Rinteln

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    Jahreshauptversammlung 2019: 1. und 2. Juni in Balingen/Zollernalb. Mach mit!

    • Einen anderen Weg jedenfalls wird Hauseigentümerin Bettina Wedemeyer einschlagen. „Die Denkmalschützer können mir das Haus gerne abkaufen“, fordert sie auf. Und sagt: „Ich finde es schade, dass, wenn jemand etwas in der Stadt machen will, gleich auf einen eingehackt wird.“
      Ja, es ist wirklich eine Frechheit! Da macht man sich schon die Mühe, ein historisch bedeutendes Kulturgut unwiderbringlich zu vernichten, dazu auch noch auf eigene Kosten, und dann hacken diese Doofen nur auf einem rum...- mal im Ernst: Bei so viel Ignoranz bleibt einem doch die Spucke weg!
      Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis
    • „Städtebaulich“, sagt auch Rintelns Baudezernent Reinhold Koch, seien die Abrisspläne „nicht der Hit“. Allerdings müsse man auch die andere Seite sehen, so Koch: Für viele Eigentümer alter Substanzen sei der Erhalt schwierig – zum Beispiel was energetische Sanierungen angehe.


      Hier sehen wir, wohin die Reise in Zukunft noch mehr gehen wird. Weil die Dämmplattenlobby hier an ihre Grenzen stoßen könnte, wird faktisch vom Erhalt alter Bausubstanz abgeraten.
    • Krankenhäger Straße, Rinteln

      Sie habe das Haus vor zwei Jahren gekauft, um sich dort einen privaten „Alterswohnsitz“ einzurichten.
      question:) Irgendwie verstehe ich den Sinn hinter dem Abriss nicht ganz. Da kauft jemand ein Haus als Alterswohnsitz und will es 2 Jahre später beseitigen? Und dann? Hat diese Frau etwa das nötige Geld für einen Neubau? Oder habe ich die Stelle im Text überlesen?

      Einfach unfassbar. Will eine dahergelaufene Person ein 400 Jahre altes Gebäude nach nur zweijährigem Besitz abreissen. Dazu fällt mir nichts mehr ein. Sehr unsympathisch diese Frau.
    • Wenn ich mir ein Haus für einen Alterswohnsitz kaufe, dann überlege ich mir vorher genau, ob das geht und wie das geht und ob das den Nachbarn gefällt. Wenn nicht, dann lasse ich es von vornherein sein.

      Mein Eindruck ist aber eher der, dass die Frau das Haus zunächst erhalten wollte, sie aber von "Fachleuten", Dämmstoffplattenverkäufern und dergl. bearbeitet wurde und dann nachgegeben hat. Und der Denkmalschutz kann angeblich nicht eingreifen, weil die Denkmalliste aus den 80ern nicht erweitert werden könne. Was ist das denn für eine Logik? Was machen die eigentlich, wenn ein besonders wertvolles, bisher verborgenes Bauteil bei Bauarbeiten gefunden wird? Kann nicht erhalten werden, weil man es 1980 noch nicht gekannt hat?

      Das beste wäre, wenn die Eigentümerin das Haus verkauft und sich lieber woanders ihren Alterssitz einrichtet.
    • Das mit der Denkmalliste halte ich für ausgemachten Blödsinn. Denkmallisten werden ständig erweitert und ergänzt, zumal neuere Forschungsergebnisse vielfach den Denkmalwert von Bauten belegen, die bis dato übersehen oder einfach nicht wahrgenommen wurden. Außerdem werden Gebäude verändert bzw. abgebrochen, so dass die Listen auch dahingehend aktualisiert werden müssen. Ferner verändert und erweitert sich der Denkmalbegriff stetig. So wurden früher Industrieanlagen und Bauten der 50er etwa gar nicht als denkmalwürdig angesehen, heute aber schon.

