Schömberg (Zollernalbkreis)

  • Nun wird also der Schiefer, auf dem ja die gesamte Altstadt steht, als Ursache bemüht, um die wahnwitzigen Abbruchphantasien des Bürgermeisters und Gemeinderats per fragwürdigem, nicht einsehbarem Gutachten zu „begründen“. Dabei wird bei dieser einseitigen Argumentation in der öffentlichen Berichterstattung unterschlagen oder gar vergessen, dass ein Neubau an selber Stelle eben auch auf just diesem Schiefer gebaut werden müsste und nur mit vergleichbar statischem Aufwand errichtet werden kann. Die Kostenkalkulation für ein Neubauvorhaben unter Nachhaltigkeitsaspekten hinsichtlich ökologischer CO2-Bilanz sowie des Recyclings bei Abriss werden öffentlich ebenfalls nicht thematisiert oder im direkten Vergleich dargestellt. In Summe dürfte letztlich unter ganzheitlichen Gesichtspunkten dann auch mehr für als gegen die Erhaltung des alten Rathauses sprechen, statt das was dieses Gutachten Glauben schenken mag. Außer man sieht sich einem Bürgermeister und Stadtrat gegenüber, die keinerlei Skrupel besitzen, das bauliche und in diesem Fall sogar denkmalgeschützte Erbe im großen Stil - so wie es nun mal in Schömberg augenscheinlich ununterbrochen der Fall ist - der Spitzhacke zu opfern. Frau Wirtschaftsministerin des Bundeslandes Baden-Württemberg war übrigens auch kürzlich zur Stippvisite in Schömberg und wurde in diesem Rahmen gebeten bei den entscheidenden Stellen „entsprechend des einstimmigen Antrags der Stadt Schömberg für eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung auf Abbruch“ vorzusprechen, was sie dann auch zusagte!


    Es ist insgesamt bei aktuellen Meldungen zu vergleichbaren Abbruchüberlegungen inzwischen festzustellen, dass Nachhaltigkeit stets dann groß geschrieben wird, wo es um die ohnehin nicht auf Langlebigkeit hin errichteten und daher in der Instandsetzung teuren wie aufwändigen Hinterlassenschaften einer Moderne und ihrer Zitaten geht, wohingegen sie bei traditionellen Bauwerken offenkundig kaum eine Rolle spielt.

  • Ich verstehe nicht warum gerade in dieser Gegend (Württemberg) so viel abgerissen wird. Alles wird optimiert und totsaniert. Ganz schlimm ist es auch im Kreis Ludwigsburg (Pleidelsheim, Mundelsheim, Hessigheim etc.). Dort werden Altbauten durch mehrstöckige Neubauten (strahlend weiß und monströs) ersetzt. Eine furchtbare Entwicklung.

  • Dass eine Stadt sogar Identifikationsbauten, wie ihr Rathaus, abreißen will und es offenbar keinen Widerspruch gibt in der Stadt, wundert schon sehr. Ist das eine reine Schlafstadt für Pendler oder warum fehlt diese Identifikation mit diesem doch recht prägsamen Gebäude?

  • Es ist mir auch unerklärlich wie man rückblickend obschon der enormen Verluste, die das Schömberger Stadtbild durch den Modernismus hinzunehmen hat(te), nun auch noch mehrheitlich das charakteristische alte Rathaus bereit ist platt zu machen. Ob es der bloßen Summe aus Kurzsichtigkeit, Naivität und betreutem Denken geschuldet ist oder purer Gleichgültigkeit? Nur wenigen Kilometer weiter, im benachbarten Rottweil, würde solch ein Ansinnen der Stadt wahrscheinlich (noch) zu einem Protest in der Bevölkerung führen. Auch zu deiner Frage...

    Dass eine Stadt sogar Identifikationsbauten, wie ihr Rathaus, abreißen will und es offenbar keinen Widerspruch gibt in der Stadt, wundert schon sehr. Ist das eine reine Schlafstadt für Pendler oder warum fehlt diese Identifikation mit diesem doch recht prägsamen Gebäude?

