Ladeneinbauten in historischen Gebäuden (Galerie)

  • @Volker


    Nur ein schwacher Trost, aber meine Großmutter meinte immer, dass die allervornehmste Einkaufsstraße die Prager Straße in Dresden war. Wien hat einfach nur wahnsinnig viel Glück gehabt aufgrund ihrer strategischer Lage. Beinahe wäre auch diese Märchenstadt ausgelöscht worden. Aber auch wir in Wien haben die prächtigsten Kaufhäuser teilweise im Krieg und teilweise kurz danach verloren - Haashaus, Herzmansky und Gerngroß...vielleicht finde ich hierzu auch noch etwas.


    @Palantir


    Danke für die Nachforschung! Sehr interessant und leider sehr traurig. Die Glasscheibe im Wiener Geschäft kenne ich noch nicht. Werde mir morgen ein Paar Socken dort kaufen ;-)

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)


  • Braun & Co am Graben in Wien - ihr wollt lieber nicht wissen, wer heute dort drinnen sitzt..., nachdem Braun & Co sein Geschäft 2004 zusperrte, aber das wertvolle Mobiliar wurde denkmalgeschützt:

    Ja, da ist mir letztes Jahr bei meinem allerersten Besuch in Wien auch die Klappe runtergefallen. "Nee, jetzt guck mal", sagte ich verdattert zu meiner Liebsten, "wie hier selbst der H&M aussieht!" eye:) Gleich rein, nix gekauft - aber das musste ich von innen sehen, um es zu glauben. biggrin:)


    (Im übrigen: Tolle Stadt, ich war begeistert, aber das wird niemanden groß wundern... )

  • Hier hätte ich noch ein Beispiel aus Neuburg an der Donau (Amalienstraße, die Hofkirche spiegelt sich in der Scheibe):



    Vom kompletten Gebäude habe ich leider keine Aufnahme, die müßte ich nachreichen. Aufnahme wie immer von mir (April 2012).

  • Amalienstraße 58. Ich habe nur eine Aufnahme, auf der die östlichen zwei Drittel vom Gebäude droben sind.

  • Ich hätte da zwei Beispiele aus Weilburg: Das erste ist nur für Hartgesottene und das zweite ist nichts für schwache Nerven...




    Verschandelung & Geschmacklosigkeit, aber wenn man bedenkt, wie viele ungezählte Fachwerkhäuser hierzulande in den letzten Jahrzehnten abgerissen wurden und noch werden, dann ist so etwas doch immerhin behebbar.

  • Das ist schon immer eine Krankheit der Deutschen gewesen sich den Zeitgeist zum Gemahl zu nehmen. Diese Ehen haben nie lange gehalten; die Hinterlassenschaften haben aber leider einen etwas längeren Bestand. All diese zahllosen "modernen" Ein- Um- An- Aus- Vor- undsoweiter -bauten hat man den Leuten für teuer Geld aufgeschwätzt und sie dabei glauben lassen, daß sie dabei auf der Höhe der Zeit stünden. Die Verwahrlosung unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten spiegelt sich in den beiden gezeigten Ladeneinbauten wider; währenddessen die Obergeschosse für eine Kontinuität des Strebens an Ästhetik und Schönheit stehen, welches uns völlig abhandengekommen ist. Weilburg ist eine ungemein schöne Stadt, welche zur Besichtigung dringend empfohlen werden kann - wenn aber das Stadtbild durch solch grauenhaften "Modernisierungsmaßnahmen" entstellt wird, nimmt es nicht Wunder, daß man geneigt ist, sich angewidert abzuwenden. Dies gilt übrigens nicht nur für Weilburg.

  • Das schlimme ist: Es wird nicht besser - sondern noch schlechter. Ich habe gerade festgestellt, dass ich das letztere Haus zwei Jahre vorher (2010) schon einmal mit dem Handy aufgenommen hatte. Und man vergleiche mal die Fenster. :kopfschuetteln:


  • arghhh..wie mich soetwas wieder aufregt zu sehen, ich dachte wir hätten die Zeiten überwunden, wo man Gebäude so plump entstellt, was kommt als nächstes, ne plastik oder asbest verkleidung über das fachwerk, um "moderner" zu wirken?! das is ja ne glatte zeitreise in die 60er wenn ich mir so diese Fensteramputation anschaue...

  • Diese Verkachelungen, meist im künstlichen Patina-Look, findet man ja noch massenhaft im ländlichen Raum. Modernisierungsgier, Verlust an Tradition und ästhetischer Bildung sowie temporär zuviel Geld schaffen solche Stilkreationen. Irgendwann ist kein Geld mehr da, weitere Modernisierungen unterbleiben und langsam vergammelt alles in dem entstellten Zustand. Bis einer auf die Idee kommt, dass das ja nun ein "Schandfleck" ist und für was Modernes abgerissen werden sollte.


    Wetten, was übrigens als nächstes mit dem gezeigten Haus passieren könnte? Genau, es wird klimafreundlich und energiesparend mit Wärmedämmplatten eingerüstet... :wink::lachen:

  • Hier hätte ich noch einige weitere Beispiele für Ladeneinbauten aus Neuburg an der Donau.


    Zuerst als Nachtrag weitere Ansichten zu meinem Foto von letzter Woche in der Oberen Stadt (=Altstadt):




    Dann noch weitere Beispiele ebenfalls in der Amalienstraße:





  • Und hier noch eine Reihe von Beispielen aus der Unteren Stadt (siehe auch den Neuburg-Artikel in der Wikipedia).


    Gründerzeitliche Apotheke an der Luitpoldstraße:



    In der Rosenstraße (Fußgängerzone):









    Und ein eher unschönes Beispiel an einem der ältesten Häuser der Unteren Stadt:



  • Maison Blavand wirkt ansehenswert, edel gediegen, geradezu "führnehm". Alles andere was dann noch gezeigt wird : IGITT, IGITT !

  • Prechter und Schloßapotheke finde ich eigentlich auch sehr gelungen - das Haarstudio in einem der ältesten Gebäude Neuburgs ist natürlich grob deplatziert, wie auch das Gebäude optisch auf Neubau getrimmt wurde.

  • Diese Erdgeschosszone konnte ich nicht lange genug begutachten, ich vermute jedoch, dass sie neueren Datums ist und den Vorgänger nachahmt!
    Falls ja, zeugt dies von einem guten Willen!



    Noch drei weitere Beispiele. Alle befinden sich unmittelbar in der Nähe des Marktes und sind Originale aus dem 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert:




  • Leider ist der GUTE WILLE in deutschen Landen insgesamt etwas spärlich vertreten. Die aus Marburg vorgestellten Beispiele sind m. E. allesamt sehr ansehnlich.

  • Sehr schöne, wirklich gefällige Beispiele! Da geht man gerne bummeln.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ein schon eher bizarr zu nennendes Beispiel aus dem westfälischen Herne:



    Bildquelle: Wikipedia, Benutzer: "Mbdortmund"

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Aaah, gruselig! Das ist ja wie aus einem schlechten Horrorfilm! So surreal hässlich, und doch scheinbar wahrhaftig existent.