      Dennoch ist dieser Fall typisch für viele andere Städte auch: Oft wird der Denkmalwert eines Gebäudes erst viel zu spät erkannt, weil Verkleidungen sein tatsächliches Alter nicht nur verschleiern, sondern es derart entstellen, dass dieses als "Schandfleck" empfunden wird. Aus diesem Grund werden solche Bauten häufig nicht in die Denkmallisten aufgenommen, ein anderer Grund ist aber auch die mangelnde Kenntnis des Inventarisators. Daher wäre eine genaue Untersuchung dieser Gebäude zwingend erforderlich.
    • Das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich sind die Denkmalschutzbehörden in den meisten Bundesländern finanziell und personell so ausgeblutet, dass an eine Nachinventarisation in den letzten Jahren eigentlich gar nicht mehr zu denken ist. Noch vergleichsweise gut steht man in Schleswig-Holstein, Hessen, Sachsen und Bayern da, anderswo sieht es ziemlich gruselig aus. Alleine, wie viele Denkmaltopographien teilweise seit mehr als 10 Jahren aus Geld- und Personalmangel auf Eis liegen, weswegen man sich auf uralte Listen, die oft bis in die direkte Nachkriegszeit zurückgehen, stützen muss, spricht Bände. Und mag auch durchaus gewollt sein, denn ist eine Denkmaltopographie (oder gar ein Inventar, wie es in herausragender Weise für Bamberg in den letzten 20 Jahren nach und nach erscheint) ist durchaus eine Büchse der Pandora für so manche abrisswütige Stadt.

      Eigentlich müsste man längst sowas wie eine Nachinventarisation auf Basis interessierter Laien einführen, derartige Aufrufe sind bisher wohl nur an den gelinde gesagt steifen Strukturen in den meisten Behörden gescheitert. Dazu kommt natürlich auch der in den vergangenen Jahrzehnten ständig aufgeweitete Denkmalbegriff, beginnend mit dem Historismus seit den frühen 1980er Jahren über Industriedenkmale in den 1990er Jahren bis dann hin zu der Nachkriegsarchitektur seit den beginnenden 2000er Jahren. Hier hat man sich von Seiten des Denkmalschutzes im Prinzip die Arbeit bei stets abnehmender Handlungsreichweite auch noch sinnigerweise potenziert.
    • Gestaltungssatzung

      Man muss sich wirklich fragen, wozu man überhaupt noch Gestaltungssatzungen erlässt, wenn man diese permanent ignoriert, bzw. immer wieder Ausnahmen zulässt. So auch in Rinteln:

      sn-online.de/Schaumburg/Rintel…n-ist-kein-Freiluftmuseum

      Zitat aus dem obigen Artikel (die Aussagen stammen von Stadtrat Schröder):
      „Eigentlich müsste der Bau ein Satteldach haben“, räumt Schröder ein.
      Bei dem geplanten Bau würde das Dach dadurch aber noch höher und damit
      auffälliger werden. Die Fassade soll zudem modernen
      Wohnungsbauansprüchen gerecht werden, weshalb auch die Fenster größer
      bewilligt wurden, als in der Gestaltungssatzung vorgesehen. „Und eine
      Dachbedeckung aus Ziegeln war bei dem geplanten Flachdach schwer
      umzusetzen“, so Schröder.
    • So sollen die "Schmuckstücke" mit Penthouse, liebevoll Punkthäuser genannt, am Rande des historischen Stadtkerns aussehen:

      sn-online.de/Schaumburg/Rintel…ekt-Ostertor-quillt-ueber

      sn-online.de/Schaumburg/Rintel…oecke-statt-eines-Riegels

      Es ist schon aberwitzig, wie man derart hässliche Klötze in diesem Umfeld für passend erklärt. Das übliche Geschwurbel von Politikern, Investoren und Bänkern eben:
      „Punkthäuser sind im Wallbereich häufiger anzutreffen, passen also gut
      zur Umgebung“, teilt Sparkassenvorstand Günther Klußmeyer mit.