    ... erhalte ich im Moment, ob das lokale Stimmungsbild, wie es der Artikel in seiner Überschrift zumindest suggeriert, mehrheitlich für den Abriss des alten Rathaus spricht, aus gut unterrichteten Kreisen u.a. folgende Rückmeldung:

    „... ich höre tatsächlich viele Stimmen, die für einen Neubau sind. Ein Riesenthema sind in Schömberg natürlich die Finanzen ...

    ... Wenn man wüsste, dass das Rathaus wieder so aussehen würde, wie jetzt, würde bestimmt fast jeder Schömberger unterschreiben. (Was würdest du dazu sagen? Vielerorts wurde Abgebrochenes wieder nach altem Muster neu gebaut). Im Moment lässt man das Haus auch verlottern, sieht verkommen aus! Das war ja beim Stauß-Haus auch Taktik, bis es zusammenfällt.“

  • Bitte nicht!! Es nervt. Wieder ein Stück Geschichte weniger. Und es folgen dann weitere Gebäude, die entweder totsaniert oder gleich abgerissen werden. Es muss nicht immer alles durch Neubauten ersetzt werden. Schaut euch alte Städte/Dörfer in Frankreich, Italien, Spanien an. Ich verstehe dieses Land nicht!!

  • Großzügiger Weise hat die Stadtverwaltung und der Gemeinderat zugesagt, die Uhr und den Dachreiter des alten Rathauses zu erhalten :huh: Angeblich sei eine energetische Sanierung unwirtschaftlich. Abreißen und Millionen in einen Neubau zu stecken ist natürlich wirtschaftlicher und ökologischer. Welches Jahr haben wir gerade 2022? Wirklich? Und wo sind eigentlich Architects for Future, der BDA etc., die alle angeblich für "Sanieren statt Abreißen" plädieren? Aber wahrscheinlich gilt die Forderung nur für Brutalismusbauten der Moderne... https://www.schwarzwaelder-bot…dc-b500-5e21eb7a5262.html


  • Und wo sind eigentlich Architects for Future, der BDA etc., die alle angeblich für "Sanieren statt Abreißen" plädieren?

    Die werden beim Nachfolger aktiv. Sofern dieser aus Sichtbeton und Glas ausgeführt wird.

  • Ich bin mir sicher, dass ein grau-weißer Flachdachbunker mit elegantem Panorama-Aufzug hinkommt. Und da die Nachbargebäude eher altbacken aussehen, sollte sie natürlich auch schnellstmöglich weg.


    Achja, wie schön sind die kleinen charmanten Rathäuser im Elsass…

  • Das Paradoxe ist, die Leute aus solchen Orten wie Schömberg fahren an Wochenenden wie jetzt vor Weihnachten oder in ihrem Urlaub just in die Regionen, Städte und Dörfer wie das genannte Elsass, um anschließend nach ihrer Rückkehr von der Schönheit dieser zu berichten. Zuhause aber braucht und möchte man es hingegen (württembergisch) hässlich !


    Angesprochen auf die verunglückte, modisch überfrachtete Sanierung eines Altstadthaus im unweit entfernten Oberndorf am

    Neckar, sagte der Ortsansässige, ein ehemaliger Geschichtslehrer, dem ein eher traditioneller Gestaltungsvorschlag zur Gegenüberstellung vorgelegt wurde, das sei „Disneyland“. Kurz zuvor hatte er noch von seinem wunderbaren Sommerurlaub in Italien berichtet, wo er die intakten Städte und Dörfer, ob ihrer Instandhaltung über den Schellenkönig lobte...

  • VonSalza Im Link von zeitlos oben ist ein Bild des Rathauses enthalten. Wikos hat den Link wiederholt. Allerdings ist im Gegensatz zum Bild das Haus mit der schönen Bogenstellung am Erdgeschoss rechts des Rathauses bereits abgerissen. Ein Bild des Ortes kann man sich mit ein paar Google maps-Satellitenbildern machen, und dann sieht man sofort, was für ein Geist in diesem Ort weht:


    Lauter Brachflächen und Parkplatze:

    Rathaus · Alte Hauptstraße 7, 72355 Schömberg, Deutschland
    ★★★★★ · Rathaus
    www.google.ch


    Platz an einer Strasseneinmündung mit hoher Aufenthaltsqualität:

    Rathaus · Alte Hauptstraße 7, 72355 Schömberg, Deutschland
    ★★★★★ · Rathaus
    www.google.ch


    Inneres der leergeräumten Kirche mit wunderbaren Deckengemälden:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    goo.gl


    Verkrüppelte Bäumchen und ein Pseudofachwerkhaus:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    goo.gl


    Was will man von so einer Dorfgemeinschaft noch mehr erwarten?

