Ladeneinbauten in historischen Gebäuden

  • Naja, deine Begeisterung kann ich nicht teilen, ich finde das übertrieben, kitschig. Wenn man es geschickt gemacht und keine Pappflachdecke mit modernen Lampen als Decke genommen sowie die "Müller"-Aufschrift etwas weiter oben platziert hätte, vielleicht hätte es toll ausgesehen. So wirkt es einfach nur billig und übertrieben. möchte nicht gegen die "Stuck"konsolen an der Decke klopfen!


    Wenn man am Eingang eines modernen Kaufhauses schon so einen Stilbruch machen muss, dann zumindest qualitätsvoll und authentisch. Dann hätte es womöglich gut ausgesehen! Aber zumindest ist der Wille zur Gestaltung da, was ja auch schon einmal was ist. Schade nur, dass es so misslungen ist.

  • Wenn ich daran denke, in welchen modernen Kästen der Müller teilweise residiert, nicht zuletzt am seinem Stammsitz in Ulm in der Hirschstraße... Müller-Märkte sind ja stets hochsauber, geradezu steril.

  • Naja, deine Begeisterung kann ich nicht teilen, ich finde das übertrieben, kitschig. Wenn man es geschickt gemacht und keine Pappflachdecke mit modernen Lampen als Decke genommen sowie die "Müller"-Aufschrift etwas weiter oben platziert hätte, vielleicht hätte es toll ausgesehen. So wirkt es einfach nur billig und übertrieben. möchte nicht gegen die "Stuck"konsolen an der Decke klopfen!


    Wenn man am Eingang eines modernen Kaufhauses schon so einen Stilbruch machen muss, dann zumindest qualitätsvoll und authentisch. Dann hätte es womöglich gut ausgesehen! Aber zumindest ist der Wille zur Gestaltung da, was ja auch schon einmal was ist. Schade nur, dass es so misslungen ist.

    "Modernes Kaufhaus"? Das ist eigentlich ein historisches Gebäude in der Altstadt (Karlstraße, in der Nähe des Schlosses) mit restaurierter Fassade (hier als zweites Haus von rechts zu sehen). Ich ging eigentlich davon aus, dass der Eingang authentisch ist. Ich habe allerdings, da ich nicht auf die Idee gekommen bin, dass da etwas nicht stimmen könnte, nicht dagegengeklopft - kann ja mal jemand machen, der in Eisenach ist.

  • Tatsächlich? In einem historischen Haus hat der Eingang selbstverständlich mehr Berechtigung, ich hätte gedacht, er stünde in einem modernen Kaufhaus - das hätte grauenvoll ausgesehen. Besonders gefällt er mir aber immer noch nicht. Alt ist der Eingang jedenfalls sicher nicht. Ich finde es toll, dass man ihn in diesem Falle historisierend gestaltet, aber man hätte das qualitativ besser machen müssen. Da gibt es einige Details die mich stören: Zum einen sind eben die Stuckornamente billig und nicht direkt an die zurückhaltenden Formen des Gründerzeitgebäudes angepasst, außerdem hätte es einen Bogen in der Art des Mittleren in einem historischen Gebäude nie gegeben und am allermeisten stören mich die Deckenlampen. Ich weiß nicht, ich kann mich mit diesem Eingangsbereich überhaupt nicht anfreunden.

  • Aber vielleicht kann das bitte mal jemand mit dem entsprechenden Fachwissen bzw. Ortskenntnis aufklären: Bin ich da jetzt auf Baumarkt-Schmu reingefallen oder ist der Eingang doch echt?

  • Das ist doch alles modern hingeklebt. Die Stuckprofile sind nur etwa 2 cm dick, und laufen ja nicht in die Leibung hinein. Wahrscheinlich bestehen sie aus fein geschäumtem Styropor (zwar nicht gerade widerstandsfähig bei einem Eingangsbereich) oder evtl. aus echtem Gips. Vielleicht findest du beim Blättern in der folgenden Werbebroschüre dieselben Elemente...


    http://stuckleistenstyropor.de/stuck-rosette.html

  • Das ist doch alles modern hingeklebt.

    Okay, dann bin ich einem Trickbetrüger auf den Leib gegangen... ( disgust:) ). Eigentlich dachte ich, daß ich nach 10 Jahren aph einen Blick dafür hätte, aber hier habe ich wohl, weil ich mich in einer unversehrten Altstadt befand, gar nicht darüber nachgedacht und keinen Verdacht geschöpft. Dann schließe ich mich Tobias an.


    Ständig wechselnde Läden in der Eberhardstraße in Stuttgart. Für aufwändige Ladendekoration hat da niemand Zeit:

    Aber ein schönes Gebäudeensemble ist das.

  • aber hier habe ich wohl, weil ich mich in einer unversehrten Altstadt befand, gar nicht darüber nachgedacht und keinen Verdacht geschöpft. Dann schließe ich mich Tobias an.


    Aber "Schloßgespenst", warum muss das immer so dogmatisch und verkopft gesehen werden? Der Eingang hat Dir vorher gefallen. Bloß, weil ein anderer Diskutant sagt, dass der Eingang wohl nachträglich so gestaltet wurde, muss er Dir doch jetzt nicht weniger gefallen. Ich gehe nicht davon aus, dass es sich um billiges Styropor handelt, da dieses nicht wetterbeständig wäre. Schließlich ist der Zierrat im Außenbereich angebracht. Entweder handelt es sich um echten Gipsstuck oder um einen sehr festen Ersatz aus hochwertigen Kunststoffen. Ich habe mir so etwas in der Wohnung angebracht. Sieht ganz gut aus.
    Jedenfalls finde ich diesen Eingang nicht störend. Da gibt es ganz andere Aufreger in Deutschland. Und wenn er Dir vorher gefallen hat, dann freue Dich auch heute noch daran - ob nun "authentisch" oder nicht.


    Witzig ist übrigens, dass ich einen Tag bevor Du das Foto aus Eisenach eingestellt hast, also am letzten Freitag, exakt an der Stelle vorbeispaziert bin. Mir ist der Eingang nicht negativ aufgefallen, ich kann mich aber noch an das Geschäft erinnern.


    Ein anderer Ladeneinbau in der Karlstraße ist mir aber viel mehr aufgefallen. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um einen NS-Bau handelt oder ob die Reliefs "Helden der Arbeit" aus der DDR-Zeit zeigen. Jedenfalls bilden sie nun die Rahmung für einen Eis-Verkaufsstand.


  • #43 und die Antwort #51


    Das ist schon echter Stuck, allerdings stark restauriert. Solche Eingangssituationen gab es in Nord-/Mitteldeutschland bei kleinen Häusern recht häufig: in der Mitte der Hauseingang mit Treppenhauszugang, rechts und links Türen zu zwei sehr kleinen Länden. Heute ist das natürlich alles zu einer großen Ladenfläche umgebaut. Häufig haben bei solchen Nischen-Situationen die oberen Bereiche die 1930er bis 1980er Jahre unter Verkleidungen und Abhangdecken überlebt. Der untere Bereich von 2,80 m Höhe war meist zerstört und ist (so wohl auch in diesem Fall) rekonstruiert. Ebenfalls rekonstruiert erscheint der Schlußstein der Mitteltür.
    Übrigens zeigt gerade dieses Beispiel, warum der Historismus schon von den Zeitgenossen kritisiert wurde. Man sieht hier deutlich die additive rein dekorative Verwendung der Stuckteile, ohne Beachtung der klassischen Tektonik.
    Den Stropor-Stuck-Teilen fehlt fast immer die Tiefe der Details und diese sind niemals so wuchtig (weil das gerade im Außenbereich einfach nicht dauerhaft hält).

  • Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um einen NS-Bau handelt oder ob die Reliefs "Helden der Arbeit" aus der DDR-Zeit zeigen.



    Das Gebäude wurde Ende der 30er Jahre als Filiale der Thüringischen Staatsbank erbaut. Die Reliefs stammen von Erich Windbichler, der auch das St.-Georgs-Denkmal und die in der Galerie gezeigte Kratzputzarbeit in der Karlstraße schuf.

  • #43 und die Antwort #51


    Das ist schon echter Stuck, allerdings stark restauriert. Solche Eingangssituationen gab es in Nord-/Mitteldeutschland bei kleinen Häusern recht häufig: in der Mitte der Hauseingang mit Treppenhauszugang, rechts und links Türen zu zwei sehr kleinen Länden. Heute ist das natürlich alles zu einer großen Ladenfläche umgebaut. Häufig haben bei solchen Nischen-Situationen die oberen Bereiche die 1930er bis 1980er Jahre unter Verkleidungen und Abhangdecken überlebt. Der untere Bereich von 2,80 m Höhe war meist zerstört und ist (so wohl auch in diesem Fall) rekonstruiert. Ebenfalls rekonstruiert erscheint der Schlußstein der Mitteltür.
    Übrigens zeigt gerade dieses Beispiel, warum der Historismus schon von den Zeitgenossen kritisiert wurde. Man sieht hier deutlich die additive rein dekorative Verwendung der Stuckteile, ohne Beachtung der klassischen Tektonik.
    Den Stropor-Stuck-Teilen fehlt fast immer die Tiefe der Details und diese sind niemals so wuchtig (weil das gerade im Außenbereich einfach nicht dauerhaft hält).


