Bamberg - Quartier an der Stadtmauer

  • Derzeit laufen Bodenuntersuchungen hinsichtlich des geplanten Einkaufscenters "Quartier an der Stadtmauer" zwischen Lange Straße und Promenadestraße http://www.infranken.de/nc/nac…assen-gelaende-57031.html


    Nicht ganz lässt sich aus dem Artikel erschließen, ob es auch noch um die Denkmalsubstanz in der Hellerstraße 11 und 13 geht, oder ob diese Planung vom Tisch ist. Im mittelalterliche Keller (Haus 13) hatte 1806 Georg Wilhelm Friedrich Hegel den Druck des Buches „Phänomenologie des Geistes“ in Auftrag gegeben - ein Schlüsselwerk der Philosophie. Zudem sind im Erdgeschossbereich Stuckdecken aus der Barockzeit vorhanden und Reste eines jüdisches Tauchbad - Mikwe - wurde entdeckt. Der Projektentwickler Multi Development aus Duisburg hatte in einem ersten Entwurf eine in die Einkaufspassage integrierte „Kulturgrube“ vorgeschlagen. Auf 800 Quadratmetern Fläche sollte dort im Untergeschoss der Einkaufspassage die Mikwe, Reste der Stadtmauer und die Stuckdecken aus dem barocken Gebäude an der Hellerstraße in einem musealen Raum ausgestellt werden. Otto-Friedrich-Universität Bamberg: Schatzsuche unter der Moschee


    Update 26.01.11: Offensichtlich schwebt den Planern jetzt eine kleinteiligere altstadtgerechte Bebauung vor:
    Bambergs Stadtmauern sind aufgetaucht | inFranken.de

  • Wie ausserordentlich wohltuend, diese Stellungnahme zu lesen! Dankeschoen, Zeno. :smile: Aber wie sind die Aussichten, dass dieses Schreiben das Projekt verhindern kann?

  • Die Zeit, Christian Illies, hatte sich am 21.07.11 unter der Überschrift "Bedrohtes Bamberg" dem Thema angenommen:
    Weltkulturerbe: Bedrohtes Bamberg | Wissen | ZEIT ONLINE
    Zitat: "...im jüdischen Quartier wurden in den 1970er Jahren gleich drei stattliche barocke Häuser und ein Rokokopalais abgerissen und durch eine Sparkasse ersetzt."


    Die Bamberger Onlinezeitung schreibt am 09.02.12 im Artikel "Ein Blick in die Zukunft des Quartiers an der Stadtmauer?" zu dem Thema: Ein Blick in die Zukunft des Quartiers an der Stadtmauer? | Bamberger Onlinezeitung

  • Das Bauprojekt in Bamberg weitet sich jetzt zu einem echten Skandal aus. Die neuen Pläne der Architekten sehen keinerlei Kompromiss vor, sondern stehen weiterhin für ein Totalabriss der historischen Bausubstanz:
    - das Haus Hellerstraße 15 mit seinem Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert;
    - das Haus Hellerstraße 13, ein zweigeschossiges Renaissance Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert
    - das Rückgebäude Hellerstaße 11, unter dem sich das Tauchbad der ehemaligen jüdischen Gemeinde befindet
    alles soll weggerissen werden für ein banales Bauprojekt (bitte Bilder in der Galerie beachten, Artikel "infranken.de, 28.02.14: http://www.infranken.de/region…chen-Aerger;art212,256590


    Ein Frevel sondergleichen, der nicht nur die Bamberger Bürger empört!

  • Da gibt es nur eine Konsequenz: UNESCO-Weltkulturerbetitel streichen. International hat der eine größere Bedeutung als man hier zu Lande denken mag, und anbetrachts wie viele ausländische Touristen man in Bamberg mittlerweile sieht, dürfte das ganz schön weh tun. Da das Gebiet mitten in der Welterbezone liegt, ist die UNESCO hier klar zuständig. Wenn sich kein anderer hier bereit erklärt, geht von mir Montag ein Brief raus.

  • ... Wenn sich kein anderer hier bereit erklärt, geht von mir Montag ein Brief raus.

    Das ist eine sehr gute Idee! :daumenoben:


    Ich frage mich nur, ob/warum die UNESCO nicht schon längst selber auf diese Geschichte aufmerksam geworden ist. Das läuft ja schließlich schon eine Weile. Wie man am Beispiel Dresden gesehen hat, wäre es aber auch gut möglich, daß den Entscheidungsträgern der Stadt Bamberg der Kommerz wichtiger ist als so ein Welterbetitel. - Auf die Antwort der UNESCO wäre ich jedenfalls sehr gespannt.


    Mich ärgert es gerade wieder kolossal, daß eine Hand voll kurzsichtiger Personen darüber entscheiden darf, was mit der Stadt passiert. Gerechtigkeit fühlt sich für mich irgendwie anders an.

  • Insgesamt ist das eigentlich ein recht merkwürdiger neuer Zug, der eher wieder in Richtung der schlimmen Abrisse à la Pfahlplätzchen vor Inkrafttreten der Denkmalschutzgesetze geht. Ich folge der Bamberger Politik nicht regelmäßig genug, um da etwaige personelle Verschiebungen nachvollziehen zu können, aber auffällig ist es schon, die letzten zwei Jahrzehnte wären solche Abrisse jedenfalls kaum denkbar gewesen. Das schlimme ist aber, dass Bamberg wirklich derart überlaufen ist, dass man es wohl zu den ganz wenigen Städten in Deutschland zählen kann, wo der Tourismus tatsächlich eine wirtschaftlich wirklich bedeutende Rolle spielt (das ist entgegen landläufiger Meinung eher selten der Fall). Klar hat auch Bamberg seine Problemecken mit viel Leerstand, aber die Lange Straße zählt nun ganz sicher nicht dazu, hier geht es einzig um primitivsten Kommerz und Gewinnmaximierung.


    Es ist ganz klar: Projektentwickler, wie diese Landplage des 21. Jahrhunderts heißt, suchen auf Teufel komm raus Areale, die sie „entwickeln“ können. Dumm ist nur, wenn sie einmal gemerkt haben, dass ihre bundesweit austauschbaren Argumente bezüglich Bruchbuden, unsanierbar etc. fruchten, kriegt man das Gesindel aus der Stadt nicht mehr raus. Wenn sie mit ihrem Geschwätz und diesem Projekt durchkommen, ist als nächstes die Theuerstadt dran, denn da stehen teils wirklich marode Gebäude.

  • Abriss von 3 Häusern im Welterbegebiet? Ich glaub mein Schwein pfeift. Wenn da der Titel nicht weg ist, kann man den tatsächlich in der Pfeife rauchen
    Überhaupt auf so eine Schnapsidee von einer Einkaufspassage in der Altstadt zu kommen. Wenn man das liest "Gewölbekeller aus dem 15. Jahrhundert; zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert", wird einem schon schwindelig.

  • Wenn in einer UNESCO-Welterbestadt in der Altstadt u.a. ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert abgerissen werden soll, dann stinkt etwas gewaltig. Es ist schon erstaunlich wieviele Besitzer, Kriege, Investoren dieses Haus schon überstanden hat, um dann im Jahre 2014 unter die Abrissbirne zu kommen. Ein Frevel ohnegleichen.

  • Die Fassade für das lange umstrittene Bauprojekt "Quartier an der Stadtmauer" steht nun fest. Aus sechs Vorschlägen kürte eine Jury als Sieger den Entwurf des Architekturbüros "Wörner Traxler Richter" aus Dresden. Weiteres dazu siehe http://www.bamberg-guide.de/ba…gazin/artikel.php?id=7846


    Der Sparkassen-Bestandsbau aus den 70iger Jahren (siehe 2. Gebäude von rechts) wird dafür abgerissen: http://www.nordbayern.de/regio…-der-stadtmauer-1.4553503 Für die Nachkriegs-Bausünde aus den 70iger Jahren wurden seinerzeit mindestens drei Barockbauten in dem ehemals jüdischen Quartier abgerissen.


    Die Fassaden für die geplanten Neubauten überzeugen mich nicht. Außer Gauben nichts gewesen. Zu wuchtig, zu monton, zuwenig bezugnehmend auf das historische Umfeld.

  • die Entwürfe für den Neubau passen ja überhaupt nicht! Im Gegenteil: diese Betonplatten stören entsetzlich und zerstören die Atmosphäre der Häuserzeile :wuetenspringen: Das man wegen so einer Bausünde nicht den Titel Weltkulturerbe weggenommen bekommt wundert mich fast! Ebenfalls sehr schädlich für das Bamberger Stadtbild wie der Entwurf für das Welterbe Besucherzentrum!
    Dagegen ist die Fassade aus den 70ern Gold, denn die hat sich wirklich in die Umgebung eingefügt und hat sogar die barocken Verziehrungen “neu interpretiert“

  • Die Fassade aus den 70ern fügt sich erstaunlicherweise sehr gut in das Stadtbild ein. Es kommt mir so vor, als ob in jeder deutschen Stadt eine Bausünde vorhanden sein MUSS ... :kopfwand:

  • Wenn ich mir die primitiven Entwürfe der Architektenliga so anschaue, stellt sich mir jedes mal die Frage warum wir nicht hier im Forum einen Gegenentwurf entwickeln. Es gibt hier einige Freds in denen Forumsmitglieder ihre eigenen Entwürfe präsentieren. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn solche Entwürfe an tatsächlichen Projekten orientieren und das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. Stadtbild Deutschland würde sich so ebenfalls einen Namen machen wenn man immer unaufgefordert einen Entwurf einreichen würde. Natürlich muss so ein Entwurf auch in die regionalen Zeitungen, denn gerade die breite Masse entscheidet sich in der Regel immer für ein historischen Bau (siehe Pellerhaus Nürnberg oder Neumarkt Dresden).

  • Bild 2847


    Der abzubrechende Bestandsbau anstelle dreier Barockhäuser besteht aber aus dem östlichen, 13-achsigen Gebäudeteil und dem westlichen, 6-achsigen!!

    o.k. - bist Du Dir sicher, dass der westliche 6-achsige auch fällt?