  • Verkrüppelte Bäumchen und ein Pseudofachwerkhaus:

    https://goo.gl/maps/dEyjnAtrbQJ52sZr8


    Das Haus rechts des verkrüppelten Bäumchens und des fraisefarbenen Gebäudes in Google Maps aus der Kirchgasse gibt es so inzwischen gar nicht mehr. Stattdessen steht anstelle nun dieser Investorenbau, obligatorisch mit modernistischer Fensterteilung und abartigem Dacheinbau...




    Alternativ zu den Abbrüchen und Brachen ein Vertreter der so typisch, lieblosen Sanierungen von Altbauten aus jüngster Zeit - hier in der Gaberstallgasse:

  • Bei dem abgebrochenen Haus in der Kirchgasse, das mit seiner Rückseite die Stadtmauer bildete, handelte es sich nicht weniger als um den nach dem Stadtbrand von 1750 errichteten Fruchtkasten der Stadt, welcher zwischen 1760 - 62 erbaut wurde. Man erkennt unschwer, dass der Geist für ansprechende Architektur im „Städtle“ auch schon mal höher angesiedelt war als in den heutigen Zeiten.


  • Einen Rundgang durch Schömberg gefälligst? :lachentuerkis: Mit der neuen Funktion „Umsehen“ bei Apple Maps kann man fast jedes Nest in Deutschland von seinem Wohnzimmer aus begutachten, daher war ich nach der Zulegung eines solchen Geräts auch voll fasziniert und über einen Monat nur am Städte gucken (keine Schleichwerbung bin kein Apple Freak aber leider liegt Google Maps mit Street view einfach in Deutschland hintendran…)


    Die Aufnahmen stammen von September 2019


    Beginnen wir am westlichen Eingang der (ehemaligen) Altstadt . Die sogenannte Schweizer Straße



    Der beste Neubau der Stadt liegt an der Ecke zur alten Hauptstraße und ist ausgerechnet die Sparkasse!



    Biegen wir nun rechts in die Hauptstraße ein. Es erscheint zur Linken ein großer Platz an der Sparkasse:



    Richtung Altstadt wird gerade ein Neubau errichtet:



    Rechts mündet die Suppenlochgasse. Sie liegt offenbar direkt an der ehemaligen Stadtmauer . Die noch verbliebene (Alt)bauten quietschbunt gestrichen…





    Ein wohl verputztes Fachwerkhaus…




    Gegenüber ein sehr neues Gebäude….


  • Nun aber zurück zur Hauptstraße. Wir betreten mir ihr nun Altstadtgrund.



    Der postmoderne Neubau Ecke Schulgasse mit Bewohnern die sich nach der Schweiz sehnen….



    Gegenüber die Kirchgasse:



    Mit Holzbrettern meint man hier was rauszuholen…



    Links an der Kirche eines der wenigen gepflegten Altbauten…




    Die Rückseite mit freigelegten Fachwerk kommen wir später zu.


    Zurück zur Hauptstraße




    Das berühmte Rathaus:



    Gegenüber ein Beweis dass Abriss in Schömberg „Tradition“ hat…




    Neben dem Rathaus das Schuttfeld….


  • Biegen wir ein in diese Seitengasse . Rückseite des Rathauses leider auch steril (hätte alles Potenzial)



    Wir gelangen nun in die nördlichen Parallelgasse zur Hauptstraße der Gaberstallgasse. Hier findet sich eines der schönsten freigelegten Fachwerkhäuser wohl aus dem 18. Jahrhundert. Daneben ein weiterer Abriss….



    Bis auf das Dach nicht altstadtgerecht….




    Ansonsten fast ein Neubaugebiet…





    Blick in die Schulviertelgasse eine weitere Verbindung zur Hauptstraße:



    Nochmals Gaberstallgasse: