ei. Aber maybe... kann man jetzt wohl nicht mehr ähndern.


    Mich würde mal interessieren, ob es in dem gesamten Gebäude einen einzigen Raum (oder vielleicht mehrere) gibt, in dem noch etwas aus der Zeit vor Krieg und Nationalsozialismus zu sehen ist... vielleicht ein paar Stuckreste oder Holzvertäfelungen. Ist sonst irgendwie ja sehr schade, wenn von so einem historischem Bau die Geschichte mit den Graffitis sowjetischer Soldaten die älteste ist.


    Da muss ich dich enttäuschen. Abgesehen von einem jetzt sehr deplatziert wirkenden Tunnelstück, durch das angeblich der Brandstifter 1933 geflohen sein soll, sowie einigen original belassenen Wänden mit den erwähnten Graffiti ist das von innen alles modern und im gleichen Stil wie die angrenzenden modernen Bundestagsbauten. Was insofern auch Sinn macht, als das diese ja mit dem REichstag auf mehreren Wegen verknüpft sind, also als ein Komplex anzusehen sind. Wirklich schlimm finde ich allerdings die moderne Kunst im Reichstag, mir erschließt sich diese jedenfalls nicht...

  • Mich stört am Bundeskanzleramt nicht die Architektur, sondern die fehlende Ein- und Anbindung des ganzen Projektes! Die ganze Ecke wirkt noch immer wie ein Provisorium! M.M. nach sollte der Glockenturm neben das Kanzleramt versetzt werden. Hier hätte der Turm endlich die Aufmerksamkeit, die er verdient.
    Anbei meine kleine Grafik:
    (Schweizer Botschaft sollte erworben werden!)

  • Hallo zusammen,


    ich möcht euch hier mal eine kurzen "Damals-Heute"-Vergleich der Bausituation im Bereich Spreebogen-Alsenviertel-Königsplatz (also dem heutigen Regierungsviertel) liefern. Von diesem sehr schönen ehemaligen Botschaftsviertel ist, bis auf die Schweizer Botschaft, nichts mehr erhalten.



    Zu allererst eine Karte des Bereichs aus dem Jahr 1930

    Quelle: Bilderdienst des Bundestags


    Von der chaotischen Situation heute, mit einer irren Straßenführung und einer Parkgestaltung, die an eine frischgemähte Industriebrache denken lässt, kann sich jeder bei Google Maps überzeugen, hier ein Direktverweis: Google Maps Regierungsviertel
    Zusätzlich noch ein Bild von Wikipedia (die rote Linie bitte ignorieren, sie zeigt nur die Bannmeile für Demonstrationen):
    Quelle: Wikipedia



    Hier eine Aufnahme des östlichen Bereichs des "zivilen", hauptsächlich von Botschaften genutzten, Alsenviertels sowie Königsplatz und Reichstag, 1911

    Quelle: Bilderdienst des Bundestags


    Vom "Band des Bundes" mal abgesehn: Kein klares Konzept, alles wirkt halbfertig, die Schweizer Botschaft wirkt absolut verloren

    Quelle: Wikipedia


    Ein Bild aus nordwestlicher Richtung über die Moltke-Brücke. Das größere Gebäude in der Mitte war das Hauptquartier des preußisch-deutschen Genaralsstabs. (ca. 1900)

    Quelle: Wikipedia


    Selber Standort wie obiges Foto, nur flachere Perspektive (aufgenommen während des Baus der Moltke-Brücke 1889)

    Quelle: Wikipedia


    Und noch ein Drittes von 1868, ebenfalls nicht weit vom Standort der anderen Fotos entfernt und mit den selben Motiven (jedoch scheinen einige Gebäude ganz links, die in den oberen Bildern zu sehen sind, hier noch zu fehlen)

    Quelle: Wikipedia



    Detailliertere Luftaufnahmen und Fotos konnte ich auf die schnelle nicht auftreiben, aber vielleicht kann jemand von euch noch schöne Bilder beisteuern.




    MfG SchwarzerJäger

  • ...jedenfalls auf die Schnelle einige heutigen Ansichten - historische habe ich gewiss auch noch einige, aber die müsste ich erst heraussuchen.


    Moltkebrücke mit Schweizer Botschaft und Reichstagsgebäude


    Die Wiese im Spreebogen entlang der Willy-Brandt-Straße; im Hintergrund das bald zu sanierende Charité-Bettenhaus


    Paul-Löbe-Allee am Platz der Republik


    Ansonsten noch:
    http://www.stadtentwicklung.be…rojektID%3D217%26pl%3D__1

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Hallo,


    Ich habe hier nach kurzer Suche kein Strang gefunden, der sich speziell mit dem Reichstag und seiner wechselvollen Geschichte in Bezug auf seine Gestaltung beschäftigt.


    Zu Beginn vlt eine kleine Frage die sich mir immer wieder stellt wenn ich Berlin zu Besuch bin.
    Es geht dabei um die Germaniagruppe die früher über dem Portal thronte. Heute zeigt sich das Gebäude vom Platz der Republik aus gesehen so:

    Reichstagsgebäude - Wikimedia Commons



    früher sah das ganze bekanntlich so aus:



    Bild: Bundesarchiv - Wikipedia Commons



    Auf eine Rekonstruktion der Originalkuppel hat man bekanntermaßen nach Diskussionen und Abstimmungen Verzichtet. Wurde die Germaniagruppe in diesem Zusammenhang auch abgelehnt? Der Sockel befindet sich nach wie vor über dem Portal und wenn man länger hinsieht kann man sich dem Gefühl nicht erwehren, dass dort etwas fehlt. Wäre es heute überhaupt noch möglich die Skulpturen zu installieren oder steht das Ensemble so wie es jetzt ist unter Denkmaschutz? Man könnte argumentieren dass, die Statuen den Blick auf die moderne Kuppel versperren oder dass sie ideologsch nich tragbar wären. Letzteres ist natürlich mumpitz, weil man zum einem auf den Türmchen die Kronen rekonstruiert hat und zum anderen die Germania als Personifikation immer ein Zeichen der Einheit und der Demokratie darstellte oder zumindest als solche von Demokraten angesehen wurde.



    Vieleicht hat jemand Material in Form von Links und Bildern zu dem Thema.



    Moderationshinweis (Palantir): Bildquellen in urherberrechtlich unbedenkliche Links abgewandelt sowie die (falschen) Quellenangaben berichtigt und angepasst. Es wäre schön, wenn Du beim nächsten Mal nicht aufs Geratewohl Bilddirekteinbindungen von fremden (urheberrechtlich beachtlichen) Quellen vornimmst. Danke.

  • Aus rein ideologischen Gründen würde keine Germania mehr auf das Reichstagsgebäude gesetzt werden (selbst wenn die Figurengruppe erhalten wäre). Das jetztige Deutschland gefällt sich sehr gut mit Fosters Umgestaltung, die ja Modernität , Transparenz und Offenheit symbolisieren soll. Ich muss gestehen, dass es auch für mich recht seltsam aussehen würde, wenn diese Figurengruppe vor der neuen Kuppel stünde. das passt gar nicht mehr...
    Was mich viel eher stört: Der Reichstag wurde insgesamt recht vereinfacht wiederhergestellt. Da fehlt außer der Kuppel noch viel Ornamentik, Statuen...die Ecktürme waren auch mal höher. An der Front gehts noch, aber die Rückseite ist ziemlich entstellt... :sad:

  • Diesem Bild entnehme ich zumindest, dass sie nicht bis zur Unkenntlichkeit zerschossen war, ganz ohne Blessuren dürfte sie aber auch nicht davongekommen sein.
    http://ssemedia.com/roots/seny…Salut-above-reichstag.jpg


    In memory of our greatgrandpa


    @ Treverer
    Ob sie vor die moderne Kuppel passt, ist natürlich diskussionswürdig, ich persönlich könnte es mir sehr gut vorstellen da mich der nackte Sockel über dem klassisch Spitz zulaufendem EIngangsportal stört. Das ist ästhetisches Empfinden denke ich. Der Kontrast wäre natürlich vorhanden, das steht außer frage aber genau den scheut man sonst in Berlin auch nicht wenns ums Bauen geht.

  • Was ist mit der "Germaniagruppe" ansich passiert ?


    Wer suchtet, der findet:

    Quote

    [...]Seine 12 Tonnen schwere Germania-Gruppe auf dem Reichstag zerlegten Buntmetall-Diebe in der Nachkriegszeit.[...]


    http://www.kultiversum.de/Kuns…n-Der-deutsche-Rodin.html



    Hier noch eine schöne Ansicht von Nordwesten etwa aus dem Jahr 1900:



    Urheberrecht abgelaufen

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Es gab eine Zeit, da hielt ich den Fosterschen Umbau für eine halbwegs gelungene Lösung. Je genauer ich mir Bilder vom alten Reichstagsgebäude anschaue, desto mehr schwindet bei mir dieser Glaube. Bei ehrlicher Betrachtung ist der heutige Reichstag ein geschändeter Bau, der einzig von seiner älteren Substanz zehrt. Die ursprünglich intendierte imperiale Geste ist einem unvollständigen Torso gewichen.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Der anmutige "Platz der Republik" an einem der letzten Sommertage des Jahres 2012:









    Der Königsplatz in einer Luftaufnahme nach Westen von ca. 1935:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Uiuiui sieht das reudig aus. Wollte das Grünflächenamt nicht mal das Gelöbnis dort untersagen um den Rasen zu schützen? Scheinbar geht der auch ohne Soldatenstiefel in die Knie.
    Den Baustellencharakter prägen auch die Container für die Vorabfertigung der Besucher nicht unwesentlich. Auf eine schnelle Lösung darf man da wohl auch nicht hoffen. Ein Trauerspiel.

  • Einmal das alte Berlin sehen...das wär schön. Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon, und ebenso die Gartenbaukunst.

    In dubio pro reko

  • Dieses Adelspalais musste dem Reichstag weichen


    Bismarck hatte das Reichstagsgebäude noch an den Stadtrand verbannen wollen. Doch das Parlament konnte sich durchsetzen. Das Palais der Grafen Raczyński musste weichen. Samt seines Botticelli.


    http://www.welt.de/geschichte/…em-Reichstag-weichen.html



    Ich finde den Reichstag dennoch besser als das Palais (meiner Meinung nach zu bescheiden für den weitläufigen Platz), er ist imposanter, großstädtischer, paßt einfach besser zu einer Millionenmetropole. Ich steh halt auf diese Gründerzeitpaläste. :smile:

    In dubio pro reko

  • Irgendwie mochte ich das Reichstagsgebäude noch nie. Zu plump, zu klotzig, zu kraftmeierisch.
    Es gibt wahrhaft gelungenere Gründerzeitpaläste, auch in Berlin, Die alte Reichspost, das Herrenhaus, heute Bundesrat, in Leipzig das Reichsgericht oder in München den Justizpalast. Die sind auch nach den Regeln der Baukunst edler und besser gestaltet als der überladene Reichstagskasten. Hier war die Purifizierung eher ein Segen, meine Meinung :lachen:

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.