    Also was denn nu? Echt oder unecht ??? huh:)

  • Wenn ich das nächste mal in Eisenach bin klopfe ich mal. Die Vermutung von Kapitell erscheint mir aber wahrscheinlich, weil ich mir auch nicht wirklich vorstellen kann, dass man dort soviel Aufwand in die Gestaltung des Eingangs steckt, wo es doch den meisten Kunden egal ist wie der Eingang des Ladens aussieht.


    Hier ein Ladeneinbau aus Bad Salzungen: Michaelisstraße 22. Die Schaufenster könnten mit etwas mehr Liebe zum Detail viel schöner aussehen, das Haus ist sowieso viel zu stark renoviert bzw. sieht fast wie ein Neubau aus.




    Das ganze Umgebung ist durch Neubauten aus den 90er Jahren geprägt, weil die Bebauung dort am Rand der Altstadt wirklich extrem heruntergekommen war bzw. schon zu DDR-Zeiten abgerissen wurde.


  • Erst noch eilig zum einigermaßen eifrig diskutierten Eisenacher Einkaufszentrums-Eingang: In Anbetracht der Tatsache, dass das Gebäude historisch ist, erscheint es mir einigermaßen plausibel, dass die Stuckkonsolen und die Rahmungen der seitlichen Eingänge im Kern noch historisch sind, sicherlich wurden sie aber stark erneuert. Der mittlere Bogen ist aber sicherlich unhistorisch und tut weh im Auge. Und noch schlimmer sind die Deckenlampen, diese stören mich am Meisten. Ich bin kein großer Fan des Eingangsbereiches, aber sollte man diese Fehler ausbessern, stell ich mir das Ganze einigermaßen schön vor.

    Quote

    Die Vermutung von Kapitell erscheint mir aber wahrscheinlich, weil ich mir auch nicht wirklich vorstellen kann, dass man dort soviel Aufwand in die Gestaltung des Eingangs steckt, wo es doch den meisten Kunden egal ist wie der Eingang des Ladens aussieht.


    Tja, das stimmt. Ein weiteres Indiz für eine Entstehung in der Vormüllerzeit ist die Initiale "S" an den Schlusssteinen der seitlichen Eingänge. Die (zer)störenden Elemente dürften aber erst beim Einbau des temporären Marktes dazugekommen sein.


    Zum Bad Salzungener Ladeneinbau: Bei diesem kann ich die Kritik aber kaum verstehen. Perfekt ist er nicht, er gefällt mir aber doch recht gut. In das Gebäude mag er aber gar nicht passen! Da wäre fast eine Versetzung sinnvoll, denn in diesem sterilen Kasten von einem Haus stört er eher. Obwohl er gerade dadurch sehr auffällig ist und womöglich einige Passanten anlockt, die sonst vorbeigegangen wären...

  • In Weimar habe ich noch einige schöne Ladeneinbauten bzw. Schaufenster gefunden.


    Vorwerksgasse Ecke Marstallstraße


    Vorwerksgasse 9


    Windischenstraße 5


    Kaufstraße 16


    Schützengasse 5

  • Ein schönes Beispiel für einen Ladeneinbau aus Freiburg/Breisgau: Die prachtvollen Portale (bez. 1503) wurden als Schaufenster benutzt und nicht beschädigt oder verändert.



    Ich bin allerdings nicht sicher ob es sich um einen Neubau handelt, bei dem bloß das alte Portal vorbildlich integriert wurde oder ob das Gebäude einen historischen Kern hat (was ich aufgrund v. a. der Geschosshöhen bezweifle)

  • Es handelt sich um das ehem. Collegium sapientiae in der Herrenstraße. Daher auch der Spruch "Der Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Herrn." Wikipedia schreibt zu dem Haus: "Im Zweiten Weltkrieg wurde es vollständig zerstört. Heute sind an einem danach entstandenen Neubau wenige spätgotische Fassadenreste zu sehen: Eine kielbogige Tordurchfahrt (heute Schaufenster) und das Gewände einer kleinen Tür."