      Der Bauplatz in der Ostertorstraße:

      schaumburger-zeitung.de/cms_me…pakaBauOstertor1_0803.jpg



      [url=http://www.schaumburger-zeitung.de/portal/lokales/sz-heute_Ostertorstrasse-Jetzt-Wohnhaeuser-fuer-drei-Millionen-Euro-gep-_arid,509661.html]http://www.schaumburger-zeitung.de/portal/lokales/sz-heute_Ostertorstrasse-Jetzt-Wohnhaeuser-fuer-drei-Millionen-Euro-gep-_arid,509661.html
      [/url]

      sn-online.de/Schaumburg/Rintel…Wohnungen-statt-Bauluecke


      Ein reines Spekulationsobjekt im Stil der 1970er Jahre: Kalt, abstoßend, phantasielos und hässlich.

      Die Investoren sehen das freilich anders: „Die Architektur ist geprägt von einem Wechselspiel offener und
      geschlossener Flächen. Lichteinfall und Schattenwirkung inszenieren den
      Baukörper auf natürliche Weise im Zusammenspiel mit weißem Putz.
      Honigfarbene Holzapplikationen und anthrazitfarbene Fenster setzen
      sensibel Akzente.“


      Hierbei kann es sich wohl nur um blanke Ironie handeln:

      Schon länger sei man im Gespräch, einige kleine Nachbesserungen in der
      Optik habe es auf Anregungen des Arbeitskreises schon gegeben. „Wir sind
      ja dankbar für Ideen“, sagt Klußmeyer. Und der Bauantrag sei ja auch
      noch nicht gestellt. Was vorab im Konsens gelöst wird, führt später
      nicht zu Streit oder Verzögerungen.

      The post was edited 2 times, last by Ravensberger ().

    • Sensible Akzente und eine Inszenierung auf natürliche Weise sind wieder einmal zwei neue Schlagwörter, die unserem Schwallomaten bisher gefehlt haben. Eine Neuauflage desselben scheint mehr als geboten. Für die Erweiterung des Schwallomaten und die Unterstützung bei der Neuauflage desselben vorab schon einmal besten Dank.
      1816 - Rheinhessen - 2016
      rheinhessen-2016.de
      rheinhessen.de
      Sofern nicht anders vermerkt, liegen die Bildrechte meiner Beiträge bei mir.
    • Aus und vorbei: Das Haus in der Krankenhäger Straße 24 wurde mittlerweile abgerissen!

      Das um 1550 entstandene Fachwerkhaus wurde leider Anfang Mai 2014 abgebrochen:

      rinteln-aktuell.de/abrissbagge…-buergerhaeuser-rintelns/

      Der 1455 entstandene Dachstuhl gehörte zu den ältesten bisher datierten Gebäudeteilen eines Bürgerhauses in Rinteln!
      Alle Bemühungen, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterten. Der Denkmalschutz in Niedersachsen ist ohnehin eine einzige Katastrophe. Das Landesamt für Denkmalpflege wurde bekanntlich vor einigen Jahren weitgehend entmachtet und es scheint so, als hielte man sich streng an die bestehenden Gesetze, als dass man sich mit Engagement und Herzblut für alte Bauten einsetzt.

      Was mit dem frei gewordenen Grundstück geschehen soll, ist offenbar noch unklar, das Haus wurde also ohne Not dem Erdboden gleichmacht, man wollte Tatsachen schaffen.
    • Hat die ältere Dame ihren Alterssitz tatsächlich abgerissen. Bestimmt schläft sie demnächst unter einer Brücke. Diese Geschichte ist einfach unfassbar.

      Das erinnert mich an einen Fall hier in Meerbusch. Da kaufte einer ein altes Fachwerkhaus und versuchte es auf eigene Faust zu sanieren. Dabei wurden auch tragende Holzbalken entfernt. Als der Herr merkte, daß seine dilettantische Instandsetzung teurer wird als erwartet, stellte er einen Abrissantrag. Glücklicherweise legt die Stadt Meerbusch mehr Wert auf ihre historischen Bauwerke und setzte sich für den Erhalt ein. Der Eigentümer blitzte vor Gericht ab. - Damit will ich nur sagen, daß es auch anders laufen kann. Es kommt eben immer auf die richtigen Leute in den richtigen Ämtern an. Leider sind diese viel zu oft fehlbesetzt.
    • Erneut ein Fachwerkhaus in der Altstadt von Rinteln abgerissen

      Wenn das so weiter geht, gibt es bald keine Altstadt mehr in Rinteln:

      rinteln-aktuell.de/wieder-ein-…us-in-rinteln-abgerissen/

      An der Stelle des alten Hauses sollen natürlich wieder einmal barrierefreie Wohnungen entstehen. Die kommen ja immer gut..

      Zitat:
      Rauch, der das alte Fachwerkhaus vor rund zwei Jahren erworben hat, zog eine Sanierung nie ernsthaft in Erwägung: „Sie wäre möglich, aber wirtschaftlicher Unsinn.“ Man könne nicht immer barrierefreien Wohnraum im Zuge der Demografieentwicklung fordern und alles beim Alten belassen, sagte er auf unsere Anfrage am Telefon. Es brauche Mut zur Veränderung.
      Solche Aussagen kann ich mittlerweile nicht mehr hören.

      Der Museumsleiter der Eulenburg, Dr. Stefan Meyer, bestätigt auf telefonische Anfrage, dass die meisten alten Bürgerhäuser in Rintelns Altstadt tatsächlich nicht unter Denkmalschutz stehen und zumindest theoretisch jederzeit der Abrissbirne zum Opfer fallen können. Die fortschreitende Demontage der historischen Fachwerkkulisse macht ihm Sorgen: „Man muss sich im Hinblick auf die historische Altstadt langsam fragen, ob man diese Kuh schlachten oder melken will, beides geht nicht. Man kann nicht einerseits mit der historischen Altstadt werben und sie andererseits als unwirtschaftlich Stück für Stück abreißen.“
    • Ravensberger wrote:

      (...) “ Man könne nicht immer barrierefreien Wohnraum im Zuge der Demografieentwicklung fordern und alles beim Alten belassen, ..." (...)

      Diese Aussage ist, in der Tat, seltendämlich. Der Mann spielt sich als mutiger Wohltäter auf, der für Alte und Menschen mit Behinderung barrierefreien Wohnraum schafft. Aber er wurde bestimmt nicht gezwungen, dafür ein historisches Haus zu kaufen und abzureissen. Bauland für neue Häuser gibt es in Rinteln sicher auch noch. Sollen die historischen Häuser lieber erhalten bleiben und von Leuten genutzt werden, die auch mit Barrieren klarkommen. - Das alte Haus + Grundstück war bestimmt recht billig. Deswegen wurde es gakauft.
    • Fragen muss man sich auch, warum eigentlich "die meisten alten Bürgerhäuser in Rintelns Altstadt tatsächlich nicht unter Denkmalschutz stehen."

      Vollmundig heißt es auf der Homepage der Stadt: Rinteln mit seiner kleinen, aber feinen Altstadt
      gilt als Kleinod der Weserrenaissance (1520 bis 1620). Das historische
      Zentrum mit seinem Marktplatz ist prächtig herausgeputzt mit Erkern,
      Welschen Giebeln, Muschelornamenten, Fächerrosetten, Voluten, Gesimsen
      und jeder Menge Fachwerk. Eine herrliche Kulisse im Weserrenaissance-Stil also, die sich dank einer neuen Fußgängerzone noch besser genießen lässt. Ungestörte Bummel- und Einkaufsfreuden mit Altstadt-Flair warten auf Sie.

      Ob man das in einigen Jahren auch noch sagen kann?Leider konnte ich zu den geplanten Neubauten noch keine Abbildungen finden.